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Österreich-Ungarn

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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Osztrák–Magyar Monarchia
1867–1918
Wappen (1915–1918)
(SieheFlaggen und Wappen der Königreiche und Länder Österreich-Ungarns)
Bestandteile:
Die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder(Cisleithanien) /A birodalmi tanácsban képviselt királyságok és országok
und dieLänder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone(Transleithanien) / ésa magyar Szent Korona országai
undBosnien-Herzegowina/ ésBosznia-Hercegovina (seit 1878 verwaltet, 1908 annektiert)
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Kaisertum Österreich



 
Republik DeutschösterreichFlagge Deutschösterreichs

(Volks-)Republik UngarnFlagge der Volksrepublik Ungarn 1918/19
Tschechoslowakische RepublikFlagge der Tschechoslowakei 1918–1920
Staat der Slowenen, Kroaten und SerbenFlagge des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben

VerfassungPragmatische Sanktion
Delegationsgesetz
(keine gemeinsame Verfassung)
Amtssprache• Cisleithanien: keine, offizielle Umgangssprachen:Deutsch,Tschechisch,Polnisch,Serbokroatisch,Slowenisch,Rumänisch,Ruthenisch,Ungarisch undItalienisch[1]
• Transleithanien: Ungarisch (Ungarn), Kroatisch (Kroatien-Slawonien) und Italienisch (Fiume)[2]
HauptstädteWien undBudapest
RegierungsformZweikonstitutionelle Monarchien inRealunion
StaatsoberhauptKaiser von Österreich und
Apostolischer König von Ungarn
Regierungschefkeiner; administrativer Koordinator:Vorsitzender des Gemeinsamen Ministerrates
Fläche675.964,89 km² (1914)
Einwohnerzahl51.356.465 (1910)
Bevölkerungsdichte76 Ew. pro km²
Auflösung31. Oktober 1918 (Ende der Realunion)
HymnesieheÖsterreichische Kaiserhymnen
Währung1Thaler (Vereinstaler) = 1½ Gulden = 150 Neukreuzer;
ab 1892/1900: 1 Krone = 100 Heller
Karte

Österreich-Ungarn (amtlichÖsterreichisch-Ungarische Monarchie, auchÖsterreichisch-Ungarisches Reich) war eineRealunion in der letzten Phase derHabsburgermonarchie zwischen 1867 und 1918. Sie bestand nach dem Umbau desKaisertums Österreich zu einem Staatenverband[3] auf der Grundlage desösterreichisch-ungarischen Ausgleiches vom 8. Juni 1867 (in Österreich am 21. Dezember 1867 verfassungsmäßig implementiert) bis zum 31. Oktober 1918 (AustrittUngarns aus der Realunion).

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie setzte sich aus zweiStaaten zusammen: aus denim Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern, inoffiziellCisleithanien (erst ab 1915 amtlichÖsterreich genannt), und denLändern der Heiligen Ungarischen Krone, inoffiziellTransleithanien (vulgoUngarn). Hinzu kam das seit 1878 von Österreich besetzte GebietBosnien und Herzegowina, das 1908 alsKondominium nach langen Verhandlungen der Monarchie einverleibt wurde. Dieverfassungsrechtlichen Ausgleichsvereinbarungen sicherten im Sinne einer Realunion die Gleichberechtigung der beiden (Teil-)Staaten im Verhältnis zueinander. GemeinsamesStaatsoberhaupt war derKaiser von Österreich und Apostolische König von Ungarn aus dem HausHabsburg-Lothringen. Von 1867 bis 1916 herrschteFranz Joseph I., danach bis 1918 sein GroßneffeKarl I./IV.

Nach derAnnektierung Bosniens und der Herzegowina 1908 rund 676.000 km² war Österreich-Ungarn flächenmäßig das zweitgrößte (nach demRussischen Reich) und mit 52,8 Millionen Menschen (1914) das bevölkerungsmäßig drittgrößte LandEuropas (nach dem Russischen und demDeutschen Reich). SeinGebiet umfasste zuletzt die Territorien der heutigen StaatenÖsterreich,Ungarn,Tschechien (mit Ausnahme desHultschiner Ländchens),Slowakei,Slowenien,Kroatien,Bosnien und Herzegowina,Montenegro (Gemeinden an der Küste),Polen (Westgalizien) sowie Teile des heutigenRumäniens (Siebenbürgen,Banat, späterKreischgebiet,östlicher Teil von Sathmar,Südmarmarosch,Südbukowina), derUkraine (Ostgalizien,Karpatenukraine und Nordbukowina),Italiens (Trentino-Südtirol und Teile vonFriaul-Julisch Venetien) undSerbiens (Vojvodina).

DerErste Weltkrieg, der ZerfallAltösterreichs Ende Oktober 1918 durch die Gründung derTschechoslowakei, desSHS-Staates und des StaatesDeutschösterreich und den AbfallGaliziens, der Austritt Ungarns aus der Realunion per 31. Oktober 1918 sowie 1919 derVertrag von Saint-Germain und 1920 derVertrag von Trianon führten zum bzw. besiegelten das Ende von Österreich-Ungarn.

Die in Deutschösterreich nachfolgende Republik („Restösterreich“) bewahrte den österreichischen Namen, schaffte (wie die Tschechoslowakei) den Adelsstand ab und verwies den Monarchen sowie andere Habsburger, die sich nicht als Bürger der Republik verstehen wollten, des Landes. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der nachfolgenden Jahrzehnte gibt es im heutigen Österreich wie auch einigen anderen Nachfolgestaaten eine größtenteils positiveErinnerungskultur zur Habsburgermonarchie bzw. zu Österreich-Ungarn.

Staatsname

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Die amtlichen StaatsbezeichnungenÖsterreichisch-Ungarische Monarchie (ungarischOsztrák–Magyar Monarchia) undÖsterreichisch-Ungarisches Reich (ungarischOsztrák–Magyar Birodalom) wurden am 14. November 1868 durch ein Handschreiben vom Kaiser und KönigFranz Joseph I. an den ReichskanzlerFriedrich Ferdinand von Beust festgelegt.[4][5] Inoffizielle Staatsbezeichnungen für Österreich-Ungarn lautenk. u. k. Monarchie,Donaumonarchie undDoppelmonarchie. Erstere leitet sich von der Kurzform fürkaiserlich und königlich ab, der Bezeichnung für die gemeinsamen Einrichtungen beider Reichsteile. Da dieDonau das Reich als Hauptstrom auf einer Länge von etwa 1300 km durchfloss, spricht man von derDonaumonarchie. Aus derstaatsrechtlichen Konstruktion der beiden Teile entstammt die BezeichnungDoppelmonarchie; mit dem kaiserlichen Doppeladler, den dasKönigreich Ungarn nicht führte, hat diese nichts zu tun.

GegenüberDrittstaaten bildeten der österreichische und der ungarische Teilstaat sowie die übrigen rechtlich selbstständigen politischen Einheiten, wie dasKönigreich Böhmen usw., gemeinschaftlich das Kaiserreich, das als eine neue staatsrechtliche Einheit begriffen wurde. Als Gesamtmonarchie war Österreich-Ungarn ein einheitlichesVölkerrechtssubjekt.[6]

Das kaiserliche Österreich wurde bis 1915 offiziell meistdie im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder genannt, inoffiziell hingegen in der Politiker- und Juristensprache nach dem GrenzflussLeitha auchCisleithanien. Das königliche Ungarn firmierte amtlich alsdie Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone oder auch alsTransleithanien. Der BegriffÖsterreich als zusammenfassender Begriff für die cisleithanischen Länder wurde erst 1915 offiziell eingeführt. In der Literatur wurde das kaiserliche Österreich im Rückblick zuweilen scherzhaft auch alsKakanien bezeichnet – ein Ausdruck, der aus dem RomanDer Mann ohne Eigenschaften vonRobert Musil stammt und sich aus dem für die cisleithanische Reichshälfte verwendeten Kürzelk. k. ableitete.[7]

Insignien

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Flaggen

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Österreich-Ungarn besaß keine gemeinsameStaatsflagge, jedoch

  • Seekriegs- und Marineflagge
    Seekriegs- und Marineflagge
  • Handelsflagge
    Handelsflagge

Die Farben des Hauses Habsburg sind gleichzeitig die Flagge der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder (Schwarz-Gelb). Die ungarische Reichshälfte besaß als Flagge eine rot-weiß-grüneTrikolore, versehen mit dem ungarischen Wappen.

  • Flagge des Hauses Habsburg (österreichische Reichshälfte)
    Flagge des Hauses Habsburg (österreichische Reichshälfte)
  • Flagge des Königreichs Ungarn (ungarische Reichshälfte)
    Flagge des Königreichs Ungarn (ungarische Reichshälfte)

Am 12. Oktober 1915 wurde auf kaiserlichen Erlass für die Marine eine Serie von neuen Flaggen beschlossen,[10] darunter auch eine neu gestaltete Kriegs- und Marineflagge. Auf Grund der Kriegsbedingungen kam es jedoch nie zur Einführung der neuen Flaggen. Hingegen sah man die neueKriegsflagge zum Beispiel auf Postkarten abgedruckt. Auch zeigten einige österreichisch-ungarische Flugzeuge die Flagge auf dem Leitwerk.

  • Marineflagge von 1915
    Marineflagge von 1915

Wappen

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Von 1867 bis 1915 war der mit derKaiserkrone gekrönte Doppeladler mit dem von derCollane desOrdens vom Goldenen Vlies umgebene Wappen der DynastieHabsburg-Lothringen („Haus Österreich“) das Hoheitszeichen für gemeinsame (k. u. k.) Institutionen Österreich-Ungarns; er wurde von der Dynastie schon lang vor der Einrichtung der Doppelmonarchie geführt und symbolisierte den kaiserlichen Rang.

Ungarische Politiker waren damit stets unzufrieden, weil der Doppeladler gleichzeitig Symbol der österreichischen,cisleithanischen Reichshälfte war. 1915 wurde ein neues gemeinsames Wappen eingeführt, eine Kombination aus den gleichberechtigten Wappen der beiden Reichshälften und dem (kleineren) des Herrscherhauses. Die Deviseindivisibiliter ac inseparabiliter („unteilbar und untrennbar“) und dieOrdensbänder desMilitär-Maria-Theresien-,k.u. Sankt Stephans- undLeopoldsordens sollte die Verbundenheit der beiden in einerRealunion verbundenen Monarchien darstellen.

  • Das kleine gemeinsame Wappen (bis 1915)
    Das kleine gemeinsame Wappen (bis 1915)
  • Das kleine gemeinsame Wappen (1915–1918)
    Das kleine gemeinsame Wappen (1915–1918)
  • Das mittlere gemeinsame Wappen (bis 1915)
    Das mittlere gemeinsame Wappen (bis 1915)
  • Das mittlere gemeinsame Wappen (1915–1918)[11]
    Das mittlere gemeinsame Wappen (1915–1918)[11]

Das (mittlere) Wappen der österreichischen Reichshälfte zeigte den von der Kaiserkrone überhöhten Doppeladler mit einem Brustschild, der die Wappen derKronländer beinhaltete. Als Schildhalter dienten zweiGreife. Das Wappen der ungarischen Reichshälfte wurde von derStephanskrone überhöht und von zwei schwebenden, weiß gekleideten Engeln flankiert.

  • Das kleine Wappen Österreichs (1915–1918)
    Das kleine Wappen Österreichs (1915–1918)
  • Das mittlere Wappen der österreichischen Länder (Neuentwurf 1915)[12]
    Das mittlere Wappen derösterreichischen Länder (Neuentwurf 1915)[12]
  • Das mittlere Wappen Transleithaniens (bis 1915)
    Das mittlere Wappen Transleithaniens (bis 1915)
  • Das mittlere Wappen Transleithaniens (1915–1918)[11]
    Das mittlere Wappen Transleithaniens (1915–1918)[11]
Siehe auch:Flaggen und Wappen der Königreiche und Länder Österreich-Ungarns

Entwicklung

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Österreichisch-Ungarischer Ausgleich 1848–1867

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Hauptartikel:Österreichisch-Ungarischer Ausgleich
Kaiser Franz Joseph I. (um 1885)
ReichskanzlerFriedrich Ferdinand von Beust, einer der Väter des Ausgleichs von 1867

Die Wurzeln der Österreichisch-Ungarischen Monarchie liegen in der Auseinandersetzung des Kaisertums Österreich mit demKönigreich Preußen um die Vorherrschaft imDeutschen Bund, der am 8. Juni 1815 mit Österreich als Präsidialmacht gegründet worden war. Österreich war fürPreußen das Haupthindernis in der vom überregionalenDeutschen Nationalverein gestütztenKleindeutschen Lösung, die einen Zusammenschluss der Länder desDeutschen Bundes unter der Führung Preußens und dem gleichzeitigen Ausschluss Österreichs vorsah.

Diese Auseinandersetzung wurde am 3. Juli 1866 in derSchlacht bei Königgrätz („Deutscher Krieg“) zu Gunsten Preußens entschieden. Die für dasKaisertum Österreich schwerstwiegende Folge dieses Krieges war die Isolierung durch die erzwungene Trennung von den deutschen Staaten. Dieser Schwächung derDeutschen in Österreich stand die Stärkung der Stellung der demografisch dominierenden nichtdeutschenNationalitäten gegenüber, die das Zerbrechen des schon 1848 schwer erschüttertenVielvölkerstaates befürchten ließ.

Um diese Gefahr zu verringern, musste das Kaiserhaus vor allem das Verhältnis zu den herrschenden Schichten Ungarns entspannen. DieUngarische Revolution konnte im Jahr 1849 nur mit Unterstützung desRussischen Reiches niedergeschlagen werden. Mit derHinrichtung des gemäßigten ehemaligen MinisterpräsidentenLajos Batthyány sowie der 13Märtyrer von Arad hatte der 20-jährige Kaiser Franz Joseph I. 1850 allerdings eine Kluft aufgerissen, die durch die Abtrennung derWoiwodschaft Serbien und Temeser Banat,Kroatiens,Slawoniens undSiebenbürgens sowie die Unterstellung Restungarns unter die Militärverwaltung vonErzherzog Albrecht weiter vertieft wurde.

Mit derBefreiung der Bauern hatte dasHaus Habsburg den ungarischen Adel als eigentlichen Entscheidungsträger des Landes endgültig gegen sich aufgebracht. Dessen passive Resistenz in Form von Ämter- und Steuerverweigerung zog permanente Truppenpräsenz nach sich. Als modernisierende Elemente dieser Phase sind neben der Bauernbefreiung die Modernisierung desSchulwesens, das Ende derPatrimonialgerichtsbarkeit und die Einführung desösterreichischen Strafgesetzbuches zu verzeichnen.

Krönung von Franz Joseph I. und seiner GemahlinElisabeth zum Königspaar von Ungarn, 1867

Die Konfrontation wurde schließlich auch durch denwirtschaftlichen Aufschwung gedämpft, eine substantielle Annäherung war jedoch erst 1865 mit der Wiedereinberufung des ungarischen Landtages und der Zusage der weitgehenden Restitution der ungarischenVerfassung von 1848 durch die kaiserliche Regierung erfolgt. Weitere Schritte waren dringend nötig.

