Aleppo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterAleppo (Begriffsklärung) aufgeführt.
حلب /Ḥalab
Aleppo
Aleppo (Syrien)
Aleppo (Syrien)
Koordinaten36° 12′ N,37° 9′ O36.237.15Koordinaten:36° 12′ N,37° 9′ O
Basisdaten
StaatSyrien
GouvernementAleppo
ISO 3166-2SY-HL
Höhe390 m
Einwohner2.318.000(2024[1])
Politik
GouverneurAzzam al-Gharib
Blick auf Aleppo von der Zitadelle aus (2009).
Blick auf Aleppo von derZitadelle aus (2009).
Blick auf Aleppo von derZitadelle aus (2009).

Aleppo (arabisch حلب,DMGḤalab [ˈħalab];französischAlep;kurmandschiHeleb;türkischHalep;armenischՀալէպ;syrischܚܠܒHalab; gelegentlich auchHaleb; in der Antike zeitweiseBeroia) ist eine Stadt im NordenSyriens. Sie ist die Hauptstadt des gleichnamigenGouvernements Aleppo. Im Jahr 2006 erhielt Aleppo nachMekka als erster Ort die BezeichnungHauptstadt der Islamischen Kultur. Aleppo gilt als das Wirtschaftszentrum Syriens.[2]

Die Stadt hatte 2008 knapp 1,7 Millionen Einwohner in den Stadtgrenzen und 2010 rund 2,5 Millionen Einwohner mit Vororten. Sie war damit nachDamaskus die zweitgrößte Stadt Syriens. Außerdem ist Aleppo eine der ältesten Städte in der Region und nimmt einen strategischen Punkt zwischen demMittelmeer und demEuphrat ein. Ursprünglich wurde sie auf einer Hügelgruppe in einer breiten fruchtbaren Senke auf beiden Seiten des FlussesQuwaiq erbaut.

ImBürgerkrieg in Syrien war die Stadt zunächst von Sommer 2012 bis Dezember 2016 umkämpft.[3] Weite Teile der Stadt wurden zerstört und ein großer Teil der Bewohner war geflüchtet.[4][5] Ab dem 22. Dezember 2016 wurde sie von regimetreuen Truppen des DiktatorsBaschar al-Assad kontrolliert.[3] Laut derUN und derInternationalen Organisation für Migration (IOM) war bis Juli 2017 der Großteil der Einwohner wieder zurückgekehrt.[4][5] Ende November, Anfang Dezember 2024 eroberten Rebellen derHaiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) und kurdische Milizen derDemokratischen Kräfte Syriens die Stadt.[6][7]

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung und Religion

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Die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung in Aleppo bildet diearabische Bevölkerung. Daneben gibt esKurden,[8]Turkmenen sowie andere kleinere muslimische Volksgruppen.

Etwa 15 bis 20 % der Einwohner sindChristen, überwiegendAssyrer undArmenier. Sie gehören derSyrisch-Orthodoxen und derArmenisch-Orthodoxen Kirche an. Daneben gibt es auchGriechisch-Orthodoxe Gläubige. Ein großer Teil der Christen lebt im Stadtviertelal-Dschudaide unmittelbar nördlich derAltstadt von Aleppo. Ein weiterer christlich geprägter, jüngerer Stadtteil ist Sulaymaniyah.

Name

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Aleppo inHieroglyphen
Aa1
D21
Z3D58G29N25

Chalba
ẖrb3
Aleppo

Ortsbezeichnung

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Derakkadische Name der Stadt warHalab bzw.Halap (auchHallaba,Halba,Halbi,Halpa geschrieben), derhethitischeḪalpa. In denägyptischen Quellen heißt die StadtChalba, inugaritischen undaramäischenḤlb. Seitseleukidischer Zeit hieß sieBeroia (Βέροια, im Deutschen auch alsBeröa bekannt); auch unterrömischer Herrschaft war der Ort alsBeroea bekannt.[9]

Mit derarabischen Eroberung 637 erhielt die Stadt wieder ihren alten NamenHalab.[9] Seit der osmanischen Eroberung wurde die türkische NamensformtürkischHaleb odertürkischHalep bekannter. Der heute international übliche NameAleppo ergab sich als deren italienische Version.

