DerSchilling, mit demSchilling-Rechnungsgesetz vom 20. Dezember 1924 beschlossen und am 1. März 1925 eingeführt, ersetzte dieKrone, die durchInflation infolge desErsten Weltkriegs entwertete Währung derk.u.k. Monarchie. Ende 1922 wurde der BundesregierungSeipel I in denGenfer Protokollen von Staaten desVölkerbundes eine Anleihe von 650 Millionen Goldkronen gewährt. Österreich musste sich im Gegenzug zur Stilllegung der Notenpresse verpflichten und der finanziellen Kontrolle des Völkerbundes unterstellen.
Am 14. November 1922 wurde dieOesterreichische Nationalbank gegründet (sie löste die in Liquidation befindlicheOesterreichisch-ungarische Bank unter österreichischer Geschäftsführung ab), deren wichtigste Aufgabe die Sicherung der Stabilität der Währung war. Mit demBundesgesetz vom 20. Dezember 1924 über die Einführung der Schillingrechnung, die Ausprägung von Goldmünzen und über andere das Währungswesen betreffende Bestimmungen (Schillingrechnungsgesetz),BGBl. Nr. 461/1924, wurde dann der Wert des Schillings auf 10.000 (Papier-)Kronen, entsprechend 0,21172086 Gramm Feingold (mit betraglich unbegrenzter Einlöseverpflichtung) festgelegt, nachdem bereits aufgrund desBundesgesetzes vom 21. Dezember 1923 über die Ausprägung und Ausgabe von Silbermünzen,BGBl. Nr. 635/1923, als „Schillinge“ bezeichnete 10.000-Kronen-Silbermünzen (und entsprechend Halb- und Doppelschillingen zu 5.000 bzw. 20.000 Kronen) geprägt worden waren.
Gemäß Gesetzeswortlaut bestand die Einlöseverpflichtung aber nur in die Richtung, dass Goldbarren in Noten getauscht werden konnten. Es wurde zwar auch festgelegt, dass „Bundesgoldmünzen“ zum genanntenMünzfuß geprägt werden müssen, jedoch ist im Gesetz nicht festgehalten, dass man diese Goldmünzen auch jederzeit zum Nennwert erhält.
Der Nationalbank war es erlaubt, auch nach der Währungsumstellung bis Ende 1926 auf Kronen lautende Banknoten auszugeben (wobei in der Praxis die Wertangabe in beiden Währungen erfolgte.)
Ein Schilling war in 100 Groschen unterteilt, ursprünglich war der NameStüber geplant.
Es gab in der Ersten Republik und im StändestaatMünzen zu 1, 2, 5, 10, 50 Groschen und ½, 1, 2, 5 Schilling undBanknoten zu 5, 10, 20, 50, 100 und 1000 Schilling. 1926 erfolgte die Ausgabe von Goldmünzen im Wert von 25 und 100 Schilling. Da sich der Schilling zu einer stabilen Währung entwickelte, etablierte sich die volkstümliche BezeichnungAlpendollar.
Übersicht der Umlaufmünzen der Zeit von 1925 bis 1938[1][2]
Zwischen 1925 und 1938 gab es Banknoten zu 5, 10, 20, 50, 100 und 1000 Schilling. Bei der ersten Schilling-Serie aus dem Jahr 1925 nannte man denPlural von Schilling noch Schillinge. Der letzte 100-Schilling-Schein der 1. Republik, der 1936 gedruckt wurde, ist allerdings wegen desAnschlusses Österreichs nicht mehr ausgegeben worden.
Übersicht, österreichische Umlaufbanknoten (1. Republik) bis 1938[5][6]
Fünf Tage nach dem„Anschluss“ Österreichs an dasDritte Reich wurde der Schilling am 17. März 1938 mit einem Umtauschwert von 1 RM = 1,50 Schilling durch dieReichsmark abgelöst, die Noten verloren zum 25. April ihre Zahlungskraft. DieOesterreichische Nationalbank verlor am 25. April das Notenprivileg und wurde in ihrer Funktion aufgelöst, alle Goldbestände wurden von derReichsbank requiriert.[7] Nach Ansicht der Oesterreichischen Nationalbank war dieser Umtauschkurs günstig festgelegt worden, um eine österreichische Zustimmung zum Anschluss zu fördern.[8]
Die Münzen zu 1 Schilling, 50, 10 und 5 Groschen und die immer noch im Umlauf befindlichen Münzen zu 1000 Kronen galten ab 1. Oktober 1939 nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel, wurden aber noch bis Ende des Jahres umgetauscht.[9]
Der Entwurf eines 100-Schilling-Scheins von 1936 fand sich in der 20-Reichsmark-Note von 1939 (ausgegeben 1945) wieder.
