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Alanin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur von L-Alanin
Strukturformel vonL-Alanin, dem natürlich vorkommendenEnantiomer
Allgemeines
NameAlanin
Andere Namen
SummenformelC3H7NO2
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer200-273-8
ECHA-InfoCard100.000.249
PubChem5950
ChemSpider5735
DrugBankDB00160
WikidataQ218642
Arzneistoffangaben
ATC-Code

V06DD

Eigenschaften
Molare Masse89,10g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,40 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

297°C(Zersetzung)[3]

pKS-Wert
  • pKS, COOH = 2,35[3]
  • pKS, NH3+ = 9,87[4]
Löslichkeit
  • gut löslich in Wasser
    (166,5 g·kg−1 bei 25 °C;
    217,9 g·kg−1 bei 50 °C;
    285,1 g·kg−1 bei 75 °C;
    373,0 g·kg−1 bei 100 °C)[5]
  • schlecht löslich inEthanol[3]
  • nahezu unlöslich inDiethylether[3]
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von derKennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-SätzeH:keine H-Sätze
P:keine P-Sätze
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Alanin, abgekürztAla oderA, ist einenicht-essentielleα-Aminosäure.

Enantiomere

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Alanin istchiral, tritt also in zwei spiegelbildlichen Formen auf, wobei dasL-Alanin eineproteinogene Aminosäure ist, die nachIUPAC auch als (S)-2-Aminopropansäure oder als (S)-Alanin bezeichnet wird.D-Alanin [Synonym: (R)-Alanin] findet man als Baustein desMureins, der Grundsubstanz von Bakterienzellwänden. Daneben gibt es noch dasnichtproteinogeneβ-Alanin.

Wenn in diesem Text oder in der wissenschaftlichen Literatur „Alanin“ ohne weiteren Namenszusatz (Präfix) erwähnt wird, istL-Alanin gemeint.

Enantiomere von Alanin
NameL-AlaninD-Alanin
Andere Namen(S)-Alanin(R)-Alanin
StrukturformelStruktur von L-AlaninStruktur von D-Alanin
CAS-Nummer56-41-7338-69-2
302-72-7 (Racemat)
EG-Nummer200-273-8206-418-1
206-126-4 (Racemat)
ECHA-Infocard100.000.249100.005.835
100.005.571 (Racemat)
PubChem595071080
602 (Racemat)
DrugBankDB00160DB01786
− (Racemat)
FL-Nummer17.002-
17.024 (Racemat)
WikidataQ218642Q27076975
Q27101911 (Racemat)

Geschichte

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L-Alanin wurde 1888 zuerst aus Seidenfibroin isoliert.[6]

NebenProlin gehört Alanin zu den beiden Aminosäuren, die erstmals durch Synthese dargestellt und nicht zuvor aus pflanzlichem oder tierischem Material isoliert worden sind. Alanin wurde 1850 vonAdolph Strecker gefunden, als er eigentlichMilchsäure durch die Umsetzung vonAcetaldehyd mitAmmoniak undBlausäure in Gegenwart vonSalzsäure synthetisieren wollte, über die nach ihm benannte Strecker-Synthese. Strecker wählte dabei den Namen als Ableitung des BegriffsAldehyd, da er die Aminosäure aus genanntem Acetaldehyd erhielt.[7][8] Aus organischem Material wurde Alanin erstmals 1875 durchPaul Schützenberger erhalten, als dieser in einem Autoklaven mittelsBarytSeide aufspaltete und eine Mischung ausGlycin und Alanin identifizieren konnte.[6][9] Von den am Aufbau der Proteinkette beteiligten Aminosäuren stelltL-Alanin 29,7 %.[10]

