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1,2-Dichlorethan

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Strukturformel
Valenzstrukturformel von 1,2-Dichlorethan
Allgemeines
Name1,2-Dichlorethan (IUPAC)
Andere Namen
  • Ethylendichlorid
  • Ethylenchlorid
  • EDC
  • R150
SummenformelC2H4Cl2
Kurzbeschreibung

farblose, ölige Flüssigkeit mit chloroformartigem Geruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer107-06-2
EG-Nummer203-458-1
ECHA-InfoCard100.003.145
PubChem11
ChemSpider13837650
DrugBankDB03733
WikidataQ161480
Eigenschaften
Molare Masse98,97 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,25 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

−36°C[1]

Siedepunkt

84 °C[1]

Dampfdruck
  • 86,9 hPa (20 °C)[1]
  • 139 hPa (30 °C)[1]
  • 214 hPa (40 °C)[1]
  • 319 hPa (50 °C)[1]
Löslichkeit

schlecht in Wasser (8,7 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Brechungsindex

1,4422 (25 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[1]
GefahrensymbolGefahrensymbolGefahrensymbol

Gefahr

H- und P-SätzeH:225​‐​302​‐​331​‐​304​‐​315​‐​319​‐​335​‐​350
P:210​‐​301+310​‐​303+361+353​‐​304+340+311​‐​305+351+338​‐​331​‐​308+310[1]
Zulassungs­verfahren unterREACH

besonders besorgnis­erregend: krebs­erzeugend (CMR)[4]; zulassungs­pflichtig[5]

MAK
  • DFG:aufgehoben, da kanzerogen[1]
  • Schweiz: 5 ml·m−3 bzw. 20 mg·m−3[6]
Treibhauspotential

1 (bezogen auf 100 Jahre)[7]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−166,8 kJ/mol[8]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex:Na-D-Linie, 20 °C

1,2-Dichlorethan (Ethylendichlorid,EDC, früher auchChloräther) ist eine farblose, brennbare und giftige Flüssigkeit mitchloroformartigem Geruch. Diesechemische Verbindung gehört zu denChlorkohlenwasserstoffen.

Geschichte

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1,2-Dichlorethan wurde erstmals 1794 von den vier niederländischen ChemikernAdriaan Paets van Troostwijk,Johan Rudolph Deiman,Nicolaas Bondt und Anthonie Lauwerenburgh durch Reaktion vonEthen mitChlor synthetisiert (Öl der holländischen Chemiker).[9][10]

Gewinnung und Darstellung

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Großtechnisch hergestellt wird 1,2-Dichlorethan durchOxychlorierung vonEthen mitChlorwasserstoff undSauerstoff in derGasphase bei Temperaturen von 200 – 360 °C und Drücken von 1 – 9 bar. AlsKatalysator wirdKupfer(II)-chlorid verwendet, gelegentlich verwendet man auchEisen(III)-chlorid.[11]

H2C=CH2+2 HCl+1/2 O2ClH2CCH2Cl+H2O{\displaystyle \mathrm {H_{2}C{=}CH_{2}+2~HCl+1/2~O_{2}\rightarrow ClH_{2}C{-}CH_{2}Cl+H_{2}O} }

Der Katalysatorträger wird alsFest- oderFließbett angeordnet und kann im Allgemeinen in jedem bekannten Reaktortyp erfolgen. Bevorzugt sind vor allemWirbelschichtreaktoren.[11]

Ein weiteres großtechnisches Verfahren zur Herstellung von 1,2-Dichlorethan beruht auf derDirektchlorierung vonEthen. Hierfür werden ebenfalls Metallhalogenide wieEisen(III)-chlorid als Katalysator verwendet.