Die arabische NamensformHalab lässt sich (eventuell volksetymologisch) alsVergangenheitsform von „melken“ deuten. Eine Legende verbindet den Namen mitAbraham, der an diesem Ort seine Kuhasch-Schahba gemolken und die Milch an die Armen verteilt haben soll. Wenn die armen Menschen sich trafen, fragten sie sich „Halab Abraham?“, was so viel wie „Hat Abraham gemolken?“ bedeutet. In der syrisch-arabischen Sprache wird die Stadt auchHalab asch-Schahba genannt.

Personennamen

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Ḫalpa kann auch ein Namensbestandteil sein, wie beim Oberschreiber Ḫalpamuwa inḪattuša[10] und der Obermundschenk Ḫalpaziti (mḪal-pa-zi-ti)[11] unterArnuwanda,[12] vermutlich ist dies eine Herkunftsbezeichnung. Auch ausNuzi sind Personennamen mit dem Element Ḫalpa belegt.[13] AusAlalaḫ ist ein Siegelabdruck eines gewissen Ḫalpa-nubar[14] bekannt.

Geschichte

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Die Altstadt Aleppos mit derZitadelle in der Mitte auf einer osmanischen Miniatur Mitte des 16. Jahrhunderts.

Altertum

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Bronzemünze aus Beroea, Kopf des Trajan
Rückseite der Bronzemünze aus Beroea mit Stadtnamen

Am Ende des 19. Jahrhunderts v. Chr. (gemäß derMittleren Chronologie) taucht Aleppo erstmals in den Quellen auf. Zu dieser Zeit war es die Hauptstadt des StaatesJamchad, der von hier an bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. Nordsyrien dominierte. Zu seinem Einflussbereich gehörten unter anderemKarkemiš am Euphrat undAlalach beiAntakya. Der Einfluss der Jamchad-KönigeJarim Lim I. undHammurapi I., die von den 80er bis in die 50er Jahre des 18. Jahrhunderts regierten, reichte bis in dastranstigridische Gebiet vonDer, und ein Bündnis mitHammurapi vonBabylon ist belegt. Schon in dieser Zeit war Aleppo ein Zentrum der Verehrung desWettergottes Hadad.

Die Stadt wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts von dem HethiterkönigMuršili I. eingenommen. Ihre Geschichte nach dem Untergang desAlthethitischen Reiches ist unklar.Mittani unterwarf Aleppo spätestens am Anfang des 15. Jahrhunderts. Der HethiterkönigTudḫaliya I. scheint einen Feldzug gegen Aleppo unternommen und die Stadt kurzzeitig kontrolliert zu haben. Jedoch wurde die Stadt erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unterŠuppiluliuma I. wieder Teil des hethitischen Reiches, als König wurdeTelipinu eingesetzt. Dieser wird auf einer Bauinschriftspolie, die in die Südmauer derAl-Qaiqan-Moschee im Al-Aqaba-Viertel eingemauert ist, erwähnt.[15] Aleppo war jetzt die Hauptstadt der hethitischen Provinz Ḫalpa. Nach dem Fall des Hethitischen Großreiches um 1200 wurde Aleppo Sitz einesspäthethitischen Kleinfürstentums. Darauf verweisen beispielsweise in derZitadelle von Aleppo ausgegrabeneOrthostaten (die derzeit leider noch nicht öffentlich zu besichtigen sind).

Später wurde Aleppo Hauptstadt des aramäischen Königreiches vonBit Agusi, das außerdem auchArpad (Tell Rifa’at) umfasste.Salmānu-ašarēd III. (858–824 v. Chr.) konnte die Stadt dem assyrischen Reich eingliedern und erreichte, wie bereits sein VorgängerAdad-nirari II. (911–891), das Mittelmeer. Ab 610 folgte eine Periode derPersischen Herrschaft. Da aus der Zeit der assyrischen und persischen Herrschaft keine Überlieferungen zu Aleppo existieren, wird vermutet, dass die Siedlung, vielleicht beim Fall des hethitischen Reiches, relativ stark zerstört wurde und erst durch die Eroberungen vonAlexander und die Bildung des seleukidischen Reiches wieder restauriert wurde.[16] Alexander besetzte Aleppo 333 v. Chr. undSeleukos I. Nikator errichtete dort um 301–281 einemakedonische Kolonie, dieBeroia benannt wurde. Diese befestigte Kolonie mit quadratischem Grundriss erhielt unter anderem rechtwinklig angelegte Straßen und prägte in ihrer Grundform das Stadtbild Aleppos auch für spätere Zeiten. Hadad wurde alsZeus weiter verehrt. Im Jahr 100 v. Chr. wurde Syrien vom armenischen Reich und im Jahr 64 v. Chr. von denRömern erobert.

