Dieser Artikel behandelt den Bauch des Menschen; zur Symptomatik sieheAkutes Abdomen (Bauchschmerzen); zum Abdomen der Gliederfüßer sieheAbdomen (Gliederfüßer).
Darstellung des Abdomens
DasAbdomen (vonlateinischabdomen‚Unterleib in der Gegend des Nabels‘)[1] oder derBauch ist in deranatomischen Fachsprache der Bereich desRumpfes zwischenBrustkorb undBecken. Das zugehörige Adjektiv istabdominal oder (synonym)abdominell.
Die Obergrenze des Bauches kann man auf Höhe derBrustbeinspitze ansetzen, die Untergrenze amLeistenband. Der von Rippen eingefasste Bereich oberhalb desBauchnabels ist derOberbauch. Der Bereich ohne knöcherne Elemente ist der Mittelbauch. Der Unterbauch (auchUnterleib) ist wiederum vomBecken eingefasst. Unterteilt man außerdem in Längsrichtung entlang der Außenkanten desgeraden Bauchmuskels, so erhält man in der Mitte von oben nach unten dieMagenregion, dieNabelregion und die Schamregion und außen die Rippenregion, die Außenregion und dieLeistenregion.
Auf der Vorderseite, derBauchwand, tritt je nachTrainingszustand mehr oder weniger deutlich der beiderseits angelegte gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) hervor, der bis zur Höhe des Nabels durch drei querverlaufende schmale Sehnenplatten – intersectiones tendineae – unterbrochen wird („Sixpack“ oderWaschbrettbauch). Das Muskelrelief ist bei den meisten Menschen von einer dicken Fettschicht überlagert, das Unterhautfettgewebe ist besonders beiMännern das größteFettdepot. Immer gut tastbar ist oben das Brustbein und unten die vordere obere Spitze der Beckenoberkante (Darmbeinstachel, Spina iliaca), von der aus dieHaut entlang desLeistenbandes als Grenze zumBein eingeschnürt erscheint. ImSchambereich kann man die Oberkante desSchambeins mit derSymphyse ertasten.
Etwa in der Mitte des Bauches liegt der Bauchnabel.
Der obere Teil des Bauches wird von den unterstenRippen eingefasst, die auf die Spitze desBrustbeins zulaufen (denSchwertfortsatz). Im unteren Bereich außen befindet sich die Oberkante des Beckens(Crista iliaca).
Der Hohlraum des Abdomens wird alsBauchhöhle (auchBauchraum oderlateinischCavitas abdominalis) bezeichnet. Begrenzt wird er nach oben (kranial) vomZwerchfell, nach unten (kaudal) vomHüftbein mit der aufgelagerten Muskulatur sowie vomBeckenboden, seitlich und nach vorne (ventral) von der vorderen Bauchwand und nach hinten (dorsal) von der Lendenwirbelsäule, dem Kreuzbein sowie den tiefenBauchmuskeln.
Ausgekleidet wird die Bauchhöhle durch dasparietale Peritoneum, das als Wandblatt der Bauchhöhle deren Außenwände auskleidet und sich alsviszerales Peritoneum (Eingeweideblatt) in den Bauch- bzw.Beckenorganen fortsetzt und diese zu einem großen Teil überzieht.
Die Bauchhöhle wird durch das Bauchfell (Peritoneum) unterteilt in die davon umgebenePeritonealhöhle(Cavitas peritonealis), den dorsal davon liegendenRetroperitonealraum(Spatium retroperitoneale) und den kaudal davon liegendenSubperitonealraum(Spatium subperitoneale).
Beckenhöhle(Cavitas pelvis) ist die Bezeichnung für den kaudal derBeckeneingangsebene liegenden Abschnitt der Bauchhöhle. Sie enthält Anteile aller drei zuvor genannten Abschnitte.
Als „abnormer Inhalt“ der Bauchhöhle werden vermehrter Flüssigkeitsgehalt(Aszites), Blut(Hämaskos),Lymphe(Chylaskos) und Gas(Pneumoperitoneum) bezeichnet. Durch eine Perforation der Magenwand kann Mageninhalt, durch eine Perforation des Darms Darminhalt bzw.Kot in die Bauchhöhle gelangen.
