Vivien Leigh und Laurence Olivier während eines Urlaubs in Australien (1948)Signatur
Vivien Leigh ['vɪvɪ̯ən 'li:] (*5. November1913 inDarjeeling,Indien, alsVivian Mary Hartley; †8. Juli1967 inLondon) war einebritischeTheater- undFilmschauspielerin. In einem Zeitraum von 30 Jahren trat sie in 20 Film- und Fernsehproduktionen auf. Berühmtheit erlangte sie mit der Rolle der Scarlett O’Hara inVom Winde verweht (1939), die ihr den erstenOscar einbrachte. Ebenfalls mit Preisen gekrönt wurden ihre Darstellungen der Blanche DuBois in der TheaterverfilmungEndstation Sehnsucht (1951) und der Tatiana imBroadway-MusicalTovarich (1963). Leigh war unter anderem mit dem britischen Schauspieler und RegisseurLaurence Olivier verheiratet, mit dem sie auch gemeinsam in Film und Theater auftrat.
Vivien Leigh wurde 1913 als Tochter des Börsenmaklers Ernest Hartley und von Gertrude Yackjee in Britisch-Indien geboren, wo sie ihre ersten sechs Lebensjahre verbrachte. Ihre Eltern, die beide die Literatur liebten, machten sie mit den WerkenRudyard Kiplings,Hans Christian Andersens undLewis Carrolls vertraut. 1920 verließen sie Indien und kehrten nach England zurück.
Dort besuchte Leigh die nächsten acht Jahre ein katholisches Internat, den Convent of the Sacred Heart, wo sie in der Theatergruppe sowie Cello im Schulorchester spielte und auch Ballett- und Klavierstunden nahm. 1928 verbrachte sie einige Monate in einem Konvent inSanremo an der italienischen Riviera. Sie beendete ihre schulische Ausbildung in Frankreich und in den bayerischen Alpen.
Im Jahr 1932 lernte sie Herbert Leigh Holman kennen. Im Mai desselben Jahres begann sie ein Schauspielstudium an derRoyal Academy of Dramatic Art in London. Am 20. Dezember 1932 heiratete sie Leigh Holman, am 10. Oktober 1933 kam ihre Tochter Suzanne zur Welt.
1934 arbeitete Vivian Leigh an ihrem ersten Film,Things Are Looking Up. Im September desselben Jahres sah sie erstmalsLaurence Olivier auf der Bühne und begann, für ihn zu schwärmen. In den darauffolgenden Monaten spielte sie in einigen kleinen Filmen und Bühnenstücken. Ihr Mann Leigh Holman war von ihrer „Schwärmerei für die Schauspielerei“ nicht begeistert und hoffte, sie würde sich mehr ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter widmen.
1935 hatte Leigh weitere Bühnenauftritte und spielte in kleineren Filmproduktionen. Der ProduzentAlexander Korda sah sie inThe Mask of Virtue und gab ihr einen Vertrag für zehn britische Filme. Sie hatte sechs davon abgedreht, als sie 1938 nachHollywood ging. Während der Dreharbeiten zuFeuer über England lernte sie Laurence Olivier persönlich kennen, und sie wurden bald ein Paar. Im Juni 1938 verließ Leigh ihren Mann und zog mit Olivier in eine Wohnung inChelsea. Ihre Tochter gab sie in die Obhut ihrer Mutter.
“From the moment I readGone With The Wind, I was fascinated by the lovely wayward, tempestuous Scarlett. I felt that I loved and understood her, almost as though I had known her in the flesh. When I heard that the book was to be filmed in Hollywood early in 1939 I longed to play the part.”
