Baumgartner absolvierte eine Lehre als Maschinenschlosser und arbeitete danach alsKfz-Mechaniker. Mit 18 Jahren verpflichtete er sich für fünf Jahre zumösterreichischen Bundesheer. Er wurde zum Panzerfahrer ausgebildet und diente später als Instrukteur und Fallschirmspringer in derHeeressport- und Nahkampfschule inWiener Neustadt. Da er laut eigener Aussage Probleme damit hatte, sich unterzuordnen und „dumme Befehle“ zu befolgen, wurde er als militärisch ungeeignet eingestuft und aus demBundesheer entlassen.[1] Ebenfalls in Wiener Neustadt trat er einem Boxverein bei und absolvierte am 8. Mai 1992 einen Profikampf gegen den Kroaten Dinko Porobija, den er durchK. o. in Runde 1 besiegte.[2]
1996 folgte, nach einer Ausbildung durch Tracy Lee Walker in Bayern, beimBridge Day sein erster Objektsprung von derNew River Gorge Bridge. Seitdem machte Baumgartner über 2600 Fallschirmsprünge, davon 130 Objektsprünge. Ab 1997 war Baumgartner professionellerBasejumper und wurde seitdem vonRed Bull gesponsert. Der Auftakt war der Titel für Best-Overall-Performance beim Bridge Day 1997. Baumgartner erreichte diesen Titel inWest Virginia gegen 350 Teilnehmer.
Seine Registrierung bei derUnited States BASE Association im Jahr 1998 ergab für ihn die Nummer 502, was er zu einer registrierten Marke von Baumgartner machte: das Logo mit der Flamme und der Zahl 5.0.2. Jeder Springer, der alle vier Objekttypen (BASE = Building [Gebäude], Antenna [Antenne], Span [Brücke] und Earth [natürliche Erhebungen]) nachweislich gesprungen ist, kann bei der amerikanischen Vereinigung eine solche Nummer beantragen. Mittlerweile gibt es über tausend vergebene Nummern.
Nach seinemStratosphärensprung am 14. Oktober 2012 (sieheunten) kündigte Baumgartner an, sich mit sofortiger Wirkung aus dem Extremsport zurückzuziehen. Er äußerte die Absicht, zukünftig als Rettungshubschrauberpilot halbjährlich in den Alpen und in Kalifornien tätig zu sein.[4]
Nachdem die österreichische Finanzverwaltung Baumgartner 2013 nicht als bei Sportveranstaltungen auftretenden Sportler einstufte, bei ihm somit der damit verbundene Steuerrabatt nicht anzuwenden ist,[5] zog Baumgartner in die Schweiz.[6] Sein Haus und sein Helikopter wurden von den Behörden auf Grund seiner Steuerschulden beschlagnahmt.[7][6] Seitdem wohnt Baumgartner inArbon (Kanton Thurgau) in der Schweiz.[8]
Am 15. April 1999 sprang er vom 88. Stockwerk derPetronas Towers inKuala Lumpur. Dafür hatte er das Gebäude tagelang beobachtet, das Sicherheitspersonal ausgekundschaftet und sich als Geschäftsmann verkleidet Zutritt zum Gebäude verschafft. Den Fallschirm, mit dem er von einem Fensterputzkran absprang, hatte er in einem Aktenkoffer eingeschmuggelt.
Am 7. Dezember 1999 sprang er morgens um sieben Uhr vom rechten Arm derChristusstatue auf demCorcovado inRio de Janeiro mit dem Fallschirm ab. Zuvor hatte er sich auf dem Gelände einschließen lassen, dann kletterte er an einem mit einer Armbrust übergeschossenen Seil zur Absprungstelle.
Am 2. März 2003 erklomm er gemeinsam mitGünter Karnutsch die Ostwand des 2950 Meter hohenSass Pordoi inItalien und sprang vom Gipfel aus per Fallschirm ab. Dabei handelte es sich um das erste gemeinsame Projekt dieser beiden Extremsportler.
Am 1. Juni 2003 führte Baumgartner den Hauptstunt für dieTaurus Awards 2003 inHollywood durch. Mit einemCarbonflügel ausgestattet, veranstaltete er ein Wettfliegen gegen eine 368 Kilowatt starkePilatus-Porter-Propellermaschine. Der Flug selbst fand über denLake Powell inUtah statt. Baumgartner gewann das Rennen mit einer erreichten Höchstgeschwindigkeit von 240 Kilometer pro Stunde.