Bereits am 28. Juni 1945 konnten neue, von den Alliierten gedruckte Schilling-Briefmarken ausgegeben werden.[12] Das „Schillinggesetz“ vom 30. November 1945 regelte dann den Rücktausch restlicher Reichsmarkbestände zum Jahresende (max. 150 RM pro Kopf), von der Oesterreichischen Nationalbank konnten alte Schilling-Druckplatten der letzten Vorkriegsserie für die Banknotenproduktion reaktiviert werden.
1947 wurde der Schilling auf ein Drittel abgewertet. Dazu wurde von den Sparguthaben auch ein Teil vom Staat abgeschöpft (dieser wurde für den Wiederaufbau Österreichs verwendet).
Die alliierte Militärbehörde gab im Jahr 1945 Banknoten zu 50 Groschen, 1, 2, 5, 10, 20, 25, 50, 100 und 1000 Schilling in den westlichen Besatzungszonen (Frankreich, Großbritannien, USA) aus. Der 25-Schilling-Schein kursierte aber nur in der britischen Zone.
Münzen gab es zu 1, 2, 5, 10, 20 (zeitweise) und 50 Groschen sowie zu 1, bis 1957 auch zu 2 Schilling, mit zunehmender Geldentwertung später auch zu 5, 10, 20, 25, 50, 100, 200, 500 und 1000 Schilling. Die höheren Werte (25–1000 S) waren vorrangig Sammlerstücke durchwegs in Silber oder Gold-Legierung und hatten außer dem 25-S-Stück wertgleiche Pendants aus Papier. Die Zwanzigschillingmünze wurde 1980 zusätzlich zur 20-S-Banknote speziell für Verkaufsautomaten eingeführt, von der Bevölkerung aber kaum angenommen. Daher wurden Automaten kaum dafür eingerichtet und nach der Euroumstellung war der Ruf nach einer Zwei-Euro-Banknote (dem Wert nach gut 27 S) sehr laut.
Die Einschillingmünze wurde nach dem Krieg aus Aluminium hergestellt, es gab bis 1957 auch eine etwas größere Zweischillingmünze aus Aluminium. Ab 1959 wurde ein kleinerer Schilling aus Aluminiumbronze hergestellt, sein Abbild wurde der Körper desSparefrohs, einer Werbefigur der Sparkassen. Die Zehnschillingmünze löste in den 1960er-Jahren die gleichwertige Banknote ab. Sie wurde ursprünglich aus Silber hergestellt, 1974 wurde sie – wegen des (über Nominale) gestiegenenSilberpreises – auf eine billigereKupfernickel-Legierung umgestellt, ähnlich der Fünfschillingmünze zuvor. Als der Anstieg des Silberpreises absehbar war, wurden Silberfünfer und Silberzehner aus dem Rest der noch im Umlauf Befindlichen von Privaten gesammelt.
Bei den Groschen waren bis zur Euroeinführung die Ein-, Zwei-, Fünf-, Zehn- und Fünfzig-Groschen-Stücke gültig, sie befanden sich aber infolge der Teuerung immer weniger im Umlauf. Nach der Wiedereinführung des Schillings wurden die 1-Reichspfennig-Stücke mit neuen 1-Groschen-Stücken 1:1 gleichgesetzt,[17] so konnten Produktions- und Umstellungskosten gesenkt werden. Die 1-Groschen-Münze selbst wurde nur kurz um 1947 geprägt, viele Reichspfennige wurden dabei auch mit dem neuen Bild überprägt. Da die seit 1948[18] ausgegebenen 1-Groschen-Münzen im Lauf der Zeit zwar vom Markt verschwanden und ihre Produktion eingestellt wurde – sie wurden bereits in den 1960er-Jahren zu einer Seltenheit –, sie aber nie formal außer Kurs gesetzt wurden, blieben auch die Reichspfennige bis zur Euro-Umstellung theoretisch gesetzliches Zahlungsmittel. Die Zweigroschenmünze wurde im Handel zwar nur bis etwa 1970 verwendet, doch noch bis in die 1990er-Jahre geprägt, hauptsächlich für Sammlersets. 2002 hatte der Aluminium-Schrottwert etwa das Nominal von 2 Groschen erreicht.
