ImSezessionskrieg setzt sich mittlerweile die Übermacht an Menschen und Kriegsmaterial auf Seiten derUnion durch, die wie von GeneralUlysses Grant erwartet einen Abnutzungskrieg leichter verkraftet. Immer noch wird erbittert gekämpft, doch die Schlachten verlagern sich mit ganz wenigen Ausnahmen in das Gebiet derKonföderation, wobei die Unionsgeneräle zunehmend eine Politik der verbrannten Erde verfolgen. Nach derSchlacht in der Mobile Bay befindet sich mitWilmington überdies nur noch ein Seehafen in konföderierter Hand. Mit dem Rückenwind dieser militärischen Erfolge gewinnt PräsidentAbraham Lincoln, der für die von Republikanern gemeinsam mit Teilen der Demokraten gegründetenNational Union Party antritt, diePräsidentschaftswahl im November überzeugend. Sein Vizepräsident wird der DemokratAndrew Johnson.
2. Februar: ImGefecht von Missunde schlagen dänische Einheiten einen preußischen Angriff zurück.
Zeitgenössische Darstellung der Schlacht von Oeversee, Holzschnitt 1864
6. Februar: Österreichische Einheiten besiegen die sich vom Danewerk zurückziehenden dänischen Truppen südlich vonFlensburg in derSchlacht von Oeversee, nachdem es den Preußen gelungen ist, dieSchlei zu überqueren.
15. März:Dänemark weitet die bestehendeSeeblockade gegen die schleswig-holsteinischen Häfen auf allepreußischen Seehäfen aus. Auch einSeekrieg zeichnet sich nunmehr ab.
17. März: Der preußische Versuch, die dänische Blockadeflotte zu schwächen, scheitert imSeegefecht bei Jasmund an der materiellen Unterlegenheit. Es handelt sich um das ersteSeegefecht eines Verbands derPreußischen Marine seit ihrer Gründung 1848.
18. April: Die Erstürmung derDüppeler Schanzen durch die Preußen unterPrinz Friedrich Karl entscheidet den Deutsch-Dänischen Krieg zugunsten der Preußen und Österreicher. Der Legende nach verhilft der PionierCarl Klinke den Preußen mit seiner Sprengladung zum Sieg. Der dänische KommandantClaude du Plat fällt in der Schlacht.
25. April: In London treffen sich Vertreter der europäischen Staaten, um eine Lösung des Konflikts herbeizuführen. DieKonferenz endet am 25. Juni ohne Ergebnis.
9. Mai: Dänemark besiegt Preußen und Österreich imSeegefecht vor Helgoland, nachdem der österreichische AdmiralWilhelm von Tegetthoff, dessen Flaggschiff in Brand geraten ist, sich zurückgezogen hat. Der dänische Sieg hat jedoch keine Auswirkung mehr auf den Ausgang des Krieges.
12. Mai: Auf derKonferenz von London wird eine Waffenruhe im Deutsch-Dänischen Krieg ausgehandelt. Verhandlungen über eine mögliche nationale Teilung Schleswigs zwischen Deutschland/Preußen und Dänemark bringen kein Ergebnis, woraufhin der Krieg kurzzeitig wieder aufflammt.
24. Juni: Österreich und Preußen treffen dieKarlsbader Abmachung, nachdem sich abzeichnet, dass die Londoner Konferenz kein Ergebnis bringen wird. Man einigt sich in der sieben Punkte umfassenden Übereinkunft unter anderem auf eine Besetzung der InselAlsen sowie ganzJütlands als weitere Operationsziele. Zur Unterstützung des Angriffs auf Alsen soll ein Scheinangriff gegen die InselFünen geführt werden, um die dortigen dänischen Kräfte zu binden.
