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Afrikafeldzug

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Afrikafeldzug
Teil von:Zweiter Weltkrieg
Datum9. September1940 bis13. Mai1943
OrtLibyen,Ägypten,Tunesien
AusgangSieg derAlliierten, Kapitulation der Achsentruppen in Nordafrika
Konfliktparteien

Italien 1861Königreich Italien
Deutsches Reich NS Deutsches Reich

Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich undCommonwealth
Freies Frankreich Freies Frankreich
Ab November 1942:
Vereinigte Staaten 48 Vereinigte Staaten

Befehlshaber

Italien 1861Rodolfo Graziani
Italien 1861Ettore Bastico
Italien 1861Giovanni Messe
Deutsches Reich NSErwin Rommel
Deutsches Reich NSAlbert Kesselring
Deutsches Reich NSHans-Jürgen von Arnim

Vereinigtes KonigreichVereinigtes KönigreichArchibald Wavell
Vereinigtes KonigreichVereinigtes KönigreichClaude Auchinleck
Vereinigtes KonigreichVereinigtes KönigreichBernard Montgomery
Vereinigtes KonigreichVereinigtes KönigreichHarold Alexander
Vereinigtes KonigreichVereinigtes KönigreichNeil Ritchie
Vereinigte Staaten 48Dwight D. Eisenhower
Freies FrankreichMarie-Pierre Kœnig
Freies FrankreichJacques-Philippe Leclerc
FrankreichFrankreichFrançois Darlan
FrankreichFrankreichHenri Giraud
FrankreichFrankreichAlphonse Juin

Verluste

Deutsches Reich: ~22.000 Gefallene und Vermisste, 130.000 in Gefangenschaft geraten
Italien: ähnliche, wenn auch geringere Verluste

zusammen ~42.000 Gefallene

Bedeutende Militäroperationen während desAfrikafeldzuges (1940–1943)

DerAfrikafeldzug, in derenglischen unditalienischen Sprache (zur Unterscheidung vomOstafrikafeldzug) alsNordafrikafeldzug (englischNorth African campaign,italienischCampagna del Nordafrica) bezeichnet, fand zwischen September 1940 und Mai 1943 im Rahmen desZweiten Weltkriegs inNordafrika statt.

Der Krieg begann imKönigreich Ägypten mit deritalienischen Invasion Ägyptens im September 1940, wurde aber durch den britischen Gegenangriff,Operation Compass, bis Januar 1941 tief nachItalienisch-Libyen verschoben. Nachdem im Februar 1941 im Rahmen desUnternehmens Sonnenblume die Expeditionstruppen der deutschen Wehrmacht, dasDeutsche Afrikakorps, nach Libyen verlegt worden war, wurden die Alliierten wieder bis an den Ostrand Ägyptens zurückgedrängt. Nachdem eingekesselte alliierte Truppen mehrere Monate lang derBelagerung von Tobruk standgehalten hatten und die Alliierten im Rahmen derOperation Battleaxe im Juni 1941 an einem Entsatzangriff gescheitert waren, gelang es den britischen Truppen mit derOperation Crusader zum Jahreswechsel 1941/42 erneut, in Nordafrika die Initiative zu übernehmen, Tobruk zu entsetzen und die Achsenmächte wiederum nach Westlibyen zurückzudrängen.

Die Achsenmächte gingen im Januar 1942 im Rahmen desUnternehmens Theseus jedoch ein weiteres Mal zu einer Großoffensive über, drängten die Alliierten durch Libyen nach Ägypten zurück und konnten Tobruk diesmal im Handstreich erobern. In Nordwestägypten brachten die britischen Truppen die Achsenmächte in derErsten Schlacht von El Alamein und derSchlacht von Alam Halfa zwischen Juli und September 1942 zunächst zum Stehen und errangen dann im Rahmen derZweiten Schlacht von El Alamein Ende Oktober 1942 einen großen Sieg, welcher wiederum einen Initiativwechsel in Nordafrika einleitete.

Während sich die Achsenmächte nach der Niederlage bei El Alamein westwärts aus Ägypten zurückzogen, landeten westalliierte Truppen Anfang November 1942 im Rahmen derOperation Torch inFranzösisch-Nordafrika und weiteten damit den Kriegsschauplatz zunächst aufMarokko undAlgerien und später aufTunesien aus. Als Teil der Operation Torch landeten auch erstmals Großverbände derUS-amerikanischen Streitkräfte, die sichseit Dezember 1941 mit Deutschland und Italien im Krieg befanden, auf dem europäisch-nordafrikanischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs.

Die jetzt aus zwei Richtungen bedrängten Streitkräfte der Achsenmächte zogen sich nach Französisch-Tunesien zurück und versuchten bis ins Frühjahr 1943, die StadtTunis als Brückenkopf zu halten. DerTunesienfeldzug stellt die letzte Phase des Kriegs in Nordafrika dar; am 13. Mai 1943 ergaben sich die letzten Truppen der Achsenmächte in Nordafrika. Nach der Eroberung der afrikanischen Nordküste konnten die Westalliierten in den nächsten Schritten zurLandung auf Sizilien sowie später zurInvasion Italiens übergehen.

Ausgangslage

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Italien war nach Kriegsbeginn 1939 zunächst „nichtkriegführendes“ Land geblieben. Angesichts des sich rasch abzeichnenden deutschen Sieges imWestfeldzug wollte sichBenito Mussolini seinen Anteil an der zu erwartenden Beute sichern. Am 10. Juni 1940 erklärte er dem nahezu besiegten Frankreich den Krieg. Die italienischen Truppen griffen am 20. Juni an der Alpengrenze an, wurden aber von den erbitterten Franzosen trotz unterlegener Kräfte zurückgeschlagen. Hitler zwang Frankreich jedoch, auch Italien in denWaffenstillstand mit einzubeziehen. Italien befand sich fortan an der Seite Deutschlands im Krieg mit Großbritannien, was sich bald auch auf die italienischen Kolonien inLibyen undOstafrika auswirkte.

Nach dem Fall Frankreichs waren nahezu ganz West- und Mitteleuropa von derAchse besetzt, mit dieser verbündet oder zumindest neutral.Französisch-Nordafrika stand wie diefranzösische Flotte unter der Kontrolle derVichy-Regierung, die von guten Beziehungen zu Deutschland abhängig war. Zwar hatte GeneralCharles de Gaulle angekündigt, im Namen des „Freien Frankreich“ den Kampf gegen die Achsenmächte fortzusetzen, doch blieben die meistenfranzösischen Kolonien loyal zu Vichy.

