Jules Dassin war der Sohn von Samuel Dassin, einemukrainisch-jüdischen Immigranten in den USA, und seiner Frau, Berthe Vogel.[2] Der bei der Einwanderung des Vaters in die USA entstandene Familienname erinnert an den Herkunftsort, Odessa. Nach dem Umzug nachNew York wuchs Jules Dassin mit sieben Geschwistern im StadtteilHarlem auf.[1] Er schloss sich der politischlinkenjiddischsprachigen Theatergruppe ARTEF (Arbeter Theatre Farband), in der er sich zunächst als Schauspieler, später als Regisseur betätigte, sowie dem Group Theater an.[3]
DieMcCarthy-Ära setzte Dassins Karriere in den USA ein Ende: 1949 geriet er ins Visierantikommunistischer Ermittlungen, weshalb Fox-ProduktionschefDarryl F. Zanuck ihn seinen nächsten Film inLondon statt in den USA drehen ließ:Die Ratte von Soho.[1][5] Dassin konnte das Filmmaterial jedoch nicht selbstschneiden, weil ihm der Zutritt zum Studiogelände in Hollywood verwehrt wurde. Stattdessen gab er die Schnittanweisungen telefonisch durch.[6] Beim Kinostart gingen die Kritiker in den USA mit dem Film hart ins Gericht; heute gilt er hingegen als eine von Dassins besten Arbeiten aus seiner amerikanischen Zeit.
1951 denunziertenElia Kazan undEdward Dmytryk Dassin vor demKomitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC).[1] Ohne Aussicht auf weitere Beschäftigung in der US-Filmindustrie emigrierte Dassin mit seiner Familie nach Europa. Auch dort konnte er erst nach fünf Jahren wieder drehen, da von amerikanischer Seite Druck auf europäische Filmproduzenten ausgeübt wurde, die befürchten mussten, dass Filme Dassins in den USA nicht vertrieben werden könnten.[3]
Im Jahr 1955 übernahm Dassin die Arbeit an seinem ersten europäischen Film: Der inFrankreich gedrehteGangsterfilmRififi wurde ein großer Kritiker- und Publikumserfolg. Dassin ließ sich die französische Romanvorlage ins Englische übersetzen, schrieb das Drehbuch auf Englisch und ließ es zurück ins Französische übersetzen. Unter dem PseudonymPerlo Vita spielte er auch eine der vier Hauptrollen. FürRififi erhielt Dassin auf demFilmfestival in Cannes 1955 den Preis für die beste Regie. Die berühmte, in der Vorlage nicht vorhandene 32 Minuten dauernde Einbruchsszene, in der kein Wort gesprochen wird, wurde in mehreren späteren Filmen zitiert, imitiert und parodiert, unter anderem von Dassin selbst inTopkapi.
1955 lernte er in Cannes diegriechische SchauspielerinMelina Mercouri kennen.[7] Im folgenden Jahr spielte sie in seinem FilmDer Mann, der sterben muss nachNikos Kazantzakis’ RomanGriechische Passion(Ο Χριστός ξανασταυρώνεται). Mit Mercouri drehte Dassin auch seine großen internationalen ErfolgeSonntags… nie! (1960) undTopkapi (1964). Dassin und Mercouri heirateten im Jahr 1966. Nach demMilitärputsch in Griechenland gingen sie ins Exil nachParis.[1]
Dassins späteren Filmen war weder kommerzieller noch künstlerischer Erfolg beschieden. 1968 kehrte er fürBlack Power in die USA zurück. Im selben Jahr arbeitete er auch amBroadway und wurde als Regisseur und Drehbuchautor der Musicalversion vonSonntags… nie! für zweiTony Awards nominiert.
Vom Jahr 1974 an, nach Ende der Militärdiktatur, lebten Dassin und Mercouri wieder in Griechenland. 1992 wurde ihm die griechische Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen. Nach dem Tod seiner Frau 1994 gründete er die Melina-Mercouri-Stiftung und setzte sich für die bis heute nicht erfolgte Rückgabe desParthenon-Frieses aus London nach Athen ein, die ein oberstes Anliegen Mercouris insbesondere in ihrer Zeit als griechische Kulturministerin gewesen war. Das von Dassin mit initiierte neueAkropolismuseum wurde 2009 eröffnet.[8] Die Eröffnung erlebte Dassin jedoch nicht mehr: Er starb 96-jährig im Athener Hygeia-Krankenhaus[9] und wurde, seinem Wunsch entsprechend, auf demErsten Athener Friedhof neben Melina Mercouri beigesetzt.[10]
Aus der ersten, 1962 geschiedenen Ehe Dassins mit der in New York geborenen, ungarischstämmigen, wie er jüdischen Violinistin Béatrice Launer (1913–1994) stammen der populäre französischeChanson-SängerJoe Dassin (1938–1980) sowie die Töchter Richelle (* 1940) und Julie (* 1944).[8][9]
1957: Besondere Erwähnung der „International Catholic Organization for Cinema and Audiovisual“ (OCIC) im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes fürDer Mann, der sterben muss