Der Katalysatorträger wird alsFest- oderFließbett angeordnet und kann im Allgemeinen in jedem bekannten Reaktortyp erfolgen. Bevorzugt sind vor allemWirbelschichtreaktoren.[11]
Ein weiteres großtechnisches Verfahren zur Herstellung von 1,2-Dichlorethan beruht auf derDirektchlorierung vonEthen. Hierfür werden ebenfalls Metallhalogenide wieEisen(III)-chlorid als Katalysator verwendet.
Diese Reaktion verläuft mit einer spezifischenReaktionsenthalpie von −182,6 kJ·mol−1 exotherm.[12]
1,2-Dichlorethan ist eine farblose Flüssigkeit. In fester Phase treten zweipolymorphe Formen auf. Das Polymorph II wandelt sich bei −98 °C mit einer Umwandlungsenthalpie von 2,845 kJ·mol−1 in das Polymorph I um, das bei −35,55 °C mit einerSchmelzenthalpie von 8,745 kJ·mol−1 schmilzt.[13] Die Mischbarkeit mit Wasser ist sehr begrenzt. Mit steigender Temperatur steigt die Löslichkeit von 1,2-Dichlorethan in Wasser bzw. steigt die Löslichkeit von Wasser in 1,2-Dichlorethan.[14]
Löslichkeiten zwischen 1,2-Dichlorethan und Wasser[14]
Dichlorethan wird zur Herstellung vonVinylchlorid gebraucht. Es wird durch thermischeEliminierung in Vinylchlorid und Chlorwasserstoff umgewandelt. Aus 1,2-Dichlorethan wird auch1,1,1-Trichlorethan hergestellt. Es ist ein gutes Lösungs- und Extraktionsmittel. Das 1,2-Dichlorethan wird inAbbeizmitteln, als sogenannterScavenger in verbleiten Kraftstoffen, Lösungsmitteln für Harze (Kunstharz /Naturharz) undAsphalte und inBitumen verwendet.
Außerdem wird es großtechnisch zur Herstellung von Ethylenaminen, speziellEthylendiamin, durchAmmonolyse verwendet:
Forschern der UniversitätGent ist es gelungen, einen Bakterienstamm zu isolieren, der das krebserzeugende und giftige 1,2-Dichlorethan innerhalb weniger Tage restlos abbauen kann. Die Wissenschaftler entschieden sich, dem Stamm den NamenDesulfitobacterium dichloroeliminans zu geben.[17] Auch Arten der BakteriengattungenDehalogenimonas undDehalococcoides sind hierzu in der Lage.[18][19]
1,2-Dichlorethan ist hautreizend, narkotisierend, und führt zu Organschädigungen (Leber,Niere,Blut). Außerdem kann es die Früh- und Totengeburtenrate erhöhen. Es führt zu Vergiftungen beim Verschlucken. 1,2-Dichlorethan ist leichtentzündlich. Beim Verbrennen können gefährliche Gase entstehen. Bei Reaktionen mitAlkalimetallen kann es zu Explosionen kommen. 1,2-Dichlorethan ist sehr umweltschädlich und wassergefährdend (Wassergefährdungsklasse 3).
1,2-Dichlorethan wurde im Dezember 2011 aufgrund seiner Einstufung alskrebserzeugend (Carc. 1B) in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (Substance of very high concern, SVHC) aufgenommen.[4]Im August 2014 wurde 1,2-Dichlorethan danach in dasVerzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe mit dem Ablauftermin für die Verwendung in der EU zum 22. November 2017 aufgenommen.[5][20]
↑David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-154.
↑G. Myhre, D. Shindell et al.:Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Working Group I contribution to the IPCC Fifth Assessment Report. Hrsg.:Intergovernmental Panel on Climate Change. 2013, Chapter 8: Anthropogenic and Natural Radiative Forcing,S.24–39; Table 8.SM.16 (ipcc.ch [PDF;15,5MB]).
↑David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-22.
↑Vgl. auch den Begriffoil of the olefiant gas beiJustus Liebig. Siehe dazu Albert Faulconer, Thomas Edward Keys:Chloroform. In:Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 1, S. 442–481, hier: S. 455.
↑abPatentanmeldung WO2008155394A2: Verfahren zur Herstellung von 1,2-Dichlorethan. Angemeldet am 19. Juni 2008, veröffentlicht am 24. Dezember 2008, Anmelder: BASF SE, Erfinder: Heiko Urtel, Henrik Junicke, Rupert Wagner, Volker Schuda.
↑Conn, J.B.; Kistiakowsky, G.B.; Smith, E.A.:Heats of organic reactions. VII. Addition of halogens to olefins inJ. Am. Chem. Soc. 60 (1938) 2764–2771.
↑Railing, W.E.:The specific heat of some ethylene halides inJ. Am. Chem. Soc. 61 (1939) 3349–3353.
↑abcdE. Brandes, W. Möller:Sicherheitstechnische Kenngrößen - Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase, Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 2003.
↑Frank E. Löffler, Jun Yan, Kirsti M. Ritalahti, Lorenz Adrian, Elizabeth A. Edwards, Konstantinos T. Konstantinidis, Jochen A. Müller, Heather Fullerton, Stephen H. Zinder, Alfred M. Spormann:Dehalococcoides mccartyi gen. nov., sp. nov., obligately organohalide-respiring anaerobic bacteria relevant to halogen cycling and bioremediation, belong to a novel bacterial class, Dehalococcoidia classis nov., order Dehalococcoidales ord. nov. and family Dehalococcoidaceae fam. nov., within the phylum Chloroflexi. In:International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology.Band63, Pt_2, 2013,S.625–635,doi:10.1099/ijs.0.034926-0.