
Accelerated Mobile Pages (AMP, wörtlich übersetztbeschleunigte Mobilseiten) ist ein speziell für die Erstellung vonWebsites für mobile Endgeräte (v. a.Smartphones) entwickeltes Derivat vonHTML. AMP wurde im Herbst 2015 vomAMP Project unter FederführungGoogles herausgebracht. Viele HTML-Elemente dürfen in AMP-Dokumenten nicht eingesetzt werden. Da AMP aber mehrere eigene Elementtypen unterstützt, stellt es keineTeilmenge von HTML dar. DerMIME-Typ ist wie bei anderen HTML-Dokumenten auchtext/html und.html die Dateiendung. Das eröffnendehtml-Element ist zusätzlich mit dem Blitz-Symbol⚡ (Unicode: 0x26A1) ausgezeichnet, also:<html ⚡>
Gegenüber mobiloptimierten oder mittelsResponsive Design entwickelten Webseiten sollen AMP-Dokumente selbst über Anbindungen mit geringer Bandbreite deutlich schneller geladen und in gängigenWeb-Browsern für Mobilgeräte in kürzerer Zeit durchHTML-Rendering dargestellt werden.
Der Verschlankung des Codes der Seiten dienen die technischen Standards „AMP HTML“, „AMP JS“ und „Google AMP Cache“. Bei AMP HTML handelt es sich um ein HTML, das um spezielle AMP-Tags erweitert wurde (Übersicht siehe:[1]). AMP-JS ist ein JavaScript-Framework, welches bewirkt, dass alle Ressourcen asynchron geladen werden. Dabei werden zuerst sichtbare Elemente einer Seite geladen und danach „unsichtbare“ Elemente. Zudem bietet Google das Proxy-basierteContent Delivery Network „AMP Cache“ an. AMP-Seiten werden optional in den Zwischenspeicher geschrieben, und ihre Leistung wird optimiert, um sie schneller auszuliefern.[2] Dies ermöglicht auch die Darstellung einer Kurzfassung (Snippet) der AMP-Seite auf Ergebnisseiten der Google-Suche. Bilder werden bereits serverseitig auf die erforderliche Größeskaliert. Nicht sofort sichtbare Inhalte werden angefordert, wenn man zuscrollen anfängt.
AMP verfolgt ähnliche Ziele wieFacebook Instant Articles und kann als Googles Antwort darauf verstanden werden.
Der Anspruch, lediglich Seitenabrufe zu beschleunigen, ist jedoch umstritten. Eine Kartellrechtsklage von zehn US-Bundesstaaten offenbarte auf Seite 80 in Absatz 212, dass Nicht-AMP-Anzeigen im Vergleich zu AMP-Anzeigen künstlich um eine Sekunde verzögert wurden.[3]
Gegenüber klassischem HTML muss der Entwickler verschiedene Einschränkungen hinnehmen:
Sucht man mit Mobilgeräten Nachrichtenthemen, zeigt Google prominent platziert Nachrichten-Kurzfassungen in einem Nachrichten-Karussell an. Bei entsprechendem Aufruf erhält man nur Nachrichten von AMP-Seiten. Bei der herkömmlichen Suchergebnis-Anzeige ist die bloße AMP-Verwendung kein Kriterium der Treffer-Reihenfolge.[4] Für Mobilgeräte wird dasRanking dagegen verbessert, da AMP-Seiten schnell geladen werden.[5]
AMP-Artikel erkennt man an einem⚡. Google überwacht die Einhaltung der AMP-Vorgaben und nimmt Seiten gegebenenfalls von der Indexierung aus oder deindexiert sie nachträglich. In derGoogle Search Console wird unterDarstellung in der Suche → Accelerated Mobile Pages über den Indexierungsstatus und Fehler von AMP-Seiten informiert.
AMP wird von mehreren Unternehmen bzw. Organisationen verwendet.
Dazu gehören neben Google auch die SuchmaschinenbetreiberBing undBaidu,soziale Medien wie z. B.Twitter undPinterest sowie Online-Handelsplattformen wieeBay undAliExpress.
Verschiedene Hersteller vonContent-Management-Systemen (CMS) wieWordPress,Joomla undDrupal unterstützen AMP.
Mehrere Nachrichten-Websites wieSpiegel Online undWashington Post bieten Inhalte an, die in AMP aufbereitet sind.