Die Erstürmung der Insel Alsen durch die Preußen,Wilhelm Camphausen, 1866
29. Juni: Preußische Truppen erobern die dänische InselAlsen. Wenig später erreichen die Angreifer die NordspitzeJütlands, womit der Großteil des Königreichs Dänemark besetzt und nun sogar die dänischen Inseln bedroht sind.
30. Oktober: Österreich, Preußen und Dänemark beenden denDeutsch-Dänischen Krieg mit der Unterzeichnung desFriedens von Wien. Dänemark überlässt darin die Herzogtümer Schleswig,Holstein undLauenburg den beiden deutschen Großmächten. Der Vertrag wird am 12. November von Dänemark und am 14. November von Preußen und Österreich ratifiziert. Der Austausch der Ratifizierungsurkunden erfolgt am 16. November in Wien. Österreich und Preußen regierendie Herzogtümer bis 1866 als Kondominium.
7. Dezember: Der preußische KönigWilhelm I. stiftet dasAlsenkreuz zur Erinnerung an die Eroberung von Alsen.
Eröffnung des Landtags durch König Karl kurz nach seinem Amtsantritt, Gemälde vonLouis Braun
25. Juni: Durch den Tod seines VatersWilhelm I. wird KönigKarl dritter Monarch inWürttemberg. Am 12. Juli wird er inthronisiert. Liberaler eingestellt als sein Vater ersetzt er am 21. SeptemberJoseph von Linden durchKarl von Varnbüler als leitenden Minister und stellt am 24. Dezember diePresse- undVereinsfreiheit wieder her.
April: Mit der Verhaftung des AnführersRomuald Traugutt durch die russische Armee bricht derJanuaraufstand inPolen zusammen. Traugutt wird am 5. August in derZitadelle Warschau hingerichtet. Eine Partisanengruppe unter dem PriesterStanisław Brzóska kann sich noch bis Dezember inKongresspolen halten. Nach der Niederschlagung des Aufstands werden rund 128 Beteiligte hingerichtet, rund 10.000 in die Verbannung geschickt. GouverneurMichail Nikolajewitsch Murawjow-Wilenski setzt auf dem Gebiet von Belarus anschließend umfangreiche und rigorose Schritte derRussifizierung um. Polnisch wird als Amtssprache abgeschafft, die dominierende Stellung der römisch-katholischen Kirche und des polnischen Adels in sozialer Hierarchie, Bildung und Wirtschaft wird zurückgesetzt. Die Maßnahmen führen zur Verarmung der Polen und zu einer Auswanderungswelle.
In Großbritannien wird erstmals einContagious Diseases Acts erlassen, wonachProstituierte, die an einer Geschlechtskrankheit leiden, in Arbeitshäusern festgehalten werden können. In den folgenden Jahren wenden sich zahlreiche Frauen aller Gesellschaftsschichten gegen dieDoppelmoral, nach der Prostituierte kriminalisiert und entwürdigenden Untersuchungen unterworfen werden können, ihre Kunden jedoch unbehelligt bleiben. Daraus entwickelt sich schließlich die Bewegung derSuffragetten. Galionsfigur für den Kampf gegen denContagious Diseases Act wirdJosephine Butler.
Vereinigte Staaten/Konföderierte Staaten von Amerika
29. bis 31. Mai: Zahlreiche sogenannte „Radikale Republikaner“, denenAbraham Lincolns Position in der Frage der Sklaverei nicht weit genug geht, halten in Cleveland dieRadical Democracy Convention ab, auf derJohn C. Frémont zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wird. GeneralJohn Cochrane wird sein Vizepräsidentschaftskandidat. Ziel der beiden ist die vollständige Abschaffung derSklaverei in den Vereinigten Staaten.
Wahlplakat der National Union Party im Wahlkampf 1864
Anfang Juni: Zur Unterstützung des amtierenden Präsidenten Abraham Lincoln und der Fortführung desSezessionskriegs wird in der Union vonRepublikanern undDemokraten, die die Fortsetzung des Krieges unterstützen (war democrats), dieNational Union Party gegründet. Auf der Convention vom 7./8. Juni in Baltimore wird Lincoln zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Ihm wird derwar democratAndrew Johnson als Vizepräsidentschaftskandidat zur Seite gestellt.