Durch dasGekröse desQuerdarms (das Mesocolon des Colon transversum) wird die Bauchhöhle in den Ober- und Unterbauch geteilt. Mesocolon,Mesenterium und andere Bauchfellduplikaturen unterteilen die Bauchhöhle beim Menschen in mehrere spaltförmige Räume, sogenannteBauchfellnischen oder -taschen:
Im Oberbauch:
DieRecessus subphrenici (rechter und linker subphrenischer Spalt) werden durch dasLigamentum falciforme hepatis voneinander getrennt und liegen zwischen Vorderseite der Leber und Unterseite des Zwerchfells.
DieRecessus oderSulci paracolici stellen die Fortsetzung dieser Spaltbildungen nach unten dar und werden rechts durch die seitliche Bauchwand und den aufsteigenden, links durch die seitliche Bauchwand und den absteigenden Teil des Dickdarms begrenzt.
DerRecessus subhepaticus wird oben durch die Unterseite der Leber, unten durch den querverlaufenden Anteil des Dickdarms, den Magen und das kleine NetzOmentum minus begrenzt.
DieBursa omentalis als größte Bauchfellnische der Bauchhöhle.
DerRecessus morisoni wird vorne durch die Rückseite des rechten Leberlappens und hinten durch die retroperitoneal gelegene rechte Niere begrenzt.
Im Unterbauch:
Über dem Ansatz des Mesenteriums, der sogenanntenMesenterialwurzel gelangt man in den rechten mesenteriokolischen Spalt (Spatium mesenterico-colicum dexter).
Unter dem Ansatz gelangt man in den linken mesenteriokolischen Spalt (Spatium mesenterico-colicum sinister).
DerRecessus retrocaecalis liegt hinter dem Blinddarm und ist von dessen Unterseite aus erreichbar.
DerRecessus intersigmoideus unter dem Colon sigmoideum entspricht dem retroperitonealen Verlauf des linkenHarnleiters.
In der Bauchhöhle finden sich verschiedene Organe. Sind die Organe vom Bauchfell überzogen bezeichnet man sie alsintraperitoneal, liegen sie dahinter nennt man sieretroperitoneal.[2] Sie können zudem in Ober- und Unterbauchorgane unterteilt werden. Zu den Oberbauchorganen gehörenLeber,Gallenblase,Magen,Zwölffingerdarm,Bauchspeicheldrüse undMilz. Zu den Unterbauchorganen gehören derDünndarm (ohne Zwölffingerdarm) und derDickdarm (inklusive Quercolon, ohneRektum). Die Oberfläche der Bauchorgane bzw. deren peritoneale Auskleidung wird von einem dünnen serösen Flüssigkeitsfilm (Liquor peritoenei) überzogen, der die Verschiebbarkeit der Bauch- und Beckenorgane gegeneinander gewährleistet.
Vorne an der Wirbelsäule läuft derGrenzstrang, der die vegetativenNervenfasern für dieOrgane enthält. Links vor der Wirbelsäule liegt dieAorta, die Hauptschlagader, von der alle anderenArterien (Schlagadern) abzweigen. Rechts vor der Wirbelsäule liegt dieuntere Hohlvene, die Hauptvene.
DieLeber liegt im rechten und mittlerenOberbauch und schmiegt sich unter die rechte Zwerchfellkuppel. Links daneben liegt derMagen mit seiner zur Leber hin offenenKrümmung. Beide Organe sind zum größeren Teil noch vomBrustkorb bedeckt.
DieGallenblase liegt unter der Leber versteckt, die kaffeebohnenförmigeMilz links hinter dem Magen.
Der Magen setzt sich in denDünndarm fort, an dessen Anfang die länglicheBauchspeicheldrüse (Pankreas) angewachsen ist, die hinter dem Magen mit der Spitze auf die Milz weist.
Der Dünndarm bildet ein ungeordnetes Gewirr von Darmschlingen, das den Großteil des Mittel- und Unterbauchs ausfüllt. Man unterteilt ihn in drei Abschnitte:Duodenum (Zwölffingerdarm),Jejunum (Leerdarm) undIleum (Krumm- oder Hüftdarm). Das Ileum mündet im rechten Unterbauch in denDickdarm.
Der Dickdarm (Colon) hat an seinem Anfang nach unten hin einrudimentäres, blindes Ende: dasCaecum (Blinddarm) mit demAppendix vermiformis (Wurmfortsatz), dessen Lage sehr unterschiedlich sein kann. Nach oben setzt er sich alsColon ascendens fort und zieht hinauf bis zur Leber. Er ist dort durch dieFlexura coli dexter aufgehängt. Als Querkolon (Colon transversum) zieht der Dickdarm dann vor dem Magen und den Dünndarmschlingen auf die linke Seite, wo er an derFlexura coli sinister aufgehängt ist. Von dort steigt er alsColon descendens wieder ab in RichtungAnus. Er bildet damit optisch eine Art Rahmen um die Dünndarmschlingen herum.
