Am 23. Januar gibt der kaiserliche ThronfolgerJoseph II. gegen seinen Willen auf Druck seiner MutterMaria Theresia in zweiter Ehe derbayerischen PrinzessinMaria Josepha das Jawort. Sein Bruder, der zukünftige toskanische GroßherzogLeopold heiratet am 5. August inInnsbruck die spanische PrinzessinMaria Ludovica, nachdem bereits am 16. Februar 1764 in Madrid eineTrauung per Stellvertreter stattgefunden hat. Anlässlich der Hochzeit wird in der Stadt dieTriumphpforte errichtet.
Großes Wappen des Kaisers Joseph II.
Leopolds Vater KaiserFranz I. Stephan von Lothringen, der sich nach der Hochzeit seines zweitältesten Sohnes noch in Innsbruck aufhält, stirbt am 18. August überraschend an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Sein ältester SohnJoseph II., der bereits im Vorjahr als Mitregent zum römisch-deutschen König gekrönt worden ist, wird dadurch zumKaiser desHeiligen Römischen Reichs und offizieller Mitregent seiner MutterMaria Theresia in den erzherzöglichen Ländern. Der Leichnam Franz Stephans wird nach mehrtägiger Aufbahrung nach Wien überstellt und dort am 31. August in derKapuzinergruft beigesetzt.
DasGroßherzogtum Toskana geht alsSekundogenitur an den zweitgeborenen SohnLeopold, der bereits seit 1761 in die Verwaltung des Landes eingebunden ist. Die wirtschaftliche Lage des Großherzogtums ist zu diesem Zeitpunkt wegen einer großen Hungersnot und der Vernachlässigung durch die vorangegangenen Herrscher ausgesprochen schwierig. Unter den letzten Herrschern aus dem HausMedici stagnierte die Entwicklung. Auch Leopolds Vater hat sich nicht intensiv um das Land gekümmert und es von Beauftragten verwalten lassen. Außerdem verlangt Leopolds Bruder Joseph II. die Herausgabe der „toskanischen Reservekasse“, was die Beziehung zwischen den Brüdern dauerhaft verschlechtert. Die Leitung der toskanischen Regierung geht unter Leopold vonAntoniotto Botta Adorno aufFranz Xaver Wolfgang von Orsini-Rosenberg über, den Leopolds MutterMaria Theresia auf Leopolds Bitte hin an den Hof vonFlorenz entsendet. Mit ihm beginnt die Zeit der großen Reformen im Großherzogtum.
O! the fatal STAMP,Pennsylvania Journal, Oktober 1765
Der von der Regierung unter PremierministerGeorge Grenville beschlossene britischeStamp Act vom 22. März nährt den Widerstand deramerikanischen Kolonien. Das Gesetz, das im November in Kraft tritt, bestimmt, dass jedes offizielle Schriftstück und Dokument, aber auch Zeitungen, Karten- und Würfelspiele in den nordamerikanischen Kolonien mit Steuermarken versehen werden müssen. Der Steuer- oder Zollstempel aufSpielkarten hat dabei auf demPik-Ass zu sein. Der Hintergrund der erstendirekten Steuer für die Kolonien sind finanzielle ProblemeGroßbritanniens durch denSiebenjährigen Krieg. Zusätzlich verschlingt die Stationierung von Truppen an der Grenze zumIndianergebiet, die nötig ist, um weitere Konflikte zwischen Siedlern und Indianern zu verhindern, ebenfalls Geld. An diesen Kosten sollen die Kolonien nun beteiligt werden. Aus Sicht der Kolonisten, insbesondere der neu gegründetenSons of Liberty, handelt es sich hingegen um den Höhepunkt einer Ausbeutungspolitik durch das britische Mutterland. Eine erste Reaktion auf denStamp Act sind fünf vonPatrick Henry eingebrachteVirginia Resolves, die am 30. Mai vomHouse of Burgesses derColony of Virginia – wenn auch zum Teil mit sehr knappen Mehrheiten – beschlossen werden.
Weiteren Zündstoff erhält der Konflikt durch den vom britischen Parlament am 24. März beschlossenen und von KönigGeorge III. am 15. Mai unterschriebenenQuartering Act, mit dem bestimmt wird, dass alle nordamerikanischen Kolonisten britische Soldaten bei sich einzuquartieren haben. Vom 7. bis zum 25. Oktober versammeln sich 27 Delegierte aus neun derdreizehn Kolonien in New York, um über eine gemeinsame Vorgangsweise gegen die Gesetze zu beraten.