29. bis 31. August: Die Demokraten nominieren auf ihrer Convention in Chicago den KriegsbefürworterGeorge B. McClellan als Präsidentschaftskandidaten und stellen ihm den KriegsgegnerGeorge H. Pendleton alsrunning mate zur Seite.
22. September: Zur Vermeidung einer Aufsplittung der Stimmen der Republikaner und damit einer drohenden Niederlage der Abolitionisten verzichtet John C. Frémont auf seine Kandidatur. John Cochrane schließt sich dieser Entscheidung an.
13. Dezember: SenatorThomas Jenkins Semmes aus Louisiana bringt einen Antrag für eine neuerliche Änderung derFlagge der Konföderierten Staaten von Amerika ein. Das bisherigeStainless Banner hat im Krieg immer wieder zu Verwechslungen mit der weißen Kapitulationsflagge geführt. Andere Mitglieder des Senats wollen jedoch auch die Meinung von Offizieren des Heeres einholen und so wird der Vorschlag zunächst an einen Militärausschuss verwiesen.
Konföderiertes Grabensystem beim „bloody angle“, Spotsylvania Court House, Photo vom 12. Mai
8. Mai bis 21. Mai: Die blutigeSchlacht bei Spotsylvania Court House zwischen denselben Armeen endet unentschieden. Dabei kommen auf beiden Seiten rund 30.000 Menschen ums Leben. Der Süden hat weniger Gefallene zu beklagen, kann die Verluste jedoch nicht mehr so leicht durch neue Rekruten ausgleichen.
9. Juni: DieBelagerung von Petersburg, der zweitgrößten Stadt Virginias, durch die Potomac-Armee der Union beginnt.
30. Juli: In derKraterschlacht im Rahmen der Belagerung vonPetersburg besiegen die Südstaaten die Nordstaaten, nachdem letztere sich in einem Krater gefangen haben, den sie selbst vorher mitten in die Reihen der Südstaatenarmee gesprengt haben.
19. Oktober: In derSchlacht am Cedar Creek besiegen die Nordstaaten die Südstaaten unter empfindlichen eigenen Verlusten.
Weitere Schauplätze im Osten
7. Februar: Die Unionsflotte erreicht Florida und fährt den St. Johns River hinauf nachJacksonville. Am 8. Februar verlassen drei Kolonnen unter dem Befehl vonTruman Seymour die nahezu entvölkerte Stadt in RichtungSt. Marys River.
20. Februar: In derSchlacht bei Olustee unterliegen Seymours Unionstruppen derConfederate States Army unterAlfred H. Colquitt und müssen sich wieder nach Jacksonville zurückziehen. Der Sieg der Konföderierten sichert ihnen den Besitz des Inneren Floridas bis zum Kriegsende. Nach der Schlacht werden mehrere verwundete schwarze Soldaten der Unionsarmee von den Konföderierten ermordet.
2. September: BeimAtlanta-Feldzug nimmt GeneralmajorWilliam T. Sherman mit seinen Truppen die seit Juli belagerte StadtAtlanta inGeorgia ein. Dieser Sieg trägt wesentlich zur Wiederwahl Abraham Lincolns bei der Präsidentschaftswahl im November bei.
30. November: Die Konföderierten siegen in derSchlacht am Honey Hill.William T. Shermans am 15. November begonnener „Marsch zum Meer“ wird davon jedoch nicht aufgehalten. Er erreicht die HafenstadtSavannah in Georgia am 21. Dezember und hinterlässt auf dem Weg dorthin im konföderierten Gebiet verbrannte Erde.