Synthese

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Die industrielle Herstellung[11] vonL-Alanin erfolgt ausgehend von derL-Asparaginsäure durch Abspaltung derβ-Carboxygruppe in einem biotechnologischen Verfahren. DurchStrecker-Synthese gewonnenes racemisches Alanin kann an der Aminogruppe acetyliert werden und wird dann einerRacematspaltung[12] unterworfen. Dabei wird unter Verwendung vonL-Aminoacylase[13] enantioselektiv dieAcetylgruppe vonL-N-Acetylalanin abgespalten und es entstehtL-Alanin, währendD-N-Acetylalanin nicht hydrolysiert wird. Die Trennung vonL-Alanin undD-N-Acetylalanin ist einfach. Benötigt manD-Alanin, so wirdD-N-Acetylalanin unter sauren Bedingungen hydrolysiert, d. h., die Acetylgruppe wird abgespalten. Wenn kein Bedarf fürD-Alanin besteht, wird das bei der kinetischen Racematspaltung anfallendeD-N-Acetylalanin durch Einwirkung vonEssigsäureanhydridracemisiert und recycliert.

DL-Alanin kann auch aus2-Brompropansäure synthetisiert werden, dieses Verfahren besitzt jedoch keine industrielle Bedeutung.

Im Stoffwechsel wirdL-Alanin durchTransaminierung aus dem Endprodukt derGlykolyse, demPyruvat, synthetisiert. Bakterien erhalten benötigtesD-Alanin ausL-Alanin mittels desEnzymsAlaninracemase (EC 5.1.1.1).[14]

Eigenschaften

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Zwitterionen von L-Alanin (links) bzw. D-Alanin (rechts)

Alanin liegt meist als „inneres Salz“ bzw.Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklären ist, dass dasProton derCarboxygruppe an das freie Elektronenpaar des Stickstoffatoms derAminogruppe wandert:

Beim physiologischenpH-Wert von 7,4 liegt ein großer Teil der Alanin-Moleküle als Zwitterion vor. Der isoelektrische Punkt von Alanin liegt bei pH 6,1 und Alanin erreicht seine geringste Löslichkeit in Wasser, da fast alle Alanin-Moleküle als Zwitterionen vorliegen. Die Lösung hat an diesem Punkt die geringste elektrische Leitfähigkeit, da Zwitterionen als Ganzes ungeladen sind.

Physiologische Funktionen

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In Umkehrung dieser Synthese-Reaktion kann es enzymatisch auch wieder zu Pyruvat abgebaut werden (Transaminierung). So kann das Kohlenstoffgrundgerüst über Pyruvat wieder zum Aufbau vonGlucose (Gluconeogenese) verwendet oder über denZitronensäurezyklus vollständig zur Energiegewinnung abgebaut werden. Die oxidative Desaminierung desL-Alanins zu Pyruvat und Ammoniak, katalysiert durch das Enzym Alanin-Dehydrogenase, stellt eine weitere Abbaumöglichkeit dar; sie macht beispielhaft deutlich, wie ein Teil des Aminosäurestoffwechsels mit demKohlenhydratstoffwechsel verknüpft ist.

L-Alanin ist eine für den Menschen nicht-essentielle Aminosäure, kann also biosynthetisch durch den menschlichen Stoffwechsel hergestellt werden.

Alanin tritt – neben anderen Aminosäuren wie z. B.Leucin undGlutaminsäure – inα-Helices vonProteinen bevorzugt auf. Diese Aminosäuren begünstigen die Bildung diesesSekundärstrukturelements und werden deshalb auch alsHelixbildner bezeichnet.[15]

Verwendung

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L-Alanin ist Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung und von Diätetika.[16]

Die beiden Enantiomeren des Alanins werden, mit einerSchutzgruppe versehen, häufig für die Synthese vonPeptiden undProteinen eingesetzt.[17][18] Weiterhin werdenL- oderD-Alanin auch in der stereoselektiven Synthese alsEdukt eingesetzt.[19][20][21]