Mittelalter

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Die maronitischeSankt-Elias-Kathedrale von Aleppo

Die Stadt wurde unter ihrem alten Namen Teil desByzantinischen Reiches, 540 wurde sie durch densassanidischen KönigChosrau I. erobert und geplündert und Teile der Bevölkerung verschleppt. Die Zerstörungen wurden durchJustinian I. beseitigt, bevor die Stadt 637 nach mehrmonatiger Belagerung den Arabern in die Hände fiel. Unter denHamdaniden (944–1003) erreichte Aleppo eine gewisse Unabhängigkeit. Der wichtigste hamdanidische Herrscher warSaif ad-Daula (944–67). 962 wurde die Stadt durch den byzantinischen KaiserNikephoros Phokas zurückerobert und systematisch geplündert. Sie blieb bis 976/77 byzantinisch und war danach bis zum Einfall der Seldschuken byzantinischer Vasall. Ab 1025 wurde die Stadt von den arabischenMirdasiden beherrscht, bis sie 1070 durch dieSeldschuken eingenommen wurde.

Die Stadt wurde 1098 und 1124/25 von Kreuzfahrern belagert, aber nicht erobert. Unter'Imad ad-Din Zengi (1127/28–46), einemTurkmenen ausMossul, wurde Aleppo zum Zentrum des Widerstands gegen dieKreuzfahrerstaaten. Sein SohnNur ad-Din (1146–1174) stellte die durch das verheerendeErdbeben beschädigten Stadtbefestigungen wieder her, unter seiner Herrschaft wurden außerdem zahlreiche wichtige Gebäude errichtet. Nach dem Tod Nur ad-Dins fiel Aleppo an denAyyubiden-SultanSaladin. Die Dynastie der Ayyubiden beherrschte die Stadt von 1183 bis 1260.Az-Zahir Ghazi (1186/93–1216), der Sohn Saladins, erneuerte die Befestigung der Zitadelle.

Aleppo blieb in ayyubidischen Händen, bis es, wie weite Teile Nordsyriens, 1260 von denMongolen unterHülegü erobert und verwüstet wurde. 1260 bis 1516 war die Stadt Teil desMamluken-Reiches. Die Zitadelle wurde 1292 wieder aufgebaut, aber um 1400 durchTimur erneut zerstört.

Neuzeit

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Stadtplan von Aleppo aus dem Jahr 1912, gefertigt in Leipzig von Wagner & Debes
Suq von Aleppo, 2010
Zerstörter Straßenzug im Dezember 2016 mit russischen Soldaten
Nach dem Ende der Kämpfe im Dezember 2016 gab es die erste Weihnachtsfeier in Aleppo seit Beginn des Bürgerkriegs

In der Nähe von Aleppo fand 1516 dieSchlacht von Mardsch Dabiq zwischen demOsmanischen Reich und denMamluken statt. 1517 wurde Aleppo Teil desOsmanischen Reiches. Damals zählte die Stadt etwa 50.000 Einwohner. Sie war Sitz eines Provinzgouverneurs (Beylerbey bzw.Wali). Die Stadt blieb Teil des Osmanischen Reiches bis zu dessen Untergang, aber sie wurde weiter durch interneFehden erschüttert sowie durchPestepidemien und im Anschluss an ein großes Erdbeben von 1822, bei dem in der Region Aleppo undAntakya 20.000 Menschen umkamen, 1823 durch dieCholera heimgesucht. Im November 1850 schlug der ArtillerieoffizierJózef Bem an der Spitze türkischer Truppen einPogrom der muslimischen Bevölkerung gegen die Christen nieder. 1901 lag die Einwohnerzahl von Aleppo um 125.000.

Während des Ersten Weltkrieges war Aleppo ein Zentrum imVölkermord an den Armeniern durch dieJungtürken. Auf Befehl vonTalât Pascha wurden dieArmenier ab dem 27. Mai 1915 zusammengetrieben und auf Todesmärsche über unwegsames Gebirge in Richtung Aleppo geschickt.