„Von dem Moment an, als ichVom Winde verweht las, war ich von der schönen eigensinnigen, stürmischen Scarlett fasziniert. Ich fühlte, dass ich sie liebte und verstand, fast, als ob ich sie persönlich als reale Person gekannt hätte. Als ich hörte, dass das Buch Anfang 1939 in Hollywood verfilmt werden sollte, sehnte ich mich danach, die Rolle zu spielen.“
Als Olivier im Herbst 1938 nach Hollywood ging, begleitete sie ihn. In den USA war sie noch unbekannt, doch der FilmproduzentDavid O. Selznick wurde auf sie aufmerksam und verordnete ihr Sprechunterricht, um sich den fürVom Winde verweht erforderlichenSüdstaatenakzent anzueignen. Daneben nahm sie Gesangs- und Ballettstunden, um ihre Stimme und Haltung zu verbessern. Das Drehbuch zuVom Winde verweht wurde während der Dreharbeiten mehrmals umgeschrieben. Niemals zuvor hatte es in Hollywood eine Großproduktion gegeben, die solch enorme Anforderungen an den Produzenten, die drei Regisseure, die Schauspieler und die technische Crew stellte. Leigh und Olivier sahen sich zu dieser Zeit kaum. Im Sommer 1939 war der Film abgedreht, und im Dezember desselben Jahres machte die Premiere inAtlanta Vivian Leigh über Nacht berühmt.Vom Winde verweht giltinflationsbereinigt bis heute als der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten.
Kurz vor Weihnachten 1939 begann Leigh die Dreharbeiten zu dem FilmIhr erster Mann. Am 29. Februar 1940 erhielt sie für die Darstellung der Scarlett O’Hara inVom Winde verweht denOscar als beste Hauptdarstellerin. Daraufhin willigte ihr Mann Leigh Holman in die Scheidung ein. Am 31. August 1940 heirateten Vivien Leigh und Laurence Olivier inSanta Barbara, Kalifornien;Katharine Hepburn war ihre Trauzeugin. Nach den Dreharbeiten zu dem gemeinsamen HistorienfilmLord Nelsons letzte Liebe reisten die frisch Vermählten nach London, wo Leigh bis 1943 in dem StückDer Arzt am Scheideweg vonGeorge Bernard Shaw auf der Bühne stand. Anschließend nahm sie kriegsbedingt an einer Tour zu den britischen Truppen teil.
Olivier und Leigh hatten vor, zunächst in England zu bleiben. Während er an seinerShakespeare-VerfilmungHeinrich V. arbeitete, unterschrieb sie einen Vertrag fürCaesar und Cleopatra, eine Verfilmung von Shaws gleichnamigem Bühnenstück. Während der Dreharbeiten stürzte Leigh schwer, erlitt hysterische Anfälle und verfiel in Depressionen. Nach Beendigung des Films begab sie sich für mehrere Monate in ein Sanatorium, um eine festgestellteTuberkulose auszuheilen. Bald danach spielte sie am Theater die Hauptrolle inWir sind noch einmal davongekommen vonThornton Wilder. Das Stück wurde fast zwei Jahre lang (1945/1946) aufgeführt, doch kam es immer wieder zu Ausfällen wegen Erkrankungen Leighs.
Im Jahr 1947 begann Leigh die Dreharbeiten derTolstoi-VerfilmungAnna Karenina. Sie war zu dieser Zeit in psychiatrischer Behandlung, begeisterte sich aber für die Rolle der Anna. In den Jahren 1948 und 1949 stand sie mit Olivier auf der Bühne. Gemeinsam unternahmen sie eine Welttournee, die sie bis nach Australien führte. Ihre Beziehung litt jedoch unter Leighs Stimmungsschwankungen; hinzu kamen ihr erhöhterAlkoholkonsum und Oliviers Liebesaffären.
Im Herbst 1949 stand Leigh in England in dem StückEndstation Sehnsucht vonTennessee Williams auf der Bühne. Im darauffolgenden Jahr spielte sie die Rolle der Blanche auch in dergleichnamigen Hollywood-Verfilmung an der Seite vonMarlon Brando. Der RegisseurElia Kazan hielt Leigh zwar für eine zielstrebige Handwerkerin, aber für weniger begabt als seineBroadway-Besetzung der Blanche,Jessica Tandy. Die Produzenten bestanden jedoch auf Leigh, die mehr Erfolg an der Kinokasse versprach. Leigh erhielt für ihre Leistung ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Von 1950 an stand sie wieder vermehrt auf der Bühne, war jedoch häufig krank und erlitt mehrere Nervenzusammenbrüche. Auf Laurence Oliviers Drängen hin begab sie sich in psychiatrische Behandlung in Form einerElektrokonvulsionstherapie. In den 1950er Jahren musste sie wegen ihres Gesundheitszustands häufig Dreharbeiten abbrechen. Außerdem litt ihr Gedächtnis, und sie konnte daher nicht mehr regelmäßig am Theater auftreten.