21. Dezember: Mit der Einnahme vonSavannah endet William T. ShermansMarsch zum Meer.
16. Dezember: In der verlustreichenSchlacht von Nashville, der letzten großen Kampfhandlung inTennessee während des Bürgerkriegs, bringen Unionstruppen unterGeorge Henry Thomas der schon in der Schlacht von Franklin stark reduziertenArmy of Tennessee eine vernichtende Niederlage bei.
Seekrieg und Kämpfe entlang des Mississippi
DieCSS Hunley im Trockendock
17. Februar: Daskonföderierte U-BootH. L. Hunley ist nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen das ersteU-Boot der Welt, das mit einemSpierentorpedo ein gegnerisches Schiff, das BlockadeschiffHousatonic, versenkt. Bei der Aktion geht dieHunley jedoch mit der gesamten Crew selbst verloren.
12. April: Beim sogenanntenGefecht um Fort Pillow begehen konföderierte Streitkräfte ein Massaker an größtenteils afro-amerikanischen Gefangenen.
Schlacht in der Mobile Bay, Gemälde vonLouis Prang
5. August: Dem UnionsadmiralDavid Glasgow Farragut gelingt in derSchlacht in der Mobile Bay gegen eine konföderierte Flotte unterFranklin Buchanan die Eroberung einer Nachschubbasis und des vorletzten Hafens der Konföderation. Im Anschluss folgt die Belagerung zweier Forts. Fort Gaines ergibt sich am 8. August, Fort Morgan harrt bis zum 23. August aus. Die StadtMobile selbst bleibt unter GeneralDabney Herndon Maury weiter in der Hand der Konföderierten.
10. Januar:Henry Plummer, der Sheriff vonBannack, wird mit zwei anderen ohne Gerichtsverfahren gehängt, weil er angeblich der Anführer einer kriminellen Bande gewesen ist.
14. Januar:Kit Carson beginnt seinen Feldzug gegen das Volk derNavajo (Diné), mit dem er im Vorjahr von der US-Regierung beauftragt worden ist. Nach einer kurzen Belagerung imCanyon de Chelly, in den sie sich zurückgezogen haben, geben die letzten Navajo auf.
Streckenverlauf des Langen Marschs (gelb)
März: Der„Lange Marsch“ der Diné beginnt. Bis 1868 werden mehr als 8.500 Menschen aus ihrer Heimat im heutigen Arizona auf einem 480 Kilometer langen Weg nachBosque Redondo im heutigen New Mexico zwangsübersiedelt. Zahlreiche Navajos überleben den Marsch nicht.
Darstellung desSand-Creek-Massakers durch Howling Wolf
29. November: Rund 600 Angehörige der 3. und 1. Colorado-Kavallerie-Regimenter unter OberstJohn M. Chivington verüben anCheyenne und einigen Angehörigen derArapaho, die sich in einem Winterlager imColorado-Territorium befinden, dasSand-Creek-Massaker. Die 133 Opfer sind überwiegend Frauen und Kinder, die meisten Krieger befinden sich zum Zeitpunkt des Massakers auf der Jagd. Zu den wenigen Überlebenden gehörenGeorge Bent undHowling Wolf, die von dem Massaker berichten können. Als die amerikanische Öffentlichkeit von den Ereignissen erfährt, reagiert sie geschockt, und es werden Untersuchungen eingeleitet. Chivington wird für das Verbrechen jedoch nie zur Verantwortung gezogen. Der Vorfall führt Anfang des folgenden Jahres zu einem alsJulesburg Raids bekannten Rachefeldzug der vonSioux unterstützten Cheyenne und Arapaho.
