Natalie Woods Eltern waren ausRussland in die USAeingewandert. Die Arbeiterfamilie lebte in eher armen Verhältnissen, und Natalie wurde von ihrer Mutter schon früh zu einer Filmkarriere ermutigt.
Bereits im Alter von vier Jahren erhielt sie eine erste kleine Rolle im FilmHappy Land unter der Regie vonIrving Pichel, der auch als ihr Entdecker gilt. Die erste bedeutende Rolle hatte Wood im Jahr 1946 abermals unter Pichels Regie, als sie im FilmMorgen ist die Ewigkeit nebenClaudette Colbert undOrson Welles ein österreichisches Waisenmädchen spielte. Danach folgte bereits eine Hauptrolle inGeorge Seatons WeihnachtsklassikerDas Wunder von Manhattan, in dem sie die Tochter vonMaureen O’Hara spielte. Mit diesem Erfolg wurde Wood zu einem beliebten Kinderstar in Hollywood. Danach spielte sie vor allem in Familienfilmen als Tochter von Stars wieJames Stewart,Fred MacMurray undBette Davis. Ab den 1950er-Jahren war Wood auch im aufkommenden Fernsehen zu sehen, etwa in einer der Hauptrollen der FamilienserieThe Pride of the Family (1953–1954).
Der Wechsel vom Kinderstar zum Teenie-Idol gelang Wood als gegen ihre Eltern rebellierende Jugendliche in… denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) an der Seite vonJames Dean. Für die Rolle derJudy, um die sich Wood für einen Imagewandel eifrig bemüht hatte, erhielt sie eineOscar-Nominierung alsbeste Nebendarstellerin und denGolden Globe Award alsbeste Nachwuchsdarstellerin. Im Jahr 1956 spielte sie dann eine kurze, aber wichtige Rolle inJohn Fords WesternklassikerDer Schwarze Falke. Es folgten unter anderem zwei Filme mitTab Hunter sowie die Hauptrolle im MelodramMarjorie Morningstar, in dem sie ein junges jüdisches Mädchen aus New York darstellte. Diese Rollen machten sie Ende der 1950er-Jahre nicht nur zu einem populären Star, sondern auch zu einer ernsthaften Darstellerin – hinsichtlich Woods Schauspielkunst gab es stets geteilte Meinungen, wobei viele sie für einen der vielseitigsten Hollywood-Stars hielten, aber andere eher ihre Film- und Rollenauswahl für besser als ihr eigentliches Schauspiel betrachteten.[1] Für ihren Auftritt inElia Kazans DramaFieber im Blut (1961) über das Scheitern einer Liebe im puritanischen Kansas der 1920er-Jahre erhielt sie eine weitere Oscar-Nominierung.
1969 spielte Wood in der für vierOscars nominierten KomödieBob & Carol & Ted & Alice vonPaul Mazursky die Rolle der Carol, die mit ihrem Ehemann eine offene Beziehung ausprobiert. In den 1970er-Jahren wurde es um Natalie Wood ruhiger, da sie sich nach der Geburt ihrer Kinder stärker diesen widmen wollte. In dieser Zeit trat sie hauptsächlich in Fernsehfilmen auf und drehte kaum noch für das Kino. Im Jahr 1980 konnte sie wieder auf sich aufmerksam machen, als sie einenGolden Globe für ihre Hauptrolle in der Fernseh-MiniserieVerdammt in alle Ewigkeit gewann; sie spielte die Rolle, dieDeborah Kerr in derKinoverfilmung des Buches 1953 gespielt hatte. Zum Zeitpunkt ihres Todes arbeitete sie mitChristopher Walken zusammen an dem FilmProjekt Brainstorm, der 1983 herauskam.
Wood und der SchauspielerRobert Wagner, mit dem sie von 1957 bis 1962 zum ersten Mal verheiratet war, galten als eines der Traumpaare der 1950er- und 1960er-Jahre. Nach ihrer kurzen Ehe mit dem englischen Produzenten und AgentenRichard Gregson sowie der Geburt ihrer Tochter, der SchauspielerinNatasha Gregson Wagner, heirateten Wood und Wagner 1972 erneut. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Courtney Wagner[2] (* 1974).[3]
Wood berichtete in späteren Jahren, sie sei 1955 im Alter von 16 Jahren imChateau Marmont Hotel von einem berühmten Schauspieler vergewaltigt worden. Natalie Woods jüngere SchwesterLana Wood schrieb 2021 in der AutobiografieLittle Sister, dassKirk Douglas (1916–2020) der Täter gewesen sei, worüber es bereits jahrzehntelang Gerüchte gegeben hatte.[4]
Während der Dreharbeiten zuBrainstorm unternahm Wood im November 1981 einenYachtausflug mit ihrem EhemannRobert Wagner, ihremBrainstorm-SchauspielkollegenChristopher Walken und dem Bootskapitän Dennis Davern. Sie verschwand in der Nacht vom 28. auf den 29. November naheSanta Catalina Island von dem Boot, wobei die Umstände ihres Todes bis heute ungeklärt und Gegenstand vieler Spekulationen sind. Am Morgen des 29. November wurde ihre Leiche rund eine Meile entfernt im Wasser treibend aufgefunden. Ihre letzte Ruhe fand Natalie Wood auf dem ProminentenfriedhofWestwood Village Memorial Park Cemetery.
