| Abbott Laboratories | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | US0028241000 |
| Gründung | 1888 |
| Sitz | Abbott Park,North Chicago,Illinois, Vereinigte Staaten |
| Leitung | Miles D. White (Chairman undCEO) Robert Ford (COO) |
| Mitarbeiterzahl | 114.000(2024)[1] |
| Umsatz | 42 Mrd. USD(2024)[1] |
| Branche | Biotechnologie,Pharmazie |
| Website | www.abbott.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Abbott Laboratories (ABT; GründungsnameAbbott Alkaloid Company) ist ein weltweit operierender, alsStandardwert geltender und imS&P 100 als auch imDow Jones Global Titans 50 gelisteterUS-amerikanischerPharmakonzern mit rund 73.000 Mitarbeitern in 150 Ländern.[2] Das UnternehmenAbbott wurde 1888 vonWallace C. Abbott (1857–1921) gegründet und hat seinen Hauptsitz in Abbott Park, einem nördlichen Vorort vonChicago,Illinois.
Das Kerngeschäft von Abbott Laboratories liegt in der Erforschung, Entwicklung und Herstellung verschiedenerArzneimittel ausHumanmedizin undVeterinärmedizin, sowie in den BereichenLabordiagnostik und klinische Ernährung.
Abbott wurde am 1. Januar 2013 in die zwei unabhängige UnternehmenAbbott undAbbVie aufgeteilt. Abbott ist weiterhin in Bereichen wie Diagnostik,Medizintechnik, Ernährung und Markenmedikamenten tätig. AbbVie ist ein neu gegründetes forschendes, unter dem Symbol „ABBV“ an derNew Yorker Börse gehandeltesBioPharma-Unternehmen mit dem seinerzeit von Abbott Laboratories vermarktetenPortfolio an Spezialmedikamenten. Tätig ist AbbVie unter anderem in den BereichenImmunologie,Onkologie undVirologie.[3][4][5]Diätetische Spezialnahrung wird von der TochtergesellschaftAbbott Nutrition produziert.

Im Jahr 1888 entwickelte der 30-jährige praktizierende Arzt und Apothekenbesitzer Wallace Calvin Abbott aus den aktivenAlkaloiden einer medizinisch wirksamen Pflanze winzige Tablettenkügelchen, die er alsdosimetrisches Granulat bezeichnete. DiesesGranulat ermöglichte eine genauere und damit effektivere Dosierung des jeweiligen Wirkstoffes als andere Präparate, die zu dieser Zeit verfügbar waren. Die aufkommende hohe Nachfrage nach dieser neuen Darreichungsform ermöglichte 1900 die offizielle Eintragung der Abbott Alkaloid Company in Chicago, Illinois. 1910 wurde inLondon die erste europäische Niederlassung gegründet, sowie Zweigstellen inNew York,San Francisco,Seattle undToronto.
1915 wurde das Unternehmen in Abbott Laboratories umbenannt. 1916 brachte Abbott mit demAntiseptikumChlorazene eines der ersten synthetisch hergestellten Arzneimittel auf den Markt, das häufig auf den Schlachtfeldern desErsten Weltkrieges zur Reinigung undDesinfektion von Wunden eingesetzt wurde. Der Firmenhauptsitz in Chicago wurde 1920 gebaut und in den nächsten Jahren wurden weitereWirkstoffe undPräparate erforscht, entwickelt und vermarktet. Nach der Entdeckung desPenicillins im Jahr 1928 war Abbott eines der ersten fünf Unternehmen, die dieses im industriellen Maßstab produzierten.
Während desZweiten Weltkrieges erlangte das 1942 entwickelteHalazone, eine Tablette zurWasseraufbereitung, große Bedeutung für dieTrinkwasserversorgung der amerikanischen Truppen an den unterschiedlichen Fronten.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitete Abbott Laboratories seine Aktivitäten, vor allem durch die Übernahme anderer Firmen, aber auch durchFusionen, auf verschiedeneWirtschaftszweige aus, von denen einige, wie die Herstellung vonGolfausrüstungen, später wieder aufgegeben wurden. Aus dem 1962 erfolgtenJoint Venture mit der Dianippon Pharmaceuticals Co. Ltd., einem japanischen Hersteller vonRadiopharmaka, entwickelte sich Abbott Japan, der bis heute größte Konzernstandort außerhalb der USA. Im Jahr 1965 entsteht mit der Gründung der Deutschen Abbott GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen vonC. H. Boehringer Sohn, Ingelheim und Abbott Laboratories, die erste Niederlassung inDeutschland.
Im Jahr 1985 brachte Abbott den erstendiagnostischenHIV-Test, in Form eines Blut-Screening-Verfahrens auf den Markt. 1996 wurde das PräparatNorvir eingeführt, das später durch Kombination des ursprünglichen WirkstoffesRitonavir mit Lopinavir zuKaletra weiterentwickelt wird, das 2000 die Zulassung erhielt.