Die Stadt blühte kurzfristig wieder auf, als sie nach dem Ende desErsten Weltkrieges unterfranzösische Kolonialherrschaft kam, erlebte jedoch nach der Abtretung desSandschaks Alexandrette mit der HauptstadtAntakya und dem Hafenİskenderun an dieTürkei 1939 wieder einen Niedergang.

Nach 1945

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Im Jahr 1947 kam es zuPogromen gegen die Juden in der Stadt, bei der bis zu 75jüdische Bürgerinnen und Bürger zu Tode kamen, dieZentralsynagoge von Aleppo zerstört sowie derCodex von Aleppo aus dem 9. Jahrhundert zeitweilig verloren ging und bis heute nur in Teilen wieder aufgetaucht ist.

Die Stadt wurde nach demZweiten Weltkrieg im Wesentlichen neu entworfen, weshalb Altstadt und Neustadt sich deutlich unterscheiden:Aleppos Altstadt (Medina) befand sich innerhalb einer fünf Kilometer langen und siebentorigen Stadtmauer und hat eine Ausdehnung von ca. 350 ha. 1952 schuf der französische ArchitektAndre Gutton zahlreiche neue breite Straßen im Interesse moderner Verkehrsführung. In den 1970ern wurden große Teile der Altstadt zugunsten moderner Wohnblöcke abgerissen, die Altstadt verkam mehr und mehr. Nach der Volkszählung von 2004 leben 118.000 Menschen in der Altstadt.

Weltkulturerbe

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1986 erklärte dieUNESCOAleppos Altstadt zumWeltkulturerbe. Seit 1993 wurde sie in Zusammenarbeit mit derGTZ und mit Unterstützung vomAga-Khan-Trust for Culture und dem Arab Fund for social and economic development renoviert (10 Millionen Euro aus dem deutsch-syrischen Schuldenerlassabkommen). 2004 erhielt das Projekt einen Städtebaupreis derHarvard School of Design. Seit 2013 ist die Stadt – genauso wie alle UNESCO-Welterbestätten in Syrien aufgrund des Bürgerkriegs – auf derListe des gefährdeten Welterbes.

Bürgerkrieg

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Hauptartikel:Syrischer Bürgerkrieg

Im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien kam es im Juli 2012 in Aleppo zu heftigen Kämpfen. Bei diesen Kämpfen wurden Raketenwerfer, Panzer, Hubschrauber und Kampfflugzeuge eingesetzt.[17] In der Nacht vom 28. auf den 29. September 2012 wurde der historische Basar durch ein Großfeuer weitgehend zerstört. Dieser Basar ist das weltgrößte überdachte alte Marktviertel und Teil des UNESCO-Welterbes. Das Großfeuer wurde offenbar durch Kampfhandlungen entfacht.[18][19] Eine Panzergranate beschädigte das Minarett der 700 Jahre alten Mahmandar-Moschee schwer.[20] Die fast 500 Jahre alteChusrawiyya-Moschee wurde 2014 zerstört.

Massiverussische Luftangriffe auf Aleppo im Februar 2016 lösten eine Flüchtlingswelle in die Türkei aus. Am 27. Juli 2016 gelang esregierungstreuen Truppen nach eigenen Angaben, den Belagerungsring um die Stadtviertel zu schließen, die noch von Rebellengruppen gehalten wurden.[21] Etwa 300.000 Menschen waren nach Schätzungen der Vereinten Nationen vom 31. Juli 2016 in Stadtgebieten von Aleppo eingeschlossen, die unter der Kontrolle teils gemäßigter und teils islamistischer Rebellengruppen standen.[22] Ein Angebot der Regierung und ihrer russischen Verbündeten, den belagerten Teil der Stadt unterfreiem Geleit zu verlassen, wurde zunächst nur von wenigen Menschen in Anspruch genommen.[23] Zwischenzeitlich durchbrachen Rebellen nach drei Wochen anhaltender Kämpfe die Belagerung mit Verstärkungen aus Süd-Westen kommend am 6. August.[24] Der Belagerungsring wurde Anfang September von Regierungstruppen wieder geschlossen.[25] Am 22. Dezember gab die syrische Regierung den Sieg über die Aufständischen in der Stadt und die vollständige Besetzung aller Ortsteile bekannt. Insgesamt 34.000 Aufständische und Angehörige waren in den Tagen zuvor nach einer Vereinbarung aus den Rebellengebieten von Aleppo in Bussen evakuiert worden.[26] Im Dezember 2016 veröffentlichteUNOSAT eine auf der Auswertung von Satellitenbildern vom September 2016 beruhende Einschätzung des Ausmaßes der Zerstörung in Aleppo. Diese Analyse geht von mehr als 33.000 beschädigten Gebäuden Aleppos aus. Die Analyse zeigt, dass etwa zwei Drittel der beschädigten und zerstörten Gebäude im Osten der Stadt liegen.[27]