InQuébec wird vom 10. bis zum 27. Oktober dieQuébec-Konferenz abgehalten, eine Nachfolgekonferenz derCharlottetown-Konferenz, in der Delegierte derProvinz Kanada sowie der britischen KolonienNew Brunswick,Nova Scotia undPrince Edward Island über die künftigeKanadische Konföderation beraten. Nicht direkt an der Konferenz beteiligt istNeufundland, das jedoch zwei Beobachter entsendet. Hauptstreitpunkt der Konferenz ist die Auseinandersetzung zwischen den Delegierten, die eine starke Zentralregierung fordern, und jenen, die für ausgedehnte Rechte der Provinzen eintreten, insbesondere die französischsprachigen Provinzen, da sie unter einer Zentralregierung den Verlust ihrer kulturellen Identität befürchten. Die Delegierten einigen sich schließlich auf einen Kompromiss, in dem die Macht zwischen Bundes- und Provinzregierungen geteilt werden soll. Sie beschließen außerdem die Einführung eines gewähltenUnterhauses und eines aus ernannten Abgeordneten zusammengesetztenSenats. Mit den „Zweiundsiebzig Resolutionen“ wird schließlich auch die Struktur der zukünftigenkanadischen Verfassung festgelegt.
Gegen den Willen seiner Familie und unter Verzicht auf seine Erbschaftsansprüche imKaisertum Österreich nimmt Maximilian am 10. April aufSchloss Miramare beiTriest die Krone unter der Bedingung an, dass seine Herrschaft vom mexikanischen Volk gewollt sei. Die Delegation legt ihm daraufhin einen gefälschten Volksentscheid vor und versichern ihm, dass das mexikanische Volk nichts mehr wünsche, als ihn als Kaiser. Zu diesem Zeitpunkt istBenito Juárez bereits erneut als Präsident Mexikos ausgerufen und durch seine erfolgreiche Landreform wächst seine Beliebtheit im Land.
Bei der Ankunft von Maximilian und seiner FrauCharlotte am 29. Mai in Mexiko ist das Land politisch gespalten. Die kaisertreuen Konservativen herrschen inMexiko-Stadt und dem Zentrum des Landes, während die Liberalen unter Präsident Juárez inVeracruz ihre Hochburg haben. Das Kaiserpaar muss sich unter widrigen Umständen in die Hauptstadt durchkämpfen. Dort lässt erSchloss Chapultepec zur kaiserlichen Residenz umbauen und denPaseo de la Emperatriz als direkte Verbindungsstraße und seinem Amtssitz amZócalo errichten.
Der französische GeneralFrançois-Achille Bazaine erringt zahlreiche Siege gegen die republikanischen Truppen und wird am 5. September zum Marschall von Frankreich erhoben.
Mit liberalen Ideen wie dem Verbot von Kinderarbeit, Arbeitszeitobergrenzen und der Einführung einer konstitutionellen Monarchie verliert Maximilian im Lauf des Jahres die Unterstützung eines Großteils der Konservativen und kann sich schließlich nur noch auf die europäischen Interventionstruppen stützen.
19. November: Das in Laibach aufgestellteÖsterreichische Freiwilligenkorps zum Schutz Kaiser Maximilians beginnt seine Überfahrt nach Mexiko.
15. Februar:José María Medina wird neuerlich zum Präsidenten vonHonduras gewählt. Er macht seinen KampfgefährtenFlorencio Xatruch Villagra zu Stellvertreter, entlässt ihn wegen Streitigkeiten allerdings bald wieder.
5. Dezember: InOlancho bricht ein Aufstand gegen die Regierung Medina aus. Rund 1.000 Aufständische marschieren aufTegucigalpa.
25. Dezember: Präsident Medina gibt einen Befehl heraus, nach dem Gefangene getötet werden dürfen.
3. Mai: Unter dem seit dem Vorjahr regierenden PräsidentenJuan Crisóstomo Falcón erhältVenezuela eine neue föderale Verfassung und wird in dieVereinigten Staaten von Venezuela umgewandelt. Die im Vorjahr beschlossene Abschaffung derTodesstrafe wird in der Verfassung verankert.