Silbermünzen wurden im Wert von25,50,100,200 und500 Schilling, Goldmünzen zu 200, 500, 1000 und 2000 Schilling geprägt. Sie galten als normale Zahlungsmittel, waren aber im normalen Zahlungsverkehr nur selten anzutreffen. Viele Stücke wurden nur in besonderenErhaltungsgraden wie Polierte Platte hergestellt und nur über dem Nennwert verkauft. Sie sind nach wie vor begehrte Sammelobjekte. Eine Ausnahme sind dieWiener Philharmoniker, welche bis 2001 im Schillingnominal geprägt wurden.
Wechselkurs zur D-Mark von 1957 bis 1999 (in Schilling pro DM)
Nach dem Zusammenbruch desBretton-Woods-Systems 1971 wurde der Schilling an einen Korb aus mehreren Währungen gebunden. Im Juli 1976 erfolgte schließlich die alleinige Koppelung an die äußerst stabileDeutsche Mark. Diese Koppelung wurde zwar niemals offiziell verkündet, dieOesterreichische Nationalbank führte aber sämtliche Kursbewegungen parallel zur D-Mark durch, da Deutschland – damals wie heute – der wichtigste Handelspartner Österreichs war.[19]
Die allgemein und in österreichischen Gesetzen verwendeten Abkürzungen warenS undg. Dem Ausland gegenüber wurde die AbkürzungöS verwendet. Die Abkürzung der Währung nachISO 4217, die sich nach derComputerisierung der Banken verbreitete, lauteteATS. Handschriftlich wurde das Schilling-S häufig mit deutlichenSerifen geschrieben.
Wäre der Schilling als Währung beibehalten worden, wären neue Ausgaben der Banknoten zu 20, 50, 100 und 5000 Schilling produziert worden, passend zu den 1997 eingeführten neuen 500- und 1000-S-Scheinen. Auf ihnen wärenGustav Klimt,Ida Pfeiffer,Franz Schubert undMarie von Ebner-Eschenbach abgebildet worden.[24]
Der Schilling wurde alsBuchgeld am 1. Jänner 1999 durch denEuro abgelöst. Der mit den anderen Euroländern vereinbarte, bis zur Bargeldumstellung nicht veränderte Wechselkurs zum Euro betrug 1 Euro = 13,7603 Schilling.
DieBargeldeinführung des Euros fand am 1. Jänner 2002 statt; der Kurs für historische Umrechnungen blieb unverändert. Der Schilling blieb bis 28. Februar 2002 mit dem Euro gleichberechtigtes gesetzliches Zahlungsmittel.[25]
Von den Geldinstituten wurden Münzen und Banknoten der Schillingwährung noch ein Jahr lang in Euro umgetauscht. Kaufhausketten veranstalteten über dieses Jahr hinaus Eintauschaktionen, bei denen noch mit Schilling bezahlt werden konnte. Von 2002 bis 2019 veranstaltete die OeNB eine „Euro-Info-Tour“, bei der Schilling-Altbestände in vielen österreichischen Gemeinden bei einer mobilen Filiale in Euro getauscht werden konnten.[26] Trotz solcher Aktionen gab es zum 31. Dezember 2014 immer noch Schillingbestände im Wert von 630,3 Millionen Euro, darunter 283 Millionen Euro in Schillingmünzen.[27] Die Besitzer waren nicht bekannt.