Ende November, Anfang Dezember 2024 wurde die Stadt von Rebellen derHaiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) und kurdischen Milizen derDemokratischen Kräfte Syriens erobert.[6][7]

Wirtschaft

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Die Stadt war historisch vor allem als Handelsplatz bedeutend. Sie lag am Kreuzungspunkt zweier Handelsstraßen und vermittelte den Handel vonIndien, derEuphrat- und Tigrisregion mitDamaskus im Süden, der dem Fuß des Gebirges statt der unwegsamen Seeküste folgte. Seit dem frühen Mittelalter wird in Aleppo die nicht nur im Orient geschätzte und bekannte handgeschöpfte „Aleppo-Seife“ auf Basis vonOlivenöl hergestellt. Die Seifenfabriken (Sgl.maṣbana) lagen um das Bab Qinnasrin im Südwesten der Altstadt, wo ein Teil sich noch heute befindet. Andere Betriebe zogen in die Straßen am Bab an-Nasr im Norden der Zitadelle. Aufgrund des großen Platzbedarfs haben sich einige Seifenfabriken in ehemaligenHanen eingerichtet. Hane sind Unterkünfte und Verkaufsplätze für Händler, die es innerhalb der Altstadt seit Anfang des 16. Jahrhunderts gab.[28] Heute gibt es in Aleppo noch etwa 60 kleinere Seifensiedereien, welche meist Familienbetriebe sind und oft schon seit vielen Jahrhunderten bestehen.

Im Mittelalter machten besonders die Zengiden und dieAyyubiden (1128–1260) die Stadt zu einem Zentrum des Fernhandels. Die Ayyubiden schlossen 1207/1208, 1225, 1229 und 1254/1255 Handelsverträge mitVenedig ab. In osmanischer Zeit gab es Handelsniederlassungen und Faktoreien nicht nur von Venedig, sondern auch von französischen (1535), englischen (1580) und niederländischen (1612) Kaufleuten. Obgleich der Handel häufig aus politischen Gründen aus der Stadt verbannt wurde, wuchs er stetig, bis die Europäer den Seeweg nach Indien um dasKap der Guten Hoffnung und den Weg nachÄgypten über dasRote Meer einschlugen. Damit begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt; ihre Hauptexportgüter sind jetzt Agrarerzeugnisse der Region, hauptsächlichWeizen undBaumwolle,Pistazien,Schafe undOliven.

Verkehr

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1906 erhielt Aleppo durch dieHedschasbahn einen Bahnanschluss nach Damaskus, 1912 über dieBagdadbahn nachIstanbul und nachBagdad. Des Weiteren ist die Stadt mit demInternationalen Flughafen Aleppo an den Flugverkehr angeschlossen.

Bildung

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1958 wurde die staatlicheUniversität Aleppo gegründet, an der vor dem Bürgerkrieg über 60.000 Studenten eingeschrieben waren. Eine jüdische Studienhalle (Beth Midrasch) hatte dieZentralsynagoge von Aleppo.

Sehenswürdigkeiten

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Portal derZitadelle von Aleppo
Zitadelle 1924, Aufnahme vonWalter Mittelholzer

Diemittelalterliche Zitadelle liegt auf einem teilweise künstlich errichteten Siedlungshügel (Tell) 50 m über der Stadt (36° 11′ 57″ N,37° 9′ 45″ O36.19916666666737.1625). Der gegenwärtige Bau wurde im 13. Jahrhundert nach der Zerstörung eines Vorgängerbaus durchTimur errichtet, aber 1822 durch ein Erdbeben beschädigt. Vorgängerbauten sind bereits ausseleukidischer Zeit bekannt. Im Zentrum der Zitadelle befindet sich der von vielen nachfolgenden Bauten überlagerte Tempel des Wettergottes von Aleppo, dessen Baugeschichte mindestens bis in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zurückreicht. DerHamdanide Saif ad-Daula ließ sie im 10. Jahrhundert ausbauen.