30. August: Der paraguayische PräsidentFrancisco Solano López, der vergeblich versucht hat, im Bürgerkrieg zwischen denColorados und der in Bedrängnis geratenen konservativen Regierung derBlancos in Uruguay zu vermitteln, fordert von KaiserPedro II. vonBrasilien ultimativ das Ende der militärischen Einmischung in der Region.
Oktober: Brasilien beginnt zur Unterstützung der Aufständischen unterVenancio Flores mit der Anlandung von Truppen und der Belagerung vonMontevideo. Paraguay beschlagnahmt daraufhin ein brasilianisches Schiff auf demRío Paraguay und setzt die Besatzung und den an Bord befindlichen Gouverneur der brasilianischen ProvinzMato Grosso gefangen.
13. Dezember:Paraguay erklärt Brasilien den Krieg und löst damit denTripel-Allianz-Krieg in Südamerika aus.Paraguayische Truppen dringen noch im selben Monat in den Mato Grosso ein, wo sie auf wenig Widerstand stoßen und das kleine Fort vonNova Coimbra einnehmen.
19. Juli: Mit der EinnahmeTianjings, der Hauptstadt des 1851 ausgerufenen Taiping-Reichs, durch die Armee desKaiserreichs China endet derTaiping-Aufstand. Der kaiserliche HeerführerZeng Guofan wird daraufhin in den Adelsstand erhoben. Er wendet sich in der Folge zur Unterstützung von PrinzSenggerinchin bei der Niederschlagung desNian-Aufstandes.
Etwa 150 Samurai, Priester und Bauern aus demDaimyatMito versammeln sich am 27. März auf dem BergTsukuba und erklären ihre Absicht,sonnō jōi zu propagieren. Auf ihrem Weg durch mehrere Lehen, während dessen sich ihre Anzahl auf 1.500 bis 2.000 erhöht, liefern sie sich in den folgenden Monaten mehrere Schlachten mit den Truppen desTokugawa-Shōgunats, bis sie im Dezember desselben Jahres niedergeschlagen werden. Diese alsTengu-Aufstände (天狗党の乱,Tengutō no ran) bekannt gewordenen Unruhen sind der erste frühe Vorläufer der späterenMeiji-Restauration.
Am 20. August kommt es inKyōto zumAufstand am Hamaguri-Tor, ausgelöst durch politische Unzufriedenheit von Bevölkerungsgruppen unter der ParoleSonnō jōi. Der Aufstand wird relativ schnell blutig niedergeschlagen.
Eingenommene Batterie beiShimonosekiDie britische Marinebrigade und Marines stürmen die Palisade bei Shimonoseki (Illustrated London News, Dezember 1864)
Als Vergeltung für Angriffe desMōri-Klans und irregulärer Truppen im Vorjahr auf ausländische Schiffe, die dieKammon-Straße zwischenHonshū undKyūshū passierten, greifen im August und September Marinekräfte ausGroßbritannien, denNiederlanden,Frankreich und den Vereinigten Staaten im Rahmen einerStrafexpedition Befestigungen des LehensChōshū in derProvinz Nagato an. Das Ziel desBombardements von Shimonoseki ist die Gewährleistung der freien Durchfahrt für ausländische Schiffe durch die Straße, da sie der schnellste Seeweg vonNagasaki nachOsaka undEdo ist. Die Alliierten landen im Anschluss Marinesoldaten an, um die Zerstörung der Befestigungen zu vollenden. Chōshū sucht daraufhin rasch Frieden. Nach dem Ende der Feindseligkeiten verlangen die ausländischen Mächte eine Entschädigung für ihre Ausgaben.