Die Ausgleichsverhandlungen mit den Ungarn standen unter dem Zeichen widerstrebender magyarischer Meinungen. Der im Exil lebende geistige Führer der ungarischen Revolution,Lajos Kossuth, und seine beträchtliche Anhängerschaft im Lande votierten für die Loslösung von Österreich, ein Ausgleich wäre (gemäß Kossuth) der „Tod der Nation“ und würde dem Land das „Zugseil fremder Interessen auferlegen“.

Letztendlich setzte sich jedoch die Meinung des Führers der Liberalen,Ferenc Deák, durch. Er argumentierte, dass ein freies Ungarn mit seinen starkenslawischen unddeutschen Minderheiten Gefahr liefe, in die Isolation zu geraten und letztendlich zwischen Russland und Deutschland zerrieben zu werden. Ein Bündnis mit dem durch das interne Nationalitätenproblem geschwächten Österreich unter der Führung eines Monarchen, der sich im Krönungseid der ungarischenNation verpflichtet, wäre deshalb vorzuziehen. Den Adel überzeugte er überdies mit dem Hinweis, dass der Ausgleich die Möglichkeit bieten würde, die territoriale und politische Integrität desGroßgrundbesitzes zu wahren und die Herrschaft über die nichtmagyarischen Nationen Ungarns fortzusetzen.

Die Verhandlungen über denAusgleich mit demKönigreich Ungarn wurden Anfang 1867 abgeschlossen. Am 17. Februar 1867 ernannte Franz Joseph I. die neue ungarische Regierung unter GrafAndrássy. Die Wiener Verhandlungen wurden einen Tag später abgeschlossen. Am 27. Februar 1867 wurde derungarische Reichstag wiederhergestellt. Am 15. März leistete Graf Andrássy mit seiner Regierung inBuda König Franz Joseph I. denTreueid. Zugleich traten die Regelungen des österreichisch-ungarischen Ausgleichs in Kraft. Das gilt als Geburtstag der Doppelmonarchie, wenn auch die in Ungarn am 12. Juni 1867 beschlossenen Ausgleichsgesetze imösterreichischen Reichsrat erst am 21. Dezember 1867 beschlossen waren und am 22. Dezember 1867 in Kraft traten (vgl.Dezemberverfassung). Franz Joseph I. selbst wurde am 8. Juni 1867 in Buda zumKönig von Ungarn gekrönt.

Doppelmonarchie 1867–1914

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Österreich-Ungarn im Jahr 1899

Franz Joseph I. war formal das gemeinsamekonstitutionelle Staatsoberhaupt (Personalunion), unter dessen Leitung dieAußenpolitik, dasgemeinsame Heer und dieKriegsmarine sowie die dazu nötigen Finanzen in den entsprechenden drei Reichs-, späterk. u. k. Ministerien mit Sitz inWien gemeinsam verwaltet wurden (Realunion):

(Die angeführten Lemmata enthalten Listen aller Amtsträger bis 1918.)

Alle anderen Angelegenheiten konnten Österreich und Ungarn von nun an getrennt regeln (es kam jedoch freiwillig zu einem gemeinsamen Währungs-, Wirtschafts- und Zollgebiet). Mit dem Abschluss des Ausgleichs waren jedoch keinesfalls alle Streitpunkte ausgeräumt. So hatte sich Ungarn eine Adaptierung alle zehn Jahre zusichern lassen.

Die Verhandlungen dazu wurden von den Ungarn vor allem mit dem Ziel der Schwächung der noch vorhandenen Bande und der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Position gegenüber Cisleithanien geführt. Die sich jeweils über viele Monate oder gar Jahre hinziehenden Verhandlungen der entsprechenden Kommissionen schufen ein Klima der permanenten Konfrontation und belasteten das Verhältnis zwischen den beiden Teilen der Realunion bis zur Planung eines Militäreinsatzes. Es zeigte sich, dass der Einfluss Franz Josephs I. als ungarischer König auf die ungarische Innenpolitik weit geringer war als jener auf die Regierungen in Cisleithanien als österreichischer Kaiser. Eines seiner letzten Druckmittel gegenüber den Ungarn blieb die Androhung der Einführung allgemeiner und freier Wahlen.

Der Ausgleich mit Ungarn, der Ungarn eine weit reichende staatlicheAutonomie gebracht hatte, führte allerdings zum Protest anderer Nationalitäten, insbesondere der Slawen. Konkrete Forderungen nach einem ähnlichen Ausgleich wurden vor allem von denTschechen für dieLänder der böhmischen Krone (Böhmen,Mähren,Österreichisch-Schlesien) erhoben. Die unberücksichtigten Interessen anderer Nationalitäten und die ungarischeMagyarisierungspolitik führten zu ethnischen Spannungen und zu Begriffen wie „Völkerkerker“. Andererseits prosperierte die Doppelmonarchie als gemeinsamerWirtschaftsraum mit gemeinsamer Währung.

Die nichtdeutschen Nationalitäten hatten in Österreich, wo alle Nationalitäten zumindestde jure gleichberechtigt waren, wesentlich bessere Bedingungen als die nichtmagyarischen in Ungarn, das aufMagyarisierung der anderen Hälfte der Bevölkerung setzte. Dies betraf vor allem den Unterricht in der Muttersprache (obwohl höhere nichtdeutsche Schulen oft erkämpft werden mussten), die Verwendung der Muttersprache bei Ämtern und Behörden (Antworten in der Sprache des Antragstellers mussten allerdings erst gesetzlich vorgeschrieben werden) und die Vertretung imReichsrat, dem Parlament Österreichs.

Diese Vertretung wurde allerdings sehr unterschiedlich genützt. DiePolen im KronlandGalizien arbeiteten – durch Steuergeschenke und Investitionen geködert – oft konstruktiv mit und stellten zeitweise Minister oder sogar den Ministerpräsidenten (Kasimir Felix Badeni,Agenor Gołuchowski der Ältere,Agenor Gołuchowski der Jüngere,Alfred Józef Potocki oderLeon Biliński). Viele tschechische Politiker bestritten die Zuständigkeit des Reichsrates für die Länder der böhmischen Krone grundsätzlich, sodass dort schon früher als in anderen Kronländern dieDirektwahl der Abgeordneten vorgeschrieben werden musste. Tschechische Reichsratsabgeordnete machten die Beratungen des Abgeordnetenhauses immer wieder durch Lärmorgien unmöglich(Obstruktionspolitik), worauf die Regierung dem Kaiser die Vertagung des Reichsrates vorschlug und mit provisorischen Verordnungen weiterregierte.

In Ungarn waren die nichtmagyarischen Nationalitäten, welche die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, durch Schulgesetze und Wahlrecht diskriminiert. Im Unterschied zu Österreich, wo dies bei denReichsratswahlen 1907 gelungen war, wurde in Ungarn bis zum Ende der Doppelmonarchie kein allgemeines und gleichesMännerwahlrecht eingeführt. Vorrechte von Stand und Besitz waren in Ungarn wesentlich stärker maßgebend als in Österreich. Die herrschende Schicht Ungarns arbeitete im Rahmen ihrer politischen Möglichkeiten daran, Ungarn möglichst vollständig von Österreich unabhängig zu machen.

Als derBerliner Kongress 1878 Österreich-Ungarn die OkkupationBosniens und derHerzegowina, beide formal weiterhin Bestandteile desOsmanischen Reiches, gestattete, wollten Österreich und Ungarn das neue Verwaltungsgebiet in ihren Staat eingliedern. Die salomonische Lösung war dann, dass Bosnien und Herzegowina weder zu Cis- noch zu Transleithanien geschlagen, sondern vom gemeinsamen Finanzministerium verwaltet wurden.

DasReichsratsgebäude an derWiener Ringstraße um 1900

Kaiser und König Franz Joseph I. war nach dem Ausgleich penibel darauf bedacht, seine beiden Monarchien gleich zu behandeln. Dies erstreckte sich bis zur Frage der Namensgebung für neue Schiffe der k. u. k. Kriegsmarine; Franz Joseph I. lehnte Namensvorschläge ab, die Ungarn (Magyaren) benachteiligt hätten. Der nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf 1889 und dem Tod seines Vaters 1896 designierte Thronfolger ErzherzogFranz Ferdinand hingegen verbarg seine Abneigung gegen die herrschende Klasse Ungarns und ihre Magyarisierungs- und Erpressungspolitik gegenüber der Krone nicht und plante in seiner Militärkanzlei (er wurde 1913Generalinspektor der gesamten bewaffneten Macht) imSchloss Belvedere einen auf die Armee gestützten Umbau der Doppelmonarchie nach dem Tod Franz Josephs I. Sein Vorhaben, aus der Doppelmonarchie durch gleichberechtigte Beteiligung derSüdslawen als drittes Staatselement (Trialismus) eine „Tripelmonarchie“ zu machen, wäre wohl nur imBürgerkrieg mit den Ungarn zu realisieren gewesen. Außerdem hätten die dann nach wie vor benachteiligten Tschechen wohl nicht unbeteiligt zugesehen. Auf Initiative Franz Ferdinands wurden außerdem Modelle zur Umwandlung der Monarchie in einen ethnisch-föderativen Staat entworfen (Modell derVereinigten Staaten von Groß-Österreich nachAurel Popovici), die jedoch nicht zur Realisierung kamen. Bei denOlympischen Spielen 1900–1912 nahm neben den Mannschaften aus Österreich und aus Ungarn eine eigene Mannschaft ausBöhmen teil. 1905 kam es im Königreich Ungarn, nach den dortigenParlamentswahlen, zurUngarischen Krise, bei der dieungarische Unabhängigkeitspartei ohne parlamentarische Mehrheit regierte und eine Trennung der gemeinsamen österreichisch-ungarischen Armee forderte, was de facto das Ende der Doppelmonarchie bedeutet hätte. Kaiser und König Franz Joseph I. rief 1906Neuwahlen aus und beendete die Krise.

1908 brach im Osmanischen Reich diejungtürkische Revolution aus. Österreich-Ungarn wurde dadurch daran erinnert, dass Bosnien und die Herzegowina zwar von der k. u. k. Monarchie seit dreißig Jahren okkupiert und verwaltet wurden, jedoch formal Teile des Osmanischen Reiches geblieben waren. Franz Joseph I. sah nun die Chance, „Mehrer des Reiches“ zu werden, und stimmte demAnnexionsplan desgemeinsamen Finanzministers zu, wonach AußenministerGraf Aehrenthal am 5. Oktober 1908 zur förmlichen Einverleibung jener Gebiete schritt. Der einseitige, von keiner internationalen Konferenz unterstützte Rechtsakt, dasHoheitsgebiet der k. u. k. Monarchie auf Bosnien und die Herzegowina zu erstrecken, verursachte in Europa die „Bosnienkrise“. Dabei wurde klar, wie wenige Verbündete Österreich-Ungarn im Kriegsfall haben würde.

1908 beging Franz Joseph I. auch sein 60-Jahre-Jubiläum alsKaiser von Österreich.KaiserWilhelm II. und fast alle Oberhäupter der deutschen Teilstaaten gratulierten aus diesem Anlass persönlich in Wien. Ungarn sah sich „nicht zu Kundgebungen veranlasst“, war Franz Joseph I. doch bis zu seiner Krönung in Ungarn 1867 als Fremdherrscher empfunden worden. InPrag undLaibach kam es 1908 zu Ausschreitungen gegen dieDeutschen als herrschendes Volk in der österreichischen Reichshälfte.

Der Weg in den Krieg – Julikrise 1914

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Hauptartikel:Attentat von Sarajevo undJulikrise
Österreich-Ungarn im Jahr 1914

Am 28. Juni 1914 besuchten Franz Ferdinand und seine FrauSophie Herzogin von HohenbergSarajevo, die Hauptstadt des 1908annektierten Bosniens. An jenem Tag begingSerbien zum ersten Mal denVeitstag als offiziellen Staatsfeiertag, den Jahrestag derSchlacht auf dem Amselfeld 1389, in der dieSerben erbittert gegen eine Osmanische Armee kämpften, in Folge allerdings ihre Unabhängigkeit verloren. Nationalisten, die ein vereintes Serbien (und somit Gebiete der Monarchie, in denen Serben lebten) forderten, empfanden den Besuch des Paares als Provokation. Während der Fahrt durch Sarajevo wurde das Paar von dem serbischen AttentäterGavrilo Princip erschossen, was zu einer schwerwiegenden Staatskrise, der Julikrise, führte.

Nach demAttentat von Sarajevo erhielt Kaiser und König Franz Joseph ein Treuebekenntnis des deutschen KaisersWilhelm II., der ihm versicherte, „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen“. Dieses Treuebekenntnis, das nicht voraussetzte, dass weitreichende Entscheidungen Österreich-Ungarns vorher mit demDeutschen Reich abgesprochen wurden, empfanden politische Beobachter alsBlankoscheck. Wie weit zu diesem Zeitpunkt der europäische Krieg bereits im Kalkül der deutschen Führung lag, ist in der historischen Forschung bis heute umstritten (→ Fischer-Kontroverse).

Am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn ein Ultimatum an Serbien, da man davon ausging, dass Serbien entscheidenden Anteil an dem Attentat hatte. Die Antwort ausBelgrad war nachgiebig und kooperativ.[13] Die Serben hatten allerdings nicht alle Bedingungen der k. u. k. Doppelmonarchie vollständig akzeptiert. Österreichisch-ungarische Spitzenpolitiker und Militärs nahmen daher gern die Gelegenheit wahr, die serbische Antwort als unzureichend abzulehnen. In völliger Verkennung der Weltlage und der Schwäche der Monarchie motivierten sie den 84-jährigen Kaiser und König, der seit 48 Jahren keinen Krieg mehr geführt hatte, zurKriegserklärung an Serbien, die am 28. Juli erfolgte.

Dies bewog Russland zurGeneralmobilmachung, da sich das Zarenreich aufgrund desPanslawismus als Behüter der slawischen Völker sah und den Balkan als eigenes Einflussgebiet betrachtete. Das Russische Reich erklärte Österreich-Ungarn den Krieg. Hierauf trat für das Deutsche Reich der Bündnisfall ein. Dieses trat an der Seite von Österreich-Ungarn in den Krieg ein. Da Russland mitFrankreich undGroßbritannien verbündet war (Entente), kamen diese beiden dem zaristischen Russland zu Hilfe, womit der „Große Krieg“ – späterErster Weltkrieg genannt – nicht mehr aufzuhalten war.

Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg

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Hauptartikel:Österreich-Ungarns Heer im Ersten Weltkrieg

Österreich-Ungarn war vor allem im wirtschaftlichen Bereich noch weniger als Deutschland auf einen langen Krieg vorbereitet. Manche Historiker sehen die Monarchie sogar als am wenigsten vorbereitete europäische Großmacht. Seine schwache politische und wirtschaftliche Struktur machte es für den modernen totalen Krieg besonders verletzlich, es hatte weniger Ressourcen für den Krieg zur Verfügung als jede andere Großmacht. Aber die politischen Führer in der Julikrise hatten nur einen kurzen Konflikt erwartet, der die politischen Probleme lösen sollte, ohne dass die schwache politische und wirtschaftliche Struktur der Monarchie zum Tragen kam.[14]

Wie die deutsche Politik war auch die österreichisch-ungarische noch zu sehr in der veralteten Vorstellung derKabinettskriege der vergangenen Jahrhunderte verhaftet. Diese stark anachronistische Kabinettspolitik, die Völker und Grenzen einfach verschob, wurde aber oft gemischt mit moderner Politik, die den Volkswillen scheinbar berücksichtigte, aber in Wahrheit meist nur ein Deckmantel, nur leere Hülle ohne Inhalt war.[15]

Bei allen Unzulänglichkeiten der Wiener Diplomatie räumt der Historiker Gary W. Shanafelt ein, dass in der Situation des Ersten Weltkrieges auch die Fähigkeiten einesMetternich nicht ausgereicht hätten, um in den Leidenschaften dieses Krieges und bei den unlösbaren Nationalitätenproblemen Österreich-Ungarns, sei es durch einen Frontwechsel, sei es durch das Ausscheiden aus dem Krieg und die Einnahme einer neutralen Position, die Monarchie unversehrt, unter Wahrung ihres Großmachtstatus, in die Nachkriegszeit hinüberzuretten.[16]

Italien blieb zunächst neutral. Es sah sich trotz des Bündnisses (Dreibund) mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich nicht in der Pflicht, da es ein Defensivbündnis gewesen war und Italien dieMittelmächte (womit nicht die Größe der Macht, sondern die Lage inMitteleuropa gemeint war) für die Verantwortlichen des Kriegsausbruches hielt.