Zitadelle von Aleppo

Die bekannteste Moschee ist die großeUmayyaden-Moschee am nördlichen Rand des überdachtenSuqs. Sie wurde von denUmayyaden begonnen; der erhaltene Bau desZengidenNur ad-Din stammt von 1158, die Rekonstruktion nach demMongolensturm von 1260. Die ursprüngliche Moschee bezog teilweise eine frühbyzantinischeKathedrale aus dem Ende des 5. Jahrhunderts in den Bau mit ein. Diese dürfte selbst auf einem älterenTempel errichtet worden sein. Die Kirche warHelena geweiht, der MutterKonstantins I. Hier lag der Überlieferung nach das Grab des VatersJohannes des Täufers. Westlich angrenzend befindet sich dieMadrasa al-Halawiya, eine von Nur ad-Din im 12. Jahrhundert gegründete islamische Hochschule. Die Holzschnitzereien desMihrābs sind inschriftlich auf 1245 datiert. Ein Werk des osmanischen ArchitektenSinan ist unter anderem dieAdliye-Moschee.

Am historischen StadteingangBab al-Faradsch steht derUhrenturm des französischen Ingenieurs Charles Chartier. Außerdem beherbergt Aleppo dasNationalmuseum mit zahlreichen archäologischen Funden sowie – als traditionelles Handelszentrum – Suqs und Handelshöfe (Hane).

Die armenisch-apostolischeVierzig-Märtyrer-Kathedrale wurde 1429 errichtet, diearmenisch-katholischen KirchenHl. Dreifaltigkeit undHl. Kreuz in den Jahren 1965 und 1993.

Panorama Aleppos, von der Zitadelle aus (2010)

Archäologie

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Von 1996 bis 2005 fanden archäologische Ausgrabungen eines Teams derHochschule für Technik und Wirtschaft Berlin unter der Leitung vonKay Kohlmeyer im Bereich der Zitadelle von Aleppo statt. Ziel der Grabungen war die Freilegung des Tempels des Wettergottes von Aleppo. Dieser war im 2. und frühen 1. Jahrtausend v. Chr. einer der bedeutendsten Götter der Region, der auch imhethitischen Bereich verehrt worden ist. Vom Tempel wurde der Kultraum zum größten Teil freigelegt. Die Sockelzone der Innenwände und der Sockel eines breiten Podestes vor der Kultnische waren mit einem Fries aus Steinreliefs versehen. Hier sind verschiedene Götter und Mischwesen dargestellt. Zwei besonders hervorgehobene Reliefs stellen einen König Taitas (wohl 11. Jahrhundert v. Chr.) und den ihm gegenüber stehenden Wettergott von Aleppo dar.

ZahlreicheSiegel aus der späten altsyrischen Zeit I (um 1800 v. Chr.) lassen vermuten, dass Aleppo Sitz bedeutender Steinschneiderwerkstätten war.

Durch Funde ausGabbul erscheint wahrscheinlich, dass Aleppo in mittelsyrischer Zeit (1600–1200 v. Chr.) Sitz einer Bildhauerschule war. Auf der Zitadelle wurden zwei Löwen aus Basalt gefunden, die vermutlich von einem späthethitischen Tor oder einem Tempel des 10. Jahrhunderts v. Chr. stammen. Auch die Fürstenstatue von ’Ain et-Tell (Arpad) wird um 800 v. Chr. in Aleppo entstanden sein.

Söhne und Töchter der Stadt

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Liste der Herrscher von Aleppo

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  • Wantarassura von Aleppo, gleichzeitig mitSauštatar von Mittani und Niqmepa von Alalach
  • Yarim Lim I.
  • Hammurabi I.

