Der Ort geht auf eineWikingersiedlung an der Mündung desAarhus Å zurück. Aarhus wurde erstmals 948 als Bischofssitz erwähnt und entwickelte sich nach demMittelalter zu einer florierendenSeehandelsstadt. Von dem wirtschaftlichen Einbruch durch denDreißigjährigen Krieg erholte sich Aarhus erst im Laufe des 19. Jahrhunderts mit der einsetzendenIndustrialisierung und dem Ausbau des Hafens. Als Mittelpunkt eines neuenChaussee- und Eisenbahnnetzes entwickelte sich die Stadt zum wirtschaftlichen Zentrum Jütlands und verfügt heute über eine vielseitige Industrie. Der SeehafenAarhus Havn ist das größteContainerterminal Dänemarks.
Aarhus liegt an derAarhusbucht, die zumKattegat zwischen Jütland und der schwedischen Westküste gehört. Die Stadt liegt etwa 40 km östlich vonSilkeborg, 50 nördlich vonHorsens und etwa 100 km südlich vonAalborg.
Der Ort wurde von denWikingern gegründet, die sich im Mündungsgebiet des FlussesAarhus Å niederließen, und war seit diesem Zeitpunkt ununterbrochen besiedelt. Die älteste Schreibweise,Arus stammt aus dem Jahr 1231, gebildet auså (dt. Fluss) und altdänischōs (dt. Mündung), später zu–hus (dt. Haus) umgebildet. Die etwa vier Hektar große Siedlung wuchs bald flussaufwärts RichtungImmervad und flussabwärts zur heutigen StraßeMejlgade; sie war von einem Festungswall mit Graben umgeben.[4]
Jüngste Ausgrabungen in Aarhus ergaben, dass die Stadt um 770 gegründet wurde. Demnach ist Aarhus mindestens 100 Jahre älter als zuvor angenommen und eine der ältesten Städte in Nordeuropa. Sie war nachHaithabu undDankirke naheRibe die dritte Stadt, die in den Annalen erwähnt wurde, bereits 948 soll sie Bischofssitz gewesen sein (sieheBistum Aarhus undListe der Bischöfe von Århus), obwohl sichHarald Blauzahn erst 960 taufen ließ. 965 und 988 tauchte der Name wiederum in deutschen Dokumenten auf. Die Wikinger hinterließen im Stadtgebiet sechsRunensteine. Seit 1040 wurden in der StadtMünzen geschlagen.
1050 griff der Norweger-KönigHarald Hardråda die Stadt an. Aarhus wurde 1060 erneut Bischofssitz. 1070 wurde in der schnell wachsenden Ortschaft der Dom bereits außerhalb des Walls in der neuen Vorstadt errichtet. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstand nördlich des alten Walls die nächste Vorstadt und die St.-Olufs-Kirche. Als 1191 Peder Vagnsen Bischof wurde, leitete dies eine neue Entwicklung ein, und 1203 wurde mit dem Bau des heutigen Doms begonnen. Der alte Dom wurde abgerissen, an seiner Stelle entstand 1235 die Frue Kirke und ein Kloster derDominikaner. 1477 wurde der erste Wallabschnitt für neue Bauten geschleift.
Im 16. und 17. Jahrhundert war Aarhus eine regional recht bedeutende Seehandelsstadt, die im Gesamtstaat unter der dänischen Krone jedoch hinterKopenhagen,Flensburg und dem im 17. Jahrhundert gegründetenAltona zurückblieb. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Stadt sich zum Mittelpunkt des neuen Chaussee- und Eisenbahnnetzes entwickelte, wurde Aarhus zur größten Stadt in Jütland und überflügelte bald die KonkurrentenRanders undAalborg. Der Verlust der HerzogtümerSchleswig,Holstein undLauenburg und damit der wirtschaftlichen Zentren im Süden des bisherigen Gesamtstaats stärkte die Position der Stadt innerhalb Dänemarks.
Am 27. Oktober 2010 beschloss der Aarhuser Stadtrat gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien und derEnhedslisten, die Rückkehr zur alten Schreibweise des Ortsnamens ab dem 1. Januar 2011 vonÅrhus zuAarhus. Diese Schreibweise kann problemlos auf jeder Tastatur geschrieben werden, die auf derlateinischen Schrift basiert. Mit der Maßnahme beabsichtigten die Politiker, die Stadt im internationalen Wettbewerb stärker zu positionieren.[2] Obwohl ein Erlass von 1984 den kommunalen Behörden erlaubt, eine alte Aa-Schreibweise wiederherzustellen, wird die offizielle Rechtschreibung von der Dänischen Sprachkommission (Dansk Sprognævn) und der dänischen Ortsnamenkommission (Stednavneudvalget) beschlossen. Diese behielten im Rechtschreibwörterbuch die SchreibweiseÅrhus als Hauptform und fügten lediglichAarhus in Klammern bei.[6]
1960 wurde die Stadt Århus mit demEuropapreis für ihre hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet.[8] Am 25. Juni 1998 wurde hier dieAarhus-Konvention unterzeichnet, die seit 2001 alsUNECE-Übereinkommen der erstevölkerrechtliche Vertrag ist, der jeder Person Rechte imUmweltschutz zuschreibt.