Italien stellte an Österreich-Ungarn die Forderung,italienischsprachige Gebiete der k. u. k. Monarchie, dasTrentino,Triest,Istrien und TeileDalmatiens, abzutreten. Österreich-Ungarn wollte allenfalls das Trentino (Welschtirol) abtreten. Deutschland erkannte die Gefahr, dass die Entente Italien in ihr Lager ziehen könnte, und drängte Österreich-Ungarn, die Forderungen Italiens anzunehmen. Die Entente versprach imVertrag von London Italien mehr: 1915 wechselte der ehemalige Bündnispartner Österreich-Ungarns in der Hoffnung, dasRisorgimento abschließen und beide Küsten derAdria („mare nostro“ =unser Meer) beherrschen zu können, die Seiten underklärte am 23. Mai 1915 den Krieg an Österreich-Ungarn.[17]

Der Fragilität desVielvölkerstaates zum Trotz kämpfte dieösterreichisch-ungarische Armee bis zum Ende des Krieges. InGalizien musste die Armee zu Kriegsbeginn im Spätsommer 1914 schwere Niederlagen gegen die russischen Angriffsarmeen hinnehmen. Unersetzliche Verluste erlitt bereits in diesen Großkämpfen insbesondere das k. u. k.Offizierkorps. Vorübergehend gab es sogar die Furcht, dieRussen könnten bis Wien vordringen. Die russische Bedrohung Ungarns und anderer lebenswichtiger Gebiete der Monarchie konnte erst ab Frühjahr 1915 abgewendet werden. Der deutsche Verbündete ging mit starken Kräften an der Ostfront in die Offensive und zwang die Russen schließlich zumGroßen Rückzug aus Galizien und zur AufgabePolens. Allerdings verschärfte sich die Lage im Sommer 1916 erneut, als sich das k. u. k. Heer derBrussilow-Offensive des wiedererstarkten Zarenreichs gegenübersah. Wiederum stützte das Deutsche Reich den bedrängten Bündnispartner in größter Not, ein russischer Durchbruch konnte verhindert werden. 1916/17 konnte dann der neue Kriegsgegner Rumänien mit wiederum entscheidender deutscher Hilfe geschlagen werden. Die im Spätsommer 1916 entstandene große Gefahr für die Südflanke der Donaumonarchie war somit beseitigt.

Serbien, von der Wiener „Kriegspartei“ als leichte Beute betrachtet, leistete 1914 erbitterten Widerstand gegen drei Offensiven der Donaumonarchie. Stark geschwächt, konnte es erst im Herbst 1915 mit deutscher und bulgarischer Hilfe niedergerungen werden und wurdebesetzt, wodurch die Landverbindung zum osmanischen Verbündeten geöffnet wurde. Im Jänner 1916 wurde auchMontenegroerobert undbesetzt.

Italien gelang es auch in zwölfIsonzo-Schlachten nicht, in den angeblich „weichen Unterleib“ der k. u. k. Monarchie einzudringen; im Gegenteil, nach der 12. Schlacht rückten die österreichisch-ungarischen Truppen mit Unterstützung der deutschen 14. Armee bis an denPiave in Oberitalien vor. Auch imGebirgskrieg in denDolomiten inSüdtirol blieb Italien erfolglos. Die Adria wurde eher von der k. u. k. Kriegsmarine beherrscht als von Italien.

IrredentischerReichsrats- und LandtagsabgeordneterCesare Battisti amWürgegalgen (1916) im Burggraben desKastell von Trient, mit dem HenkerJosef Lang. Dieses Bild wurde im als österreichisches Nationaldrama bezeichneten[18] WerkDie letzten Tage der Menschheit vonKarl Kraus verwendet und unterstrich damit die Bedeutung des für Österreich typischen Würgegalgen als Sinnbild der Unterdrückung in Österreich,[19][20] insbesondere gegenüber nicht-deutschsprachigen Nationalaktivisten.[21][22]

Kriegsgefangene alliierte Soldaten wurden unter anderem in den im heutigen Österreich gelegenen, großen LagernSigmundsherberg undFeldbach festgehalten. GroßeInternierungslager befanden sich inDrosendorf,Karlstein an der Thaya undGrossau. Nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch „unzuverlässige“ Bürger Österreich-Ungarns wurden interniert. RussophileRuthenen aus Galizien, der Bukowina und derKarpatenukraine wurden beispielsweise in die LagerThalerhof undTheresienstadt deportiert, wo viele von ihnen starben.

Die 1917 gehegte Hoffnung, dass derWaffenstillstand mit Russland, dem dort im selben Jahr dieOktoberrevolution folgte, die Wende zu einem Sieg der Mittelmächte einleiten würde, erfüllte sich aufgrund der mittlerweile eingetroffenenStreitkräfte der Vereinigten Staaten nicht.

Die Überlegenheit des Deutschen Reiches, das wesentlich mehr Menschen, Rohstoffe und Waffen für den Krieg aufbringen konnte, ließ die k. u. k. Monarchie im Lauf des Krieges immer mehr unter den Einfluss desdeutschen Generalstabes gelangen. Dieser wollte auch nach dem Kriegseintritt derUSA 1917 auf Seiten der Entente lange nicht eingestehen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Die deshalb geheim erfolgten halbherzigen Friedensbemühungen Kaiser Karls I. blieben vergeblich. Auch seine Versuche, in Ungarn ein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht durchzusetzen, scheiterten an der zunehmenden Radikalisierung der ungarischen Eliten.[23]

Im Hinterland gab es 1918 große Versorgungskrisen undStreiks, in der Bucht vonKotor in Dalmatien meuterten Matrosen.

Ende der Doppelmonarchie

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Die Aufteilung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gemäß den Pariser Vorortverträgen nach dem Ersten Weltkrieg

Als derReichsrat, das Parlament der österreichischen Reichshälfte, für den 30. Mai 1917 nach mehr als drei Jahren parlamentsloser Regierung wieder einberufen wurde, legten Abgeordnete aus den Kronländern Bekenntnisse zuNationalstaaten ab:[24]

Die Polen Galiziens wollten sich einem neu entstehenden polnischen Staat anschließen, dieUkrainer Galiziens keinesfalls unter polnische Herrschaft gelangen. DieTschechen strebten einen tschechoslowakischen Staat an, die Slowenen und Kroaten wollten mit den Serben einensüdslawischen Staat bilden.

DieDeutschböhmen und Deutschmährer wollten das von den Tschechen beschworene frühere böhmische Staatsrecht nicht anerkennen, da sie befürchteten, in den Ländern der böhmischen Krone als Minderheit unter tschechische Herrschaft zu geraten.

InUngarn konnten sich die nichtmagyarischen Nationalitäten kaum artikulieren, da sie imBudapester Reichstag auf Grund des minderheitenfeindlichen ungarischenWahlrechts kaum vertreten waren und alle anderen Äußerungen der Kriegszensur unterlagen.Slowaken,Rumänen undKroaten sahen aber wenig Anlass, weiterhin unter magyarischer Oberhoheit zu leben.

Ein Ausweg aus dieser rechtlich und politisch verfahrenen Situation ließ sich im Krieg ebenso wenig finden wie vor 1914. Am 16. Oktober 1918 erließ Karl I. auf Vorschlag derkaiserlich-königlichen Regierung unterHussarek-Heinlein für Cisleithanien dasVölkermanifest. DiesesManifest sollte den Anstoß dazu geben, die österreichische Reichshälfte unter der Schirmherrschaft des Kaisers in eineKonföderation freier Völker umzuwandeln. Die Nationalitäten Österreichs wurden dazu aufgerufen, eigene Nationalräte (Volksvertretungen) zu bilden.

Die ungarische RegierungWekerle, welche die Lage gründlich verkannte, lehnte das Manifest strikt ab; sie kündigte hingegen am 18. Oktober mit Zustimmung von König Karl IV. an, im Reichstag einen Gesetzesvorschlag über die Personalunion mit Österreich einzubringen. Die seit dem Ausgleich von 1867 bestehendeRealunion sollte damit beendet werden; die Magyaren wollten jede politische Verbindung mit Österreich auflösen.[25] Die NationalitätenfragenÖsterreichs ließen sich jedoch nicht von denen Ungarns trennen: Die Kroaten im österreichischen Dalmatien wollten den südslawischen Staat mit den Kroaten des ungarischen Kroatien gründen, die österreichischen Tschechen dieTschechoslowakei mit den ungarischen Slowaken.

Der mit dem Manifest unternommene Versuch, die Neuordnung der k. u. k. Monarchie unter wenigstens nomineller Führung durch das HausHabsburg-Lothringen zu ermöglichen, musste somit fehlschlagen. Nationale Wünsche waren weitaus stärker als verbliebene Reste dynastischer Loyalität.

Am 21. Oktober 1918 bildeten die deutschen Abgeordneten des Reichsrates unter Bezugnahme auf das Manifest des Kaisers dieProvisorische Nationalversammlung fürDeutschösterreich. Am 30. Oktober gab die Nationalversammlung unter Vorsitz vonKarl Seitz ihrem 20-köpfigen Vollzugsausschuss den NamenStaatsrat (Vorsitz: ebenfalls Seitz; Staatskanzler:Karl Renner), der die 14 Ressortchefs umfassendeStaatsregierung Renner I berief, welche die Staatsämter (die späteren Ministerien) leitete.

Am 28. Oktober 1918 übernahmen die Tschechen inPrag von den bisherigen k. k. Behörden unblutig die Macht und riefen die Tschechoslowakische Republik aus; Mitglieder desTschechoslowakischen Nationalausschusses übernahmen die Leitung derStatthalterei, der Landesverwaltungskommission, der Polizei und der Kriegsgetreideverkehrsanstalt.[26]

Slowenen und Kroaten wurden ab 29. Oktober Mitgründer des neuensüdslawischen Staates. In Siebenbürgen übernahm Rumänien die Macht (Ungarisch-Rumänischer Krieg). Die ungarische Regierung kündigte per 31. Oktober 1918 die Realunion mit Österreich auf, womit Österreich-Ungarn aufgelöst war.

Der gemeinsame AußenministerGyula Andrássy der Jüngere trat am 2. November zurück, der gemeinsame FinanzministerAlexander Spitzmüller am 4. November 1918. Der gemeinsame KriegsministerRudolf Stöger-Steiner von Steinstätten wirkte nach dem 11. November 1918 unter der Aufsicht des deutschösterreichischen Staatsrates noch an der Liquidierung desk. u. k. Kriegsministeriums mit.

Am 11. November 1918 wurde Karl I. (der schon eine Woche vorher von einzelnen Medien als „der ehemaligeKaiser“ bezeichnet wurde) von den republikanisch gesinnten deutsch-österreichischen Spitzenpolitikern und seiner letzten k. k. Regierung dazu bewogen, auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ zu verzichten; die förmlicheAbdankung hatte er abgelehnt. Am selben Tag entließ der Kaiser die funktionslos gewordene k. k. Regierung von MinisterpräsidentHeinrich Lammasch (sie war schon am 26. Oktober als „Liquidationsministerium“ bezeichnet worden[27]). Am 12. November 1918 fand in Wien die letzte Reichsratssitzung statt, am selben Tag rief die Provisorische Nationalversammlung fürDeutschösterreich die Republik aus. Am 13. November leistete der letzteHabsburger-Monarch als König Karl IV. von Ungarn den gleichen Verzicht. Ungarn wurde drei Tage später vorübergehend Republik und blieb danach Königreich ohne König.

In zwei Verträgen –Vertrag von Saint-Germain 1919 mit Österreich undVertrag von Trianon 1920 mit Ungarn – wurden Gebietsabtretungen und Grenzen derNachfolgestaaten der Doppelmonarchie offiziell festgelegt.

Die Verträge bestätigten dievölkerrechtliche Anerkennung der neuenStaaten Ungarn, Polen, Tschechoslowakei,Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat, ab 1929Königreich Jugoslawien) sowie Gebietsabtretungen an Italien und Rumänien. Deutschösterreich wurde derAnschluss an die neuedeutsche Republik verboten. Im Vertrag wurde der Begriff „Deutsch“ im Staatsnamen bewusst nicht verwendet: Der Vertrag wurde daher mit der „Republik Österreich“ geschlossen, der bis dahin geführte Staatsname „Deutschösterreich erschien nicht mehr. Ungarn musste zugunsten der Tschechoslowakei, Rumäniens, des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen sowie Österreichs auf zwei Drittel des bisherigen Staatsgebietes verzichten und die Habsburger entthronen.