Eine GruppeKiheitai, um 1864/65
Die militärischen Auseinandersetzungen machen die Unterlegenheit derSonnō jōi-Rebellen gegenüber den westlichen Mächten und demBakufu deutlich. Deshalb beginnen die rebellierendenHan von ihrer fremdenfeindlichen Position abzurücken und mit den ausländischen Mächten zu kooperieren.Sonnō jōi wird zum alleinigen Schlagwort für die Ablösung vom Shōgunat.Satsuma,Chōshū undTosa stellen umfangreiche Handelskontakte zu Großbritannien her. Die neu gewonnenen Beziehungen werden zum Aufbau von schlagkräftigen Milizen nach westlichem Vorbild genutzt. Deren Organisation unterscheidet sich grundlegend von der traditionellenjapanischen Militärhierarchie, da es erstmals auch nichtadligen Japanern erlaubt ist, Waffen zu tragen. Die bekannteste Miliz ist die in Chōshū entstandeneKiheitai, die vonTakasugi Shinsaku aufgebaut wird.
21. Januar: Der elfjährige KönigGojong wird als Nachfolger Cheoljongs inthronisiert. Sein Vater, der PrinzregentHeungseon Daewongun, übernimmt die Regierungsgeschäfte.
2. Juni: DerKaukasuskrieg endet nach fast 50 Jahren mit dem Sieg desRussischen Kaiserreichs und der Vertreibung zahlreicher Völker imNordkaukasus. Die letzten Kämpfe münden in einem Massaker, weil zahlreiche Männer, Frauen und Kinder lieber bis zum Tod kämpfen, als sich zu ergeben.
Das im Vorjahr inAustralien aufgekommeneblackbirding, das gewaltsame Rekrutieren von Arbeitskräften ausMelanesien, wird nun auch für Plantagen aufFidschi angewendet. Bis 1911 werden durch Täuschung oder Kidnapping 27.027 Menschen nach Fidschi verbracht.
16. April: An denDüppeler Schanzen imDeutsch-Dänischen Krieg nehmen erstmals Hilfskräfte und Delegierte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes an einem Krieg teil.
Originaldokument der ersten Genfer Konvention, 1864
28. September: In der Londoner St. Martin’s Hall wird dieInternationale Arbeiterassoziation (IAA) gegründet, ein Zusammenschluss von Arbeitergesellschaften, die nach den provisorischen Statutendasselbe Ziel verfolgen, nämlich: den Schutz, den Fortschritt und die vollständigeEmanzipation derArbeiterklasse. DieErsteInternationale trägt in den nächsten Jahren maßgeblich zum Erstarken derArbeiterbewegung bei. Wichtigstes Gremium der Assoziation ist der Generalrat, dem unter anderemKarl Marx angehört.
22. April: DerUS-Kongress lässt denCoinage Act of 1864 passieren. Das Gesetz sieht die künftige Ausgabe von Zwei-Cent-Münzen mit der AufschriftIn God We Trust vor. Das Motto wird inzwischen auf allen Geldmünzen und -scheinen derVereinigten Staaten angegeben.
23. Dezember: Die Erstausgabe der von Rudolf Wall mit der Unterstützung des VerlegersAlbert Bonnier gegründeten schwedischenTageszeitungDagens Nyheter erscheint.
Johann Karl Fix, dessen in Bayern gebürtiger Vater dem Wittelsbacher KönigOtto nach Griechenland gefolgt ist, gründet in Athen dieBrauerei Fix, die erste und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts einzige Großbrauerei Griechenlands.
23. Februar: AmBergisel erfolgt der Spatenstich für den Bau derBrennerbahn. Technischer Leiter für den Bau istKarl Etzel, als Bauleiter für die Trassierung istAchilles Thommen verantwortlich.
6. Juli: Derim Streit zwischen derSuezkanal-Gesellschaft und derHohen Pforte über den Bau desSuezkanals als Schiedsrichter angerufene französische KaiserNapoleon III. verkündet seinen Schiedsspruch: Der Firman vom 20. Juli 1856 über die Regelung der Arbeitsverhältnisse wird aufgehoben und die Zwangsarbeit beendet. Als Entschädigung stehen der Kanalgesellschaft dafür 38 Mio. Francs zu. Die Gesellschaft muss den Süßwasserkanal fertigstellen und die umliegenden Ländereien gegen eine weitere Entschädigung von 16 Mio. Francs zurückgeben. Für die Rückgabe der Ländereien um den Suezkanalerhält die Gesellschaft 30 Mio. Francs. Der Schiedsspruch wird im Dezember förmlich ausgetauscht, aber die Genehmigung des Sultans zum Kanalbau steht immer noch aus.Ferdinand de Lesseps, der mit KaiserinEugénie verwandt ist, wendet sich deshalb erneut an den Kaiser.