BeimEmbryo befinden sich zunächst alle Organe hinter demBauchfell, dem Peritoneum, also retroperitoneal. DieNieren mit denNebennieren bleiben ebenfalls dort. Der Verdauungskanal (Magen, Dünndarm, Dickdarm; sieheGastrointestinaltrakt) stülpt sich dann nach vorne in denPeritonealraum (alsointraperitoneal) ein, wobei sich dann bestimmte Darmabschnitte wieder hinten an das Bauchfell (sekundär retroperitoneal) anlagern. Aus diesem Grund sind alle Abschnitte des Verdauungskanals über eine Umschlagfalte des Bauchfells, ein sog.Mesenterium, hinten – und im Oberbauch auch vorne – mit derBauchwand verbunden. Die Leber ist eine Einwachsung in das vordere Mesenterium des Magens, dasMesogastrium; die Milz und das Pankreas sind Einwachsungen in dessen hinteres Mesenterium (beides vgl.Gekröse). Durch dieMagendrehungen ist die Leber rechts neben dem Magen zu liegen gekommen; die Bauchspeicheldrüse und die Milz links hinten.
AlleLeitungsbahnen erreichen ihre Zielorgane, sofern diese innerhalb des Peritonealraums liegen, über ein solches Mesenterium.
Die Nieren, die Milz und die Leber haben jeweils eine „Eintrittspforte“, ein sogenanntesHilum, also eine Einbuchtung an der nach innen weisenden Seite, über die alle Leitungsbahnen das Organ erreichen oder verlassen.
Als Ursache vonBauchschmerzen kommen Erkrankungen von Organen (wie etwa Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase) des Bauchraumes bzw. der Bauchhöhle[3] sowie (intraabdominelle) Infektionen (zum BeispielBauchfellentzündung,Gallengangsentzündung oder intraabdominelleAbszesse)[4] im Bauchraum, Krankheiten, die sich außerhalb des Bauchraumes abspielen, aber auch Missempfindungen, die durch psychische Erkrankungen ausgelöst werden, in Frage. Organische Schmerzen können meistens nur grob als Oberbauchschmerz, Schmerz im mittleren Bauch und Unterbauchschmerz angegeben werden. Auch ein Hodenschmerz kann sich in den Bauchbereich projizieren (z. B.Hodenverdrehung). EinHerzinfarkt kann sich ebenfalls selten als Oberbauchschmerz äußern (siehe auchHead-Zone). Ein Schmerz auf der Haut oder in der Leibeswand (Muskelverspannung) kann dagegen genauer lokalisiert werden.
Tina Ebbing:Körpermitte. Eine Kulturgeschichte des Bauches seit der Frühen Neuzeit. Campus, Frankfurt am Main / New York 2008. Zugleich: Dissertation, Universität Münster 2007,ISBN 978-3-593-38733-8.Rezension. sehepunkte.de
Bauchhöhle
Herbert Lippert:Lehrbuch Anatomie. 7. Auflage. Elsevier, München 2003,ISBN 3-437-42362-2, S. 278.
Helga Fritsch, Wolfgang Kühnel:Taschenatlas Anatomie – Band 2 Innere Organe. 9. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005,ISBN 3-13-492109-X, S. 182.
Untersuchung des Abdomens
Herrmann S. Füeßl, Martin Middeke:Anamnese und Klinische Untersuchung. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005,ISBN 3-13-126883-2.
↑Karl Ernst Georges:abdomen. In:Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage.Band1:A–H. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1913,Sp.10 (Digitalisat.zeno.org).
↑Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 259. Auflage. Walter de Gruyter GmbH & Co, Berlin 2001,ISBN 3-11-016522-8, S. 808, 1446.
↑Vgl. etwaHans von Haberer:Lebenswichtige, dringliche Operationen in der Bauchhöhle! In:Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 61–69.
↑Marianne Abele-Horn:Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009,ISBN 978-3-927219-14-4, S. 119–129 (Intraabdominelle Infektionen).
↑Klaus Holldack, Klaus Gahl:Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955. 10., neubearbeitete Auflage: ebenda 1986,ISBN 3-13-352410-0, S. 230–238.