DasRathaus (1938–1941) von ArchitektArne Jacobsen mit seinem 60 Meter hohenGlockenturm und dieUniversitätsgebäude (1933–1946) sind Beispiele moderner dänischer Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Auf der Halbinsel Aarhus Ø im Hafenbereich befindet sich mit dem 142 Meter hohenLighthouse Dänemarks höchstes Gebäude.
In unmittelbarer Nachbarschaft zumMusikhuset Aarhus befindet sich dasARoS Aarhus Kunstmuseum, das eine große Anzahl von Werken moderner nationaler und internationaler Künstler beherbergt. Der weithin sichtbare, vonÓlafur Elíasson gestaltete Rainbow Walk hat ein Gegenstück in derUendelige Bro, einer kreisrunden Seebrücke am Strand von Marselisborg. Dort, im Südwesten der Stadt liegt außerdemSchloss Marselisborg, das im Sommer als Residenz der Königsfamilie dient. Bei Anwesenheit der dänischen KöniginMargrethe II. findet die eindrucksvolle Parade zur Wachablösung jeden Tag um zwölf Uhr statt. Der Park um das Schloss herum kann kostenlos besichtigt werden, wenn die Königsfamilie nicht anwesend ist.
Das Dukketeater Svalegangen ist das einzige professionellePapiertheater Dänemarks.[12]
Nördlich der Innenstadt liegt der großzügig angelegteUniversitätspark, in dem sich die Fakultätsgebäude der Universität Aarhus befinden. Der weitläufige Park mit seinen beiden Seen in der Mitte ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für die Einwohner. In Aarhus gibt es einen für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen 216,1 Meter hohen Fernmeldeturm, denSøsterhøj, der 1956 alsHybridturm (Stahlbetonturm mit aufgesetztem abgespanntem Sendemast) errichtet wurde.Danmarks Radio sendet von dort aus mehrereUKW-Programme und das zweite Fernsehprogramm.
Südlich der Stadt (in Højbjerg) befindet sich dasMuseum Moesgård. DerDolmen von Årslev (dän. Årslev-dyssen) ist einer der wenigen Dolmen in der Region, der nicht im Zusammenhang mit der Landwirtschaft und dem Ausweiten der Stadt Aarhus in Dänemark zerstört wurde.
In Aarhus erscheinen zwei größereTageszeitungen: die größte dänische Tageszeitung,Jyllands-Posten, mit Sitz in Aarhus-Viby sowieÅrhus Stiftstidende, eineRegionalzeitung, die sich auf Aarhus und dessen Hinterland konzentriert. Zudem gibt es zwei regionale Radio- und Fernsehstationen: der RegionalsenderP4 vonDanmarks Radio betreibt mitP4 Østjylland eine lokale Radiostation in der Stadt, dessen Verbreitungsgebiet Aarhus und neun umliegende Gemeinden umfasst.[19] Und seit 1986 unterhält hier auch der SenderTV 2 mitTV 2/Østjylland ein Regionalstudio, dessen Sendungen 1990 erstmals ausgestrahlt wurden.[20] Daneben wird von Studenten der Aarhuser Hochschulen seit Februar 1996 derdänische HochschulradiosenderAarhus Studenterradio betrieben.[21]
Dänemarks größte Ausbildungs- und Forschungseinrichtung für Journalismus,Journalisthøjskolen (vor 2008Danmarks Journalisthøjskole), hat ebenfalls ihren Sitz in Aarhus.
