§
DasParagrafzeichen[1] oderParagrafenzeichen,[2] ältere SchreibweisenParagraphzeichen[3] oderParagraphenzeichen, ist einSonderzeichen, das inGesetzestexten einer Zahl vorangestellt wird und damit den Beginn eines neuenParagrafen anzeigt, der durch die Zahl bezeichnet wird. In anderen Texten benennt es dann zusammen mit der Zahl den so nummerierten Paragrafen des Gesetzes.
Die Herkunft des Zeichens ist umstritten.[4][5]
- aus einem anderen Buchstaben
- Dieparagraphos (altgriechischπαράγραφος,sc.γραμμήgrammḗ, „daneben Geschriebenes“) war ursprünglich ein waagrechter Strich mit einem senkrechten Haken vorne, der am Anfang einer Zeile gesetzt wurde, in der ein Abschnitt endete. In römischer Zeit wurde daraus ein „T“ oder „Γ“, im Mittelalter verstand man letzteres als „C“ (bzw. „K“) fürcaput („Abschnittsbeginn“). Die Zeichen „§“ und „¶“ haben sich nach dieser These aus einem gotischen „C“ (ℭ) entwickelt.
- Der deutschePaläographPaul Lehmann vertrat die Meinung, dass das Paragrafzeichen von dem lateinischen Buchstaben „C“ fürcapitulum stamme.[6]
- Als weitere Erklärung wird auch die Möglichkeit genannt, es könne sich um eine fehlerhafte Schreibung desDigestenzeichensD handeln.
- Nach demHandwörterbuch der griechischen Sprache von 1857 geht das Zeichen auf dieägyptische Hieroglyphe (Transliteration: „goreh“;Transkription:grḥ) fürEnde, Fertigstellung, Aussetzen[7] und im weiteren Sinne auch fürPause zurück. Diese Hieroglyphe (U+130A2) stand imAlten Ägypten in Handschriften rot geschrieben oft als Schlusszeichen eines Textes oder einerStrophe und wird daher auch als „Pausenzeichen“ bezeichnet.
- aus einer Buchstabenverbindung
- Nach einer geläufigen Ansicht handelt es sich um ein Doppel-S als Abkürzung fürsignum sectionis (lateinisch „Zeichen desAbschnitts, Abschnittszeichen“) oder fürsignum separationis (lateinisch „Zeichen der Trennung, Trennungsszeichen“).[8] Da Papier früher sehr teuer war, sparten sich die Schreiber das Einfügen einer neuenZeile und malten das Paragrafzeichen als Trennungszeichen (auch lateinischsignum separandi) an den Rand. Dieses wurde als ineinandergeschlungenes „SS“ geschrieben. Daraus soll sich dann das geläufige Paragrafzeichen entwickelt haben. Dafür spricht auch, dass in älterem Sprachgebrauch der Paragraf auch als „Trennstrich“ gelesen und in vielen älteren Beurkundungen z. B. „/3/“ statt „§ 3“ geschrieben wurde.
- Auch die Abkürzung des BegriffesSenatus Sententia („Satz des Senates“) ist als Quelle des Doppel-S im Gespräch.
- Ebenso wird eine Verbindung des Absatzzeichens der Römer, das dem griechischen BuchstabenRho (ϱ) glich, mit dem BuchstabenC fürCaput („Haupt, Hauptabschnitt“), das am Beginn eines neuen Kapitels verwendet wurde, genannt.
Ab dem 16. Jahrhundert ist die konkrete Anwendung des Paragrafzeichens in deutschen Rechtstexten fassbar.[9]
Das Paragrafzeichen ist in deutschenBundesgesetzen und in denLandesgesetzen der meisten deutschen Länder gebräuchlich. International ist dagegen die Einteilung der Gesetze inArtikel üblicher – wie auch imGrundgesetz der Bundesrepublik, inbayerischen Landesgesetzen,[10] inMantelgesetzen und in vielenEinführungsgesetzen.
Das Paragrafzeichen ersetzte imLogo des ÖsterreichischenBundesministeriums für Justiz den Buchstaben „s“.
Viele Anwaltskanzleien benutzen das Paragrafzeichen in ihrem Logo o. ä. Außerdem steht es häufig generell als Symbol für juristische Sachverhalte.
LautDIN 5008 ist zwischen dem Paragrafzeichen und der nachfolgenden Zahl einLeerzeichen zu setzen, vorzugsweise eingeschütztes Leerzeichen.[11] Beispiel: „§ 433 BGB“ – ausgesprochen wird dies als „Paragraf vierhundertdreiunddreißig desBürgerlichen Gesetzbuchs“ (BGB).