Afrika, dasMittelmeer und derNahe Osten waren für die Briten von fundamentaler Wichtigkeit. DerSuezkanal und dieStraße von Gibraltar waren wichtige Lebensadern desEmpire. Da nach dem Fall Frankreichs und dem Beginn derLuftschlacht um England jederzeit mit einer deutschen Invasion der britischen Inseln (die deutscherseits unter dem NamenUnternehmen Seelöwe vorbereitet wurde) gerechnet werden musste und die Hauptkräfte der britischen Armee somit im Mutterland gebunden waren, waren die Briten zur Verteidigung ihrer Nahost-Position auf Unterstützung durch die Staaten desCommonwealth angewiesen. In erster Linie waren dies die TruppenAustraliens,Neuseelands,Südafrikas undBritisch-Indiens, die sich nach und nach im Nahen Osten sammelten und dort auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Über den See- und Landweg – von Nigeria quer durch dieSahara – gelangten später auchbelgisch-kongolesische Truppen nach Ägypten.[1]

Geographische Lage

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Das Schlachtfeld war ein ungefähr tausend Kilometer langer Streifen am Mittelmeer. Die Kämpfe fanden vor allem in derKyrenaika statt, im Westen begrenzt inLibyen durch die BefestigungEl Agheila am Südufer derGroßen Syrte, im Osten durch die Grenz- und HafenstadtSallum inÄgypten. Die Breite des Streifens betrug lediglich hundert Kilometer; im Norden war das Mittelmeer und im Süden lagen die Weiten der Wüste. Viele Besonderheiten des Wüstenkrieges erklären sich durch diese geographische Lage im Allgemeinen und durch topografische Gegebenheiten im Speziellen. Das Gelände war zumeist dürr und geröllhaltig. Dörfer und Städte gab es nur wenige, weswegen die traditionelle Kriegsführung hier keine Gültigkeit besaß: Geländegewinne waren deutlich weniger wichtig, zum Teil sogar durch Überdehnung der Versorgungswege immens gefährlich. Von Bedeutung war vielmehr die Entfernung zum Aufmarschgebiet. Das Klima forderte seinen Tribut und Auffrischungen von Material und Personal waren ständig nötig, während die wenigen parallel zur Küste führenden Nachschubwege sehr beschwerlich waren, weswegen das Operieren in Entfernung zur Basis noch schwieriger war als z. B. in Russland.

Verlauf

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Italienische Invasion Ägyptens

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Hauptartikel:Italienische Invasion Ägyptens
Italienische Invasion Ägyptens 1940

Der Nordafrikafeldzug begann nach kleineren Gefechten an der libysch-ägyptischen Grenze am 9. September 1940 mit einer Serie von Luftangriffen auf britische Grenzposten, gefolgt am 13. September von der Invasion der zahlenmäßig weit überlegenenitalienischen 10. Armee unter Führung von GeneralMario Berti von Libyen aus nach Ägypten.Benito Mussolini hatte vom italienischenOberbefehlshaber in Libyen,Rodolfo Graziani, diesen Vorstoß gefordert, um den Briten denSueskanal zu entreißen und die italienischen Besitzungen in Nord- und Ostafrika zu verbinden. Die vorsichtig ostwärts über die Grenze vorrückenden Italiener drangen binnen weniger Tage etwa 100 Kilometer bis nachSidi Barrani vor, wo sie aufgrund der Zerstörung ihrer Nachschubwege durch britische Flugzeuge und Kriegsschiffe haltmachten und befestigte Lager errichteten. Da diese zu weit voneinander entfernt waren, als dass sie sich gegenseitig hätten unterstützen können, konnten sie mehrmals erfolgreich von mobilen Einheiten der britischenWestern Desert Force unter GeneralRichard O’Connor angegriffen werden. Die Hauptkräfte der Western Desert Force blieben unterdessen in ihren Stellungen beiMarsa Matruh. In der Folgezeit widmeten sich die Italiener dem Ausbau derVia Balbia nach Ägypten und der Anlage vonNachschubdepots.

Am 28. Oktober 1940 eröffneten die Italiener einen schlecht vorbereiteten neuen Kriegsschauplatz durch ihrenAngriff auf Griechenland. Von da an wurden dringend für die Großoffensive gegen Ägypten benötigte Truppen und Ausrüstungen nach Griechenland geschickt und die italienischen Kräfte zersplittert.[2] Zudem wurden ihre reduzierten Nachschubkonvois nach Afrika immer erfolgreicher von britischen Schiffen und Flugzeugen angegriffen. Der geplante Weitermarsch Grazianis nachMarsa Matruh wurde daher bis auf weiteres abgesagt. In der Nacht zum 12. November erlitt zudem dieitalienische Flotte durch den britischenAngriff auf Tarent schwere Verluste und war in ihrer Einsatzfähigkeit bis auf weiteres stark eingeschränkt. Die Briten übernahmen die VerteidigungKretas und unterstützten die Griechen zudem durch die Entsendung von Lufteinheitenaus Ägypten.

Die deutsche Führung reagierte auf diese italienischen Rückschläge und auf das britische Vordringen auf die griechischen Inseln mit dem Angebot der Unterstützung, die zunächst aus Einheiten derLuftwaffe bestehen sollte. Erst im Frühjahr 1941 wollte man mit Bodentruppen in den Krieg in Griechenland eingreifen. Zudem übte man Druck auf die spanische Regierung unterFrancisco Franco aus, an der Seite derAchse in den Krieg einzutreten, um imUnternehmen Felix gemeinsam den britischen StützpunktGibraltar einnehmen und so diewestliche Einfahrt ins Mittelmeer kontrollieren zu können. Diese Bemühungen, die in der „Weisung Nr. 18“ desOKW vom 12. November 1940 niedergelegt waren, blieben jedoch erfolglos.