Die für die Ärmelkanalüberquerung benutzten Flügel aus Carbonfasern, ausgestellt imHangar-7
Am 31. Juli 2003 überquerte Baumgartner als erster Mensch im Gleitflug denÄrmelkanal vonDover bisCalais. Er sprang in 9800 Metern Höhe (Temperatur minus 52 Grad Celsius) aus einerSkyvan ab und trug eine Sauerstoffmaske, einen isolierenden Spezialanzug und einen Flügel aus Carbonfasern mit 1,8 Metern Spannweite. Die 34 Kilometer lange Strecke legte er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 360 Kilometern pro Stunde in sechs Minuten und 22 Sekunden zurück. Das bei diesem Sprung verwendete, damals noch experimentelle Fluggerät hießSkyRay (englischsky = Himmel,ray =Rochen) und wird heute als militärisches Waffensystem unter der englischen BezeichnungGryphon (Greif) weiterentwickelt. In einer Höhe von 1200 Metern öffnete Baumgartner den Fallschirm und landete amCap Blanc-Nez nahe Calais, obwohl die französischen Behörden die Landung dort untersagt hatten.
Am 27. Juni 2004 sprang Felix Baumgartner vomViaduc de Millau. Ein Objektsprung am 10. September 2004 von der BrückePuente de las Américas, die Nord- und Südamerika verbindet, führte zu einer kurzen Inhaftierung in Panama. Ebenfalls 2004 sprang er in den 190 Meter tiefen flaschenförmigen Höhlenschacht derMamethöhle imVelebitgebirge (Kroatien).[10]
Am 18. August 2006 sprang er vomTurning Torso inMalmö, Schweden, dem mit einer Höhe von 190 Metern höchsten Gebäude Skandinaviens. Dem Sprung ging ein Absprung aus einem Helikopter mit Ziellandung auf dem Dach des Gebäudes voraus. Laut seiner Website flüchtete Baumgartner nach dem Sprung per Motorrad und Schnellboot nach Dänemark.
Am 11. Dezember 2007 sprang er um 16:18 Uhr von der 390,2 Meter hohen äußeren Beobachtungsplattform der 91. Etage des 508 Meter hohen WolkenkratzersTaipei 101 in Taipeh, der Hauptstadt vonTaiwan. Der Fallschirm wurde am Vortag von einer taiwanischen Bekannten an der Security vorbeigeschmuggelt und von Baumgartner in der Deckenverkleidung der Toilette der Besucherplattform versteckt. Baumgartner landete auf einem Parkhaus, verschwand im Straßenverkehr und verließ zwei Stunden nach dem Sprung per Flugzeug das Land RichtungHongkong.
Baumgartner stieg am 14. Oktober 2012 von der Walker Air Force Base beiRoswell,New Mexico (USA), mit einemHeliumballon in einerDruckkapsel in dieStratosphäre auf, um mitSchutzanzug und Fallschirm abzuspringen. Nach dem Sprung reichte er drei Eckdaten bei derFAI zur Anerkennung als Weltrekord ein:
Der mit 38.969,4 Meter bis dahinhöchste Absprung mit einem Fallschirm. Dieser Rekord wurde zuvor mit 31.333 Meter vonJoseph Kittinger gehalten. Kittinger stellte diesen Rekord am 16. August 1960 im Rahmen desProjekts Excelsior auf. Baumgartners Rekord hatte bis zum 24. Oktober 2014 Bestand, alsAlan Eustace aus etwa 41.419 Meter Höhe sprang.[12][13]
Der mit 36.402,6 Meter tiefste freie Fall. Dieser Rekord wurde zuvor mit 24.500 Meter vonJewgeni Andrejew gehalten, der ihn 1962 beiWolsk aufstellte.