2001 erfolgte die Übernahme der Pharmasparte derBASF.[6] Dadurch wurde die Produktpalette um die TherapiegebieteKrebs,Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen desZNS erweitert. MitHumira kam 2003 ein Medikament auf den europäischen Markt, dasmonoklonale Antikörper zur Behandlung derrheumatoidenen Arthritis, derPsoriasis-Arthritis und vonMorbus Bechterew einsetzt.
Die jüngsten Firmenübernahmen fanden 2009 statt. Abbott Laboratories übernahm die Sparte fürPharma des MitbewerbersSolvay. Des Weiteren wurde dasBiotechnologieunternehmen Kos Pharmaceuticals akquiriert.
Im Januar 2017 wurdeSt. Jude Medical durch Abbott Laboratories für 25 Mrd. US$ übernommen.[7]
Nach der Gründung der Deutschen Abbott GmbH im Jahr 1965 konzentrierten sich die Aktivitäten des neuen Konzerns zunächst auf Pharmazeutika und Klinikprodukte. 1968 wird zur Vermarktung der Diagnostika und der damit verbundenenDienstleistungen die Abbott Diagnostics Products GmbH mit Sitz in Eschborn, später in Langen, gegründet. Die beiden Unternehmen, die voneinander rechtlich unabhängig sind, ziehen 1981 gemeinsam in das neu errichtete Firmengebäude inWiesbaden-Delkenheim. Im Anschluss daran werden die beiden Firmen 1988 durch die Gründung der Abbott GmbH auch rechtlich ein Unternehmen, das die Geschäftsbereiche Pharmazeutika, Klinikprodukte und Diagnostika umfasst. 1996 erfolgt die Gründung der Abbott Diagnostics GmbH, deren Aufgabe darin besteht, dielogistischen Aktivitäten der Abbott GmbH zu bündeln. Im Jahr 2000 wird eine Vertriebslinie der Kanoldt Arzneimittel GmbH akquiriert, wodurch das Abbott Produktportfolio durch den BereichUrologie ergänzt wird. Im November 2001 werden, nach der Übernahme der Pharmasparte der BASF und damit der Knoll AG im März des Jahres, die Abbott GmbH, Wiesbaden, die Knoll GmbH und die Knoll Deutschland GmbH, Ludwigshafen zur Abbott GmbH & Co. KG, mit Hauptsitz in Wiesbaden zusammengefasst. Weitere Produktionsstätten bestehen inHannover,Neustadt am Rübenberge,Wetzlar,Ettlingen,Ludwigshafen am Rhein undWitten.
Mit der Aufteilung des Unternehmens wurde das Deutschlandgeschäft in die Abbott GmbH & Co. KG undAbbVie Deutschland GmbH & Co. KG aufgeteilt. Dabei verblieben bei Abbott ungefähr 2600 Mitarbeiter. Die AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG zog Anfang 2014 mit ihren Mitarbeitern in einen Neubau an dieMainzer Straße in der Wiesbadener Innenstadt.[8]
Zu den wichtigsten Niederlassungen zählen die Forschungszentren in Chicago, Parsippany, Worcester und Ludwigshafen, sowie die Produktionsstätten inPuerto Rico,Irland undGroßbritannien. Die beiden Werke in Deutschland befinden sich in Wiesbaden-Delkenheim und Ludwigshafen. Zusätzlich gibt es seit März 2003 einen administrativen Standort in Wetzlar. Im Februar 2010 wurde die Akquisition der belgischen Solvay Pharmaceuticals Gruppe abgeschlossen, wodurch die deutschen Standorte Hannover und Neustadt am Rübenberge hinzukamen.
In Wiesbaden sind ungefähr 1700 Mitarbeiter beschäftigt, die Niederlassung ist der Sitz der Geschäftsführung für alle kommerziellen Aktivitäten in Deutschland. Hier befindet sich die weltweit zweitgrößte Produktions- und Entwicklungsstätte für Diagnostika, darüber hinaus werden diese von Wiesbaden aus in 140 Länder geliefert. Auch erfolgt an diesem Standort die Durchführung der klinischen Forschungsaktivitäten in den Bereichen Pharma und medizinische Ernährung.
Dieser war mit zirka 2000 Beschäftigten zunächst einer der bedeutendsten Standorte von Abbott Laboratories außerhalb der USA. Das hier angesiedelteCenter of Excellence für Erkrankungen des Zentralen Nervensystems, weite Teile der pharmazeutischen Entwicklung und die gesamte Produktion gehören jedoch seit 2013 zuAbbVie. Bei Abbott verblieben ist lediglich das Fachzentrum für europäische regulatorische Angelegenheiten, sowie verschiedene Serviceeinheiten, vor allem zur Betreuung von klinischen Studien.