Britischer Gegenangriff

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Hauptartikel:Operation Compass
Italienischer Vorstoß nach Ägypten und die britische Operation Compass

Die Inaktivität der Italiener bei Sidi Barrani bestärkte das britische Nahostkommando unterArchibald Wavell in ihren Plänen zu einem Gegenschlag. Unter größtmöglicher Geheimhaltung wurde die Western Desert Force, bestehend aus der4. indischen Infanteriedivision und der britischen7. Panzerdivision, Anfang Dezember in ihre Angriffspositionen vorgeschoben. Teile der italienischen Armee wurden geschickt umgangen, vom Nachschub abgeschnitten und somit zur Aufgabe gezwungen. Die restlichen italienischen Verbände flüchteten daraufhin nach Libyen.Sollum und dasFort Capuzzo fielen unverteidigt in britische Hände und Anfang Januar 1941 konnte der HafenBardia jenseits der libyschen Grenze eingenommen werden, wobei knapp 40.000 Italiener in Gefangenschaft gerieten. In rascher Folge fielen danachTobruk undDerna. Am 7. Februar gelang es den Alliierten den Großteil der sich zurückziehenden italienischen Truppen abzuschneiden und in der Schlacht bei Beda Fomm südlich vonBengasi zu schlagen. Die italienischen Truppen in der Kyrenaika waren damit überwiegend zerschlagen, nur etwa 30.000 Mann gelang der weitere Rückzug nach Westen. Insgesamt gingen etwa 130.000 italienische Soldaten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Nach der Einnahme vonEl Agheila wurde der britische Vormarsch eingestellt, da Churchill nunmehr den Schwerpunkt aufOstafrikafeldzug (Abessinien) und denBalkanfeldzug (Griechenland) legte.[3]

Entschluss zum deutschen Eingreifen

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Das deutscheOberkommando des Heeres hatte schon früh auf die Notwendigkeit einer Unterstützung der Italiener auch in Nordafrika hingewiesen und den GeneralWilhelm von Thoma in dieKyrenaika entsandt, um die Möglichkeit eines Einsatzes gepanzerter Truppen zu untersuchen. In seinem Bericht hatte Thoma der Überzeugung Ausdruck gegeben, dass man aufgrund der schlechten Nachschubmöglichkeiten über Land erst die Eroberung des HafensMarsa Matruh (Ägypten) durch die Italiener abwarten sollte. Durch den Erfolg der Operation Compass wurden diese Überlegungen schon bald hinfällig.

Im Dezember befahlHitler die Verlegung desX. Fliegerkorps nach Sizilien, mit dessen Hilfe die Achsenmächte dieLuftüberlegenheit über dem Mittelmeer zurückerringen und den britischen Schiffsverkehr durch dieStraße von Sizilien zum Erliegen bringen sollten. Dessen Einheiten erzielten Anfang Januar ihre ersten Erfolge, als sie den FlugzeugträgerIllustrious durch Luftangriffe schwer beschädigten und den KreuzerSouthampton versenkten. In der Folge wichen britische Nachschubschiffe zunehmend auf die längere Route um dasKap der Guten Hoffnung aus. Ende Januar begannen deutsche Flugzeuge zudem, denSueskanal aus der Luft zu verminen, wobei sie italienische Basen imDodekanes zum Auftanken benutzten.

Hitler, der lange gezögert hatte, weil es ihm um „seinen“ Feldzug, denKrieg gegen die Sowjetunion, ging, stimmte schließlich der Aufstellung eines „Sperrverbands“ für Afrika zu. Am 11. Januar erließ er die „Weisung Nr. 22“, in der neben demUnternehmen Sonnenblume zunächst noch eine gleichzeitige Verstärkung der italienischen Truppen in Albanien (Unternehmen Alpenveilchen) vorgesehen war. Letzteres wurde nach Rücksprache mit Mussolini schließlich fallengelassen, auch da die Entwicklung in der Kyrenaika schnelles Handeln zu erfordern schien. GeneralErwin Rommel wurde mit der Führung dieser deutschen Unterstützungstruppen für die bedrängten Italiener beauftragt. Neben der Entsendung kostbarer Einheiten aus der kriegsentscheidenden Panzertruppe ins ferne Afrika hatte Hitler schließlich im Frühjahr 1941 auch noch auf demBalkan einen Feldzug zu führen, um seinen Verbündeten vor einem weiteren Debakel zu bewahren sowie um die „weiche“ Flanke der Achse im Süden Europas zu sichern.

Ursprünglich war dasDeutsche Afrikakorps als reiner Sperrverband konzipiert, dem die Aufgabe zugedacht war, die italienischen Gebiete in Nordafrika zu halten. Hitler befürchtete zu Recht, dass es den Briten gegebenenfalls gelingen könnte, die italienischen Truppen ganz aus Afrika zu vertreiben. Dies hätte nicht zuletzt ungute politische Folgen für Mussolini gehabt. Bereits hier zeigt sich, dass der Afrikakrieg seitens Hitlers grundsätzlich als Prestigekrieg gesehen wurde, eine größerestrategische Bedeutung wurde dem Schauplatz Afrika nicht beigemessen, die Entscheidung suchte Hitler im Osten. Das Afrikakorps stellte die ersten deutschen Bodentruppen in Afrika dar, die formal noch unter dem Kommando der Italiener standen. Dabei wurden anfangs ausschließlich motorisierte und gepanzerte Verbände derWehrmacht für den Wüstenkrieg ausgewählt. Dies waren die 5.leichte Division (die spätere21. Panzer-Division), die90. leichte Afrika-Division sowie die15. Panzer-Division.

Gegenangriff des Afrikakorps

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Hauptartikel:Belagerung von Tobruk
Vorstoß des Afrikakorps nach Ägypten bis zum 25. April 1941
DeutschePanzer III in Fahrt, April 1941
Italienische Truppen in Nordafrika, April–Mai 1941

Am 11. Februar 1941 landeten die ersten deutschen Truppen inTripolis. Die italienischen Truppen waren aufgrund ihrer Niederlagen bereits moralisch angeschlagen und ihre Verteidigungsstellungen waren nur lückenhaft ausgebaut. Auf Seiten der Luftwaffe wurde am 24. Februar die Kommandobehörde desFliegerführers Afrika geschaffen, dem alle fliegenden Verbände auf dem afrikanischen Kontinent unterstellt waren.

