Paul Henreid (*10. Januar1908 inTriest;Österreich-Ungarn, heuteItalien; †29. März1992 inSanta Monica,Kalifornien; eigentlichPaul Georg Julius Hernried) war einösterreichisch-US-amerikanischerSchauspieler undRegisseur. Weltbekannt wurde er durch die Rolle des Widerstandskämpfers Victor László im FilmklassikerCasablanca aus dem Jahr 1942.
Paul Henreid war Sohn von Karl Hirsch, leitender Direktor der Deutschen Agrarbank für Österreich, und Marie Lendecke. Henreids Vater änderte 1904 anlässlich seines Austritts aus der Israelitischen Kultusgemeinde seinen Nachnamen von Hirsch in Hernried.[1] Henreid absolvierte seine Schauspielausbildung amKonservatorium Wien und dem dortigenMax-Reinhardt-Seminar. Sein Theaterdebüt gab er an diesem Ort als Schüler inGoethesFaust. In seiner Bühnenlaufbahn sollten Engagements in Wien, London und New York folgen. Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde er von RegisseurOtto Preminger für den Film entdeckt und absolvierte einige Auftritte im österreichischen Film.
Spätestens ab Februar 1934 trat er, begünstigt durch die ab 1933 einsetzende Duldung der eigentlich verbotenen Adelstitel durch das Regime Dollfuß als „Paul v. Hernried“ auf. Die von Paul Henreid behauptete adelige Herkunft sowie die Rolle seines Vaters als intimer Freund von KaiserFranz Joseph I. und Mitfinancier desErsten Weltkriegs gegen Italien sind jedoch nicht belegbar.[2][1] Ab 1940 nannte er sich in den USA Paul Henreid.[3]
1934 wollte Henreid einer Einladung derUFA nach Berlin folgen und suchte um Aufnahme in die NS-Reichsfilmkammer an. Nachdem dieReichsstelle für Sippenforschung festgestellt hatte, dass Paul Henreid ein „jüdischer Mischling“ ersten Grades sei, stellte er einen Antrag auf Sondergenehmigung. Dieser Antrag wurde von ReichspropagandaministerJoseph Goebbels persönlich am 20. Dezember 1937 abgelehnt.[4]
Henreid erhielt 1935 ein Engagement nach London, wo er die folgenden Jahre hauptsächlich arbeitete. Mit Ausbruch desZweiten Weltkrieges drohte Henreid durch die britischen Behörden eine Abschiebung oder Deportation als Angehöriger eines Feindeslandes, aber sein SchauspielkollegeConrad Veidt setzte sich erfolgreich für ihn ein.[5] 1940 zog Henreid in die Vereinigten Staaten, wo er den Großteil seines restlichen Lebens verbrachte und später auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Sowohl in England als auch in den USA erhielt Henreid zunächst kleinere, aber dann stetig wachsende Filmrollen. Nur Filmauftritte als „Nazi-Scherge“ lehnte er ab, stattdessen stellte er öfters Gegner und Opfer desNationalsozialismus dar. So spielte er inZwischen zwei Welten (1944) den jungen Pianisten Henry Bergner, der – wie Henreid selbst – vor den Nazis nach England fliehen musste, um dort auf ein Schiff nach Amerika zu warten. Nach dem Scheitern der Flucht nimmt sich Bergner das Leben. Im Film befindet er sich dann auf dem Weg ins Jenseits zusammen mit Opfern einesBombenangriffs.[6]
Seine beiden wohl wichtigsten Rollen hatte Henreid im Jahr 1942: NebenBette Davis spielte er im FilmdramaReise aus der Vergangenheit die Rolle des unglücklich verheirateten Jerry Durrance, in den sich die von Davis gespielte schüchterne Protagonistin verliebt. In einer bekannten und oft kopierten Szene zündet er zwei Zigaretten an, behält kurz beide im Mund und gibt dann Bette Davis eine der beiden.[7] Im FilmklassikerCasablanca vonMichael Curtiz ist es die Darstellung des tschechoslowakischen Widerstandskämpfers Victor László als Ehemann von Ilsa (Ingrid Bergman). Sie will an seiner Seite den Nazis entfliehen und auf einen neuen Beginn der Beziehung zu Rick Blaine (Humphrey Bogart) verzichten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Viktor besteigt Ilsa schließlich das Flugzeug.[8]
Henreid konnte sich in Hollywood als Hauptdarsteller etablieren und spielte oftmals elegante Aristokraten, aber auch sensible Künstlernaturen wie 1947 den PianistenRobert Schumann im FilmClara Schumanns große Liebe an der Seite vonKatharine Hepburn. Weitere Auftritte in Liebhaberrollen hatte er nebenOlivia de Havilland undIda Lupino inDevotion sowie erneut neben Bette Davis inTrügerische Leidenschaft. In den 1950er-Jahren ließ die Qualität seiner Filme allmählich nach und er wurde in tendenziell eher zweitklassigenAbenteuerfilmen besetzt. 1953 kehrte er für Dreharbeiten an dem FilmDieses Lied bleibt bei dir nach Österreich zurück, danach arbeitete er aber wieder beim englischsprachigen Film. Ab der zweiten Hälfte der Dekade begnügte er sich zusehends mit Nebenrollen, etwa in der KomödieViva Las Vegas (1956) oder im SpionagethrillerGeheimaktion Crossbow (1965). Seine letzte Filmrolle übernahm er 1977 als der Kardinal imzweiten Teil vonDer Exorzist.
Neben der Schauspielerei war Henreid ab den 1950er-Jahren auch als Regisseur vor allem für Fernsehproduktionen (z. B. einzelne Folgen der WesternserienBonanza undBig Valley) tätig. 1952 erschien der KriminalfilmGrausame Richter (Alternativtitel:Die Mitleidlosen) sowieStarke und Halbstarke (im OriginalFor Men Only; alternativThe Tall Lie), bei dem Henreid als Produzent auftrat, die Regie übernahm und auch die männliche Hauptrolle spielte.
Henreid war Mitglied derAcademy of Motion Picture Arts and Sciences. Von 1936 bis zu seinem Tod 1992 war der Schauspieler mit Elisabeth „Lisl“ Camilla Julia Glück (1908–1993) verheiratet, sie hatten zwei Kinder, darunter die frühere SchauspielerinMonika Henreid. Paul Henreid starb im Alter von 84 Jahren an einer Lungenentzündung. Sein Grab befindet sich auf demWoodlawn Memorial Cemetery in Santa Monica.
Als Darsteller
Als Regisseur
Personendaten | |
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NAME | Henreid, Paul |
ALTERNATIVNAMEN | Hernried, Paul Georg Julius von (wirklicher Name) |
KURZBESCHREIBUNG | österreichisch-amerikanischer Schauspieler und Regisseur |
GEBURTSDATUM | 10. Januar 1908 |
GEBURTSORT | Triest |
STERBEDATUM | 29. März 1992 |
STERBEORT | Santa Monica,Kalifornien |