Im Jahr 1956 war die inzwischen 43-jährige Leigh schwanger, doch verlor sie das Kind, was sie erneut schwer destabilisierte. Sie unterzog sich weiteren Elektrokonvulsionstherapien, die jedoch zu schweren Migräneattacken führten und ihren Zustand nicht verbesserten. Die Beziehung zu Olivier verschlechterte sich bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. 1957 begann sie eine Liebesaffäre mitPeter Finch.
1958 stand Leigh wieder auf der Bühne. 1960 bat Olivier Leigh um die Scheidung, da er die SchauspielerinJoan Plowright heiraten wollte. In den Jahren 1960/1961 verfiel Leigh in immer tiefere Depressionen und unterzog sich mehreren Elektroschockbehandlungen. Sie lebte nun mit dem BühnenschauspielerJohn Merivale zusammen und begann mit den Dreharbeiten zuDer römische Frühling der Mrs. Stone. Für ihre Darstellung in dem Film erhielt sie gute Kritiken, was ihrem mentalen Zustand so weit zugutekam, dass sie wieder am Theater auftreten wollte.
1963 spielte sie in dem MusicalTovarich, für das sie mit einemTony Award geehrt wurde. Die Auftritte erwiesen sich jedoch als so anstrengend, dass sie sich erneut in eine psychiatrische Klinik begab. Fortan wurde sie ständig von einer Krankenschwester betreut.
Im Jahr 1964 erholte sich Vivien Leigh vorübergehend und reiste nach Hollywood, umDas Narrenschiff zu drehen. Die Dreharbeiten mussten mehrmals unterbrochen werden, da sie sich wieder Schockbehandlungen unterzog. Auch hatte sie Mühe, die Tanzszenen im Film durchzustehen.
Im Jahr darauf tourte sie mit dem StückIwanow vonAnton Tschechow durch England und die Vereinigten Staaten. Erschöpft suchte sie danach Sanatorien in Frankreich und Griechenland auf. Im Mai 1967 erkrankte sie schwer. Am 8. Juli 1967 fand ihr Lebensgefährte John Merivale sie kurz nach Mitternacht tot auf dem Boden ihres Schlafzimmers vor. Vivien Leigh wurde 53 Jahre alt. Die Todesursache war offenbar ihre nie vollständig ausgeheilteTuberkulose. Nach der Einäscherung imGolders Green Crematorium wurde ihre Asche auf dem Teich ihres letzten Wohnsitzes, Tickerage Mill in der Nähe von Blackboys inSussex, verstreut.
In der US-amerikanischen FernsehserieHollywood (2020) überHomophobie,Rassismus undSexismus der Traumfabrik in den 1940er Jahren wurde Leigh in einer Nebenrolle von der Darstellerin Katie McGuinness verkörpert.
Vivien Leigh: Scarlett & Beyond. TV-Dokumentation von Gene Feldman und Suzette Winter, USA 1990, 46 Minuten.
Vivien Leigh – Die Frau hinter Scarlett (Originaltitel:Vivien Leigh, autant en emporte le vent). TV-Dokumentation vonArte, Frankreich 2019, Regie: Priscilla Pizzato, 52 Minuten.
Adolf Heinzlmeier:Vivien Leigh. Die Lady. In: Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz, Karsten Witte:Die Unsterblichen des Kinos. Band 2: Glanz und Mythos der Stars der 40er und 50er Jahre. S. Fischer, Frankfurt am Main 1980,ISBN 3-596-23658-4, S. 71–76.
Hugo Vickers:Vivien Leigh. A Biography. Hamish Hamilton Ltd. 1988,ISBN 978-0-241-12536-6.