Im Gegensatz zur geplanten, defensiven Haltung des Afrikakorps hielt Rommel ein offensives Vorgehen gegen die britischen Truppen für unbedingt notwendig. Diese Meinung stand im starken Gegensatz zur Meinung des italienischen GeneralsGariboldi, welcher den Erfolg im defensiven Vorgehen sah. Am 31. März begann auf Rommels eigenmächtigen Befehl der Vormarsch. Sein Hauptvorstoß richtete sich aufMarsa el Brega, um einenBrückenkopf zur Einnahme derKyrenaika errichten zu können.

Durch Rommels erfolgreicheTaktik des mobilen Wüstenkriegs wurden britische Truppen unter GeneralArchibald Wavell überBengasi undDerna 800 Kilometer zurückgeworfen (allerdings hatte der Abzug von Einheiten von Afrika zur Front in Griechenland die ursprünglich überlegenen britischen Verbände reduziert). Kurz darauf konnte Bengasi besetzt werden. Diese schnellen Erfolge führten in der italienischen Generalität zu Erstaunen und auf britischer Seite zu einem tiefen Schock.

Abgeschossener deutscher Panzer IV, rechts britischer Crusader (27. November 1941)

Der deutsche Vormarsch stoppte Mitte April bei der ägyptischen Grenzstadt und Festung Sollum östlich vonTobruk. Diese war kurz zuvor von den italienischen Truppen ausgebaut und danach beinahe kampflos geräumt worden. Bis zum 13. April unternahm die deutsche Wehrmacht drei erfolglose Angriffe auf das von ihnen umzingelte Tobruk. Nach schweren Verlusten musste auf Rommels Befehl die Eroberung dieser wichtigen Hafenstadt vorerst zurückgestellt werden. Die deutschen Kräfte waren zu schwach, um den Ring von Minenfeldern und Stellungen rings um Tobruk aufzusprengen. Rommel musste seine Panzer für die bewegliche Kriegsführung in der Wüste zurückhalten. Weitere Vorstöße in Richtung Osten konnten nicht durchgeführt werden, da das Afrikakorps bereits hier mit bedrohlichen Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte, die schlussendlich zu einem Stellungskrieg bei und um Sollum/Tobruk führten.

Die Briten hatten zeitgleich auf der anderen Flanke des Kriegsschauplatzes mit den Folgen desMilitärputsches im Irak vom 1. April 1941 fertigzuwerden; deutsche, italienische und vichy-französische Hilfeleistungen fürdie irakischen Putschisten waren zu schwach, um den Ausgang des folgendenBritisch-Irakischen Krieges (Mai 1941) zu verändern. Die pro-britische Regierung des Irak wurde wieder eingesetzt. Später nutzten die Briten den Irak als Sprungbrett für denSyrisch-Libanesischen Feldzug (Juni 1941) und dann für dieanglo-sowjetische Invasion des Iran (August 1941), um auch dort den Achsenmächten den Zugriff auf den Mittleren Osten zu verwehren.

Operation Crusader

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Im November begannen britische Truppen mit Gegenangriffen im Rahmen der „Operation Crusader“ mit zusätzlichen Kräften, die aus dem abgeschlossenensyrisch-libanesischen Feldzug verfügbar geworden waren. Ziel war die Entlastung der Festung Tobruk durch die Ablenkung deutscher Truppen. Am 18. November 1941 traten sie zu einem zweiten Stoß an, der die Pattsituation beendete. Der britische Großangriff ermöglichte einenAusbruch der Besatzung von Tobruk aus dem die Stadt umgebenden Belagerungsring und warf das deutsche Afrikakorps bis Ende des Jahres 1941 auf seine Ausgangsstellung am Westrand derCyrenaika zurück. Die Deutschen und Italiener verloren fast 40.000 Mann. Durch diese Offensive musste Hitler nach der Schwächung desX. Fliegerkorps dieLuftflotte 2 von der Ostfront in den Mittelmeerraum verlegen lassen, weil eine potentielle vollständige Niederlage in Nordafrika den Zusammenbruch des Mussolini-Regimes befürchten ließ.[4]

1942: Unternehmen Theseus und Alamein-Schlachten

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Montgomery beobachtet den Vorstoß seiner Panzereinheiten während der zweiten Schlacht von El Alamein

Massive Angriffe desII. Fliegerkorps der deutschenLuftflotte 2 unterAlbert Kesselring auf wichtige Knotenpunkte wieMalta, von wo aus britischeU-Boote und Flieger die deutschen und italienischen Nachschublieferungen attackierten, sorgten um die Jahreswende dafür, dass diese Störungen zeitweilig unterblieben. Auch wurden der Nachschub durch Transportflieger über das Mittelmeer koordiniert und die Kommandobehörde desLufttransportführers Mittelmeer neu geschaffen. Unter diesen Umständen gelang es Rommel im Januar 1942, die Initiative zurückzugewinnen. Er nutzte den durch die Luftunterstützung entstandenenoperativen Vorteil sowie insbesondere frisch herangeführte Verstärkungen für einen überraschenden Gegenangriff, der diePanzerarmee Afrika bis Ende Juni bis nachEl Alamein, nur 100 Kilometer vorAlexandria, führte.

Die neu aufgestellte Fallschirmjägerbrigade 1 unterHermann-Bernhard Ramcke war, mit weiteren deutschen und italienischen Fallschirmjägergroßverbänden, 1942 für das kurzfristig abgesagteUnternehmen Herkules zur Einnahme der Insel Malta auf demKriegsschauplatz Mittelmeerraum vorgesehen, da sich vermeintlich durch den Vormarsch in Nordafrika die operative und auch die logistische Lage verbesserte. Der Großverband wurde daraufhin als reguläre Infanterie in Afrika eingesetzt. Sie war jedoch durch die schnelle Verlegung wegen mangelnder Motorisierung nur bedingt für den Wüstenkrieg geeignet. Durch die wechselnden Offensiven beider Seiten hatte sich der Afrikafeldzug 1942 zu einem sehr schnellen Bewegungskrieg gewandelt, da sich die Wüste für weiträumige Panzeroperationen über Hunderte von Kilometern besonders eignet.

Am 26. Mai startete das Afrikakorps dasUnternehmen Theseus, mit dem Ziel, Tobruk zu erobern. Nach schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten am 11. Juni,Bir Hakeim einzunehmen, um den Vormarsch auf Tobruk einzuleiten.