Welche Staaten nun im völkerrechtlichen Sinne als Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns gelten, ist in der Fachliteratur oft widersprüchlich dargestellt. So schreibt dasWörterbuch des Völkerrechts einzig Deutschösterreich, Ungarn, der Tschechoslowakei und demSHS-Staat zu, Sukzessionsstaaten der untergegangenen Österreichisch-Ungarischen Monarchie zu sein, während Rumänien, Polen und Italien, die in anderen Quellen[28][29]ebenfalls als Nachfolgestaaten bezeichnet werden, wegen ihrer vorher schon vorhandenen Staatlichkeit nicht dazu gezählt werden.[30]

Die vielenIrredentisten, die schließlich zur Auflösung der Monarchie führten, waren nach Mark Cornwall letztlich erfolgreich, weil es die Habsburger verabsäumt hatten, ihr „eigenes Haus in Ordnung zu halten“.[31]

Oktober/November 1918: Chronologie des Zerfalls

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Literaturnachweise[34]

Nachwirkungen Österreich-Ungarns in die heutige Zeit

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Einordnung Österreich-Ungarns in den Nachfolgestaaten

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In den ersten Jahrzehnten nach dem Ende der k. u. k. Monarchie wurde diese von Kritikern häufig als „Völkerkerker“ und „dem Untergang geweiht“ bezeichnet. DieNachfolgestaaten sahen ihre gemeinsame Geschichte vor 1918 vor allem unter dem Aspekt der Unterdrückung und Verhinderung derSelbstbestimmung der Nationalitäten. Die Schlagworte „Völkerkerker“, aber auch „Germanisierung“ im Hinblick auf die Habsburgermonarchie wurden im südslawischen Raum ab 1918 und verstärkt nach 1945 verwendet und hielten sich bis in die 1990er Jahre im öffentlichen Gedächtnis und Diskurs.[35] Im Gegensatz dazu bezeichneteWinston Churchill die Zertrümmerung Österreich-Ungarns als große Tragödie, weil dieses Reich einer großen Anzahl von Völkern jahrhundertelang den Vorteil von Handel und Sicherheit beziehungsweise eines gemeinsamen Lebens ermöglichte und nach dessen Zerfall keines dieser Völker gegen den Druck Deutschlands oder Russlands bestehen konnte.[36]

Spätestens seit demEU-Beitritt der meisten Nachfolgestaaten lässt sich wieder unbefangen über auch positive Seiten des früheren gemeinsamen Staates sprechen: das große gemeinsame Wirtschaftsgebiet, die Personenfreizügigkeit, die staatsbürgerlichen Rechte, die für damalige Zeiten moderne Gerichtsbarkeit bzw. Verwaltung und die schrittweise politische Emanzipation der ärmeren Bevölkerungsschichten. Denn nach den Wirren der Zwischenkriegszeit, dem zunehmenden Antisemitismus und Rassismus, demZweiten Weltkrieg, demHolocaust und vier Jahrzehntenkommunistischer Diktatur werden diese Errungenschaften vielfach anders bewertet als zuvor. Die meisten Bewohner der Doppelmonarchie assoziierten trotz vieler Mängel (Massenarmut oder Nationalitätenprobleme bzw.Magyarisierung) mit der Habsburgermonarchie staatliche Bildung, beginnende einfache Sozialhilfe, ein allgemeines Gesundheitswesen, weitgehende religiöse Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und den Erhalt einer entwickelten Infrastruktur. Auch anerkannten die meisten Aktivisten der Minderheiten dabei die Bedeutung des Gemeinwesens Österreich-Ungarn als ein System der kollektiven Sicherheit, wobei zwischen dem österreichischen bzw. dem ungarischen Reichsteil große Unterschiede herrschten. Diese Merkmale der Habsburgermonarchie blieben noch lange in Erinnerung.[37]

Der „Habsburger-Effekt“ soll noch heute die Bewohner diesseits der ehemaligen Grenzen prägen. EhemaligeInstitutionen der Monarchie wirken demnach noch nach mehreren Generationen durch kulturelle Normen fort. Menschen, die auf dem ehemaligen Gebiet leben, würden messbar mehr Vertrauen in lokale Gerichte und Polizei haben und auch weniger Bestechungsgelder für öffentliche Dienste zahlen als ihre Landsleute jenseits der alten Grenze.[38]

In den Nachfolgestaaten der Doppelmonarchie wird bis heute weitgehend das schon 1918 gegebene Eisenbahnnetz betrieben. Vielerorts sind noch öffentliche Gebäude (vom Theater bis zum Bahnhof) im typischenBaustil der Zeit vor 1918 erhalten. Auch in der Wissenschafts- undKulturgeschichte ist das Erbe der Monarchie unübersehbar.

Wirtschaftliche und politische Kooperationsformen

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Kritiker der heutigen österreichischen Außenpolitik bemängeln, dass die Zusammenarbeit mit den österreichischen Nachbarstaaten im Norden, Osten und Südosten seit 1989 keine wesentliche Rolle gespielt habe. Dem stehen sehr beträchtliche Investitionen österreichischer Unternehmen in diesen Nachbarländern gegenüber. Außerdem existieren auch innerhalb der Europäischen Union besonders intensivierte Kooperationen zwischen Ländern auf dem Gebiet der ehemaligen Monarchie. So streben dieVisegrád-Staaten schon seit 1991 nach stärkerer politischer und wirtschaftlicher Kooperation untereinander.

Folgen von Migrationsbewegungen und kulturelle Identifikation

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Als Folge der beiden Weltkriege und des anschließendenKalten Krieges sind mehrere Millionen Angehörige deutschsprachiger, ehemals österreichisch-ungarischer Familien als Flüchtlinge, Heimatvertriebene undSpätaussiedler in dieBundesrepublik Deutschland gelangt, wo sie seither mit ihren Nachkommen ansässig sind und sich größtenteils der jeweiligen regionalen Mehrheitsbevölkerungassimiliert haben. Der Anteil dieser Familien, der inWestdeutschland Aufnahme fand, ist weitaus größer als der in Österreich sesshaft gewordene Teil, obwohl auch nach dem Zerfall der Monarchie die Republik Österreich – und hier insbesondere die Stadt Wien – seit jeher häufig als kulturelles Zentrum der deutschsprachigenAltösterreicher angesehen wurde. Weitere Familien sind in andere Länder wie dieUSA,Kanada,Israel oderAustralien ausgewandert.

Reichsteile und Länder

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Lage Österreich-Ungarns in Europa im Jahr 1914
Gliederung von Österreich-Ungarn
Karte Österreich-Ungarns
Cisleithanien
1. Böhmen
2. Bukowina
3. Kärnten
4. Krain
5. Dalmatien
6. Galizien und Lodomerien
7. Görz und Gradisca; Triest mit Gebiet; Istrien
8. Österreich unter der Enns
9. Mähren
10. Salzburg
11. Österreichisch-Schlesien
12. Steiermark
13. Tirol
14. Österreich ob der Enns
15. Vorarlberg
Transleithanien
16. Ungarn (mitWojwodina undSiebenbürgen)
17. Kroatien und Slawonien
(18.)Bosnien und Herzegowina
Die größten Städte (1910)[39]
RangStadtEinwohner
01.Wien2.083.630
02.Budapest880.371
03.Triest229.510
04.Prag223.741
05.Lemberg206.113
06.Krakau151.886
07.Graz151.781
08.Brünn125.737
09.Szeged118.328
10.Maria-Theresiopel94.610

Der FlussLeitha bildete streckenweise die Grenze zwischen den beiden Reichshälften Österreich und Ungarn (entspricht der heutigenburgenländischen Westgrenze). Daraus leiteten sich die BezeichnungenCisleithanien („Land diesseits der Leitha“ für die westliche Reichshälfte) undTransleithanien („Land jenseits der Leitha“ für die östliche Reichshälfte) ab: Cisleithanien hieß offiziellDie im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder (vorher inoffiziell, seit 1915 offiziell Österreich genannt); jene einzelnen Länder wurden alsKronländer und die transleithanischen offiziell alsDie Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone bezeichnet. Die Länder der Monarchie bildetenteilautonome Gliedstaaten und hatten eine jahrhundertealte Geschichte. Sie bildeten vor ihrem Erwerb durch die Habsburger teilweise eigenständige Staaten und hatten seit demFebruarpatent von 1861 wieder einige eigene staatliche Institutionen zur Verfügung. Staatsoberhaupt war immer inPersonalunion der Kaiser und König, der durch einenLandeschef bzw. Landespräsidenten vertreten wurde.

Von beiden Reichshälften gemeinsam verwaltet wurde das zuvor zum Osmanischen Reich gehörige LandBosnien und Herzegowina, das 1878 besetzt und 1908 unter Inkaufnahme derBosnischen Annexionskrise in den Reichsverband eingegliedert wurde. Die folgenden Tabellen zeigen die Ergebnisse desZensus vom 31. Dezember 1910.[40]

Im Reichsrat vertretene Königreiche und Länder (Cisleithanien) 1910[41]
LandFläche in km²EinwohnerHauptstadtEinw.
Königreich Böhmen51.946,096.769.548Prag224.000
Königreich Dalmatien12.830,32645.666Zara / Zadar14.000
Königreich Galizien und Lodomerien78.499,288.025.675Lemberg206.000
Erzherzogtum Österreich unter der Enns19.825,333.531.814Wien2.031.000
Erzherzogtum Österreich ob der Enns11.981,73853.006Linz71.000
Herzogtum Bukowina10.441,24800.098Czernowitz87.000
Herzogtum Kärnten10.325,79396.200Klagenfurt29.000
Herzogtum Krain9.953,81525.995Laibach47.000
Herzogtum Salzburg7.153,29214.737Salzburg36.000
Herzogtum Ober- und Niederschlesien5.146,95756.949Troppau31.000
Herzogtum Steiermark22.425,081.444.157Graz152.000
Markgrafschaft Mähren22.221,302.622.271Brünn126.000
Gefürstete Grafschaft Tirol  226.683,00946.613Innsbruck53.000
Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca 12.918,00260.721Görzca. 25.000
Reichsunmittelbare Stadt Triest und ihr Gebiet 195,00229.510Triest161.000
Markgrafschaft Istrien 14.955,00403.566Parenzo / Porečca. 4.000
Vorarlberg 22.602,00145.408Bregenz9.000
Cisleithanien insgesamt300.003,2128.571.934Wien
1 
Für die drei Kronländer Görz und Gradisca, Triest und Istrien bestand eine gemeinsamek. k.Statthalterei in Triest. Sie wurden zusammenfassend alsÖsterreichisches Küstenland bezeichnet (bis 1861 bildeten sie ein Kronland dieses Namens). Für diese drei Kronländer sind die Flächen- und Einwohnerangaben im Staatshandbuch nur zusammenfassend mit 7.970,38 km² und 893.797 Personen angeführt. Flächenangaben nachHickmanns Taschenatlas 1910.
2 
Für Tirol und Vorarlberg bestand eine gemeinsame Statthalterei in Innsbruck. Im Staatshandbuch wurden die Flächen- und Einwohnerangaben mit insgesamt 29.284,59 km² und 1.092.021 Einwohnern nur zusammengefasst genannt. Flächenangaben nachHickmanns Taschenatlas 1910.
Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone (Transleithanien) 1910
LandFläche in km²EinwohnerHauptstadtEinw.
Königreich Ungarn
(inkl.Stadt Fiume mit Gebiet)
282.274,6618.264.533[42]BudapestInnenstadt 882.000
mit Vororten 1.290.000
Königreich Kroatien und Slawonien42.488,022.621.954[43]Agram80.000
Transleithanien insgesamt324.762,6820.886.487Budapest
Unter gemeinsamer Verwaltung der beiden Reichsteile 1910
LandFläche in km²EinwohnerHauptstadtEinw.
Bosnien und Herzegowina[44]51.1991.898.044[45]Sarajevo52.000
Österreichisch-Ungarische Monarchie 1910
RealunionHauptstädteFläche in km²Einwohner
Österreich-UngarnWien und Budapest675.964,8951.356.465

Pachtgebiet in China

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Hauptartikel:Österreichisch-ungarische Konzession in Tientsin

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Groß- und Mittelmächten hatte Österreich-Ungarn keine Ambitionen, ein Kolonialreich zu errichten. Die einzige außereuropäische koloniale Besitzung der Doppelmonarchie bestand zwischen 1901 und 1917 in einer kleinenKonzession in derchinesischen StadtTianjin(Tientsin). DasKaiserreich China musste dieses Gebiet aufgrund der erfolgreichen Beteiligung Österreich-Ungarns an der im Jahr 1900 erfolgten Niederschlagung desBoxeraufstandes abtreten. Die Konzession lag am östlichen Flussufer desHai He(Peiho), umfasste ungefähr eine Fläche von62 ha und zählte um die 40.000 Einwohner.[46][47] Mit der Kriegserklärung Chinas an die Mittelmächte im August 1917 wurde das Territorium wieder dem chinesischen Staat einverleibt, was durch diePariser Vorortverträge ratifiziert wurde.

Politik

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Diplomatische Vertretungen Österreich-Ungarns in anderen Staaten (1910)[48]
10 Botschaften
Deutsches Reich Deutsches Reich
Dritte Französische Republik Frankreich
Heiliger Stuhl
Italien 1861 Königreich Italien
Japanisches Kaiserreich Japan
Osmanisches Reich 1844 Osmanisches Reich
Russisches Kaiserreich 1883 Russland
Spanien 1875 Spanien
Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
19 Gesandtschaften
Argentinien Argentinien
Königreich Bayern Bayern
Belgien Belgien
Brasilien 1889 Brasilien
Chile Chile
China Kaiserreich 1890 China
Danemark Dänemark
Königreich Griechenland Griechenland
Mexiko 1893 Mexiko
Niederlande Niederlande
Persien Persien
Portugal Konigreich 1830 Portugal
Rumänien Konigreich Rumänien
Königreich Sachsen Sachsen
Schweden Schweden
Schweiz Schweiz
Serbien Konigreich 1882 Serbien
Wurttemberg Württemberg
2 Missionen
Marokko Marokko
Montenegro Furstentum Montenegro

Verfassung

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Eine gemeinsameVerfassung des Doppelstaates gab es nicht. Die legistische Grundlage der Donaumonarchie bildeten die drei folgenden Gesetze, die – gleichlautend – in Österreich und Ungarn Gültigkeit hatten:

  • diePragmatische Sanktion KaiserKarls VI. vom 19. April 1713,
  • das Verfassungsgesetz (damals inoffiziellDelegationsgesetz genannt), für Cisleithanien (Österreich) als Teil derDezemberverfassung vom 21. Dezember 1867, in Ungarn (Transleithanien) zuvor bereits mit Gesetz XII/1867 kundgemacht, und
  • das Zoll- und Handelsbündnis vom 27. Juni 1878.

Die Pragmatische Sanktion war eine Thronfolgeregelung und hatte – da Karl VI. keinen männlichen Nachkommen besaß – den Effekt, die Herrscherrechte seiner TochterMaria Theresia und ihrer Nachkommen festzuschreiben. DieDelegationsgesetze Österreichs und Ungarns legten fest, welche Angelegenheiten die beiden Staaten gemeinsam zu führen hatten. Das Zoll- und Handelsbündnis mit gemeinsamer Währung, gegenseitiger Niederlassungsfreiheit und gegenseitiger formloser Anerkennung von Unternehmens- und Patentregistrierungen war eine freiwillige Vereinbarung der beiden Staaten.

DerKaiser von Österreich war in Personalunion auch König von Ungarn und somit zugleich König von Kroatien und Slawonien. Dies geschah nunmehr im eigenen Recht Ungarns und nicht mehr in Ableitung aus derösterreichischen Kaiserwürde.

Hauptartikel:Österreichisch-Ungarischer Ausgleich

Die denDelegationsgesetzen zufolge gemeinsamen Angelegenheiten,Außenpolitik undArmee, wurden durch gemeinsame Ministerien verwaltet: Außen-, Kriegs- und Finanzministerium; dieses nicht für die gesamten Finanzen der Doppelmonarchie, sondern nur zur Finanzierung der gemeinsamen Angelegenheiten. Diese Konstruktion wurde alsRealunion bezeichnet. Institutionen, die beide Reichshälften betrafen, wurden als „k. u. k.“ („kaiserlich undköniglich“) bezeichnet.

Die Regierung von Cisleithanien wurde als „k. k.“ („kaiserlich-königlich“) bezeichnet, wobei sichköniglich auf die böhmische Königswürde bezog, die der österreichische Kaiser ebenfalls innehatte. Regierung und Institutionen der ungarischen Reichshälfte wurden mit „kgl. ung.“ („königlich ungarisch“) oder „m. kir.“(magyar királyi) bezeichnet.