H2C=CH2+Cl2ClH2CCH2Cl{\displaystyle \mathrm {H_{2}C{=}CH_{2}+Cl_{2}\rightarrow ClH_{2}C{-}CH_{2}Cl} }

Diese Reaktion verläuft mit einer spezifischenReaktionsenthalpie von −182,6 kJ·mol−1 exotherm.[12]

Eigenschaften

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Physikalische Eigenschaften

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1,2-Dichlorethan ist eine farblose Flüssigkeit. In fester Phase treten zweipolymorphe Formen auf. Das Polymorph II wandelt sich bei −98 °C mit einer Umwandlungsenthalpie von 2,845 kJ·mol−1 in das Polymorph I um, das bei −35,55 °C mit einerSchmelzenthalpie von 8,745 kJ·mol−1 schmilzt.[13] Die Mischbarkeit mit Wasser ist sehr begrenzt. Mit steigender Temperatur steigt die Löslichkeit von 1,2-Dichlorethan in Wasser bzw. steigt die Löslichkeit von Wasser in 1,2-Dichlorethan.[14]

Löslichkeiten zwischen 1,2-Dichlorethan und Wasser[14]
Temperatur°C09,319,729,739,450,361,070,680,7
1,2-Dichlorethan in Wasserin Ma-%0,820,770,720,810,981,061,081,131,06
Wasser in 1,2-Dichlorethanin Ma-%0,1060,1330,1760,2300,2760,3490,4120,492

Sicherheitstechnische Kenngrößen

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1,2-Dichlorethan bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einenFlammpunkt von 13 °C.[1][15] DerExplosionsbereich liegt zwischen 4,2 Vol.‑% (174 g/m3) alsuntere Explosionsgrenze (UEG) und 16 Vol.‑% (660 g/m3) alsobere Explosionsgrenze (OEG).[1][1] In Korrelation der Explosionsgrenzen mit der Dampfdruckfunktion ergibt sich ein unterer Explosionspunkt von 8 °C.[1] DieGrenzspaltweite wurde mit 1,8 mm bestimmt.[1][15] Es resultiert damit eine Zuordnung in dieExplosionsgruppe IIA.[1][15] DieZündtemperatur beträgt 440 °C.[1][15] Der Stoff fällt somit in dieTemperaturklasse T2.

Verwendung

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Dichlorethan wird zur Herstellung vonVinylchlorid gebraucht. Es wird durch thermischeEliminierung in Vinylchlorid und Chlorwasserstoff umgewandelt. Aus 1,2-Dichlorethan wird auch1,1,1-Trichlorethan hergestellt. Es ist ein gutes Lösungs- und Extraktionsmittel. Das 1,2-Dichlorethan wird inAbbeizmitteln, als sogenannterScavenger in verbleiten Kraftstoffen, Lösungsmitteln für Harze (Kunstharz /Naturharz) undAsphalte und inBitumen verwendet.

Außerdem wird es großtechnisch zur Herstellung von Ethylenaminen, speziellEthylendiamin, durchAmmonolyse verwendet:

Zudem dient es als Lösungsmittel bei der Synthese vonPolyepichlorhydrin.[16]

Reaktion von 1,2-Dichlorethan mit Ammoniak zu Ethylendiamine und Salzsäure
Reaktion von 1,2-Dichlorethan mit Ammoniak zu Ethylendiamine und Salzsäure

Zersetzung durch Bakterien

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Forschern der UniversitätGent ist es gelungen, einen Bakterienstamm zu isolieren, der das krebserzeugende und giftige 1,2-Dichlorethan innerhalb weniger Tage restlos abbauen kann. Die Wissenschaftler entschieden sich, dem Stamm den NamenDesulfitobacterium dichloroeliminans zu geben.[17] Auch Arten der BakteriengattungenDehalogenimonas undDehalococcoides sind hierzu in der Lage.[18][19]

Sicherheitshinweise und gesetzliche Regelungen

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1,2-Dichlorethan ist hautreizend, narkotisierend, und führt zu Organschädigungen (Leber,Niere,Blut). Außerdem kann es die Früh- und Totengeburtenrate erhöhen. Es führt zu Vergiftungen beim Verschlucken. 1,2-Dichlorethan ist leichtentzündlich. Beim Verbrennen können gefährliche Gase entstehen. Bei Reaktionen mitAlkalimetallen kann es zu Explosionen kommen. 1,2-Dichlorethan ist sehr umweltschädlich und wassergefährdend (Wassergefährdungsklasse 3).