Rommel umging die britischen Stellungen südlich der Festung und griff mit einer Überraschungsoffensive an. Begleitet wurde der Vorstoß vonJu 87-Sturzkampfbombern, welche die feindlichen Linien beschossen und bombardierten und dabei britische Kommunikationswege unterbrachen. In der nachfolgenden Verwirrung konnten Rommels Panzerkräfte in die Stadt eindringen und sie am 20. Juni innerhalb weniger Stunden besetzen. Infolge dieses von derNS-Propaganda gefeierten Handstreichs wurde Rommel zumGeneralfeldmarschall befördert.

Australische Infanterie in der zweiten Schlacht von El Alamein (gestelltes Foto)
Soldaten mit Funkgerät, 1942, Aufnahmen derPropagandakompanien der Wehrmacht – Heer und Luftwaffe

Der weitere Vormarsch sollte nun durch Ägypten erfolgen. Ziel war es, die StadtAlexandria zu nehmen und denSuezkanal zu besetzen. Hitler plante bereits, von dort weiter nach Vorderasien und Indien vorzustoßen, um so die britischen Kolonien zu bedrohen.Kurz vorEl Alamein hatten die Briten aber einen 65 Kilometer langen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Auf Grund der südlich gelegenen sumpfigenQattara-Senke in derLibyschen Wüste war es nicht möglich, diesen Gürtel zu umgehen; das sumpfige Gelände deckte die Flanke. Zusätzlich erschwerten weitere Versorgungsengpässe ein langfristig geplantes Vorgehen; die Offensive blieb stecken.

Am 20. Juli 1942 erhielt eine Einsatzgruppe unter dem Kommando von SS-ObergruppenführerWalther Rauff Instruktionen, wonach nach einer etwaigen EroberungPalästinas außerhalb der Jurisdiktion der Wehrmacht alle dort ansässigenJudenzu töten seien. Ähnliche Instruktionen hatten im Jahr zuvor vor demUnternehmen Barbarossa dieEinsatzgruppen erhalten, die diesowjetischen Juden ermordeten.[5]

Nach der gescheiterten Offensive in derersten Schlacht von El Alamein wollte Rommel noch im August die Entscheidung zugunsten der Achsenmächte herbeiführen. Entgegen den Erwartungen verbesserte sich die Nachschublage im August jedoch keineswegs, da die von britischen U-Booten versenkte Tonnage massiv angestiegen war.[6] Nun rächte sich, dass man auf die Einnahme Maltas verzichtet hatte. Der deutsche Offensivplan in derSchlacht von Alam Halfa ähnelte der erfolgreichenKonzeption von Gazala. Vorgesehen war ein schneller Stoß einer deutsch-italienischen schnellen Offensivgruppe durch die britischen Minenfelder im Süden, um anschließend nach Norden einzudrehen und die alliierten Truppen so einzukesseln und aus dem rückwärtigen Raum zu vernichten. Der Angriff wurde erst nach Treibstoffzusicherungen vonAlbert Kesselring gestartet. Nachdem die Offensive in der Nacht vom 30. auf den 31. August gestartet worden war, präsentierte sich der alliierte Widerstand als wesentlich stärker, da die 8. Armee durchUltra bereits vor dem Angriff die Schwerpunkte gekannt hatte. Die Angriffe der Achsenmächte erreichten nicht die erwünschten Ziele und der gewonnene Boden wurde aufgrund eines alliierten Gegenangriffs mit starker Luftunterstützung weitgehend aufgegeben. Ausnahme blieben dabei die ehemaligen britischen Minengürtel, welche die Achsenmächte bei ihrem Rückzug bis zum 6. September auf die Ausgangsstellung in ihrer Hand behielten.[7] Die alliierte Luftwaffe hatte ihre Doktrin für dasRAF Middle East Command unterArthur Tedder undArthur Coningham von einer defensiven Patrouillentätigkeit auf eine modernere Luftüberlegenheitsdoktrin umgestellt, und konnte mit den neuerenHawker Hurricane und denCurtiss P-40 (Kittyhawk I) gegen Ende des Sommers die vollständige Luftüberlegenheit herstellen.[8]

Die Situation für dieAchsenmächte verschlechterte sich weiter, als der neue britische BefehlshaberBernard Montgomery am 23. Oktober mit derzweiten Schlacht von El Alamein zum Gegenangriff ansetzte. Das kräftemäßig unterlegene Afrikakorps unterlag der aufgezwungenen Materialschlacht und musste den Rückzug nach Libyen antreten. Am 8. November landeten über 100.000 frische amerikanische und britische Soldaten inMarokko undAlgerien (Operation Torch). Der nun eröffneteZweifrontenkrieg überforderte das geschwächte Afrikakorps, sodass Tobruk am 13. November wieder in britische Hände fiel.

Aufgrund der kritischen Situation an derOstfront – die Wehrmacht musste sich aus demKaukasus zurückziehen und es bahnte sich dasStalingrad-Desaster an – konnte dasOberkommando der Wehrmacht nur unzureichende Verstärkung über Südfrankreich entsenden. Im südlichen Tunesien vereinigten sich die frischen Einheiten mit der zurückweichendenPanzerarmee Afrika.

1943: Zerschlagung der Heeresgruppe Afrika

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Hauptartikel:Tunesienfeldzug

Ende Januar 1943 musste Libyen aufgegeben werden. Inzwischen standen die Truppen der Achsenmächte 480.000 alliierten Soldaten und damit einer doppelten Übermacht gegenüber. Auch verfügten die Alliierten über die vierfache Anzahl von Panzern und über die uneingeschränkteLuftüberlegenheit. Am 23. Januar besetzten die BritenTripolis.

US-Soldaten am Kasserinpass, 1943

In derSchlacht am Kasserinpass von 19. bis 22. Februar fügten die Achsenmächte den anrückenden Amerikanern eine schwere Niederlage zu, die sie jedoch wegen der Bedrohung durch die Briten nicht zu dauerhaften strategischen Erfolgen nutzen konnten. Am 23. Februar 1943 wurde Rommel Oberbefehlshaber der neu als solchen formiertenHeeresgruppe Afrika. Am 4. März schlug Rommel in einem ausführlichen Funkspruch an Hitler vor, die Frontlinie drastisch zu verkürzen und sich auf einen kleinen Brückenkopf um Tunis zurückzuziehen. Am 7. März erhielt Rommel vom Führerhauptquartier die kategorische Ablehnung dieses Vorschlags; Hitler äußerte sich wütend. Darauf entschloss sich Rommel,nunmehr seine Kur anzutreten. Am 9. März flog Rommel vonSfax aus nach Deutschland.[9]Er sprach mit Hitler über ein Ende der Kampfhandlungen. Hitler blieb aber starrköpfig und verweigerte dem Afrika-Korps den Rückzug auf das europäische Festland.[10] Rommel blieb in Deutschland (u. a. wollte die NS-Propaganda vermeiden, dass er mit der absehbaren Niederlage in Verbindung gebracht würde). Am 11. März verlieh Hitler Rommel für seinen Einsatz in Afrika dieBrillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern. Rommel war der erste Soldat des Heeres, der diese exklusive Auszeichnung erhielt.

Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte schließlich eingeschlossen. Vor allem an derMareth-Linie leisteten sie erbitterten Widerstand bis Ende März. Erst nachdem am 12. und 13. Mai 1943 Rommels Nachfolger GeneraloberstHans-Jürgen von Arnim beiTunis kapituliert hatte, erfuhr die Öffentlichkeit, dass Rommel Afrika bereits im März verlassen und eine weitere Auszeichnung erhalten hatte. Zuvor war es wegen der Befehlsmissachtungen Rommels erstmals zu Spannungen zwischen Hitler und seinem „Lieblingsgeneral“[11] gekommen. Die Spannungen ließen nach, als sich Rommels Einschätzung der nicht mehr abzuwendenden Niederlage in Nordafrika schließlich bestätigte.[12]

Erschwerende Umstände während des Afrikafeldzuges

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Aktionsradius der alliierten Luftwaffe von Malta, 1941

Die Versorgung der Truppen mit Nahrungsmitteln, Treibstoff,Munition und Ausrüstung war auf Grund der Distanzen in Nordafrika nur schwer sicherzustellen. Für die Achsenmächte wirkte sich zudem die starke Präsenz der britischen Marine im Mittelmeer zusätzlich nachteilig aus. So fielen im Sommer 1942 zwei Drittel der ausSizilien bzw. dem besetztenGriechenland kommenden deutsch-italienischenNachschublieferungen den vonMalta bzw. vonÄgypten aus operierenden britischen U-Booten und Flugzeugen zum Opfer. Den Briten gelang es mit Hilfe vonUltra wichtige Informationen über geplante Versorgungskonvois der Achse zu dechiffrieren und dadurch deren Nachschub nachhaltig zu stören.[13] Operative Erfolge auf dem Schlachtfeld waren für beide Seiten mit wachsenden Distanzen zu ihren jeweiligen Versorgungspunkten verbunden. Somit war der Erfolg militärischer Operation stärker als auf jedem anderen Schlachtfeld vom funktionierenden Nachschub abhängig.

Zudem stellten dasWüstenklima (am Tag bis zu 50 °C, nachts bis unter 0 °C) und der Sand hohe Anforderungen an Mensch und Material. Typischerweise benötigt ein Mensch unter diesen Bedingungen vier bis fünf Liter Wasser am Tag, so dass sich Versorgungsengpässe schnell nachteilig auswirken konnten. Der Wüstensand war für die damaligen Fahrzeuge und die Technik eine hohe Belastung und verursachte erhöhten Verschleiß oder Wartungsaufwand.

Das Afrikakorps hatte zwar leistungsfähige technische Versorgungsdienste, so waren die deutschen Einheiten zur Instandhaltung, Bergung und Reparatur ausgefallener, beschädigter oder erbeuteter Fahrzeuge und Waffen gut ausgestattet und im Regelfall motorisiert. Die Logistik auf der Seite der Achsentruppen musste sich jedoch mit einem vielfältigen Gemisch von Material und Waffen aus Italien und Deutschland sowie mitBeutewaffen besondersBeutepanzer und Beute-LKW aus Großbritannien, Frankreich und Russland auseinandersetzen. Hierfür mussten zusätzliche Spezialwerkzeuge, Ersatzteile und Munition beschafft und bevorratet werden. Insbesondere bei Rückzügen, die oftmals über große Distanzen erfolgen mussten, konnten ausgefallene Panzer und Fahrzeuge oft nicht geborgen werden.

Erschwerend kamen Rivalitäten zwischen der deutschen Wehrmacht und den italienischen Streitkräften sowie Konflikte zwischen den deutschen Teilstreitkräften (Heer, Marine und Luftwaffe) hinzu.

Abgeschossene britische Panzer im Jahr 1942, Aufnahme derPropagandakompanien der Wehrmacht – Heer und Luftwaffe

Das Gelände mit seinen weiten offenen Flächen erforderte andere taktische Vorgehensweisen als in Mitteleuropa (dichter besiedelt und von Deckung bietenden Wäldern durchzogen). Nur sehr wenige Gebiete boten natürliche, durch Flankenmanöver nicht umgehbare Engpässe, in denen eine statische Verteidigung aufgebaut werden konnte. Die theoretisch überlegenen taktischen Fähigkeiten der Wehrmacht zumGefecht der verbundenen Waffen sowie zum Bewegungskrieg verlor im weiteren Verlauf des Feldzugs an Bedeutung, als die britische8. Armee unter Bernard Montgomery im Osten und die frischen US-Truppen im Westen die deutsch-italienischen Truppen kräftemäßig deutlich übertrafen.

Die Wüste als weit offenes Gelände erleichterte in den tiefen Flanken den Einsatz von motorisierten Kommandogruppen wie demSpecial Air Service und derLong Range Desert Group – die Operationen wie dieOperation Flipper mit dem Angriff auf Rommels Hauptquartier durchführten.

Verluste

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Tote, Vermisste, Gefangene[14]
Italiener362.341
Deutsche151.994
Franzosen (Vichy)3.343
Briten220.000
US-Amerikaner18.221
Freie Franzosen16.000

Folgen

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Deutsche und italienische Gefangene, 12. Mai 1943

Fast 255.000 deutsche und italienische Soldaten gerieten inKriegsgefangenschaft,[15] da Hitler keine Rückverschiffung nach Europa erlaubte.