Der nach demÖsterreichisch-Ungarischen Ausgleich des Jahres 1867 am 14. November 1868 vom Kaiser und König festgelegte Herrschertitel und Staatsname:

  • Bei im Namen des Kaisers abgeschlossenenVerträgen:
    Kaiser von Österreich und Apostolischer König von Ungarn
  • Persönliche Bezeichnung:
    Seine k. u. k. ApostolischeMajestät
  • Staatsname:
    Österreichisch-ungarische Monarchie; erstmals am 2. Juni 1868 in einem Staatsvertrag mitSchweden undNorwegen verwendet[49]

Die Verwendung des NamensÖsterreich erfolgte in der inländischen Staatspraxis sparsam, wohl aus Rücksicht auf die nichtdeutsche Mehrheit im Kaisertum Österreich. Einerseits regelte das Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867, es bestehe „für alle Angehörigen der imReichsrate vertretenen Königreiche und Länder … ein allgemeines österreichischesStaatsbürgerrecht[50] (in Ungarn wurde im Staatsbürgerrecht im gleichen Maße inklusiv vorgegangen[51]). Andererseits wurde das Staatsgebiet häufig als „die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ umschrieben, eine Verlegenheitsformel,[52] die außerhalb amtlicher Texte stets durchÖsterreich ersetzt wurde. Erst 1915 wurde dies auch offiziell so bestimmt.

Herrscher und gemeinsame Ministerien

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Der Monarch (siehePersonalunion) regierte in Cisleithanien alsKaiser von Österreich, in Transleithanien als Apostolischer König von Ungarn.

Ungarische Stephanskrone
UngarischeStephanskrone
  • Franz Joseph I. 1867–1916
    • 8. Juni 1867 Krönung zumKönig von Ungarn (I. Ferenc József)
    • 21. November 1916 gestorben
  • Karl I./IV. 1916–1918
    • 21. November 1916 mit dem Tod seines Vorgängers automatisch Kaiser und König
    • 30. Dezember 1916 Krönung zum König von Ungarn als Karl IV. (IV. Károly)
    • 11. November 1918 Regierungsverzicht in der österreichischen Reichshälfte (keine Abdankung)
    • 13. November 1918 Regierungsverzicht in der ungarischen Reichshälfte (keine Abdankung)

Auf Betreiben Franz Josephs wurden im Sinne einerRealunion, wie imAusgleich von 1867 vereinbart, Außenpolitik, Heer und Kriegsmarine in k. u. k. gemeinsamen Ministerien verwaltet, die für beide Reichshälften zuständig waren; die Minister wurden vom Monarchen ernannt und durften nicht gleichzeitig Minister eines der beiden Staaten sein. Österreich-Ungarn hatte als Ganzes keinenRegierungschef:

Jede Reichshälfte hatte zusätzlich noch ein eigenes Landesverteidigungsministerium, das für die jeweilige Landwehr –kaiserlich-königliche Landwehr beziehungsweiseköniglich ungarische Landwehr – zuständig war. Die Finanzkontrolle in gemeinsamen Angelegenheiten übte der Gemeinsame Oberste Rechnungshof aus. Gemeinsame Gerichte für beide Reichsteile bestanden aber nicht. Politische Vereinbarungen und politische Kontrolle zu Außen- und Militärpolitik oblagen den vom österreichischenReichsrat und vom ungarischenReichstag gewählten, je 60-köpfigen Delegationen, die jährlich tagten, abwechselnd in Wien und Budapest.

Ministerpräsidenten

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Jede der beiden Reichshälften hatte von 1867 an ihren eigenenMinisterpräsidenten, der wie seine Minister vom Monarchen ernannt und enthoben wurde. Auf Grund der Verfassungs- und der realpolitischen Entwicklung derHabsburgermonarchie blieb der österreichische Ministerpräsident ausschließlich vom Willen des Kaisers abhängig (einMisstrauensvotum, das zumRücktritt verpflichtete, gab es im Reichsrat nicht), der ungarische Ministerpräsident vom Willen des Königs und der ungarischenAristokratie. Insbesondere in der österreichischen Reichshälfte wechselten die Amtsträger ab den frühen 1890er Jahren häufig; nur wenige Politiker konnten prägenden Einfluss gewinnen:

Militärwesen

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Hauptartikel:Streitkräfte von Österreich-Ungarn
Korpsbereiche und Ergänzungsbezirke Österreich-Ungarns

Das Militärsystem der österreichisch-ungarischen Monarchie und in den beiden (Teil-)Staaten ruhte seit 1868 auf dem Prinzip der universellen und persönlichen Verpflichtung jedes Bürgers, Waffen zu tragen.

DieStreitkräfte bestanden aus demgemeinsamen Heer (k. u. k. Armee), den Landwehren beider Staaten und derKriegsmarine.

Oberbefehlshaber war der Kaiser von Österreich und König von Ungarn, der z. B. jede Beförderung eines Offiziers selbst unterzeichnete. Verwaltungsmäßig waren die gemeinsamen Streitkräfte demReichs- bzw. k. u. k. Kriegsministerium unterstellt, die fachliche Leitung hatte der Generalstabschef, der dem Monarchen direkt berichtete.[53]

Die beiden Landwehren unterstanden demLandwehrministeriumCisleithaniens bzw.Transleithaniens. Eine umfassende Umstrukturierung der gemeinsamen Armee kam erst imErsten Weltkrieg von 1914 bis 1918 zustande.

Die österreichisch-ungarischen Streitkräfte zerbrachen wie die Doppelmonarchie 1918. Per 31. Oktober 1918 erklärte Ungarn die Beendigung derRealunion mit Österreich und machte damit die gemeinsamen Strukturen und Aufgaben, die seit 1867 bestanden hatten, obsolet. Ungarn richtete ein eigenes Kriegsministerium ein und rief die ungarischen Regimenter unverzüglich von deritalienischen Front zurück.

Sprachen und Religionen

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Ethnische Karte Österreich-Ungarns (Volkszählung 1880) ausAndrees Handatlas, 1881

In den Volkszählungen 1910 wurde in Österreich-Ungarn dieUmgangssprache ermittelt. Juden gaben in Altösterreich meist Deutsch als Umgangssprache an, ebenfalls Beamte, die zwar Deutsch nicht als Muttersprache hatten, aber durch den Einsatz im Verwaltungsapparat vorwiegend deutsch sprachen. Exakte Zahlen über die nationale Zuordnung existieren nicht.Siehe auch:Böhmischer Sprachenkonflikt

Die Sprachgruppen Österreich-Ungarns im Jahr 1910 (basierend auf demGeschichtsatlas von William R. Shepherd, 1911)
Umgangssprachen nach der Volkszählung 1910[54]
SpracheAbsolutzahlProzent
Deutsch12.006.52123,36
Ungarisch10.056.31519,57
Tschechisch6.442.13312,54
Polnisch4.976.8049,68
Kroatisch und Serbisch4.380.8918,52
Ukrainisch (Ruthenisch)3.997.8317,78
Rumänisch3.224.1476,27
Slowakisch1.967.9703,83
Slowenisch1.255.6202,44
Italienisch768.4221,50
Sonstige2.313.5694,51
Insgesamt51.390.223100,00
Umgangssprachen in den Kronländern der österreichischen Reichshälfte 1910[55]
LandHaupt­umgangsspracheandere Sprachen (mehr als 2 %)
BöhmenTschechisch (63,2 %)Deutsch (36,8 %)
DalmatienKroatisch (96,2 %)Italienisch (2,8 %)
GalizienPolnisch (58,6 %)Ukrainisch (40,2 %)
NiederösterreichDeutsch (95,9 %)Tschechisch (3,8 %)
OberösterreichDeutsch (99,7 %)
BukowinaUkrainisch (38,4 %)Rumänisch (34,4 %), Deutsch (21,2 %), Polnisch (4,6 %)
KärntenDeutsch (78,6 %)Slowenisch (21,2 %)
KrainSlowenisch (94,4 %)Deutsch (5,4 %)
SalzburgDeutsch (99,7 %)
Österreichisch-SchlesienDeutsch (43,9 %)Polnisch (31,7 %), Tschechisch (24,3 %)
SteiermarkDeutsch (70,5 %)Slowenisch (29,4 %)
MährenTschechisch (71,8 %)Deutsch (27,6 %)
TirolDeutsch (57,3 %)Italienisch (42,1 %)
Küstenland (= Triest, Görz, Istrien)Slowenisch (37,3 %)Italienisch (34,5 %), Kroatisch (24,4 %), Deutsch (2,5 %)
VorarlbergDeutsch (95,4 %)Italienisch (4,4 %)

Religionen

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Religionskarte. Aus:Andrees Allgemeiner Handatlas

Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der Religionen in Österreich-Ungarn. Während die österreichische Reichshälfte ganz überwiegend katholisch war (meist römisch-katholisch, im östlichen Galizien auchgriechisch-katholisch), gab es im östlichen Ungarn eine zahlenmäßig bedeutende protestantische (meist reformierte) Minderheit. Die jüdische Bevölkerung konzentrierte sich in den östlichen Landesteilen, vor allem in Galizien, wo sie im Durchschnitt etwa 10 % ausmachte. Die deutschsprachigen Alpenländer hatten ursprünglich nur eine verschwindend geringe jüdische Bevölkerungszahl, allerdings nahm der jüdische Bevölkerungsanteil in der rasch wachsenden Metropole Wien durch Zuwanderung aus dem Osten der Monarchie stark zu und lag im Jahr 1910 bei etwa 8,8 %. Andere Städte mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil waren (1910): Budapest (23,4 %), Prag (9,4 %), Lemberg (28,2 %), Krakau (28,2 %), Czernowitz (32,4 %).[56] 1910 lebten 1.225.000Juden in Cisleithanien,[57] 911.227im Königreich Ungarn und 21.231 im Königreich Kroatien und Slawonien.[58] Sie stellten in der österreichischen 4,7 % und in der ungarischen Reichshälfte 5,0 % der dortigen Gesamtbevölkerung. In Kroatien und Slawonien 0,8 %. In Bosnien-Herzegowina war etwa ein Drittel der Bevölkerung islamischen Glaubens.

Diejüdische Bevölkerung hatte in Österreich-Ungarn im Vergleich zu den Ländern im Osten und Südosten, trotz des zunehmendenAntisemitismus weitgehend Toleranz erfahren. Die Juden in der Monarchie waren unter der langen Herrschaft Franz Josephsemanzipiert worden und betrachteten ihn als Schutzherrn. Sogar einephilosemitische Neigung wurde ihm zugeschrieben.[59]Fanatische Antisemiten bezeichneten Franz Joseph, als er sich oftmals weigerteKarl Lueger wegen dessen antisemitischer Polemiken zum Wiener Bürgermeister zu ernennen, sogar als „Judenkaiser“.[60]

Religionen in Österreich-Ungarn 1910[61]
Religion / KonfessionGesamtÖsterreichische
Reichshälfte
Ungarische
Reichshälfte
Bosnien und
Herzegowina
Katholiken76,6 %90,9 %61,8 %22,9 %
Protestanten08,9 %02,1 %19,0 %00,0 %
Orthodoxe08,7 %02,3 %14,3 %43,5 %
Juden04,4 %04,7 %04,9 %00,6 %
Muslime01,3 %00,0 %00,0 %32,7 %

Nationalitätenproblem und Reformkonzepte

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Spätestens seit dem Revolutionsjahr 1848 entwickelte sich durch den wachsenden Nationalismus, der zusehends auch die angeblich „geschichtslosen“ Nationen ergriff, das Nationalitätenproblem im Habsburgerreich zur Existenzfrage. In einem Europa der sich bildenden Nationalstaaten, in dem der Nationalismus als absolut stärkste politische Kraft empfunden wurde, sahen viele Bewohner Österreich-Ungarns den übernationalen Vielvölkerstaat, wie auch die meisten Europäer, immer mehr als lebensunfähigenAnachronismus. Von ihren Gegnern wurde die Donaumonarchie als „Völkergefängnis“ charakterisiert, aus dem es sich zu befreien gelte. Die Frage, ob das Nationalitätenproblem des Habsburgerreiches überhaupt lösbar war, wird in der Forschung grundsätzlich eher bejaht als verneint.[62]

Trialismus-Vorschlag vonHeinrich Hanau, Wien 1909

Reformkonzepte zur Rettung der Monarchie wurden einige entwickelt, oft undurchführbar und unpraktisch. Eines dieser Konzepte wurde 1867 sogar durchgeführt: der Ausgleich mit Ungarn. Die Verwirklichung desDualismus war aber aus der Not geboren, in welche die deutsche Vorherrschaft in Österreich, nach den Niederlagen im italienischen und im Deutschen Krieg, geraten war. Mit Deutschland und Italien waren zwei neue Nationalstaaten entstanden, in der Donaumonarchie wurde nur ein reiner Machtausgleich mit den Magyaren durchgeführt. Die Herrschaft über die übrigen Völker der Monarchie, die eine Mehrheit in der Bevölkerung ausmachten, wurde zwischen ihnen und den deutschen Österreichern zweigeteilt. Die Ungarn hatten also, als dieentwickeltste Nation neben den Deutschen, ebenfalls eine Vorrangstellung erhalten, die sie in den folgenden Jahrzehnten auch am zähesten und unnachgiebigsten verteidigten. Ungarn wurde bis zum endgültigen Zusammenbruch der Monarchie, durch seine Politik derZwangsmagyarisierung und sein undemokratisches Wahlrecht, sogar einer der reaktionärsten Staaten Europas. Ungarn war einPseudo-Nationalstaat, er wurde trotz seiner gemischten nationalen Zusammensetzung wie ein Nationalstaat regiert.[63]

In Cisleithanien zeigten Rechtsprechung und Verwaltung eine wesentlich tolerantere Behandlung der slawischen und romanischen Nationalitäten, „wenn auch die österreichische Verwaltungspolitik gegenüber den Slowenen in der Südsteiermark und bis kurz vor Kriegsausbruch auch in Krain sowie die Exzesse desAlldeutschtums in Böhmen im Einzelnen vielfach als Gegenbeispiele herangezogen werden könnten“.[63] Die schlechtere Behandlung der Nationalitäten in Ungarn lag aber nicht in der Verfassung begründet, sondern an der Praxis der Behörden, an dem Versagen von Justiz, Verwaltung und der Politik.[63]

Da auch in der österreichischen Reichshälfte die Verhältnisse, insbesondere zwischen Deutschen und Tschechen, immer schlechter wurden, wurden die Forderungen nach Umgestaltung der Monarchie immer dringender. Das südslawische trialistische Programm stand während des größten Teiles der letzten zwei Generationen des Habsburgerreiches an erster Stelle der Reformpläne, wobei in seiner konservativen Form die Slowenen nicht inbegriffen waren.[64]Dabei sollte neben dem österreichischen und dem ungarischen Reichsteil ein südslawisches Reich unter kroatischer Führung entstehen, der zahlenmäßig und an historischer Tradition stärksten südslawischen Gruppe des Reiches. Dieser südslawische Staat sollte im Interesse des Gesamtreiches einerseits Ungarn schwächen und andererseits großserbischen Ambitionen entgegenwirken. DerTrialismus schloss allerdings eine umfassendere Lösung des Nationalitätenproblems aus. Der kroatische Trialismus zog, wieHohenwarts Plan zur Versöhnung der Tschechen im Jahr 1871, nur den nationalen Status einer einzelnenVolksgruppe in Betracht. Die österreichische Nationalitätenfrage war jedoch so verwickelt, dass die Behandlung einer dieser Fragen offensichtlich die aller anderen beeinflusste.[65]

Das Konzept des Trialismus hatte in den letzten Jahrzehnten der Monarchie, durch den serbischen und damit verbundenen südslawischenAntagonismus, neben der naturgemäßen Ablehnung durch Ungarn ohnehin wenig Chancen auf Realisierung. Hatte der Trialismus, neben kroatischen konservativen Kreisen, zeitweise auch den Thronfolger Franz Ferdinand als Förderer, so entwickelten sich dessen Reformpläne aber bald in die Richtung einer umfassendenFöderalisierung. Seine gegen Ungarn gerichteten Pläne bezogen sich in erster Linie auf die ungarischen Nationalitäten, nicht weil sie sozial und politisch benachteiligt waren, sondern weil er sie für staatstreu hielt. Dieses Ziel konnte der vorerst von Franz Ferdinand favorisierte Kronländerföderalismus, der keinerlei Rücksicht auf ethnische Verhältnisse nahm, jedoch kaum verwirklichen.