10. Oktober: 17 Wollwebergesellen ausFünfhaus bei Wien gründen denErsten Niederösterreichischen Arbeiter-Consumverein. Jeder der Genossenschafter verpflichtet sich, wöchentlich 10 Kreuzer dem gemeinsamen Einkauf zu widmen. Am Ende des ersten Monats kann bereits ein erster Sack Mehl gemeinsam erworben werden.
2. Oktober:Ictíneo II, eines der ersten maschinell betriebenenU-Boote, hat seineJungfernfahrt vom Hafen von Barcelona aus.
Die Erstausgabe der ZeitschriftHansa erscheint, einer monatlich erscheinenden, technisch orientierten Fachzeitschrift zu allen Bereichen der Seewirtschaft, des Schiffbaus, der Schiffstechnik sowie dem Thema Häfen.
14. März: DiePetite Messe solennelle vonGioacchino Rossini wird in Paris zur Einweihung der Privatkapelle eines mit dem Komponisten befreundeten Adeligen uraufgeführt.
Etwas südlich des von ihm knapp zehn Jahre früher erworbenen im Verfall befindlichenKönigsstädter Theaters in Berlin lässt der IntendantFranz Wallner nach Plänen des ArchitektenEduard Titz dasWallner-Theater errichten, das am 3. Dezember eröffnet wird.Rudolf Bial wird Kapellmeister in dem neuen Theater, das als eines der größten und schönsten Berlins gilt. Sein VorgängerAugust Conradi wechselt an das 1859 errichtete BerlinerVictoria-Theater.
9. Juni: Gründung der ersten österreichisch-katholischen Studentenverbindung, derAV Austria Innsbruck.
9. Juli: InGroßbritannien ereignet sich der ersteMord in einemZugabteil. Der SchneiderFranz Muller gerät bald als Täter in Verdacht. Am 14. November wird er für die Tat gehängt. Es handelt sich um eine der letzten öffentlichen Exekutionen.
Die wegen Mordes zum Tode verurteilteMarie Strauß wird am 21. Oktober inGreiz durch Enthauptung als letzte Person in Deutschland öffentlichhingerichtet.
12. Februar: Auf dem Bodensee sinkt der RaddampferJura nach einem Zusammenstoß in dichtem Nebel mit dem DampfschiffStadt Zürich. DieJura war vonKonstanz nachRomanshorn unterwegs, dieStadt Zürich in umgekehrte Richtung. Bis auf den Maschinisten und eine Serviererin können sich alle Besatzungsmitglieder und Passagiere auf dieStadt Zürich retten. DieJura liegt heute noch auf dem Grund des Bodensees, zwischen Bottighofen und Münsterlingen. Als dieStadt Zürich wenige Monate später auch mit derStadt Lindau kollidiert, schlägt ein bayrischer Korrespondent sarkastisch vor, das Schiff nach Dänemark zu verkaufen, da es schon mehr deutsche Schiffe versenkt habe, als die gesamte dänische Kriegsflotte.
29. Juni: BeimEisenbahnunfall auf der Belœil-Brücke in Québec kommen mindestens 99 Menschen ums Leben, 100 werden verletzt. Es ist bis heute das schwerste Eisenbahnunglück in Kanada.
5. Oktober: Die indische StadtKalkutta wird durch einen Wirbelsturm, der etwa 60.000 Menschen das Leben kostet, nahezu total zerstört.