Peck als Kleinkind mit seiner Mutter Bernice Mary „Bunny“ Ayres
Gregory Peck wurde 1916 im kalifornischen La Jolla als Sohn von Bernice Mae „Bunny“ (geb. Ayres; 1894–1992) und Gregory Pearl Peck (1886–1962), einem in Rochester, New York, geborenen Chemiker und Pharmazeuten, geboren. Den Vornamen „Eldred“, den er zeitlebens hasste, gab ihm seine Großmutter, um Verwechslungen mit seinem Vater (dessen Rufname ebenfalls Gregory war) vorzubeugen. Pecks Eltern ließen sich scheiden, als er drei Jahre alt war; er wuchs dann bei seiner Großmutter mütterlicherseits auf. Im Alter von zehn Jahren schickte man ihn auf eine römisch-katholische Militärschule in Los Angeles.
Nach dem Abschluss studierte er ein Jahr lang an derSan Diego State University und arbeitete anschließend für kurze Zeit als Lastwagenfahrer für ein Ölunternehmen. 1936 schrieb er sich zum Vorbereitungskurs für ein Medizinstudium an derUniversity of California, Berkeley, ein. Er wechselte schließlich zum Englischstudium und wurde Mitglied der Universitätsrudermannschaft. Kaum von dem kleinen Theater der Universität angeworben, nahm er in seinem Abschlussjahr bereits an fünf Aufführungen teil.
Nach seinem Studium legte Peck 1939 den Namen „Eldred“ ab und ging nachNew York, um amNeighborhood Playhouse Schauspiel zu lernen. Oft hatte er kein Geld und übernachtete sogar imCentral Park. 1939 jobbte er auf derWeltausstellung sowie als Führer für dieNBC. Peck gab 1942 seinBroadwaydebüt inEmlyn Williams’Morning Star und dies gleich als Hauptdarsteller. Bereits 1943 spielte er, unter der Regie vonMax Reinhardt, inIrwin Shaws StückSons and Soldiers seine letzte Theaterrolle. Er war von Talentsuchern ausHollywood entdeckt worden und hatte lukrative Filmangebote erhalten.
Da viele bekannte Filmschauspieler, darunterClark Gable,David Niven undJames Stewart, imZweiten Weltkrieg in der Armee dienten, suchte Hollywood während dieser Zeit dringend nach neuen Darstellern. So erhielten Schauspieler wieRobert Mitchum,William Holden oder auch Gregory Peck die Chance, eine erfolgreiche Filmkarriere zu begründen. Peck war wegen einer Rückenverletzung, die er sich auf dem College zugezogen hatte, vom Militärdienst freigestellt worden und stand daher sofort für wichtige Rollen zur Verfügung. Schlank, dunkelhaarig und mit einer Körpergröße von 1,90 Meter galt er als einer der attraktivsten jungen Filmschauspieler. Für viele Zuschauer verkörperte er auch später noch das Idealbild männlicher Schönheit.
Mit nur wenigen Filmen etablierte sich Peck Mitte der 1940er Jahre als neuer Star. Der Schauspieler konnte sich schnell als vielseitigerCharakterdarsteller profilieren und wurde kontinuierlich von Hollywoods führenden Regisseuren eingesetzt. Zwischen 1946 und 1963 war Gregory Peck fünfmal für denOscar als bester Hauptdarsteller nominiert.
Sein erster Film warDays of Glory, der 1944 in die Kinos kam.Alfred Hitchcock setzte ihn daraufhin in den ThrillernIch kämpfe um dich (1945) undDer Fall Paradin (1947) ein, in denen er einen traumatisierten Psychiater und einen britischen Anwalt darstellte. Auch später war Peck in erfolgreichen Filmen dieses Genres zu sehen, etwa inEin Köder für die Bestie (1962), in dem er als unbescholtener Familienvater von einem psychopathischen Kriminellen (Robert Mitchum) herausgefordert wird, und inEdward DmytryksDie 27. Etage (1965), in dem er einen Mann mit Gedächtnisverlust verkörperte.