Schließlich wurde der Thronfolger zum Kristallisationspunkt dergroßösterreichischen Bewegung, die eine Föderalisierung aller Völker des Reiches auf ethnischer Grundlage vorsah, obwohl er deren prononciertester ideologischer Stütze, dem FöderalisierungskonzeptPopovicis, letztlich auch nicht völlig zustimmen konnte. Franz Ferdinand legte sich technisch nie auf einen dieser Pläne fest, seine Absichten widersprachen einander manchmal und waren häufig verschwommen. Er verfolgte einen Zickzackkurs zwischen einem ethnischen und einem historisch-traditionellen Föderalismus, kam zuweilen wieder auf den Trialismus zurück und vertrat eine Art von verwässertem Zentralismus.[66]

1905 wurden in Mähren mit demMährischen Ausgleich vier Landesgesetze beschlossen, die eine Lösung der deutsch-tschechischen Nationalitätenprobleme gewährleisten und somit einenösterreichisch-tschechischen Ausgleich herbeiführen sollten.

Das bekannte PersonalitätsprinzipKarl Renners sah eine territoriale Gliederung in Kreise vor, wobei sich der autonome Status auf die einzelnen Individuen bezog.

Im Wesentlichen hat sich der Nationalitätenkampf vor 1914 selbst in seinen radikalen Formen, mit Ausnahme der alldeutschen, serbischen und zum Teil italienischen undruthenischen Propaganda, doch vorwiegend mit der Reform des Reiches befasst und nicht mit den Zielen und Methoden, die zu seiner Auflösung führen sollten. Aber vom Zustandekommen eines wirklich allseits befriedigenden nationalen Ausgleichs war die Monarchie 1914 noch weit entfernt. Da ein etwaiger habsburgischer Bundesstaat aber meist aus bloßen Torsos von Nationen bestanden hätte, mussten auch die Föderalisierungskonzepte scheitern.[67]

Der HistorikerPieter M. Judson argumentiert, dass nationalistische Propaganda in Österreich-Ungarn im Wesentlichen nur von Teilen der jeweiligen nationalen Bildungseliten betrieben worden sei und bis zum Ersten Weltkrieg bei der breiten Bevölkerung kaum Wirkung entfaltet hätte. Die Loyalität der Bevölkerung habe hingegen der Habsburgerdynastie und den rechtsstaatlichen Institutionen des Reiches gegolten: „Die Existenz nationalistischer Bewegungen und Konflikte schwächte den Staat nicht lebensbedrohlich und führte mit Sicherheit nicht zu seinem Zusammenbruch im Jahr 1918“. Das Narrativ vom Habsburgerreich als „Völkerkerker“ sei lediglich eine nachträgliche Rechtfertigungsstrategie von Politikern der Nachfolgestaaten gewesen.[68]

Magyarisierungspolitik in Ungarn

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Nach dem Ausgleich mit Österreich kam es 1868 innerhalb der ungarischen Reichshälfte zu einemungarisch-kroatischen Ausgleich, in welchemKroatien undSlawonien eine beschränkte Autonomie zugestanden wurde. In den anderen Teilen Ungarns nahmen die Spannungen unter den Volksgruppen jedoch zu.

Gründe für diese Spannungen waren sowohl dieMagyarisierungspolitik der ungarischen Regierung als auch die Zunahme der Intoleranz der Nationalitäten untereinander. Im Gegensatz zu den im Königreich Ungarn lebenden Minderheiten wieSlowaken oderRumänen hatte der Nationalismus der Magyaren die Staatsmacht auf seiner Seite und war somit in der stärkeren Position, obwohl die ethnischen Ungarn nur etwa die Hälfte der Bevölkerung stellten.

Die Umsetzung der an sich liberalen Minderheitengesetzgebung hatte in einer solchen Atmosphäre kaum Erfolg. Das Nationalitätengesetz von 1868 bestimmte zwar Ungarisch als Staatssprache, ließ jedoch Minderheitensprachen auf regionaler, lokaler und kirchlicher Ebene zu. Doch diese Regelung wurde oft nicht in die Tat umgesetzt, und die Minderheiten sahen sich Assimilierungsversuchen ausgesetzt. Ab 1875 wurde unter MinisterpräsidentKálmán Tisza (1875–1890) eine konsequente Magyarisierungspolitik betrieben, um „alle Nichtmagyaren in 40 Jahren zu Ungarn zu machen“.

Bereits im Revolutionsjahr 1848 ergriffen slowakische Angehörige des ungarischen Parlaments die Initiative, um sich beim Kaiser Unterstützung gegen die Magyarisierungspolitik zu holen. Es wurde eine Erklärung mit „Forderungen der slowakischen Nation“ abgegeben, welche man dem Kaiser und der ungarischen Nationalregierung übergab. Gefordert wurde die Föderalisierung Ungarns, die Konstituierung einer ethnisch-politischen Einheit, die Festlegung der slowakischen Grenzen, ein eigener Landtag, eine slowakische Nationalgarde, nationale Symbole, das Recht auf Gebrauch der slowakischen Sprache, allgemeines Wahlrecht und eine gleichberechtigte Vertretung im ungarischen Parlament.

Die Magyaren jedoch sahen dadurch ihre Machtstellung inOberungarn, wie sie die heutige Slowakei nannten, in Gefahr und reagierten mit Kriegsrecht und Haftbefehlen gegen die slowakischen Nationalführer. InWien und Böhmen wurden slowakische Exilregierungen errichtet, die Hoffnungen der Slowaken wurden aber enttäuscht. Nach der Revolution ließ man die Ungarn mit ihrer zentralistischen Verwaltung gewähren. Der Ausgleich von 1867 lieferte die Minderheiten nun völlig der MagyarisierungspolitikBudapests aus. Zwischen 1881 und 1901 hatten die Slowaken keine eigenen Abgeordneten im ungarischen Parlament, auch danach waren es im Verhältnis weniger, als ihr Bevölkerungsanteil ausmachte. Versuche Budapests vor und während des Ersten Weltkriegs, dem serbischen und rumänischen, auf Expansion bedachten Nationalismus mit Zugeständnissen entgegenzuwirken, kamen zu spät.

Die rigorose Magyarisierungspolitik, die vor allem unter der slowakischen und deutschsprachigen BevölkerungTransleithaniens Erfolge verzeichnete, ließ den Bevölkerungsanteil der Magyaren auf knapp über die Hälfte anwachsen. Zwischen 1880 und 1910 stieg der Prozentsatz der sich als Magyaren bekennenden Bürger Ungarns (ohne Kroatien) von 44,9 auf 54,6 Prozent. Mit Hilfe eines reaktionären Wahlrechts, das nur den privilegierten Teil der Bevölkerung zur Wahl zuließ, 1913 waren nur 7,7 % der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt (oder durften öffentliche Ämter bekleiden). Eine Pseudo-Reform kurz vor Kriegsende sah ganze 13 % als wahlberechtigt vor. Damit wurde die reaktionäre Struktur des Vielvölkerstaates Ungarn zementiert.[69]

Auswanderung aus Österreich-Ungarn

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Auswanderer aus Österreich-Ungarn auf einem Schiff derAustro-Americana in Triest

Zwischen 1876 und 1910 wanderten rund 3,5 Millionen (andere Zahlen geben bis zu 4 Millionen an) Einwohner der Doppelmonarchie aus. Sie waren arm und arbeitslos und erhofften sich in einem anderen Land bessere Lebensbedingungen. Etwa 1,8 Millionen Menschen kamen davon aus der cisleithanischen Reichshälfte und etwa 1,7 Millionen aus der transleithanischen Hälfte. Fast drei Millionen von ihnen hatten als Reiseziel die Vereinigten Staaten von Amerika, 358.000 Personen wählten Argentinien als neue Heimat, 158.000 gingen nach Kanada, 64.000 nach Brasilien und 4.000 wanderten nach Australien aus. Der Rest verteilte sich auf andere Länder.

Allein im Jahre 1907 verließen rund eine halbe Million Menschen ihre Heimat. Die Regierungen Österreichs und Ungarns waren besorgt, da sich unter den Auswanderern viele junge arbeitsfähige Männer befanden. 1901–1905 wurden allein in Österreich 65.603 Liegenschaften, davon 45.530 kleinere Parzellen, von Auswanderern öffentlich versteigert. Ausgewanderte schrieben an ihre daheim gebliebenen Bekannten und Familienangehörige oft begeistert von „drüben“ – manchmal waren gleich bezahlte Schiffsfahrkarten beigelegt.

Die wichtigsten Ausgangshäfen für die Auswanderer waren Hamburg und Bremerhaven, wo die Schiffe der großen Reedereien, derNorddeutsche Lloyd und dieHamburg-Amerika-Linie, anlegten. Dauerte eine Schifffahrt nachNew York zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit den ersten Dampfschiffen noch rund einen Monat, so betrug die Fahrtzeit um 1900 bei gutem Wetter nur noch eine Woche. VonTriest aus mit derAustro-Americana dauerte eine Reise nur noch 15 Tage. Jährlich führten 32 bis 38 Fahrten in die USA. Die Reisebedingungen waren für die zumeist armen Auswanderer oft miserabel. Für die Reedereien, die am Komfort für die weniger wohlhabenden Passagiere sparten, war das Auswanderergeschäft äußerst lukrativ und daher sehr hart umkämpft.

Die meisten Auswanderer kamen ausGalizien im heutigen Polen und in der Ukraine. Von 1907 bis 1912 waren es 350.000, wie aus einerInterpellation von polnischen Reichsratsabgeordneten an verschiedene österreichische Minister am 12. März 1912 hervorging.[70]

Bildung

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Alphabetisierungsrate in Österreich-Ungarn (Volkszählung 1880)

Im Bereich der allgemeinen Volksbildung kam es durch die allgemeineUnterrichtspflicht zu einem kontinuierlichen Rückgang des insbesondere in den östlichen und südlichen Reichsteilen noch vielfach vorhandenenAnalphabetentums. Dieses blieb jedoch weiterhin ein erhebliches bildungspolitisches Problem und behinderte die Teilnahme von weiten Bevölkerungskreisen am gesellschaftlichen und politischen Leben.

Prozentsätze der Analphabeten (Personen älter als 6 Jahre)[71]
Kronland18801900Absolute Abnahme der
Analphabeten­quote
von 1880 bis 1900
Relative Abnahme der
Analphabeten­quote
von 1880 bis 1900
Böhmen08,505,303,237,6
Dalmatien87,373,613,715,7
Galizien77,163,913,217,1
Niederösterreich08,506,002,529,4
Oberösterreich08,605,802,832,6
Bukowina87,565,222,325,5
Kärnten39,624,015,639,4
Krain45,431,414,130,8
Salzburg11,708,703,025,6
Österreichisch-Schlesien11,811,200,605,1
Steiermark27,818,009,835,3
Mähren10,407,802,625,0
Tirol und Vorarlberg09,707,102,626,8
Küstenland56,838,218,632,7
Österreichische Reichshälfte34,427,407,020,3
Ungarische Reichshälfte58,841,017,830,3

Neben dem Grundschulwesen bestand parallel für den Militär-Nachwuchs ein eigenes Schulsystem, welches speziell auf militärische Anforderungen ausgerichtet war. Eine Übersicht über diese Schule findet sich in den folgenden beiden Artikeln:

Wirtschaft

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Banknote der Doppelmonarchie
Österreich-ungarischer PKWLaurin & Klement BS (1907)
Österreich-ungarisches KampfflugzeugUFAG C.I (1917)

Im Vergleich zu Deutschland und vielen westeuropäischen Staaten war die österreichische Reichshälfte wirtschaftlich rückständig, aber doch deutlich höher entwickelt als das agrarisch geprägte Ungarn.[72] Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Rückständigkeit gegenüber Deutschland hatte ihre Ursachen unter anderem in der verspätetenBauernbefreiung 1848 oder der spätenGewerbefreiheit (Beseitigung der Zünfte erst 1859, rund 50 Jahre später als Preußen). Hinzu kam ein die Wirtschaftsentwicklung hemmendesSchutzzollsystem, die das Land von der Weltwirtschaft abschirmten; es gab sogar eine Binnenzollgrenze nach Ungarn.[73]

Bergbau

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Der Bergbau erwirtschaftete per 1889 78,81 MillionenGulden. Die wichtigsten abgebauten Rohstoffe waren Braun- und Steinkohle sowie Salz. Weiters von Bedeutung waren Graphit, Blei und Zink. An Edelmetallen konnten 3543,5 Tonnen Silber abgebaut werden. Der Goldbergbau spielte schon damals praktisch keine Rolle mehr – 1889 wurden lediglich rund 13 Kilogramm Gold abgebaut.

Erdölindustrie

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Österreich-Ungarn verfügte inGalizien über beträchtlicheErdöl-Reserven. Nach der Entdeckung großer Ölfelder entwickelte sich der Landesteil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Zentrum der Erdölförderung. 1883 wurde mit der Einführung neuer Bohrmethoden und dem Bau derk.k. privilegierten Dniester-Bahn zur Erschließung des Ölgebiets die Grundlage der österreichischen Erdölindustrie geschaffen.[74]

Vor demErsten Weltkrieg rangierte Galizien nach Russland alszweitgrößtes Erdölproduktionsgebiet in Europa bzw. mit einer Produktion von 2,9 Millionen Tonnen als weltweit drittgrößten Erdölförderer, nach den Vereinigten Staaten und Russland.[74]

Industrie

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Die österreichisch-ungarische Wirtschaft veränderte sich während der Existenz der Doppelmonarchie erheblich. Die technischen Veränderungen beschleunigten sowohl dieIndustrialisierung als auch dieUrbanisierung. Während die alten Institutionen desFeudalsystems immer mehr verschwanden, breitete sich derKapitalismus auf dem Staatsgebiet der Donaumonarchie aus. Zunächst bildeten sich vor allem um die Hauptstadt Wien, in derObersteiermark, in Vorarlberg und in Böhmen wirtschaftliche Zentren heraus, ehe im weiteren Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts die Industrialisierung auch in Zentralungarn und denKarpaten Einzug hielt. Resultat dieser Struktur waren enorme Ungleichheiten in der Entwicklung innerhalb des Reiches, denn generell erwirtschafteten die westlich gelegenen Wirtschaftsregionen weit mehr als die östlichen. Zwar war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts im annähernd gesamten Staatsgebiet die Wirtschaft rapide gewachsen und das gesamteWirtschaftswachstum konnte sich durchaus mit dem anderer europäischer Großmächte messen, doch aufgrund des späten Einsetzens dieser Entwicklung blieb Österreich-Ungarn weiterhin im internationalen Vergleich rückständig. Haupthandelspartner war vor dem Ersten Weltkrieg mit weitem Abstand an erster Stelle das Deutsche Reich (1910: 48 % aller Exporte, 39 % aller Importe), gefolgt von Großbritannien (1910: knapp 10 % aller Exporte, 8 % aller Importe). Der Handel mit dem geografisch benachbarten Russland hatte dagegen nur ein relativ geringes Gewicht (1910: 3 % aller Exporte, 7 % aller Importe). Haupthandelsgüter waren landwirtschaftliche Produkte.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auch in Österreich-Ungarn eine Maschinenbauindustrie. Diese Entwicklung ist mit dem Aufstieg von Firmen wieŠkoda ausPilsen, derGanz-Werke und derCsepel-Werke (Manfréd Weiss Konzern) inBudapest,MÁVAG in Budapest und derÖsterreichischen Waffenfabriksgesellschaft (ÖWG, späterSteyr-Werke) verbunden. Während des Ersten Weltkriegs erreichten einige dieser Unternehmen beträchtliche Größen: So waren bei der ÖWG rund 15.000, beiCsepel rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, während Škoda im Jahre 1917 allein in Pilsen rund 35.000 Menschen unter Vertrag hatte.