In der Nähe der Leiche befand sich auch dasDingi des Bootes. Der GerichtsmedizinerThomas Noguchi stufte den Fall als Unfalltod durch Ertrinken und Unterkühlung ein. Die zum Zeitpunkt ihres Todes stark betrunkene Wood habe offenbar mit dem Dingi versucht das Land zu erreichen und sei dabei ertrunken.[5]Lana Wood, die Schwester, meldete Zweifel an dieser Theorie, da die Nichtschwimmerin Wood ihr Leben lang Angst vor Wasser gehabt habe, weshalb sie ihrer Meinung nach niemals das Schiff alleine verlassen hätte.[6] Zwei Personen auf einem nahegelegenen Boot gaben an, in der Nacht weibliche Hilfeschreie gehört zu haben.[5]
Im Jahr 2011 äußerte sich der Bootskapitän Davern und widersprach eigenen früheren Aussagen. Nach Daverns neuen Angaben gab es in der Todesnacht einen Streit zwischen Wood und Wagner, und nach ihrem Verschwinden habe Wagner ihn zunächst davon abgehalten, die Suchlichter einzuschalten und die Polizei zu verständigen. Davern hält Wagner für den Verantwortlichen des Todes von Wood.[7] Anschließend wurden die Todesumstände im November 2011 nochmals untersucht, ohne konkretes Ergebnis.[8][9] Der bis dahin als Unfall eingestufte Todesfall wurde im Januar 2013 erneut bewertet und ein neuer Autopsiebericht wurde angefertigt. Demnach wies Woods Leichnam Blutergüsse und Kratzer an Armen, Beinen und der Stirn auf, die sie sich wahrscheinlich vor dem Sturz ins Wasser zugezogen hat. Ihr Tod wird nun auf „unbestimmte Ursachen“ zurückgeführt.[10][11][12] Diese Verletzungen wurden auch von einem ehemaligen Praktikanten Noguchis bestätigt, der eine eventuelle Vertuschung andeutete.[13] Nach Angaben der US-Polizei von 2018 ist ihr Witwer Wagner mittlerweile alsPerson of Interest‚Verdächtiger‘ in den Fokus der Ermittlungen gerückt.[14] Man wisse nun, dass Wagner die letzte Person an Woods Seite gewesen sei, bevor sie starb.[15] Wagner behauptete 2020 in einem Interview, niemand hätte in der Nacht etwas gehört und ihm sei erst später aufgefallen, dass sie nicht in ihrer Kabine sei.[16]
Im Jahr 2004 verfilmte der US-amerikanische RegisseurPeter Bogdanovich Woods Lebensgeschichte in der MiniserieThe Mystery of Natalie Wood mit der südafrikanischen SchauspielerinJustine Waddell in der Hauptrolle. Als Koproduzentin war auch Woods jüngere Schwester Lana an dem Film beteiligt. Robert Wagner wurde dabei vonMichael Weatherly verkörpert,Warren Beatty vonMatthew Settle.
In seinem FilmOnce Upon a Time in Hollywood (2019) spieltQuentin Tarantino auf Woods Todesumstände an, indem er der verstorbenen Ehefrau des Charakters Cliff Booth eine ähnliche Geschichte gibt. Auch dort wird mehrfach über die wahren Umstände spekuliert, das Rätsel jedoch nicht aufgelöst.[17]
↑Associated Press:Natalie Wood was sexually assaulted as a teen by Kirk Douglas, her sister writes in memoir. In:The Guardian. 4. November 2021,ISSN0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 27. März 2023]).
↑Philip Sherwell:Natalie Wood was too ‘terrified’ of water to try to leave Robert Wagner on yacht by dinghy. 19. November 2011,ISSN0307-1235 (englisch,telegraph.co.uk [abgerufen am 2. Februar 2018]).
↑Scott Stump:Boat captain alleges actor Robert Wagner responsible for Natalie Wood’s death. In:today.com. (englisch,today.com [abgerufen am 2. Februar 2018]).