Die Generäle Auchinleck, Wavell, Anderson und Fredendall spielten bei den künftigen militärischen Operationen der Alliierten keine Rolle mehr, während Montgomery, Eisenhower und Patton sich für höchste Aufgaben empfohlen hatten.[16] Seit seinen spektakulären Erfolgen stand Generalfeldmarschall Rommel im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das Afrikakorps war durch die unmenschliche Umgebung, die Erfolge und Medien zu einem Sinnbild deutschen Kampfeswillens geformt worden. Die Deutschen reagierten daher entsetzt auf die Niederlage und die hohen Verluste in Nordafrika. Das Schlagwort vom „zweitenStalingrad“ fand im Deutschen Reich rasche Verbreitung.

Die alliierten Streitkräfte hatten nun die Kontrolle über das Mittelmeer und gute Voraussetzungen für einealliierte Landung auf Sizilien. Damit begann am 10. Juli 1943 diealliierte Invasion in Italien. Sie führte am 25. Juli zumSturz Mussolinis und am 3. September zur Unterzeichnung desWaffenstillstandes zwischen Italien und den Westalliierten.

Geplante Judenvernichtung

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Jüdische Zwangsarbeiter, Tunis 1942, (Propagandaaufnahme)

Obwohl Rommel nicht alsAntisemit galt, schuf er mit dem Vormarsch des Afrikakorps doch die Voraussetzung dafür, die Juden Nordafrikas in denHolocaust mit einzubeziehen. In Tunesien wurden Arbeitslager für sie errichtet, wo nach heutigem Kenntnisstand 39 von ihnen umkamen.[17] Für die Juden inPalästina stellte der deutsche Vorstoß eine immense Bedrohung dar.

InAthen stand eineEinsatzgruppe unter dem Kommando von SS-ObersturmbannführerWalther Rauff bereit, die mit der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Ägypten und Palästina beginnen sollte und am 20. Juli 1942 von Rommels Stab die notwendigen Instruktionen für ihre Tätigkeit im rückwärtigen Heeresgebiet erhalten hatte. Ein Teil der arabischen Bevölkerung Palästinas, soweit er sich amMufti von JerusalemMohammed Amin al-Husseini orientierte, sehnte einen Sieg der Deutschen herbei, weil sie auf eine Vertreibung der Juden, Briten und Franzosen hoffte. Angesichts der näher rückenden Truppen des Afrikakorps hielten es die Briten daher trotz der angespannten militärischen Lage des Sommers 1942 für nötig, Teile ihrer 9. Armee in Palästina zu belassen, um die ansässigen Juden vorPogromen durch die Araber zu schützen.[18]

Als im Sommer 1942 der Vormarsch der deutschen Wehrmacht bis ins ägyptische Niltal zu befürchten war, bat derGroßrabbiner von Kairo denScheich derAzhar-Moschee,Mohammed Mustafa al-Maraghy, um Unterstützung für den Fall von Pogromen nach einem deutschen Einmarsch in Ägypten. Das Gespräch belegt nach Ansicht des HistorikersAlexandre Kum’a N’dumbe, dass die pro-deutsche und pro-faschistische Linie al-Husseinis unter Arabern nicht vorherrschend war.[19]

Am 24. November 1942 wurde das Einsatzkommando Rauff nach Tunesien verlegt. Dort musste er in der Judenfrage Rücksicht auf den italienischen Verbündeten und den französischen Generalrepräsentanten Estéva nehmen. Massenmord konnte Rauff nicht organisieren. Neben einem Zwangsarbeitsprogramm startete die deutsche Besatzungsmacht vielfältige Initiativen zur Ausplünderung der jüdischen Gemeinden mit der Begründung das „internationale Judentum“ sei für alliierte Bombenangriffe auf tunesische Städte verantwortlich.[20]

Narrative

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FürGoebbels’ Propaganda bot das sonnige Nordafrika mit Rommel im Befehlswagen und donnernden Panzern, unterlegt mit dem LiedPanzer rollen in Afrika vor, eine ideale Inszenierungsfläche statt der öden Weiten Russlands. Für die Briten war es der einzige Landkriegsschauplatz. 1943 kam der britische FilmDesert Victory (1944 ausgezeichnet mit dem Oscar für Dokumentarfilme) und die amerikanischen SpielfilmeFive Graves to Cairo undSahara in die Kinos und das führte zu einer Popularisierung und verzerrten Darstellung des exotischen, ja fast schon „schönen“ Krieges.[21]

Nach dem Krieg entstanden neuere Erzählungen der Völkerverständigung, wonach gleichwertige Gegner miteinander gekämpft hätten, die einander militärisch und moralisch respektiert hätten.Paul Carells BuchDie Wüstenfüchse (1958) und der FilmDer Stern von Afrika (1957) mit entpolitisierten Helden, die tief im Herzen den Krieg ablehnten, trafen den Publikumsgeschmack. Der Mythos Nordafrika war in allen Ländern ein Thema. Besonders stolz sind die Italiener auf die militärischen Leistungen derFallschirmjägerdivision Folgore (Churchill:Löwen von Folgore). General Messe setzte den italienischen Veteranen mit seinen MemoirenLa mia armata in Tunisia (1960) ein Denkmal und der FilmEl Alamein – La linea del fuoco (2002) beschränkt seine Darstellung auf die militärischen Aspekte und dieOpferrolle der Italiener ohne politische Einordnung. Die vonfreifranzösischer Seite verloreneSchlacht von Bir Hakeim wurde geschickt als Wende für die Wiederauferstehung des republikanischen Frankreich gedeutet und die BrückePont de Bir-Hakeim und MetrostationBir-Hakeim in Paris erinnern an das Ereignis.[22] Der Mythos des Afrikakrieges ist zweifellos am engsten mit der Person von Erwin Rommel verbunden, dessen Bild in der Wissenschaft immer wieder hinterfragt, diskutiert, relativiert und revidiert wurde. Die Haltung schwankt im Extrem zwischen unkritischer Bewunderung und kategorische Verteufelung.[23]

Siehe auch

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Literatur

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Offizielle militärgeschichtliche Darstellungen

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In vielen der am Zweiten Weltkrieg teilnehmenden Nationen wurden die Geschehnisse später in offiziellen militärgeschichtlichen Darstellungen aufbereitet. Von diesen behandeln folgende den Afrikafeldzug:

Australien

  • Gavin Long:To Benghazi (= Australian War Memorial [Hrsg.]:Australia in the war of 1939–1945. Series 1 – Army.Band 1). Australian War Memorial, Canberra 1961,OCLC872538251 (gov.au [PDF; abgerufen am 12. Dezember 2018]). 
  • Barton Maughan:Tobruk and El Alamein (= Australian War Memorial [Hrsg.]:Australia in the war of 1939–1945. Series 1 – Army.Band 3). Australian War Memorial, Canberra 1966,OCLC933092460 (gov.au [PDF; abgerufen am 2. Dezember 2018]). 