1,2-Dichlorethan wurde im Dezember 2011 aufgrund seiner Einstufung alskrebserzeugend (Carc. 1B) in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (Substance of very high concern, SVHC) aufgenommen.[4]Im August 2014 wurde 1,2-Dichlorethan danach in dasVerzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe mit dem Ablauftermin für die Verwendung in der EU zum 22. November 2017 aufgenommen.[5][20]

Es ist zudem unter demRotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.[21]

Einzelnachweise

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  1. abcdefghijklmnopqrsEintrag zu1,2-Dichlorethan in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 10. Januar 2025. (JavaScript erforderlich)
  2. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-154.
  3. Eintrag zu1,2-dichloroethane in der DatenbankECHA CHEM derEuropäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw.Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnungerweitern.
  4. abEintrag in derSVHC-Liste derEuropäischen Chemikalienagentur, abgerufen am 17. Juli 2014.
  5. abEintrag imVerzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe derEuropäischen Chemikalienagentur, abgerufen am 17. Juli 2014.
  6. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva):Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach107-06-2 bzw. 1,2-Dichlorethan), abgerufen am 14. September 2019.
  7. G. Myhre, D. Shindell et al.:Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Working Group I contribution to the IPCC Fifth Assessment Report. Hrsg.:Intergovernmental Panel on Climate Change. 2013, Chapter 8: Anthropogenic and Natural Radiative Forcing,S. 24–39; Table 8.SM.16 (ipcc.ch [PDF;15,5 MB]). 
  8. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-22.
  9. Eintrag zuDichlorethane. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 8. Juni 2014.
  10. Vgl. auch den Begriffoil of the olefiant gas beiJustus Liebig. Siehe dazu Albert Faulconer, Thomas Edward Keys:Chloroform. In:Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 1, S. 442–481, hier: S. 455.
  11. abPatentanmeldung WO2008155394A2: Verfahren zur Herstellung von 1,2-Dichlorethan. Angemeldet am 19. Juni 2008, veröffentlicht am 24. Dezember 2008, Anmelder: BASF SE, Erfinder: Heiko Urtel, Henrik Junicke, Rupert Wagner, Volker Schuda.
  12. Conn, J.B.; Kistiakowsky, G.B.; Smith, E.A.:Heats of organic reactions. VII. Addition of halogens to olefins inJ. Am. Chem. Soc. 60 (1938) 2764–2771.
  13. Railing, W.E.:The specific heat of some ethylene halides inJ. Am. Chem. Soc. 61 (1939) 3349–3353.
  14. abR. M. Stephenson:Mutual Solubilities: Water-Ketones, Water-Ethers, and Water-Gasoline-Alcohols inJ. Chem. Eng. Data 37 (1992) 80–95,doi:10.1021/je00005a024.
  15. abcdE. Brandes, W. Möller:Sicherheitstechnische Kenngrößen - Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase, Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 2003.
  16. ECHA:ANALYSIS OF ALTERNATIVES & SOCIO-ECONOMIC ANALYSIS
  17. Ann Maes, Hilde Van Raemdonck, Katherine Smith, Wendy Ossieur, Luc Lebbe, Willy Verstraete:Transport and Activity ofDesulfitobacterium dichloroeliminans Strain DCA1 during Bioaugmentation of 1,2-DCA-Contaminated Groundwater. In:Environmental Science & Technology. 40, 2006, S. 5544–5552,doi:10.1021/es060953i.
  18. William M. Moe und Fred A. Rainey:Dehalogenimonas (2020) In:Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015,ISBN 978-1-118-96060-8,doi:10.1002/9781118960608.gbm01556. 
  19. Frank E. Löffler, Jun Yan, Kirsti M. Ritalahti, Lorenz Adrian, Elizabeth A. Edwards, Konstantinos T. Konstantinidis, Jochen A. Müller, Heather Fullerton, Stephen H. Zinder, Alfred M. Spormann:Dehalococcoides mccartyi gen. nov., sp. nov., obligately organohalide-respiring anaerobic bacteria relevant to halogen cycling and bioremediation, belong to a novel bacterial class, Dehalococcoidia classis nov., order Dehalococcoidales ord. nov. and family Dehalococcoidaceae fam. nov., within the phylum Chloroflexi. In:International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology.Band 63, Pt_2, 2013,S. 625–635,doi:10.1099/ijs.0.034926-0. 
  20. Verordnung (EU) Nr. 895/2014
  21. Annex III Chemicals. In: pic.int. Abgerufen am 6. Januar 2026. 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4296839-2 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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