Die mit 1357,6 Kilometer pro Stunde größte im freien Fall erreichte Geschwindigkeit ohne Stabilisierungsschirm.[14] Den bisherigen Rekordwert von 864 Kilometer pro Stunde hatte Baumgartner im Juli 2012 aufgestellt.[15]
2012 sprach sich Baumgartner gegen dieparlamentarischeDemokratie aus. Man könne in einer Demokratie nichts bewegen. Man brauche eine „gemäßigteDiktatur“ durch ein „paar Leute aus derPrivatwirtschaft“, die sich „wirklich auskennen“ würden.[16]
Auf die Frage, ob ein Wechsel in die Politik ein Thema für ihn sei, sagte Baumgartner in einem Interview mit der ZeitschriftAlles Roger? im April 2017: „Unter den derzeitigen Bedingungen halte ich es für reine Zeitverschwendung. Sollte Österreich irgendwann diedirekte Demokratie einführen, wäre es eine Überlegung wert.“ Das Ziel müsse die direkte Demokratie nach demVorbild der Schweiz sein.[17]
Mit einem Textbild alsFacebook-Posting zurFlüchtlingspolitik löste Baumgartner am 25. Jänner 2016 einenShitstorm in sozialen Medien aus. So ist in dem Beitrag zu lesen: „Ein Land, in dem Angeln ohne Angelschein rechtlich bestraft wird und Menschen ohne Pass die Grenze überqueren, können nur IDIOTEN regieren!“[18] Der ungarische MinisterpräsidentViktor Orbán hingegen verdiene für seinen politischen Umgang mit der Migrationsbewegung und für den Grenzschutz einenFriedensnobelpreis. „Denn er hat das einzig Richtige getan. Sein LAND und sein VOLK, das ihn gewählt hat, zu SCHÜTZEN!“[18] Des Weiteren kritisierte erAngela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik. 2016 äußerte sich Baumgartner in einem Facebook-Posting positiv über das Auftreten des Aktivisten derIdentitären Bewegung ÖsterreichMartin Sellner in einer TV-Diskussionssendung.[19] Im Mai 2016 machte Baumgartner seine Unterstützung für denFPÖ-PräsidentschaftskandidatenNorbert Hofer öffentlich und teilte auf Facebook verbale Angriffe gegen dessen politischen KontrahentenAlexander Van der Bellen.[16]
In Bezug auf Frauenrechte stellte Baumgartner die Frage: „Wie weit sind wir bereit, unsere Identität und unsere Kultur aufzugeben und sie zu vermischen mit einer völlig anderen Religion und Ideologie? Was wird aus unseren FRAUENRECHTEN, wenn wir dieses Land mit einer Kultur teilen müssen, bei der Frauen KEINE Rechte haben?“[18]
Im April 2017 kritisierte die österreichischePuls-4-ModeratorinCorinna Milborn ein Werbefoto des TextilkonzernsPalmers als „sexistisch“. Baumgartner antwortete: „Schön, wenn sich zu Hause wieder einige sogar zu Ostern aufregen! Allen voran Puls-4-Infochefin und -Moderatorin Corinna Milborn, bei der Figur auch kein Wunder!“[20] Eine Einladung Milborns, sich in ihrer Sendung der Diskussion über sein Frauenbild und dessen Auswirkungen zu stellen, lehnte Baumgartner ab, warf ihr „Selbstbefriedigung in den sozialen Netzwerken“ vor und sprach von einem „Schwingen der Sexismuskeule“.[21]
Als 2019 der SatirikerJan Böhmermann im Interview mit dem ORF-MagazinKulturmontag der österreichischen Bevölkerung einen „Ruf nach autoritärer Führung“ unterstellt hatte,[22] reagierte Baumgartner auf Facebook mit einer wüsten Beschimpfung Böhmermanns.[23] Die spätere Löschung des Facebook-Statements konnte die Verbreitung nicht unterbinden.
Im Jänner 2024 bezeichnete Baumgartner den Chefredakteur der WochenzeitungFalterFlorian Klenk als „feste[n] Trottel“ und „Pharmahure“, weil sich dieser trotz seinerCOVID-19-Erkrankungen positiv zu seinen fünfImpfungen geäußert hatte.[24] Aufgrund dieser Äußerung wurde er vomLandesgericht für Strafsachen Wien wegenübler Nachrede, noch nicht rechtskräftig, zu einer Entschädigungszahlung von 5000 Euro verurteilt.[25]
2013:Flying magazine: Aufnahme in der Liste51 Heroes of Aviation (‚51 Helden der Luftfahrt‘) als jüngste lebende Person[29]
2017:Men’s Journals: Aufnahme in der ListeThe 25 Most Adventurous Men of the Past 25 Years (‚Die 25 abenteuerlichsten Männer der letzten 25 Jahre‘)[30]
↑John Markoff:Parachutist’s Record Fall: Over 25 Miles in 15 Minutes. In:The New York Times. 24. Oktober 2014,ISSN0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. April 2023]).