Die zuletzt gültigen Noten und Münzen werden von derOesterreichischen Nationalbank unbefristet – und kostenlos – eingewechselt. Für alle älteren Noten gab/gibt es eine zeitlich begrenzte Umtauschfrist. So konnten die 500-Schilling-Note aus dem Jahr 1986 (mit dem Abbild vonOtto Wagner) sowie die 1000-Schilling-Note aus dem Jahr 1983 (mit dem Abbild vonErwin Schrödinger) bis zum 20. April 2018 umgetauscht werden.[28] Von diesen bis 2018 befristeten Banknoten waren Ende 2014 noch umgerechnet 112,6 Millionen Euro ausständig. Alle älteren Banknoten können nicht mehr getauscht werden, so lief beispielsweise für die 1000-Schilling-Banknote aus dem Jahr 1966 mit dem Abbild vonBertha von Suttner die Eintauschfrist am 30. August 2005 ab. Laut Nationalbank waren zu diesem Zeitpunkt noch 463.000 Stück im Umlauf, dies entsprach einem Wert von 33,6 Millionen Euro. Mit Ablauf der Umtauschfrist wurde der entsprechende Wert der noch ausständigen Banknoten von der Nationalbank ins Bundesbudget eingezahlt, diese also als verloren abgeschrieben und ausgebucht.
Anfang 2025 war noch Schilling-Bargeld im Wert von etwa 6,8 Milliarden Schilling im Umlauf.[29]
Banknoten mit zeitlich begrenztem Umtausch (Präklusivfristen)
20 Schilling 1950, Stich:E. Amadeus-Dierfec(it) – Detail am Schein vorne links unten: Abb. oben mit und Abb. unten ohne Schreibfehler ("ÖSTERREICHISCEE", rechts in den Teilbildern); am Schein rechts unten taucht dieser Fehler noch einmal auf
Die Umstellung von der Krone zum Schilling erfolgte gleitend bis zum 1. Juli 1926. Zur letztmöglichen Umstellung wurde folgende amtliche Mitteilung herausgegeben:
„Ab sofort muss in Schilling und Groschen abgerechnet werden. Zuwiderhandelnde Personen werden mit 60.000 Kronen bestraft.“
Bei der 50-Schilling-Münze aus dem Prägejahr 1999Johann Strauß fehlt die Angabe des Prägejahrs.[36]
Von der 20-Schilling-Banknote aus dem Ausgabejahr 1950 gibt es zwei Varianten: eine mit Schreibfehler „OESTERREICHISCEE“ und eine ohne Schreibfehler „OESTERREICHISCHE“ im Unterdruck links und rechts unten auf der Vorderseite. Die Variante ohne Schreibfehler ist die seltenere und somit in Sammlerkreisen auch die teurere.[37][38][39]
Die weiße Variante des 1000-Schilling-Scheins aus dem Jahr 1961 ist die teuerste österreichische Banknote der zweiten Republik. Er war nur wenige Monate im Umlauf, weil er dasselbe Format hatte wie der 100-Schilling-Schein und deswegen oft mit diesem verwechselt wurde. Er wurde wieder eingezogen und durch einen etwas größeren blauen Schein mit gleichem Bild ersetzt.[40]
Beim Zugunglück auf derSüdbahn vom 1. Dezember 2015 kam der betroffene Güterzug genau an der Stelle zu stehen, die die Mitte der Abbildung der 20-Schilling-Banknote von 1968 darstellt. Nach links und damit nach Südwesten in Richtung Semmering und Graz fahrend mit der vorderen Hälfte der Zuglänge am Kalte-Rinne-Viadukt und – teilweise entgleist – im Tunnel der Polleroswand rechts der Bildmitte. Das Bild zeigt am Viadukt die Masten der Oberleitung der Elektrifizierung von 1959.[41]
↑Günter Schön:Kleiner Deutscher Münzkatalog von 1871 bis heute München 2000
↑Einziehung der alten Schillingmünzen. In: Die Neue Zeitung, 31. Dezember 1926, S. 2 (online beiANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nzg „Die ursprünglich ausgeprägten Schillinge mit der Jahreszahl 1924 werden mit 31. Dezember 1926 endgültig aus dem Verkehre gezogen und kommen von diesem Zeitpunkte an nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel in Betracht.“
↑Erste österreichische Spar-Casse (Hrsg.):Wien, am Graben 21. 150 Jahre Erste österreichische Spar-Casse, 150 Jahre österreichische Geschichte. Wien 1969.
↑Philipp Eissenbeiss:Neuer allgemeiner Contorist oder Handbuch zur Kenntniß der Wechsel- und Staatspapier-Preise: der Rechnungs- und geprägten Münzen, der Maasse und Gewichte aller Länder in und außer Europa, mit ihren gehörigen Vergleichungen untereinander. M bis Z. Hinrichs, 1830 (google.at [abgerufen am 25. Juli 2022]).