Seit März 2007 besteht ein Standort im mittelhessischenWetzlar – dort befindet sich die Verwaltung des Geschäftsbereiches Vascular – also aller kardiovaskulären Aktivitäten von Abbott. Seit der Übernahme der Geschäftsbereiche Vascular von der Guidant Corp. 2006 sind diese in Abbott Vascular eingebunden.
Abbott Laboratories wurde in den vergangenen Jahren mehrmals von AIDS-Aktivisten kritisiert. Ein Grund hierfür war die Preiserhöhung für das HIV-Medikament Norvir im Jahre 2003 von 1,71 Dollar auf 8,57 Dollar innerhalb eines Tages. Noch stärker jedoch wurde die Firmenpolitik hinsichtlich des HIV-Medikaments Kaletra, das zur zweiten Generation der HIV-Präparate gehört, kritisiert. Viele Organisationen wie beispielsweiseÄrzte ohne Grenzen, dieStudent Global AIDS Campaign oderAct Up organisierten Proteste in den Vereinigten Staaten, um zu erreichen, dass Abbott das Medikament in Drittweltstaaten registrieren lässt. Darauf wurde mit der Einführung des PräparatesAluvia reagiert. Dieses enthält die gleichen Wirkstoffe wie Kaletra und ist in Drittweltstaaten zugelassen. Zudem wird es diesen Ländern zu einem – im Verhältnis zu Kaletra – günstigen Preis angeboten.

Am 24. Juli 2024 veröffentlichte dieU.S. Food and Drug Administration (FDA) einen Rückruf fürSensoren desBlutzuckermessgerätsFreeStyle Libre 3, das einekontinuierliche Glukosemessung ermöglicht.[10] Der Rückruf war erforderlich geworden, weil die Sensoren ausweislich der dortigen Fehlerbeschreibung fälschlicherweise zu hohe Glukosewerte anzeigten. Man habe am selben Tag Korrekturhinweise an Kunden, Händler und Großhändler versandt und eine Pressemitteilung veröffentlicht. Am 26. Juli berichtete Nick Paul Taylor darüber.[11]
Im April 2025 berichtete dieDeutsche Apothekerzeitung über fehlerhafte Sensoren, die „zu niedrige Blutzuckerwerte“ anzeigen würden.[12] Allerdings erscheinen die dortigen Angaben unglaubwürdig: ein insulinpflichtiger Patient habe „drei Wochen kein Insulin mehr gespritzt und große Mengen Cola getrunken“, wonach sich ein „Wert von 158 mg/dL“ eingestellt hätte. Abbott habe seinerzeit angegeben, „dass es keine fehlerhaftenChargen“ gebe.
Ohne Datum, aber am 10. September 2025 alsPDF erstellt, hinterlegte Abbott unter dem TitelDringende Sicherheitsinformation betreffend FreeStyle Libre 3 Plus Sensoren auf der Website desBundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Warnhinweis über fehlerhafte Sensoren, die „zu falsch-hohen Glukosemesswerten führen“ könnten.[13]
Im November 2025 hinterlegte Abbott beim BfArM eine weitere PDF mit einer Sicherheitswarnung. Betroffen seien „FreeStyle Libre 3 und FreeStyle Libre 3 Plus Sensoren“, die „zu falsch-niedrigen Glukosemesswerten“ führen könnten.[14] Am 24. November 2025 berichtete die NachrichtenagenturReuters über die fehlerbehafteten Sensoren.[15] Allein in denUSA seien rund 3 Millionen Sensoren betroffen. Abbott habe weltweit 736 Meldungen über schwerwiegende Nebenwirkungen und sieben Todesfälle erhalten, die möglicherweise mit dem Problem in Zusammenhang stehen. Keiner der Todesfälle ereignete sich in den USA. DieWirtschaftsjournalisten vonMedTech Dive, einer Plattform, die über Nachrichten und Trends derMedizintechnik berichtet, setzten ebenfalls am 24. November eine Meldung mit Hinweisen auf ernste Vorkommnisse und Todesfälle ab und teilten mit, dass es in den USA zu 57 schwerwiegenden Folgeereignissen gekommen sei und dass laut Abbott die Ursache des Problems inzwischen behoben sei.[16] Am 27. November berichtete dieDeutsche Apothekerzeitung erneut.[17] Am 29. November setztePressReader mit einem Abdruck aus der TageszeitungLiechtensteiner Vaterland nach, die unter dem Titel«Es drohen Erblindung und Koma» berichtet hatte.[18] Für dieSchweiz geheSwissmedic von mehreren hunderttausend fehlerhafter Sensoren aus.