Seldschuken-Dynastie in Aleppo und Damaskus:

Seldschuken-Dynastie in Aleppo:

Ayyubiden-Emire von Aleppo:

Varia

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Die Stadt wurde zum Namensgeber derAleppo-Kiefer (Pinus halepensis), einem aus dem östlichen Mittelmeerraum stammendenNadelbaum. Auch dieAleppobeule, eine Form derLeishmaniose, ist nach der Stadt benannt.[29]

Klimatabelle

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Aleppo
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
60
 
10
2
 
 
52
 
13
2
 
 
46
 
17
5
 
 
34
 
23
9
 
 
18
 
29
14
 
 
2.3
 
34
18
 
 
0.1
 
36
21
 
 
0.3
 
36
21
 
 
2.2
 
33
17
 
 
19
 
27
12
 
 
35
 
17
6
 
 
60
 
12
3
_Temperatur (°C)  _Niederschlag (mm)
Quelle:[30][31]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Aleppo
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Mittl. Tagesmax. (°C)10,312,616,922,628,733,636,236,133,22716,811,923,9
Mittl. Tagesmin. (°C)1,72,45,08,913,518,120,920,917,312,46,43,310,9
Niederschlag (mm)60,352,046,133,617,92,30,10,32,219,235,259,6Σ328,8
Sonnenstunden (h/d)3,95,06,48,110,312,212,511,810,17,96,24,18,2
Regentage (d)1314107410014711Σ72
Luftfeuchtigkeit (%)84796865504242454655668060,1
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
10,3
1,7
12,6
2,4
16,9
5,0
22,6
8,9
28,7
13,5
33,6
18,1
36,2
20,9
36,1
20,9
33,2
17,3
27
12,4
16,8
6,4
11,9
3,3
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Quelle:[30][31]

Literatur

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  • Joan Busquets (Hrsg.):Aleppo: Rehabilitation of the Old City. Harvard University, Graduate School of Design, Cambridge Mass./London 2005,ISBN 978-0-935617-84-9.
  • Jean-Claude David, Thierry Boissière (Hrsg.):Alep et ses territoires. Fabrique et politique d’une ville (1868–2011), Presses de l’Ifpo, Beirut 2014.
  • Dima Dayoub, Ruba Kasmo, Anne Mollenhauer (Hrsg.):A Culture of Building. Courtyard Houses in the Old City of Aleppo. Design (Part 1). Construction (Part 2). Al Ayn, Beirut 2023,ISBN 978-9953-0-5878-8.
  • Mamoun Fansa,Heinz Gaube, Jens Windelberg:Damaskus – Aleppo. 5000 Jahre Stadtentwicklung in Syrien. von Zabern, Mainz 2000,ISBN 3-8053-2694-7.
  • Mamoun Fansa (Hrsg.):Aleppo. Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe. Geschichte, Gegenwart, Perspektiven. Nünnerich-Asmus, Mainz 2013,ISBN 978-3-943904-25-3.
  • Mamoun Fansa (Hrsg.):Die Altstadt von Aleppo im Wandel. Einsichten – Rehabilitation – Wiederaufbau. In Erinnerung an Adli Qudsi. Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Oppenheim am Rhein 2020.
  • Anette Gangler:Ein traditionelles Wohnviertel im Nordosten der Altstadt von Aleppo in Nordsyrien. Wasmuth, Tübingen/Berlin 1993,ISBN 3-8030-0158-7.
  • Anette Gangler, Meinolf Spiekermann:Madīnatī Halab – Mein Aleppo. Medienkombination mit arabischen Texten. Edition Esefeld & Traub, Stuttgart 2011,ISBN 978-3-9809887-6-6. Einschließlich 1 CD.
  • Heinz Gaube,Eugen Wirth:Aleppo. Historische und geographische Beiträge zur baulichen Gestaltung, zur sozialen Organisation und zur wirtschaftlichen Dynamik einer vorderasiatischen Handelsmetropole. Reichert, Wiesbaden 1984,ISBN 3-88226-193-5.
  • Mariam de Ghantuz Cubbe:I Maroniti d’Aleppo nel XVII secolo attraverso i racconti dei missionari europei. Jaca Book, Milano 1996,ISBN 88-16-40412-4.
  • Julia Gonnella, Wahid Khayyata,Kay Kohlmeyer:Die Zitadelle von Aleppo und der Tempel des Wettergottes. Neue Forschungen und Entdeckungen. Rhema, Münster 2005,ISBN 978-3-930454-44-0.
  • Julia Gonnella:The Citadel of Aleppo. In:EJOS. IV (2001),ISSN 0928-6802.
  • Abdallah Hadjar:Historical Monuments of Aleppo. Automobile and Touring Club of Syria, Aleppo 2000.
  • Kay Kohlmeyer:Der Tempel des Wettergottes von Aleppo. Baugeschichte und Bautyp, räumliche Bezüge, Inventar und bildliche Ausstattung. In:Temple Building and Temple Cult: Architecture and Cultic Paraphernalia of Temples in the Levant (2.-1. Mill. B.C.E.). Harrassowitz, Wiesbaden 2012,ISBN 978-3-447-06784-3.
  • M. Soubhi Saouaf:Le Musée d’Alep. Aleppo 1968.
  • Heghnar Zeitlian Watenpaugh:The Image of An Ottoman City. Imperial Architecture and Urban Experience in Aleppo in the 16th and 17th Centuries, Brill, Leiden/Boston 2004.
  • Nora Lafi:I mercanti veneziani ad Aleppo nel Cinquecento: Degli Ottomani come gli altri?, in: Ester Capuzzo, Bruno Crevato-Selvaggi (Hrsg.):Atti del VI convegno internazionale Venezia e il suo Stato da mar / Venice and its Stato da Mar, Venezia / Venice, 22-24 febbraio / February 2018, Bretschneider, Società Dalmata di Storia Patria, Rom 2019, S. 107–120. (online, PDF)

