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Alexander Kreuter

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Alexander Kreuter (*29. November1886 inSpeyer; †27. September1977) war ein deutscher Wirtschaftsjurist.

Wirken

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Kreuter studierte nach demAbitur amMaximiliansgymnasium in München ab 1906Rechts- undStaatswissenschaft an derUniversität München und wurde 1909 beiWalther Lotz zumDr. oec. publ.promoviert. Als junger Assessor im Reichsdienst war Kreuter imErsten Weltkrieg Zivilkommissar der ProvinzLöwen im besetzten Belgien. 1918 war er Referent derWaffenstillstandskommission und der Delegation für denFriedensvertrag von Versailles für Wirtschaft- und Finanzangelegenheiten. Als Referent für Wirtschaftsbeziehungen arbeitete er imReichswirtschaftsministerium und erhielt 1919 als einer der letzten den TitelWirklicher Geheimer Rat und Vortragender Rat.

Er war 1919 Kommissar für Rohstoffe und Fabrikate des „Diktatorischen Wirtschaftsausschusses“. 1922 wurde er Mitglied desVorläufigen Reichswirtschaftsrates. Er handelte mit der niederländischen Regierung das deutsch-niederländische Finanzabkommen vom 11. Mai 1920 aus. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst gründete er dieTreuhandverwaltung für das Deutsch-Niederländische Finanzabkommen GmbH („Tredefina“), die er über fünfzig Jahre lang leitete. Für seine Verdienste als Leiter der Tredefina wurde er von derniederländischen Regierung zum Kommandeur desOrdens von Oranien-Nassau ernannt.

Kreuter war ein umtriebiger Mann. Er war gleichzeitig auch Berliner Repräsentant der New YorkerInvestmentbank Dillon, Read & Co. und viele Jahre lang persönlich haftender Gesellschafter der „Deutschen Kreditsicherungs-KG in Berlin, später Düsseldorf, die mit einem 10-Million-Dollar-Kredit von Dillon, Read & Co. in den 1920er Jahren gegründet worden war.“

Gedenktafel für Alexander Kreuter inWaidring, Tirol

1938 stiftete Kreuter fünf Kirchenglocken für diePfarrkirche Waidring in Tirol, wo er üblicherweise seine Sommerurlaube verbrachte. ImZweiten Weltkrieg ging Kreuter, inzwischen Mitglied derAllgemeinen SS, bald nach der Kapitulation Frankreichs im Dienst des vonWalter Schellenberg geleiteten Auslandsnachrichtendienstes im Amt VI desReichssicherheitshauptamts (RSHA) der SS nach Paris.[1]

Er leitete dort u. a. die „Société de Crédits et d’Investissements“ (SCI), die„arisierte“ vormalige „Société Financière pour l’Étranger“ (SFE), die mittels einer mehrheitlich von der Tredefina und zum kleineren Teil von derBarclays Bank finanziertenKapitalerhöhung im Juli 1942 in „Société de Crédits et d’Investissements“ umbenannt und fortan von der Tredefina kontrolliert wurde. Die von Barclays beigesteuerten Gelder, 200 Millionen Franc überwiesen am 3. Juli 1942, stammten aus dem Vermögen ausländischer Juden und wurden auf Anordnung der deutschenMilitärverwaltung in Frankreich von den deutschen Zwangsverwaltern dieser Firmen an die französische Tochter von Barclays überwiesen. Von dort fanden die Gelder ihren Weg über die Treuverkehr Deutsche Treuhand AG in Paris undSeligman Frères & Cie. an Kreuters SCI. Die SCI erwarb mit Geldern der Tredefina „arisierte“ Anteile an französischen Firmen,[2] u. a. die Société des Schistes Bitumineux d’Autun, die dieÖlschiefer beiAutun ausbeutete, und die WarenhausketteGaleries Lafayette.

Ebenso war er Leiter der deutschen Tochter der eng mit derVichy-Regierung verbundenen BankWorms et Cie.

Ehemalige Totenkapelle in Waidring, letzte Ruhestätte von Alexander Kreuter

Nachdem vier der 1938 gestifteten Kirchenglocken im Zweiten Weltkriegeingeschmolzen wurden, spendete Kreuter 1958 erneut vier Kirchenglocken. Kreuter wurde nach seinem Tod in der ehemaligen Totenkapelle in Waidring beigesetzt.

Ehrungen

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DerBayerische Verdienstorden wurde ihm am 15. Dezember 1959 verliehen. Im Februar 1967 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern desVerdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste um dasKunsthistorische Institut in Florenz; seit 1960 war er Schatzmeister desVereins zur Förderung des Kunsthistorischen Institutes in Florenz gewesen. 1967 wurde er Ehrenmitglied derBayerischen Akademie der Schönen Künste.

Familie

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Er war verheiratet mit der KunsthistorikerinHelga Kreuter-Eggemann, die er im besetzten Frankreich kennenlernte, als sie 1941 bis 1944 für denEinsatzstab Reichsleiter Rosenberg beimKunstraub in Frankreich tätig war.[3]

Veröffentlichungen

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  • Zur Preisbildung in der Linienreederei. Ein Beitrag zur Morphologie des Seefrachtenmarktes. München 1909 (Dissertation)

Literatur

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  • James Stewart Martin:All Honorable Men. Little, Brown, Boston 1950, S. 205–208Volltext (PDF; 4,6 MB)
  • Annie Lacroix-Riz:Industriels et banquiers français sous l'Occupation (Neue, überarbeitete Ausgabe), Arman Colin, Paris, 2013,ISBN 978-2-200-28891-4
  • Burkhardt Göres:Kunstwerke für das Schloß. Eine Schenkung zum Gedächtnis an Geheimrat Dr. Alexander Kreuter. In:Museumsjournal 14, 1 (2000) 43–45 mit Bild
  • Christina Giannini:I giorni dell’alluvione al Kunsthistorisches Institut dalla corrispondenza di Alexander Kreuter e Hans Martin von Erffa. In:Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz 54, 1 (2010/12), S. 196–206

Weblinks

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Fußnoten

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  1. F. Calvi et M.-J. Masurovsky:Le Festin du Reich. Le pillage de la France occupée. Fayard, Paris, 2006, S. 390–394.
  2. John Gillingham:Zur Vorgeschichte der Montan-Union: Westeuropas Kohle und Stahl in Depression und Krieg. In:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 34, Heft 3, Institut für Zeitgeschichte, München & Berlin, 1986, S. 399–400
  3. Office of Strategic Services, Art Looting Investigation Unit:Consolidated Interrogation Report No. 1, 15 August 1945, Activity of the Einsatzstab Rosenberg in France, S. 52 (PDF; 376 kB)
Personendaten
NAMEKreuter, Alexander
KURZBESCHREIBUNGdeutscher Wirtschaftsjurist
GEBURTSDATUM29. November 1886
GEBURTSORTSpeyer
STERBEDATUM27. September 1977
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