AMP-Inhalte, die über Googles AMP-Cache ausgeliefert werden, enthalten eine Kennzeichnung, von welchem Anbieter sie stammen. Unterhalb der Adressleiste des Web-Browsers, in der Googles Web-Adresse enthalten ist, kann der Nutzer so den Website-Namen des Anbieters identifizieren.
Google kündigte das AMP-Projekt am 7. Oktober 2015 an. Im Vorfeld fanden Gespräche mit Partnern der von Google gegründeten European Digital News Initiative und mit anderen Nachrichtenverlegern und Technologieunternehmen statt. Zunächst wurden mehr als 30 Nachrichtenverlage und mehrere Technologieunternehmen (einschließlichTwitter,Pinterest,LinkedIn undWordPress) als Beteiligte des AMP-Projekts vorgestellt. Laut einem der Mitbegründer des AMP-Projekts, Malte Ubl, hieß AMP ursprünglich PCU[6] und stand für Portable Content Unit. Google begann erstmals im Februar 2016, AMP-Versionen von Webseiten in mobilen Suchergebnissen anzuzeigen. Die AMP-Links in der Google-Suche wurden mit einem Symbol gekennzeichnet.
Im September 2016 kündigteMicrosoft die Unterstützung von AMP in seinenBing Apps für iOS undAndroid an.[7]
Im Februar 2017, ein Jahr nach der Veröffentlichung von AMP, meldeteAdobe, dass AMP-Seiten 7 % des gesamten Web-Traffics für Top-Publisher in den USA ausmachen.[8]
Im Juni 2017 begann Twitter, über seine iOS- und Android-Apps auf AMP-Seiten zu verlinken.[9]
Im September 2018 begann Microsoft mit der Einführung eines eigenen Bing AMP-Viewers und AMP-Caches.[10]
Wie von AMPs technischem Leiter Malte Ubl auf der AMP Conf '19 angekündigt, steht AMP jetzt nicht mehr für Accelerated Mobile Pages und ist jetzt nur noch AMP.[11]
Es hat vielfache Kritik an AMP gegeben.
Die britische IT-Nachrichten-WebsiteThe Register kritisierte, AMP schade Informationsanbietern wie Nutzern und nutze nur Google. Mit AMP verbreitete Falschmeldungen wirkten durch Verteilung über Googles Server seriöser.[12]
Chris Coyier, ein Gründer vonCodePen kritisiert, dass man nicht eine Website besucht, sondern ihre Kopie in Googles Cache. Er fordert, die AMP-Nutzung dürfe das Suchmaschinen-Ranking nicht verbessern. Auch sollte dasW3C AMP als Web-Standard herstellerunabhängig verwalten.[13]
John Gruber, Entwickler derMarkdown-Auszeichnungssprache, betont, der AMP-Standard nehme Website-Anbietern die Unabhängigkeit. AMP-Seiten laden tatsächlich schnell, doch sei das auch durch gut eingesetztesHTML undCSS möglich. Er sieht AMP als Teil der Pläne Googles, das offene Web zu zerstören.[14]
AufHeise online betont Herbert Braun, die zunehmende Komplexität vieler Websites mit vielen Skript-Programmen erhöhe die Ladezeiten. Googles Ansatz, Seiten mit AMP schneller zu laden, schaffe Datenschutzprobleme, da Webseiten nicht mehr von dezentralen Servern abgerufen werden, sondern von Googles Servern. Google erhält damit Verbindungsdaten der Nutzer. Außer Nutzerdaten werden auch Inhalte bei Google gespeichert. Dies bindetPublisher und Nutzer enger an das Google-Universum.[15]
Google kann für AMP jederzeit Richtlinien ändern – ohne Vorlaufzeit. So erhöhte Google für Titelbilder der AMP-Artikel die Mindestbreite von 696 auf 1200 Pixel. Nicht aktualisierte AMP-Seiten sieht man noch über die Websuche, nicht aber im News-Karussell.[16]
Das AMP-Format ist Open Source, nicht aber der AMP-Validator, der die Umsetzung bestimmt. Der Web Cache ist als die Geschwindigkeit bestimmendes Element nur auf Google-Servern vorgesehen.
In einer Kartellklage wird gegen Google der Vorwurf erhoben, der Suchmaschinenanbieter soll AMP für eigene Wettbewerbsvorteile eingeführt haben. Man bezieht sich in der Klage auf interne Unterlagen von Google, die diesen Verdacht nahelegen.[17]