Deutschland

Italien

  • Mario Montanari:Sidi el Barrani (Giugno 1940–Febbraio 1941) (= Ufficio Storico [Hrsg.]:Le operazioni in Africa settentrionale.Band 1). Stato maggiore dell’esercito, Roma 1985,OCLC603722101. 
  • Mario Montanari:Tobruk (Marzo 1941–Gennaio 1942) (= Ufficio Storico [Hrsg.]:Le operazioni in Africa settentrionale.Band 2). Stato maggiore dell’esercito, Roma 1985,OCLC929862118. 
  • Mario Montanari:El Alamein (Gennaio–Novembre 1942) (= Ufficio Storico [Hrsg.]:Le operazioni in Africa settentrionale.Band 3). Stato maggiore dell’esercito, Roma 1989,OCLC247554263. 
  • Mario Montanari:Enfidaville (Novembre 1942–Maggio 1943) (= Ufficio Storico [Hrsg.]:Le operazioni in Africa settentrionale.Band 4). Stato maggiore dell’esercito, Roma 1993,OCLC470399009. 

Südafrika

  • J.A.I. Agar-Hamilton, Leonard Charles Frederick Turner:The Sidi Rezeg battles, 1941. This book was prepared by the Union War Histories Section of the Office of the Prime Minister of the Union of South Africa. Oxford University Press, Cape Town 1957,OCLC25042454. 

Vereinigtes Königreich

  • Ian Stanley Ord Playfair, C.J. Molony, George Marquis Stewart Stitt, S.E. Toomer:The early successes against Italy : (to May 1941). In: Her Majesty’s Stationery Office (Hrsg.):History of the United Kingdom in the Second World War – Military Series (= The Mediterranean and Middle East.Band 1). Her Majesty’s Stationery Office, London 1959,OCLC881708088. 
  • Ian Stanley Ord Playfair, James Butler:The Germans come to the help of their ally, 1941. In: Her Majesty’s Stationery Office (Hrsg.):History of the United Kingdom in the Second World War – Military Series (= The Mediterranean and Middle East.Band 2). Her Majesty’s Stationery Office, London 1960,OCLC59086174. 
  • Ian Stanley Ord Playfair, F.C. Flynn, C.J. Molony, T.P. Gleave:British fortunes reach their lowest ebb: September 1941 to September 1942. In: Her Majesty’s Stationery Office (Hrsg.):History of the United Kingdom in the Second World War – Military Series (= The Mediterranean and Middle East.Band 3). Her Majesty’s Stationery Office, London 1960,OCLC58901476. 
  • Ian Stanley Ord Playfair, F.C. Flynn, C.J. Molony, T.P. Gleave:The destruction of the Axis forces in Africa. In: Her Majesty’s Stationery Office (Hrsg.):History of the United Kingdom in the Second World War – Military Series (= The Mediterranean and Middle East.Band 4). Her Majesty’s Stationery Office, London 1966,OCLC2802405. 

Weblinks

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Commons: Afrikafeldzug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Afrikafeldzug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen und Einzelnachweise

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Anmerkungen
Einzelnachweise
  1. David Van Reybrouck:Kongo. Eine Geschichte. Taschenbuchausgabe, Suhrkamp, Berlin 2013,ISBN 978-3-518-46445-8, S. 225.
  2. Ian Kershaw:Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA, 2008,ISBN 978-3-421-05806-5, S. 228.
  3. Peter Lieb:Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 80.
  4. Gerhard L. Weinberg:Eine Welt in Waffen – Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. DVA 1995,ISBN 3-421-05000-7, S. 261 f.
  5. Klaus-Michael Mallmann,Martin Cüppers:„Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina“. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika 1942. In: Jürgen Matthäus, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.):Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart.Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006,ISBN 978-3-534-18481-1, S. 153–176.
  6. Reinhard Stumpf:Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer, S. 672.
  7. Reinhard Stumpf:Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer, S. 687.
  8. Richard Overy:Blood and Ruins – The Great Imperial War, 1931–1945. Allen Lane 2021,ISBN 978-0-7139-9562-6, S. 455.
  9. Seite 407
  10. Guido Knopp:Hitlers Krieger (Leseprobe).
  11. so in Sönke Neitzel:Rommel, Eugen Johannes Erwin. In:Neue Deutsche Biographie. (NDB).Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005,ISBN 3-428-11203-2,S. 23–24 (deutsche-biographie.de). 
  12. Rommel
  13. Colin F. Baxter:The War in North Africa, 1940-1943. Greenwood Press 1996,ISBN 0-313-29120-9, S. 21.
  14. Paul Carell:Le volpi del deserto. 1960, S. 597. Raymond Cartier:La Seconde Guerre Mondiale. S. 40. Rick Atkinson:An Army at Dawn. 2002, S. 536. David Zabecki:North Africa. 2007. C.N. Barclay:Mediterrean Operations. 1997.
  15. Der große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen, 35., völlig neu bearb. Aufl., 2008,ISBN 978-3-525-32008-2, S. 829.
  16. Peter Lieb:Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 143.
  17. Namensliste auf dem Gedenkstein für die ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter auf dem jüdischen Friedhof Borgel/Tunis (PDF; 6,1 MB) (Memento vom 7. Oktober 2009 imInternet Archive)
  18. Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers:„Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina“. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika 1942. In: Jürgen Matthäus, Klaus-Michael Mallmann (Hg.):Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart.Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, S. 153–176.
  19. Alexandre Kum’a N’dumbe:Hitler voulait l’Afrique. Les plans secrèts du 3e Reich sur le continent africain. Éditions l’Harmattan, Paris 1980,ISBN 2-85802-140-6, S. 67.
  20. Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers:Halbmond und Hakenkreuz – Das Dritte Reich, die Araber und Palästina. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2011,ISBN 978-3-534-24025-8, S. 204 und 206 f.
  21. Peter Lieb:Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 121 f.
  22. Peter Lieb:Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 123–126.
  23. Peter Lieb:Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 128.
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