Möchte man in einem Text auf mehrere Paragrafen verweisen, so wird das Zeichen doppelt geschrieben, zum Beispiel „§§ 433 f. BGB“. Ausgesprochen wird dies als „Paragraf vierhundertdreiunddreißig und folgender des Bürgerlichen Gesetzbuchs“, „§§ 433 ff. BGB“ als „Paragraf vierhundertdreiunddreißig und folgende des Bürgerlichen Gesetzbuchs“.
Im internationalenZeichenkodierungssystemUnicode liegt „§“ auf Position
- U+00A7 „Section sign“ (Paragrafzeichen).
ImASCII-Zeichensatz ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht ohne weiteres darstellen konnten. Für die Datenverarbeitung wurde das Zeichen auf breiter Basis mit dem ZeichensatzISO 8859-1 (Latin 1) eingeführt, wo es ebenfalls auf der Position 167 bzw. 0xA7 liegt. Auch inISO 6937 liegt es auf dieser Position.
InHTML wird das Zeichen folgendermaßen kodiert:
§
(hexadezimal),§
(dezimal) und§
(benanntes Zeichen).
Der Keysym-Name für die Verwendung mitxmodmap
imX-Window-System lautetsection.
Inplain TeX undLaTeX wird das Paragrafzeichen als\S
geschrieben.
Kann das Zeichen nicht dargestellt werden, weil es in der verwendetenSchriftart oder demZeichensatz fehlt, so sollte es durch das Wort „Paragraf“ (bzw. „Paragraph“) ersetzt werden.
Da das Zeichen mit modernen Computersystemen verarbeitet, übertragen und archiviert werden kann, ist eine Ersetzung aus technischen Gründen nicht nötig. Auch wenn die verwendete Tastatur das Zeichen nicht aufweist, kann es praktisch immer über eine entsprechende Funktion desBetriebssystems oder des jeweiligenTexteditors eingefügt werden.
- Christian Ahcin:Der Paragraph – ein obskures Subjekt des Rechts. Zur Geschichte eines Zeichens.JZ 1991, S. 915–917.
- ↑Benennung so beispielsweise in:
Duden – die deutsche Rechtschreibung. 28. Auflage. Berlin 2020,ISBN 978-3-411-04018-6, S. 854.
Walter Heuer, Max Flückiger, Peter Gallmann:Richtiges Deutsch. 28. Auflage. Zürich 2008,ISBN 978-3-03823-440-1, S. 589 (Register).
DIN 5008:2020-03Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung, Abschnitt 9.1Zeichen für „Paragraf“.
DIN 5009:2022-06 Beiblatt 1Ansage, Benennung und Tastatureingabe von Sonderbuchstaben und Sonderzeichen, Tabelle 14 „Sonstige sichtbare Sonderzeichen“. - ↑mit derFuge-en-; Benennung so beispielsweise in:
Duden – die deutsche Rechtschreibung. 28. Auflage. Berlin 2020,ISBN 978-3-411-04018-6, S. 855: Listung als Alternativschreibweise. - ↑Benennung so beispielsweise in:
Duden – Rechtschreibung. 14. Auflage. Mannheim 1956, S. 497. - ↑VergleicheParagraph Definition, Bedeutung. fremdwort.de, abgerufen am 23. März 2018
- ↑Marion Lenke:Gewusst? Das steckt hinter den Zeichen &, @, #, % und § (Memento vom 18. Dezember 2017 imInternet Archive), 13. Mai 2016
- ↑Irmgard Fees:Mittelalterliche Geschichte – Interpunktion. Eine digitale Einführung. 4 Kapitulum- und Paragraphenzeichen. Universität Augsburg, abgerufen am 23. März 2018
- ↑Rainer Hannig:Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: (2800–950 v. Chr.). Von Zabern, Mainz 2006,ISBN 3-8053-1771-9, S. 973.
- ↑Tonio Walter:Kleine Stilkunde für Juristen. 3. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 2017,ISBN 978-3-406-69867-5, S. 283 f.
- ↑Heiner Lück:Paragraph, Paragraphenzeichen. In: Albrecht Cordes u. a. (Hrsg.):Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG). 2. Auflage.Band 4. Schmidt, Berlin,S. 367 f.
- ↑Heike Kleiner, Gernot Kieckhäfer:Der Paragraph §. Abgerufen am 23. März 2018.
- ↑DIN 5008:2020-03Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung, Abschnitt 9.1Zeichen für „Paragraf“.