Weblinks

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Wiktionary: Alanin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Alanin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Eintrag zuALANINE in derCosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 28. Dezember 2020.
  2. abcEintrag zuAlanin in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 19. Dezember 2019. (JavaScript erforderlich)
  3. abcdEintrag zuAlanin. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 1. November 2022.
  4. Hans Beyer,Wolfgang Walter:Lehrbuch der Organischen Chemie, Hirzel Verlag, Stuttgart 1991,ISBN 3-7776-0485-2, S. 822.
  5. Robert C. Weast (Hrsg.):CRC Handbook of Chemistry and Physics. 1. Student Edition. CRC Press, Boca Raton, Florida 1988,ISBN 0-8493-0740-6, S. C-706.
  6. abP. Schützenberger, Untersuchungen über die Eiweisskörper, Chem Centralblatt, Band 285–286 (1876).
  7. Biografie von Adolph Strecker (Memento vom 21. Januar 2012 imInternet Archive)
  8. Adolph Strecker:Ueber die künstliche Bildung der Milchsäure und einen neuen, dem Glycocoll homologen Körper. In:Annalen der Chemie und Pharmacie. 75, 1850, S. 27–45,doi:10.1002/jlac.18500750103.
  9. S. Hansen:Die Entdeckung der proteinogenen Aminosäuren von 1805 in Paris bis 1935 in Illinois. (Memento vom 15. Juni 2016 imInternet Archive) Berlin 2015.
  10. Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit:Aminosäuren, Peptide, Proteine. Verlag Chemie, Weinheim 1982,ISBN 3-527-25892-2, S. 19.
  11. Yoshiharu Izumi, Ichiro Chibata, Tamio Itoh:Herstellung und Verwendung von Aminosäuren. In:Angewandte Chemie. 90 (1987) S. 187–194; auch In:Angewandte Chemie International Edition. in Englisch, 17 (1978), S. 176–183,doi:10.1002/anie.197801761.
  12. Hans-Ulrich Blaser, Elke Schmidt:Asymmetric Catalysis on Industrial Scale. 1. Auflage. 2003,ISBN 3-527-30631-5, dort Aufsatz von Harald Gröger und Karlheinz Drauz auf S. 131–145.
  13. W. Hartmeier:Immobilisierte Biokatalysatoren — auf dem Weg zur zweiten Generation. In:Naturwissenschaften. 72, (1985) S. 310–314 und dort zitierte Literatur.
  14. Hans Beyer,Wolfgang Walter:Lehrbuch der Organischen Chemie. 20. Auflage. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1984,ISBN 3-7776-0406-2.
  15. Berg, Tymozcko, Stryer:Biochemie. 5. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2003,ISBN 3-8274-1303-6.
  16. S. Ebel,H. J. Roth (Hrsg.):Lexikon der Pharmazie. Georg Thieme Verlag, 1987,ISBN 3-13-672201-9, S. 17.
  17. Jesse Philip Greenstein, Milton Winitz:Chemistry of Amino Acids. Band 1–3, John Wiley & Sons, 1961,ISBN 0-471-32637-2.
  18. Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit:Aminosäuren, Peptide, Proteine. Verlag Chemie, Weinheim 1982,ISBN 3-527-25892-2.
  19. Karlheinz Drauz,Axel Kleemann, Jürgen Martens:Induktion von Asymmetrie durch Aminosäuren. In:Angewandte Chemie.Band 94,Nr. 8, 1982,S. 590–613,doi:10.1002/ange.19820940804. 
  20. Jürgen Martens:Asymmetric syntheses with amino acids. In:Topics in current chemistry.Band 125. Springer, Berlin 1984,ISBN 978-3-540-13569-2,S. 165–246,doi:10.1007/3-540-13569-3_5. 
  21. Gary M. Coppola, Garry M. Coppola:Asymmetric Synthesis: Construction of Chiral Molecules Using Amino Acids. 2. Auflage. John Wiley & Sons, 1987,ISBN 0-471-82874-2. 
ProteinogeneAminosäuren

Alanin |Arginin |Asparagin |Asparaginsäure |Cystein |Glutamin |Glutaminsäure |Glycin |Histidin |Hydroxylysin |Isoleucin |Leucin |Lysin |Methionin |Phenylalanin |Prolin |Pyrrolysin |Selenocystein |Selenomethionin |Serin |Threonin |Tryptophan |Tyrosin |Valin

Normdaten (Sachbegriff):GND:4313291-1 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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