Bereits 1946 hatte Peck seine erste Westernrolle angenommen, als er unter der Regie vonKing Vidor in dem aufwendigen FarbfilmDuell in der Sonne den Part des schurkischen Lewt McCanles spielte. Später stellte er nur noch selten negativ besetzte Charaktere dar. In der Rolle des Helden zählte er wiederum zu den beliebtesten Westerndarstellern und war in Filmen wieDer Scharfschütze (1950),Weites Land (1958),Das war der Wilde Westen (1962),Mackenna’s Gold (1969) oderBegrabt die Wölfe in der Schlucht (1973) zu sehen. Auch für die Hauptrolle in dem WesternklassikerZwölf Uhr mittags war er im Gespräch, die dann vonGary Cooper gespielt wurde.
Peck war ferner ein gefragter Hauptdarsteller in Abenteuerfilmen wieDie Wildnis ruft (1946),Des Königs Admiral (1951) oderSturmfahrt nach Alaska (1952). Zu seiner wohl bekanntesten Rolle in diesem Genre geriet die des fanatischen Waljägers Kapitän Ahab inJohn HustonsMoby Dick (1956). Auch in Komödien wieSein größter Bluff (1953) oderWarum hab’ ich ja gesagt? (1957) war Peck zu sehen. Besonders populär wurde der LiebesfilmEin Herz und eine Krone (1953), in dem sich Peck in der Rolle eines abgebrühten Journalisten in eine junge Prinzessin, gespielt vonAudrey Hepburn, verliebt. Der Film, entstanden unter der Regie vonWilliam Wyler, entwickelte sich zu einem Klassiker der Filmgeschichte und machte die bis dahin unbekannte Audrey Hepburn zum Star.
Über die Jahre trat Peck regelmäßig auch in Kriegsfilmen in Erscheinung, etwa inDer Kommandeur (1949) oderFlammen über Fernost (1954). In diesem Genre war der 1960 gedrehte FilmDie Kanonen von Navarone (Regie:J. Lee Thompson) für ihn an der Seite vonAnthony Quinn undDavid Niven ein großer Erfolg. Das aufwändige Kriegsabenteuer schildert den Ablauf eines alliierten Kommandounternehmens im Zweiten Weltkrieg und wurde zu einem der größten Kinohits der frühen 1960er Jahre.
Peck trat zudem immer wieder in Filmen auf, die sich mit sozialen oder politischen Problemen auseinandersetzten. 1947 war er inTabu der Gerechten zu sehen, einem vonElia Kazan inszenierten Filmdrama, in dem der latenteAntisemitismus der amerikanischen Gesellschaft thematisiert wurde. InDas letzte Ufer war er 1959 mitAva Gardner undFred Astaire unter der Regie vonStanley Kramer als Kapitän eines U-Bootes zu sehen, das nach einem globalen Atomkrieg das noch unverseuchte Australien ansteuert.
Peck in den 1960er Jahren
Im Jahr 1962 erreichte Gregory Peck mit dem FilmdramaWer die Nachtigall stört (Regie:Robert Mulligan) einen Karrierehöhepunkt. Er spielte den Anwalt Atticus Finch, der imrassistischenAlabama der 1930er Jahre einen jungen schwarzen Farmarbeiter verteidigt, der unschuldig der Vergewaltigung angeklagt wird. Nach dem gleichnamigen Bestseller vonHarper Lee entstanden, wurde der Film zu einem durchschlagenden Erfolg bei Filmkritikern und Publikum und gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Filmklassiker der 1960er Jahre. Gregory Peck erhielt für seine Darstellung des engagierten Anwalts den Oscar als bester Hauptdarsteller. Dies war die fünfte und letzte Oscar-Nominierung für den Schauspieler.
Als Privatmann war Peck für seine liberalen Ansichten bekannt; in den 1960er Jahren engagierte er sich zunehmend auch politisch. Er setzte sich an der SeiteMartin Luther Kings für die Rechte der Schwarzen in den Vereinigten Staaten ein und kritisierte öffentlich denVietnamkrieg. 1970 lehnte er jedoch ein Angebot derDemokraten ab, sich als Gegenkandidat zuRonald Reagan für die Wahl zum Gouverneur von Kalifornien aufstellen zu lassen. 1980 engagierte er sich unentgeltlich mit öffentlichen Auftritten für die wirtschaftlich schwer angeschlageneChrysler Corporation, um den Verlust tausender Arbeitsplätze zu verhindern.