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine Automobilindustrie. Zu deren wichtigsten Vertretern zählten:

Auch der Flugzeugbau wurde mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs intensiviert, konnte aber nicht das Niveau der anderen europäischen Mächte erreichen. Bedeutende Firmen im Flugzeugbau waren

Das Werftwesen war v. a. inTriest ausgeprägt. Die bedeutendsten Werften waren dasStabilimento Tecnico Triestino und dieCantiere Navale Triestino. Ein bedeutender Hersteller von Schiffsmotoren waren die Láng-Werke in Budapest. Auch Škoda undGanz produzierten zahlreiche Schiffskomponenten wie Kanonen und Motoren.

Wichtige Vertreter der aufkeimenden Elektro-Industrie warenOrion undTungsram (beide mit Hauptstandort in Budapest).

Verkehr

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Eisenbahn

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Hauptartikel:Kaiserlich-königliche österreichische Staatsbahnen

DerEisenbahntransport expandierte in Österreich-Ungarn rapide. Schon im Vorgängerstaat, dem Kaisertum Österreich, war 1841 von Wien ausgehend ein bedeutender Anteil an Schienenverbindungen entstanden. Grund dafür war, dass die Regierung das große Potenzial des Eisenbahnverkehrs für militärische Zwecke erkannt hatte und somit viel in deren Ausbau investierte. Wichtige Zentren wiePressburg,Budapest,Prag,Krakau,Graz,Laibach undVenedig wurden in das Netz integriert. 1854 waren etwa 60–70 Prozent der 2000 Streckenkilometer unter staatlicher Kontrolle. Allerdings begann die Regierung zu diesem Zeitpunkt große Streckenabschnitte an Privatinvestoren zu verkaufen, um der finanziellen Belastung Herr zu werden, die infolge derRevolution von 1848 und desKrimkriegs entstanden war.

Von 1854 bis 1879 wurde beinahe das komplette Schienennetz von privaten Investoren übernommen. In dieser Zeit erweiterte sich die Streckenlänge in Cisleithanien um 7952 Kilometer, in Ungarn um 5839 Kilometer, was zur Folge hatte, dass neue Gebiete vom Bahnnetz erschlossen wurden. Von nun an war es möglich, auch weit entfernte Gebiete zu erreichen und in den wirtschaftlichen Fortschritt zu integrieren, was zu Zeiten, als der Transport noch von Flüssen abhängig war, nicht möglich war.

Ab 1879 begannen die Regierungen in Österreich und Ungarn das Bahnnetz wegen der schwerfälligen Entwicklung während der weltweitenWirtschaftskrise in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wieder zu verstaatlichen. Zwischen 1879 und 1900 wurden in Cisleithanien und Ungarn mehr als 25.000 Kilometer neue Bahnstrecken angelegt. Während dieser Periode gelang es der Doppelmonarchie, mittels Bahneinsatzes die Transportkosten im Inneren zu reduzieren und neue Märkte außerhalb des Landes zu erschließen.

Schifffahrt

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DieS.S. Wien (7.367 t) war eines der größten Passagierschiffe desÖsterreichischen Lloyds und wurde für Fahrten in den Orient eingesetzt.
DieKaiser Franz Joseph I. (12.567 t) derAustro-Americana war das größte je in Österreich fertiggestellte Passagierschiff.

Aufgrund der Besitzungen imösterreichischen Küstenland sowie am weiterenBalkan verfügte Österreich über mehrere Seehäfen. Der bedeutendste davon war Triest, wo dieösterreichische Handelsmarine mit ihren beiden bedeutendsten GesellschaftenÖsterreichischer Lloyd undAustro-Americana sowie einige Werften ihren Sitz hatten und auch diek. u. k. Kriegsmarine zahlreiche Schiffe anfertigen und ankern ließ. Dem Aufschwung voraus ging jedoch der NiedergangVenedigs, das zudem von 1815 bis 1866 keine Konkurrenz für Österreich-Ungarn darstellen konnte, da es Teil der Monarchie war. Zuvor konnte die Handelsmarine kaum Bedeutung erlangen, angesichts der großen Konkurrenz in Venedig. Auch die Kriegsmarine erlangte erst zur Zeit Österreich-Ungarns große Bedeutung. Die Gründung einer solchen scheiterte lange am Geldmangel des HausesHabsburg.

Der wichtigste Hafen für die ungarische Reichshälfte warFiume, von wo aus die ungarischen Schifffahrtsgesellschaften, deren bedeutendste dieAdria war, operierten. Ein weiterer wichtiger Hafen warPola – vor allem für die Kriegsmarine.

Im Jahr 1889 zählte die österreichische Handelsmarine 10.022 Schiffe, wovon 7.992 Fischereischiffe und -boote waren. Für den Küsten- und Seehandel bestimmt waren 1.859Segler mit 6.489 Mann Besatzung und einer Ladekapazität von 140.838 Tonnen sowie 171 Dampfschiffe mit einer Ladekapazität von 96.323 Tonnen und einer Besatzung von 3.199 Mann. In einem Gesetz vom 19. Juni 1890 wurde zur Förderung des Baues von Dampf- und Segelschiffen aus Eisen oder Stahl im Inland für den Schiffsbetrieb zur See die Befreiung von der Erwerb- und Einkommensteuer auf die Dauer von 15 Jahren gewährt. Dies betraf vor allem den Bau und Betrieb von kleinen Dampfern für die Küstenschifffahrt inDalmatien.

DieErste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) wiederum war bis zum Ende der Donaumonarchie die größte Binnenschifffahrtsgesellschaft der Welt, während derÖsterreichische Lloyd eine der größten Hochsee-Reedereien der damaligen Zeit, mit Reisezielen im Orient sowie, ab Errichtung desSueskanals, auch in Asien, war. Vor Kriegsausbruch zählte er 65 mittlere bis große Dampfschiffe. Die Austro-Americana zählte vor Kriegsausbruch etwa ein Drittel davon, verfügte aber mit derS.S. Kaiser Franz Joseph I. über das größte österreichische Passagierschiff. Im Gegensatz zum Österreichischen Lloyd steuerte die Austro-Americana fast ausschließlich Ziele in Nord- und Südamerika an. Bis zum Kriegsausbruch 1914 beförderte die Gesellschaft unter anderem 101.670 Auswanderer von Österreich-Ungarn in die Vereinigten Staaten.

Siehe auch:k. u. k. Marinesektion undÖsterreichische Handelsmarine

Kultur und Wissenschaft

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Besonders der wirtschaftliche Aufschwung der Donaumonarchie ist mit Franz Josephs I. Namen verbunden, der nach wie vor auf vielen Wiener Prachtbauten aus dieser Zeit als Inschrift zu lesen ist. Nach der 1857 vom Kaiser angeordneten Schleifung der mittelalterlichen Stadtbefestigungen Wiens war Platz für eine die gesamte Innenstadt umfassende Prachtstraße geworden. Entlang dieser Straße, der 1865 fertiggestelltenWiener Ringstraße, entstanden nicht nur diePalais der reichen Bankiers und Großindustriellen, sondern auch der Erweiterungsbau der kaiserlichenHofburg, großeMuseen, welche die kaiserlichen Kunst- und Natursammlungen beherbergten, einParlamentsgebäude für denReichsrat, dieNeue Universität, das Neue Rathaus, dasHofburgtheater und eine zum Andenken an dieErrettung des Kaisers vor einem Attentäter im Jahre 1853 gestifteteVotivkirche.

Ball imWiener Rathaus mit BürgermeisterKarl Lueger, 1904

DerSelbstmord desArchitektenEduard van der Nüll, eines Miterbauers derWiener Hofoper, als Reaktion auf eine Kritik des Kaisers, veranlasste Franz Joseph, zu kulturellen Angelegenheiten nur noch sehr zurückhaltend Stellung zu nehmen. Es heißt, der Kaiser habe sich bei allen möglichen kulturellen Anlässen nur noch mit der stereotypen Phrase: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“ geäußert.

Obwohl Franz Joseph I. oft als schwarzerReaktionär und grauer Bürokrat beschrieben wurde, blühte besonders in den Jahren um 1900 unter seiner Regierung die Geisteskultur in Österreich-Ungarn wie nie zuvor und nie danach. Allerdings nahm der Monarch – im Gegensatz zu seinem SohnKronprinz Rudolf – nie selbst aktiv an den neuen kulturellen und intellektuellen Strömungen Anteil; sie berührten ihn nicht, während sein späterer Thronfolger ErzherzogFranz Ferdinand oft wütend dagegen auftrat.

Wien war Anziehungspunkt für viele Wissenschaftler wieChristian Doppler undLudwig Boltzmann.Albert Einstein war kurzzeitigUniversitätsprofessor an derKarl-Ferdinands-Universität inPrag.Philosophen der Moderne wieLudwig Wittgenstein, Sohn des österreichischen GroßindustriellenKarl Wittgenstein, undErnst Mach beeinflussten wesentlich den späterenWiener Kreis. Nicht zufällig fallenSigmund Freuds wichtigste Arbeiten an der medizinischenFakultät der Universität Wien in die Zeit um 1900.

Auf dem Gebiet derBildenden Kunst entwickelte sichGustav Klimt vom Dekorationsmaler derRingstraßen-Bauten über dieWiener Secession zum Vorreiter der modernenMalerei. Die Zurückhaltung des Kaisers erlaubte es dem ArchitektenAdolf Loos, genau gegenüber dembarocken inneren Burgtor der kaiserlichen Hofburg im Jahre 1910 sein umstrittenes erstes schmuck- und ornamentloses Wohnhaus zu bauen. Franz Joseph soll die Hofburg seit damals stets durch andere Tore verlassen haben.

Mehr noch als die bildende Kunst hatte die Musik während der Doppelmonarchie eine große Blütezeit. Wien, bereits seit den Tagen von Mozart und Beethoven als „Hauptstadt der Musik“ bekannt, hatte nach wie vor eine führende Stelle sowohl in der ernsten Musik (besonders die Orchestermusik, beiAnton Bruckner,Gustav Mahler undRichard Strauss) als auch in derUnterhaltungsmusik (Wiener Walzer bei derStrauss-Dynastie,Wiener Operette beiJohann Strauss (Sohn) undFranz Lehár). In den letzten Jahren der österreichisch-ungarischen Monarchie entwickelteArnold Schönberg dieatonale Musik, womit dieser einer der einflussreichsten und bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts wurde.

Auch dieösterreichische Filmgeschichte begann in Österreich-Ungarn. In Wien wurden 1896 die ersten bewegten Bilder Österreichs von denGebrüdern Lumière präsentiert, und bis zur Gründung der erstenösterreichischen Filmproduktionsgesellschaften Ende der 1910er Jahre waren hauptsächlich französische Filmgesellschaften für die noch sehr bescheidene Filmproduktion verantwortlich. Während des Ersten Weltkriegs entstanden mehrereKriegswochenschauen, die patriotisch und unter Aufsicht der kaiserlichen Zensurbehörde vom Frontgeschehen berichteten. Auch Propagandafilme wurden in großer Anzahl hergestellt, und 1918, das letzte Jahr der Habsburger-Herrschaft, war mit rund 100 Spielfilmen das produktivste Jahr der österreichischen Filmindustrie zur Zeit der Monarchie.

Im heutigenBudapest, seit 1777 Universitätsstadt, war schon 1834–1841 das Nationalmuseum und 1864 das Palais derAkademie der Wissenschaften errichtet worden. Nach dem Ausgleich 1867 waren die Ungarn bestrebt, ihre Hauptstadt zur Konkurrentin Wiens werden zu lassen. Buda (dt.Ofen) am rechten Donauufer war mit derKönigsburg lang die bedeutendste Stadt des Königreiches gewesen, wurde aber im 19. Jahrhundert vom am linken Ufer gelegenen Pest überholt. 1872 wurden die beiden Städte zu Budapest vereinigt. Opernhäuser, Theater, Bibliotheken und Museen wurden errichtet, in Pest erhielt die Stadt eineRingstraße(körút). Am Pester Donauufer entstand das riesige neugotischeParlamentsgebäude. Bei Neubauten um 1900 wurdenJugendstil und ungarischer Nationalstil angewandt, oft eine Mischung beider.

Siehe auch

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Portal: Österreich-Ungarn – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Österreich-Ungarn
Gesamtstaat:
Cisleithanien:(Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder)
Transleithanien:(Länder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone)

Literatur

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Allgemeine Beschreibungen

  • Bertrand Michael Buchmann:Kaisertum und Doppelmonarchie (=Geschichte Österreichs. Band 5). Pichler, Wien 2003,ISBN 3-85431-313-6.
  • Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. (dasKronprinzenwerk), 24-bändige landeskundliche Enzyklopädie über alle Kronländer der Monarchie, Hofdruckerei, Wien 1885–1902.
  • Konrad Canis:Die bedrängte Großmacht. Österreich-Ungarn und das europäische Mächtesystem 1866/67–1914. Schöningh, Paderborn 2016,ISBN 978-3-506-78564-0.
  • Zeffiro Ciuffoletti:Das Reich der Habsburger 1848–1918. Photographien aus der österreichisch-ungarischen Monarchie. Brandstätter, Wien 2001,ISBN 3-85498-163-5.
  • François Fejtő:Requiem für eine Monarchie. Die Zerschlagung Österreich-Ungarns. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1991,ISBN 3-215-07526-1.
  • Lothar Höbelt:„Stehen oder Fallen?“ Österreichische Politik im Ersten Weltkrieg. Böhlau, Wien 2015,ISBN 978-3-205-79650-3.
  • Franz Hubmann:Das k. und k. Photoalbum. Ein Bilderreigen aus den Tagen der Donaumonarchie. Ueberreuter, Wien 1991,ISBN 3-8000-3389-5.
  • Pieter M. Judson:Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740–1918 C.H. Beck, München 2017,ISBN 978-3-406-70653-0.
  • Michael Ley:Donau-Monarchie und europäische Zivilisation. Über die Notwendigkeit einer Zivilreligion (= Schriftenreihe: Passagen Politik) Passagen Verlag, Wien 2004,ISBN 3-85165-637-7.
  • Bernd Rill:Böhmen und Mähren. Geschichte im Herzen Mitteleuropas. 2 Bände, Katz, Gernsbach 2006,ISBN 3-938047-17-8.
  • Hazel Rossotti:In der Donaumonarchie 1848–1918. Komet, Wien 2005,ISBN 3-89836-253-1.
  • Adam Wandruszka (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1973–2010 (derzeit 18 Bände).
  • Christiane Zintzen (Hrsg.):Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Aus dem Kronprinzenwerk von Erzherzog Rudolf. Böhlau, Wien 1999,ISBN 3-205-99102-8.

