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Abstrakte Kunst

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Abstrakte Kunst, genannt auchungegenständliche Kunst, ist eine Sammelbezeichnung für nach 1900 in Erscheinung tretende Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts. Sie verwendet die bildnerischen Gestaltungsmittel teils – wie derKubismus – vom Gegenstandabstrahierend, teils völlig losgelöst von Natur und realen Gegenständen(gegenstandslose Kunst). Werke der ersteren Kategorie zeigen abstrahierte („verwesentlichte“, auf eine Essenz verdichtete) Gegenstände, Figuren, Räume. Werke der letzteren Kategorie bedienen sich autonom der visuellen, künstlerischen Mittel, ohne jeglichenmimetischen Gegenstandsbezug.[1] In der Verbreitung derFotografie mit ihrer neuen Qualität der Naturwiedergabe wird eine der Ursachen für das Entstehen der abstrakten Kunst gesehen.

Anfänge

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Wassily Kandinsky: Aquarell ohne Titel, 1910 oder 1913 entstanden
Hilma af Klint,Chaos, n°2, 1906.

Die ideellen Wurzeln dürften bis ins antike Griechenland zurückreichen. Die philosophische Justierung für die Einordnung und Würdigung der formalen Qualitäten eines Oeuvres ergibt sich demnach schon aus einer AussagePlatons: „Gerade Linien und Kreise sind … nicht nur schön … sondern ewiglich und absolut schön.“ Grundsätzlich wollte Platon damit zum Ausdruck bringen, dass nicht-gegenständliche Bilder (z. B. einfache geometrische Formen) eine absolute, nicht veränderliche Schönheit besitzen. Demnach kann ein Werk bloß auf der Grundlage seiner Linien und Farben gewürdigt und wertgeschätzt werden – es ist nicht dazu verpflichtet, ein natürliches Objekt oder eine gegenständliche Szene darzustellen.

Abstrakte Kunst in der Form, wie wir sie heute kennen, ist wesentlich jünger und hat ihren Ursprung als Abkehr von der klassischen und traditionellen akademischen Malerei in Europa im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Als erste kunstschaffende Person, die abstrakte Bilder malte, gilt seit einem Bericht der Journalistin und HistorikerinJulia Voss in derFrankfurter Allgemeinen Zeitung im April 2011Hilma af Klint (1862–1944). Nach einer Serie kleinformatiger Bilder im November 1906 schuf sie ihr erstes großformatiges Bild im Jahr 1907.[2]

Weitere Wegbereiterinnen und Wegbereiter der abstrakten Malerei waren die in Frankreich aktiven KünstlerSonia Delaunay-Terk,Robert Delaunay undFrancis Picabia, der NiederländerPiet Mondrian und die in der Schweiz und Frankreich wirkendeSophie Taeuber-Arp.

Kurz nach 1900 begannen die ersten Maler und Bildhauer sich immer weiter von der Wiedergabe der realen Welt zu entfernen. Bekannt istWassily Kandinskys Weg von einer stilisierenden, dem MünchnerJugendstil verpflichteten Malerei über zahlreiche Entwicklungsstufen hin zu abstrakten Kompositionen, die in der reinen Gegenstandslosigkeit organischer und geometrischer Formen münden.[3] Für Künstler wie Kandinsky war nicht mehr die Abbildung der Wirklichkeit entscheidend. Die einzige Wahrheit wollte der russische Künstler im Inneren des Menschen erkennen, und dieses Innere, die Gefühlswelt, sollte sich auf der Leinwand in abstrakten Farben und Formen widerspiegeln. Schon der Kunsthistoriker Wilhelm Worringer hatte 1907 einen Essay über „Abstraktion und Einfühlung“ geschrieben. Darin heißt es: „Die Tendenz zur Abstraktion ist die Folge einer tiefen Verunsicherung des Menschen angesichts der Welt.“[4]

Programmatisch legte Kandinsky mit seiner 1910 verfassten Schrift:Über das Geistige in der Kunst die theoretische Grundlage für die neue Richtung in der Malerei. Ob ihm die Pionierrolle in der Entwicklungsgeschichte zur Abstraktion zukommt, ist indessen strittig. Seinen eigenen Angaben zufolge malte er sein erstes gegenstandsloses Bild im Jahr 1910. Heute geht man aber davon aus, dass Kandinsky dieses Bild vordatiert hat, vermutlich malte er es erst 1913.[5] Der TschecheFrantišek Kupka hatte bereits 1911 begonnen, abstrakte Bilder zu malen.