William Tryon
William Tryon wird am 10. Juli als Nachfolger des am 28. März verstorbenenArthur Dobbs zum Gouverneur derProvince of North Carolina ernannt und macht die 1710 gegründete HafenstadtNew Bern zur Hauptstadt der britischen Kolonie. Tryon weigert sich bis Ende des Jahres, Sitzungen des Kolonialrats zu genehmigen und verhindert so eine Teilnahme North Carolinas amStamp Act Congress in New York.
Charles Watson-Wentworth, 2. Marquess of Rockingham
Vor Inkrafttreten desStamp Act im November müssen alle kolonialen Gouverneure einen Eid leisten, das Gesetz tatsächlich umzusetzen.Samuel Ward, der erst in diesem Jahr seinen langjährigen KonkurrentenStephen Hopkins bei der Wahl in derColony of Rhode Island and Providence Plantations geschlagen hat, ist der einzige Gouverneur, der sich weigert, diesen Eid zu leisten.
Anschließend segelt die aus den beiden SchiffenDolphin undTamar bestehende kleine Flotte durch dieMagellanstraße in denPazifik und läuft als erstes die InselMas Afuera an – eine derJuan-Fernández-Inseln. Mit nordwestlichem Kurs geht es nachTakaroa, wo Byron trotz unfreundlichem Empfang landet, um sich mit frischem Proviant zu versorgen. Nachdem man westwärts durch verschiedene Inselgruppen gesegelt ist, und dabei als erste Europäer dieTokelau-InselDuke of York’s Island (4. Juni) und einigeGilbert-Inseln gesichtet hat, landet Byron am 30. Juni aufTinian (Nördliche Marianen), wo die Expedition neun Wochen bleibt, bevor sie sich in westlicher Richtung auf den Heimweg macht.
24. März: Auf Befehl von Erzherzogin Maria Theresia wird in Wien dieLehrschule zur Heilung der Viehkrankheiten gegründet. Sie ist damit die drittälteste Institution ihrer Art weltweit, nachLyon undAlfort, und die älteste im deutschsprachigen Raum.
Der MedizinerErasmus Darwin gründet inBirmingham dieLunar Society, eine Gesellschaft von naturwissenschaftlich interessierten Menschen inGroßbritannien, bestehend ausDichtern,Theologen,Erfindern,Ärzten,Schriftstellern,Physikern,Chemikern undIndustriellen. In einer Zeit, in der Kommunikation und Austausch von Wissen sonst nur schwer möglich ist, besprechen die Teilnehmer ihre neuesten Forschungsergebnisse und Erkenntnisse, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren. Ihren Namen erhält die Gesellschaft, weil sich die Mitglieder wegen der fehlenden Straßenbeleuchtung einmal im Monat beiVollmond treffen, um nach der Versammlung abends bei natürlichem Licht wieder nach Hause fahren zu können.
31. Januar:Samuel Arnolds erste OperThe Maid of the Mill hat ihre Uraufführung im Covent Garden in London und erringt die bleibende Gunst des Publikums.
Der von François Antoine erlegte Wolf bei der Präsentation vor Louis XV.
21. September: Nachdem mehrereTreibjagden und andere vonJean-Baptiste Louis François Boulanger Duhamel angewandte Methoden zur Jagd auf die sogenannte »Bestie des Gévaudan« ohne Erfolg geblieben sind, erlegt der königliche Beauftragte François Antoine einen stattlichenWolf, der am Hof des Königs als »Bestie« präsentiert wird. Da weitere Angriffe der Bestie zunächst ausbleiben, erhält Antoine die auf die Bestie ausgesetzte Kopfprämie. Doch am 2. Dezember werden erneut zwei Kinder attackiert.
Goethe kurz vor seiner Studentenzeit in Leipzig, Ölgemälde von Anton Johann Kern
Anfang Oktober:Johann Wolfgang Goethe beginnt auf Wunschseines Vaters ein Jurastudium inLeipzig, später von ihm als „Klein-Paris“ bezeichnet. Er bezieht seine Wohnung in einem Hofgebäude des HausesGroße Feuerkugel am Neumarkt. Allerdings gibt er bald den Poetikvorlesungen vonChristian Fürchtegott Gellert den Vorzug, dem die Studenten ihre schriftstellerischen Versuche vorlegen können. Weiters nimmt er Zeichenunterricht beim kurfürstlich-sächsischen HofmalerAdam Friedrich Oeser, mit dessen Tochter Friederike Elisabeth er eine enge Freundschaft schließt.
09. April:Marie Luise von Hessen-Kassel, Fürstin von Nassau-Dietz und Prinzessin von Oranien, Statthalterin von Friesland, Groningen und Drenthe (* 1688)
Michail Wassiljewitsch Lomonossows Grabstein in St. Petersburg