Hof- und Staats-Handbuch

  • Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1874. Erster Jahrgang. Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1874 (Google Books).

Film

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Weblinks

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Commons: Österreich-Ungarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: An Meine Völker! – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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  1. Neun Sprachen: Ein Blick in die Vergangenheit Österreichs | Parlament Österreich. Abgerufen am 13. November 2025. 
  2. Hivatalos nyelv. In: Lajos Gerő, József Bokor (Hrsg.):A Pallas nagy lexikona. A Pallas Irodalmi és Nyomdai Rt., Budapest (arcanum.com). 
  3. NachIngo von Münch,Ute Mager:Staatsrecht I. Staatsorganisationsrecht unter Berücksichtigung der europarechtlichen Bezüge. 7. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 2009,Rn. 678, Anm. 5 eine völkerrechtliche Staatenverbindung im Sinne einesStaatenbündnisses.
  4. Wiener Zeitung vom 15. November 1868, S. 1, Schreiben des Monarchen an Reichskanzler Friedrich Ferdinand von Beust
  5. Stephan Vajda:Felix Austria. Eine Geschichte Österreichs. Ueberreuter, Wien 1980,ISBN 3-8000-3168-X, S. 527.
  6. Thomas Winkelbauer:Was war „Österreich“ vor 1918?, in:Aus Politik und Zeitgeschichte 34–35/2018, 17. August 2018 (Printausgabe vom 20. August 2018); Yves Huguenin-Bergenat:Kulturgüter bei Staatensukzession. Die internationalen Verträge Österreichs nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie im Spiegel des aktuellen Völkerrechts, de Gruyter, Berlin 2010, S. 17–21;Menno Aden:Internationales Privates Wirtschaftsrecht. 2. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Berlin/Boston 2009, S. 28.
  7. Robert Musil:Kakanien (1930), in: Eva Philippoff:Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Ein politisches Lesebuch (1867–1918). Presses Univ. Septentrion, Villeneuve d’Ascq 2002,ISBN 2-85939-739-6,S. 60.
  8. Kundmachung des Handelsministeriums vom 6. März 1869, RGBl. Nr. 28/1869 (S. 111)
  9. Peter Diem:Die Symbole Österreichs. Kremayr & Scheriau, Wien 1995,ISBN 3-218-00594-9, S. 92 f.
  10. The flags and arms of the modern era (Memento vom 25. Mai 2008 imInternet Archive)
  11. abVerordnung 3969/1915 des k.u. Ministeriums (in Ungarisch).
  12. RGBl. 327 u. 328/1915. Amtlicher Aufriß vonHugo Gerard Ströhl.
  13. Vladimir Dedijer:Die Zeitbombe. Sarajewo 1914. Europa-Verlag Wien 1967, S. 788.
  14. Gary W. Shanafelt:The Secret Enemy. Austria-Hungary and the German Alliance 1914–1918. Columbia University Press, New York 1985,ISBN 0-88033-080-5, S. 35 f. Sowie Alexander Fussek:Die Haltung des Österreichischen Ministerpräsidenten Stürgkh zu Kriegsbeginn 1914. In:Österreich in Geschichte und Literatur. 13 (1969), S. 235–239, hier S. 235.
  15. Günther Dolezal:Baron (Graf) Burián als Außenminister: Die Verhandlungen mit Deutschland über Polen 1915 und 1916 sowie 1918. 1. Teil:Die Verhandlungen mit Deutschland über Polen 1915 und 1916. Ungedruckte Dissertation, Wien 1965, S. 204.
  16. Gary W. Shanafelt:The Secret Enemy. Austria-Hungary and the German Alliance 1914–1918. Columbia University Press, New York 1985,ISBN 0-88033-080-5, S. 190.
  17. abRolf Steininger:1918/1919. Die Teilung Tirols. In:Georg Grote,Hannes Obermair (Hrsg.):A Land on the Threshold. South Tyrolean Transformations, 1915–2015. Peter Lang, Oxford-Bern-New York 2017,ISBN 978-3-0343-2240-9,S. 3–25, hier S. 6. 
  18. Salzburger Nachrichten: Warum ist "Die letzten Tage der Menschheit" das "österreichische Nationaldrama"? In: Salzburger Nachrichten. 21. Juli 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025. 
  19. ORF Topos. In: ORF Topos. Abgerufen am 12. Oktober 2025. 
  20. Norbert Wolf:„Nach dem Henker mußte noch der Photograph heran.“ Krieg und Fotografie in Karl Kraus’ Monumentaldrama Die letzten Tage der Menschheit. In:Cahiers d’études germaniques. 1 volume. Jahrgang,Nr. 79. OpenEdition, 19. November 2020,ISSN 0751-4239,S. 79–108,doi:10.4000/ceg.12415 (openedition.org [PDF; abgerufen am 12. Oktober 2025]). 
  21. Alan Kramer: Atrocities / 1.1 / handbook. In: 1914-1918-Online (WW1) Encyclopedia. 9. Juli 2024, abgerufen am 3. November 2025. 
  22. Stefan Wedrac: Centenary (Austria) / 1.0 / handbook. In: 1914-1918-Online (WW1) Encyclopedia. 13. Januar 2025, abgerufen am 3. November 2025. 
  23. Vgl.Manfried Rauchensteiner:Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914–1918. 2013, S. 766.
  24. Stenographische Protokolle. Haus der Abgeordneten. – 1. (Eröffnungs-)Sitzung der XXII. Session am 30. Mai 1917, S. 33 ff.
  25. TageszeitungNeue Freie Presse. Wien, 19. Oktober 1918, S. 1.
  26. TageszeitungNeue Freie Presse. Wien, 29. Oktober 1918, S. 1.
  27. TageszeitungNeue Freie Presse. Wien, 26. Oktober 1918, S. 1.
  28. Eintrag im AEIOU-Lexikon.
  29. § 6 Römer Übereinkommen der Nachfolgestaaten vom 6. April 1922; zitiert bei Yves Huguenin-Bergenat:Kulturgüter bei Staatensukzession, Walter de Gruyter, 2010,S. 147.
  30. Strupp/Schlochauer:Wörterbuch des Völkerrechts, Bd. II, 1961,S. 561 f.
  31. Mark Cornwall:The Dissolution of Austria-Hungary. In: Mark Cornwall (Hrsg.):The Last Years of Austria-Hungary. Essays in Political and Military History 1908–1918. Exeter 1990,ISBN 0-85989-306-5, S. 117–142, hier S. 129.
  32. Manfried Rauchensteiner:Der Tod des Doppeladlers. 1993, S. 702.
  33. Andrea Di Michele:Diesseits und jenseits der Alpen. Italienische Expansionspläne in Tirol (1918–1920), S. 150–170. In:Geschichte und Region/Storia e regione. 19. Jahrgang, 2010, Heft 1 – anno XIX, 2010, n. 1, Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2010.
  34. Chronologie erstellt nach Zbyněk A. Zeman:Der Zusammenbruch des Habsburgerreiches. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1963 (Original:The Break-Up of the Habsburg Empire. Oxford University Press, Oxford 1961), S. 225–252; Gordon Brook-Shepherd:Um Krone und Reich. Die Tragödie des letzten Habsburgerkaisers. Verlag Fritz Molden, Wien 1968 (Original:The Last Habsburg), S. 218–245;Rudolf Neck (Hrsg.):Österreich im Jahre 1918. Berichte und Dokumente. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1968, S. 98–196.
  35. Michael Gehler (Hrsg.):Zwischen Diktatur und Demokratie. Erfahrungen in Mittelost- und Südosteuropa. Olms, Hildesheim 2013,ISBN 978-3-487-14833-5, S. 260 ff. und FN 465.
  36. Winston S. Churchill:Der Zweite Weltkrieg. 1948, S. 19 ff.
  37. Christopher Clark:Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013,ISBN 978-3-421-04359-7, S. 108.
  38. Sascha O. Becker, Katrin Boeckh, Christa Hainz, Ludger Wößmann:Der Habsburger Effekt. Wie das untergegangene Großreich auch heute noch das Verhältnis der Bürger zu ihren staatlichen Institutionen prägt. oekonomenstimme.de, 10. Juni 2011.
  39. Károly Kogutowicz, Győző Hermann:Zsebatlasz: Naptárral és statisztikai adatokkal az 1914. évre. Magyar Földrajzi Intézet R. T., Budapest 1913, S. 69, 105 (ungarisch).
  40. Volkszählung vom 31. Dezember 1910, veröffentlicht in:Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde an der österreichischen Mittelschulen. k. u. k. Hof-Kartographische Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien, 1911.
  41. k. k. Statistische Zentralkommission. Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Kaiserlich-Königliche Hof- und Staatsdruckerei. Wien, 1917.
  42. Staatshandbuch 1915. S. 1095.
  43. Staatshandbuch 1915. S. 1294.
  44. Staatshandbuch 1915. S. 1317.
  45. ohne Militärpersonen
  46. Rudolf Agstner:225 Jahre diplomatische und konsularische Präsenz (Memento vom 23. September 2015 imInternet Archive) (MS Word; 70 kB), österreichisches Außenministerium, abgerufen am 9. März 2010.
  47. Pressetext:Wien und Peking im Spiegel der Zeit – Chronik der diplomatischen Beziehungen (Memento vom 27. September 2007 imInternet Archive), abgerufen am 10. Juni 2007.
  48. NachHickmanns Taschenatlas von Österreich-Ungarn, k. u. k. Hof-Kartographische Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien/Leipzig, 3. Auflage 1910, S. 17.
  49. RGBl. Nr. 11/1869 (S. 75).
  50. RGBl. Nr. 142/1867 (S. 394), Art. 1
  51. Ulrike von Hirschhausen:Von imperialer Inklusion zur nationalen Exklusion: Staatsbürgerschaft in Österreich-Ungarn 1867–1923, Discussion Paper SP IV 2007-403,Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Berlin 2007.
  52. So Markus Erwin Haider:Im Streit um die österreichische Nation. Nationale Leitwörter in Österreich 1866–1938, Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1998,ISBN 3-205-98727-6,S. 157.
  53. Austria in 1914 auf www.spartacus.schoolnet.co.
  54. Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde an den österreichischen Mittelschulen, bearbeitet von Prof. Dr. Rudolf Rothaug, Kartographische Anstalt G. Freytag und Bendt, Wien 1911, Tabelle 2.
  55. Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde, 1911, Tabelle 5.
  56. Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde, 1911, Tabelle 4.
  57. Catholic Encyclopedia:Austro-Hungarian Monarchy
  58. 1910. évi népszámlálás adatai. (Magyar Statisztikai Közlemények, Budapest 1912, pp 30–33).
  59. Sarah Panter:Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. (=Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Band 235) Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014,ISBN 978-3-525-10134-6, S. 56.
  60. Robert S. Wistrich, Anton Gindely:Die Juden Wiens im Zeitalter Kaiser Franz Josephs. Böhlau, Wien 1999,ISBN 3-205-98342-4, S. 149.
  61. Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde, 1911, Tabelle 3.
  62. Robert A. Kann:Zur Problematik der Nationalitätenfrage in der Habsburgermonarchie 1848–1918. In:Adam Wandruszka, Walter Urbanitsch (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Band 3:Die Völker des Reiches. 2. Teilband, Wien 1980,ISBN 3-7001-0217-8, S. 1304–1338, hier S. 1304.
  63. abcRobert A. Kann:Die Habsburgermonarchie und das Problem des übernationalen Staates. In: Adam Wandruszka, Walter Urbanitsch (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Band 2: Verwaltung und Rechtswesen. Wien 1975,ISBN 3-7001-0081-7, S. 1–56, hier S. 47 ff.
  64. Robert A. Kann:Das Nationalitätenproblem der Habsburgermonarchie. Geschichte und Ideengehalt der nationalen Bestrebungen vom Vormärz bis zur Auflösung des Reiches im Jahre 1918. Band 1:Das Reich und die Völker. Böhlau, Graz/Köln 1964, S. 441.
  65. Robert A. Kann:Das Nationalitätenproblem der Habsburgermonarchie. Geschichte und Ideengehalt der nationalen Bestrebungen vom Vormärz bis zur Auflösung des Reiches im Jahre 1918. Band 2:Ideen und Pläne zur Reichsreform. Böhlau, Graz/Köln 1964, S. 256 und 262 f.
  66. Robert A. Kann:Das Nationalitätenproblem der Habsburgermonarchie. Geschichte und Ideengehalt der nationalen Bestrebungen vom Vormärz bis zur Auflösung des Reiches im Jahre 1918. Band 2:Ideen und Pläne zur Reichsreform. Böhlau, Graz/Köln 1964, S. 193–197.
  67. Robert A. Kann:Die Habsburgermonarchie und das Problem des übernationalen Staates. In: Adam Wandruszka, Walter Urbanitsch (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Band 2: Verwaltung und Rechtswesen. Wien 1975,ISBN 3-7001-0081-7, S. 52; Robert A. Kann:Zur Problematik der Nationalitätenfrage in der Habsburgermonarchie 1848–1918. In: Adam Wandruszka, Walter Urbanitsch (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Band 3:Die Völker des Reiches. 2. Teilband, Wien 1980,ISBN 3-7001-0217-8, S. 1304–1338, hier S. 1338.
  68. Pieter M. Judson:Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740-1918 C.H. Beck, München 2017,ISBN 978-3-406-70653-0. S. 487 sowie S. 565f.
  69. Wolfdieter Bihl:Der Weg zum Zusammenbruch. Österreich-Ungarn unter Karl I.(IV.) In:Erika Weinzierl,Kurt Skalnik (Hrsg.):Österreich 1918–1938. Geschichte der Ersten Republik. Böhlau, Graz/Wien/Köln 1983, Band 1, S. 27–54, hier S. 44.
  70. Horst Friedrich Mayer, Dieter Winkler:In allen Häfen war Österreich. Die österreichisch-ungarische Handelsmarine. Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1987,ISBN 3-7046-0079-2, S. 88 ff.
  71. Anton L. Hickmann (Hrsg.):Geographisch-statistischer Taschen-Atlas von Österreich-Ungarn. 3. Auflage, Wien/Leipzig 1909.
  72. Adam Wandruszka (Hrsg.):Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Die Wirtschaftliche Entwicklung. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1973, S. 111.
  73. Wolfram Siemann:Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1807–1871. Beck, München 1995,ISBN 3-406-30819-8, S. 174.
  74. abSiegmund Bergmann:Galizien, seine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung. Buchdruckerei Industrie Wien, 1912, S. 93 f.
LänderÖsterreich-Ungarns (1867–1918)
Regierungssysteme und Vorgängerstaaten Österreichs

Markgrafschaft Österreich (976–1156) |Herzogtum Österreich (1156–1453) |Erzherzogtum Österreich (1453–1806) |Kaisertum Österreich (1804–1867) |Österreich-Ungarn (1867–1918) |Deutschösterreich (1918–1919) |Erste Republik Österreich (1919–1934) |Austrofaschistischer Ständestaat (1934–1938) |Alpen- und Donau-Reichsgaue (Ostmark) (1938–1945) |Besetztes Nachkriegsösterreich (1945–1955) |Zweite Republik Österreich (seit 1945/1955)

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