Weitere Filmerfolge konnte Gregory Peck mit der ThrillerkomödieArabeske (1966) an der Seite vonSophia Loren und demScience-Fiction-DramaVerschollen im Weltraum (1969) verbuchen, in dem er als Chef der WeltraumbehördeNASA zum Einsatz kam. 1976 sorgte er für Aufsehen, als er unter der Regie vonRichard Donner in dem HorrorfilmDas Omen zu sehen war, der zu einem großen Kinoerfolg wurde. Bis dahin war kein hochrangiger Hollywoodstar in einem Film dieses Genres aufgetreten.
Im Jahr 1977 spielte Peck die Titelrolle in der FilmbiografieMacArthur – Held des Pazifik, 1978 trat er inThe Boys from Brazil in der ungewohnten Rolle des NS-Verbrechers Dr. Josef Mengele in Erscheinung. In dem 1980 veröffentlichten KriegsfilmDie Seewölfe kommen hatte Peck nebenRoger Moore und David Niven eine seiner letzten Hauptrollen.
In den frühen 1980er Jahren zog sich Peck weitgehend aus dem aktiven Filmgeschäft zurück und war bis zu seinem Tod nur noch in vier Kinofilmen und vier Fernsehproduktionen zu sehen. InDas Geld anderer Leute agierte er 1991 als integrer Unternehmer „vom alten Schlag“, der sich gegen einen skrupellosen Firmenaufkäufer (Danny DeVito) zur Wehr setzt. InKap der Angst,Martin ScorsesesRemake vonEin Köder für die Bestie (1962), war er 1991 in einer Gastrolle als Strafverteidiger zu sehen, der den psychopathischen Max Cady (Robert De Niro) verteidigt.
Seinen letzten Auftritt absolvierte der 82-jährige Gregory Peck 1998 in dem aufwendigen FernsehzweiteilerMoby Dick, in demPatrick Stewart in Pecks einstige Paraderolle des Kapitän Ahab schlüpfte. Peck selbst verkörperte in einemCameo zu Anfang des Films den Prediger Mapple, den 1956Orson Welles gespielt hatte. 1989 bekam Peck vomAmerican Film Institute für sein Lebenswerk den Lifetime Achievement Award verliehen.
Gregory Peck verbrachte seine letzten Jahre zurückgezogen und starb am 12. Juni 2003 im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Los Angeles an den Folgen einer Lungenentzündung. Seine letzte Ruhestätte fand Peck in derCathedral of Our Lady of the Angels in Los Angeles.[1][2]
Gregory Peck war ab 1942 in erster Ehe mit Greta Kukkonen (1911–2008) verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder. Diese Ehe wurde 1955 geschieden. Ab 1955 war er in zweiter Ehe mitVeronique Passani (1932–2012) verheiratet. Er hatte die französische Journalistin bei einem Interview kennengelernt und sie einen Tag nach der Scheidung von seiner ersten Frau geheiratet. Aus dieser Ehe, die bis zu Pecks Tod bestehen blieb, gingen zwei Kinder hervor. Jonathan Peck, sein Sohn aus erster Ehe, starb 1975 durchSuizid. Peck bezeichnete dies als die größte Tragödie seines Lebens.Cecilia Peck, seine Tochter aus zweiter Ehe, und sein EnkelEthan Peck sind ebenfalls Schauspieler.
Michael Esser (Hrsg.):Gregory Peck. Hommage. Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin 1993,DNB931900417.
Gary Fishgall:Gregory Peck. A Biography. New York 2002.
Michael Freedland:Gregory Peck. A Biography. New York 1980.
John Griggs:The Films of Gregory Peck. Citadel Press, Secaucus 1984.
Lynn Haney:Gregory Peck. A Charmed Life. New York 2004.
Adolf Heinzlmeier:Gregory Peck. Der aufrechte Amerikaner. In: Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz, Karsten Witte:Die Unsterblichen des Kinos. Band 2: Glanz und Mythos der Stars der 40er und 50er Jahre. S. Fischer, Frankfurt am Main 1980,ISBN 3-596-23658-4, S. 195–201.
Fred Linde:Gregory Peck – Betrachtungen über einen kalifornischen Aristokraten – ein Nachruf. In:Menschen und Medien – Zeitschrift für Kultur- und Kommunikationspsychologie. Berlin 2003.