Filme

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Weblinks

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Commons: Aleppo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Aleppo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Aleppo, Syria Metro Area Population 1950–2024. Macrotrends
  2. Eroberung von Aleppo nur Zwischenziel für syrische Rebellen. In: handelsblatt.com. 1. Dezember 2024, abgerufen am 2. Dezember 2024. 
  3. abhttps://web.archive.org/web/20161222194329/http://www.tagesschau.de/ausland/aleppo-705.html
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  6. abEroberung von Aleppo nur Zwischenziel für syrische Rebellen. In: handelsblatt.com. 1. Dezember 2024, abgerufen am 2. Dezember 2024. 
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  13. David I. Owen,Gernot Wilhelm (Hrsg.):General studies and excavations at Nuzi (=Studies on the civilization and culture of Nuzi and the Hurrians. Band 10/2). CDL Press, Bethesda 1998, S. 126.
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  18. Unesco nennt Zerstörung in Aleppo Tragödie. In: Der Spiegel. 30. September 2012, abgerufen am 22. Oktober 2012. 
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  20. Schlachtfeld Kultur: Wie Syriens Weltkulturerbe zerstört wird. In: ttt – titel, thesen, temperamente. 21. Oktober 2012, abgerufen am 22. Oktober 2012. 
  21. Reuters: „Aleppo: Russland will Fluchtkorridore für Zivilisten einrichten“ (Memento vom 28. Juli 2016 imInternet Archive), in:Der Standard, 28. Juli 2016.
  22. Michael Lüders im Gespräch mit Thielko Grieß: „In Aleppo geben Islamisten den Ton an“,Deutschlandfunk, 1. August 2016.
  23. AP: „Syrian Rebels Launch Push Aimed at Breaking Aleppo Siege“ (Memento vom 31. Juli 2016 im Webarchivarchive.today) New York Times vom 31. Juli 2016
  24. Belagerung von Aleppo: Syrische Rebellen verkünden Durchbruch. FAZ.NET, 6. August 2016, abgerufen am 7. August 2016. 
  25. dpa: „Regimetruppen kesseln Rebellen in Aleppo erneut ein“ NZZ vom 4. September 2016
  26. „Syrian army say they have retaken Aleppo“ The Independent vom 22. Dezember 2016
  27. Analyse der Zerstörung in Aleppo. (PDF) UNITAR-UNOSAT, 20. Dezember 2016, abgerufen am 22. Januar 2017 (englisch). 
  28. Gaube/Wirth 1984, S. 152 f.
  29. Aleppobeule. In:Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage.Band 1:A–Astigmatismus. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905,S. 291 (zeno.org). 
  30. WMO
  31. wetterkontor.de
Normdaten (Geografikum):GND:4001116-1(lobid,OGND,AKS) |LCCN:n81053997 |VIAF:152061976
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