Aarhus bildet das Handelszentrum vonJütland. WichtigsteIndustriezweige sind dieMaschinen- undTextilindustrie (z. B. der WindkraftanlagenherstellerVestas oder der SportartikelherstellerHummel). Der Hafenexportiert hauptsächlichlandwirtschaftliche Erzeugnisse, während die wichtigstenImportgüterKohle undEisen sind. Aarhus ist Firmensitz des GetränkekonzernsRoyal Unibrew. MitStibo A/S, 1794 als Druckhaus gegründet, sitzt eines der ältesten Unternehmen, die heute international im Software-, IT- und Druckgeschäft tätig sind, in Aarhus.[22]
Seit dem 9. Dezember 2007 war Aarhus auf derHauptstrecke Richtung Padborg mit täglich einem Zugpaar nachBerlin überHamburg und einem weiteren Zugpaar nur bis Hamburg desICE TD (dieselelektrisch) direkt an das deutscheICE-Netz eingebunden. Die Relation nach Hamburg wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 auf einen mit dem dänischenMF (IC3) alsEurocity geführten Zug umgestellt, die Direktverbindung nach Berlin aufgegeben. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 wurde die Direktverbindung Hamburg–Aarhus zugunsten der Verbindung Hamburg–Kopenhagen komplett aufgegeben; Aarhus ist von Deutschland aus nur mit mindestens einem Umstieg (z. B. inKolding) erreichbar.[23]
Der regionaleFlughafen Aarhus (IATA: AAR,ICAO: EKAH) befindet sich etwa 36 Kilometer von Aarhus entfernt in Tirstrup. Er verfügt über zwei parallele Start- und Landebahnen in Ost-West-Richtung, 10L/28R mit einer Länge von 2777 m und 10R/28L mit einer Länge von 2702 m.[24]
DieEuropastraße 45 als Dänemarks wichtigste Nord-Süd-Verbindung führt westlich an Aarhus vorbei. Eine Ost-West-Autobahn nachHerning wurde 2016 fertiggestellt. Gut ausgebaute Landstraßen verbinden Aarhus mit allen wichtigen Orten in Mitteljütland.
Der Seehafen gehört sowohl im Fracht- als auch im Fährverkehr zu den größten in Dänemark. Gegenwärtig (2014) verfügt er über den größten Containerhafen des Landes: Über 50 Prozent derContainerfracht aller dänischen Häfen werden hier umgeschlagen.[25]
Ab dem 13. Mai 1884 gab es eineStraßenbahn, die alsPferdebahn eröffnet wurde. Ab dem 7. Juli 1904 wurde sie elektrisch betrieben. Deröffentliche Personennahverkehr wurde von 1928 bis Ende 2006 durchÅrhus Sporveje betrieben. Die im Namen genannteStraßenbahn bediente allerdings nie mehr als zwei Linien; 1971 wurde dann komplett aufBusverkehr umgestellt.
Seit 2007 heißt der Betreiber in der Kommune AarhusBusselskabet, er gehört zum VerkehrsverbundMidttrafik, der die gesamte mitteljütische Region abdeckt.
Eine Wikingerfigur in einer Fußgängerampel in Aarhus im Sommer 2022.
Ein weitverbreitetes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad, und die Stadt bietet auch für Touristen auf dem Fahrrad zahlreiche Services an, wie touristische Radrouten oder Leihfahrräder.[27] Es werden durch verschiedene Bike-Sharing Anbieter Fahrräder und Pedelecs in der Stadt zum Mieten angeboten.[28][29]
Es existieren sogenannte Supercykelstier, alsoRadschnellwege, welche wichtige Bildungseinrichtungen und Arbeitsplätze verbinden.[30] Die Stadt ist darüber hinaus gut an die nationalenFernradwege angeschlossen und kann aus Deutschland z. B. von Flensburg aus direkt erreicht werden.[31]
Atletion (früherAarhus Idrætspark): Im Süden der Stadt liegt dasAtletion genannte Sportzentrum der Stadt, das seit 1920 besteht. Das dazugehörige Stadion, derNRGi Park, wird vom FußballvereinAarhus GF, einem mehrfachen dänischen Meister und Pokalsieger, genutzt. Bestandteil des Atletion Sportzentrums ist zudem dieNRGi Arena. In der Mehrzweckhalle spielen unter anderemHandball- undBasketballmannschaften aus den ersten Ligen des Landes. Im Jahr 2002 wurde hier die dänische Damen-Handballmannschaft Europameister. Auch dieTurn-Weltmeisterschaften 2006 wurden in der NRGi Arena ausgetragen. Im Jahr 2005 fand im Atletion dieTischtennis-Europameisterschaft statt.
Im August 2009 fanden in Aarhus die AIDA Indoor-Weltmeisterschaften imApnoetauchen mit den drei Disziplinen Statik, Dynamisch mit und ohne Flossen statt.
Am 21. Mai 2018 (Pfingstmontag) war Aarhus eine von 5 Städten inDänemark, die im Rahmen desRoyal Run den 50. Geburtstag vonKronprinzFrederik (26. Mai) feierten.[33]
Vom 30. Juli bis zum 12. August 2018 fanden in Aarhus die5. ISAF-Segel-Weltmeisterschaften, die gemeinsame Weltmeisterschaft für alle olympischen und paralympischen Segel-Disziplinen statt.[34]
↑Flughafeninformationen Aarhus - EKAH. 2. August 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2007; abgerufen am 13. September 2010 (dänisch, englisch).