In der Bildhauerei entstanden die eigentlich gegenstandslosen Werke erst um 1920 von dem ukrainischen BildhauerAlexander Archipenko, dem russischen KonstruktivistenEl Lissitzky und dem englischen BildhauerHenry Moore.

Theoretische Grenzen und Abgrenzung von gegenstandsloser Kunst

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Die Beschreibung von Momenten der Kunst, die sich nicht einem mimetischen Gegenstandsbezug unterwerfen – einer historisch insbesondere für bildende und darstellende Kunst formulierten Norm, die sich wenn überhaupt nur mit erheblichen Einschränkungen auch auf Musik, Architektur und Literatur beziehen lässt –, als Abstraktion ist jedoch nur eine mögliche Perspektive, die auch dem Selbstverständnis verschiedener Strömungen der Kunstgeschichte widerspricht. So grenzten derSuprematismusKasimir Malewitschs und derKonstruktivismus sich alsgegenstandslos explizit von der abstrakten Kunst (etwaWassily Kandinskys) ab, alsillusionismusfreier Schaffung neuer konkreter Wirklichkeit in den Kunstwerken (Suprematismus) bzw. schöpferischer Gestaltung des materiellen Lebens (Konstruktivismus).[6]

Parallele in der Musik

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Die Künstler derAbstraktion bewegten sich parallel zurMusik dieser Zeit. Dort wurde mit derdissonanten Freisetzung des Klangwertes der Einzeltöne und der Entfernung von der Melodie etwas Vergleichbares zur Freisetzung des Farbtons vom Gegenstand geschaffen. Die Künstler desBlauen Reiters suchten daher den Schulterschluss mit Komponisten wieArnold Schönberg, dem Begründer derZwölftontechnik.

Stilrichtungen

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Seit ihren Anfängen hat Abstrakte Kunst in immer neuen Varianten, Stilrichtungen und Zusammenhängen weltweit ihren Platz in der Kunstszene behauptet. Zu ihren wichtigsten Stilrichtungen gehören derKonstruktivismus undSuprematismus, diegeometrische Abstraktion, derAbstrakte Expressionismus, dasInformel, dieAnalytische Malerei und die Kunst, die amBauhaus entstand.

Künstler (Auswahl)

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Wassily Kandinsky:Das Jüngste Gericht/Komposition V, 1911, Privatbesitz
Robert Delaunay:Simultaneous Contrasts-Sun and Moon, 1912–1913, Öl auf Leinwand,Museum of Modern Art, New York
Kasimir Malewitsch:Schwarzes Quadrat auf weißem Grund, 1915 erstmals ausgestellt,Tretjakow-Galerie, Moskau
Adolf Hölzel:Abstraktion II, 1915/16.Staatsgalerie Stuttgart
El Lissitzky:Proun, 1924,M.T. Abraham Center for the Visual Arts
Piet Mondrian:Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1926,Gemeentemuseum Den Haag

Siehe auch

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Literatur

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Weblinks

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Commons: Abstrakte Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: abstrakte Kunst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Nicola Carola Heuwinkel:Entgrenzte Malerei. Art Informel in Deutschland. Kehrer Verlag, Heidelberg/Berlin 2010, S. 22f.
  2. Julia Voss:Die Thronstürmerin. In:FAZ. 16. April 2011, Nr. 90, S. 31.
  3. Das bunte Leben. Wassily Kandinsky im Lenbachhaus. AusstellungskatalogStädtische Galerie im Lenbachhaus. Köln: DuMont 1995,ISBN 3-7701-3785-X
  4. Gaby Reucher: 150. Geburtstag: Wie Wassily Kandinsky zur abstrakten Kunst kam. In: Deutsche Welle. 4. Dezember 2016, abgerufen am 24. November 2020. 
  5. Dietmar Elger:Abstrakte Kunst. Taschen, Köln 2008, S. 28.
  6. Andrei B. Nakov, Michel Pétris:Avertissement des traducteurs. In: Nikolaj Tarabukin:Le dernier tableau. Éditions Champ Libre, Paris 1972. S. 21–23.
Normdaten (Sachbegriff):GND:4141146-8 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh85007522
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