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Emmy Hennings

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Porträt von Emmy Hennings auf einer Ansichtskarte (ca. 1906–1910)
Emmy Hennings, ca. 1906–1910
Zeichnung von Hugo Ball, „Steffgen“, 1918

Emmy Hennings, auchEmma Maria Ball-Hennings, (*17. Januar1885 inFlensburg; †10. August1948 inSorengo beiLugano) war eine deutscheSchriftstellerin,Schauspielerin,Sängerin undKabarettistin. Sie gehört zu den Begründerinnen desDadaismus.

Leben und Wirken

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Emmy Hennings war die Tochter desTaklers Ernst Friedrich Matthias Cordsen und wuchs inFlensburg auf. Dort besuchte sie auch dieVolksschule und arbeitete anschließend alsDienstmädchen. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie 1903 einen Laienschauspieler, mit dem sie sich einerWanderbühne anschloss. Die gemeinsame Tochter Annemarie wuchs in den ersten Jahren bei den Großeltern in Flensburg auf.

1904 ließ sich Hennings scheiden und tingelte alsVortragskünstlerin alleine durch Deutschland. 1905 trat sie inElmshorn in die Theatergesellschaft Schmidt-Agte ein und spielte dort und inKappeln. Zu dieser Zeit war sie wahrscheinlich mit dem ebenfalls zu dieser Truppe gehörenden Schauspieler Wilhelm Vio liiert. Von 1906 bis 1908 gehörte sie zur Schauspieltruppe von Oskar Ludwig Georg Brönner, der dieProvinz Schleswig-Holstein bespielte.

Obwohl ungelernt, konnte sich Emmy Hennings offenbar einigen Erfolg in der Truppe erarbeiten, denn Brönner veranstaltete am Ende der Spielzeit in den meist bespielten Orten (Tondern,Marne,Plön) je eineBenefizvorstellung für sie.[1] 1909 trat Hennings in Berlin imNeopathetischen Cabaret desNeuen Clubs auf. In dieser Zeit lernte sie den Journalisten und SchriftstellerFerdinand Hardekopf kennen, mit dem sie 1910 eine Reise durch Frankreich unternahm. Auch nach dem Ende der mehrjährigen Liebesbeziehung blieb Emmy Hennings freundschaftlich mit Hardekopf und dessen späterer Lebensgefährtin Sita Staub verbunden.[2][3]

Grab, FriedhofSant’Abbondio inGentilino.

Es folgten Jahre wechselnder Aufenthalte in Berlin und München. In Berlin trat sie zeitweilig gemeinsam mitClaire Waldoff auf, in München arbeitete sie alsDiseuse unter anderem in der KünstlerkneipeSimpl, wo sie ihren späteren EhemannHugo Ball,[4] den Maler und IllustratorHanns Bolz und zahlreiche weitere Künstler kennenlernte.

Emmy-Ball-Hennings-Straße in Flensburg

1914 war Emmy Hennings wegenDiebstahls und Verdachts auf Beihilfe zurFahnenflucht für mehrere Monate in einem Münchner Gefängnis inhaftiert. 1915, kurz nach ihrer Entlassung, reiste sie zunächst nach Berlin, bevor sie zusammen mit Hugo Ball nach Zürichemigrierte, wo die beiden am Varieté-EnsembleMaxim engagiert wurden. Gemeinsam mitKäthe Brodnitz, einer Bekannten aus Münchner Tagen, veranstalteten sie am 17. Dezember 1915 einen „Modernen Autoren-Abend“ imZunfthaus zur Zimmerleuten.[5] 1916 gründete sie mit Hugo Ball,Tristan Tzara,Marcel Janco undHans Arp dasCabaret Voltaire, die Geburtsstätte desDadaismus. Dort trat sie monatelang fast allabendlich als Sängerin, Darstellerin und Diseuse auf, häufig am Klavier begleitet von Hugo Ball. Um der bildenden Kunst mehr Raum zu verschaffen, gründete die mittlerweile gewachsene Gruppe der Dadaisten 1917 dieGalerie Dada, woran Hennings aktiv beteiligt war.

1920 heirateten Emmy Hennings und Hugo Ball. In ihrerTessiner Zeit wandten sich beide vom Dadaismus ab und befassten sich intensiv mit demKatholizismus. In jener Zeit begann auch eine enge, bis zu ihrem Tod währende Freundschaft mitHermann Hesse und mit der Textilkünstlerin und MalerinMaria Geroe-Tobler, für die sie auch Artikel schrieb.

Nach Hugo Balls Tod im Jahr 1927 kümmerte sich Emmy Ball-Hennings um seinenNachlass und verfassteautobiografische Werke, Erzählungen, Märchen und Legenden.[6] Sie wurde an der Seite ihres Mannes inGentilino beigesetzt.

Die gemeinsame Bibliothek von Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings befindet sich heute imSchweizerischen Literaturarchiv in Bern.[7]

In Flensburg ist dieEmmy-Ball-Hennings-Straße nach ihr benannt.[8]

DieMonacensia in München widmete ihr,Franziska zu Reventlow undMargarete Beutler 2022 die AusstellungFrei leben! Die Frauen der Boheme 1890–1920.[9]

Die Tochter von Emmy Hennings war die TextilkünstlerinAnnemarie Schütt-Hennings (1906–1987)[10];Julian Schütt ist ihr Urenkel.[11]

Nachlass

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vergilbter Brief auf liniertem Papier mit brauner Handschrift und Zeichnungen
Brief aus dem Nachlass von Hennings, an Hugo Ball, mit Zeichnungen (1917)

Auch der Nachlass von Emmy Hennings, der aufgrund der engen biografischen Verflechtung die Sammlung Hugo Ball beinhaltet, wurde 2012 vom Schweizerischen Literaturarchiv erworben.

Zitate

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„Eine Magenverstimmung läßt sich viel leichter kurieren als eine geistige Überladung.“

(Ball-Hennings, 1938)

Schriften

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  • Die letzte Freude. (Gedichtband) Kurt Wolff, Leipzig 1913 (=Der jüngste Tag, Band 5);Textarchiv – Internet Archive.
  • Gefängnis. (Roman) Reiß, Berlin 1919 (Neuauflage 2019,ISBN 978-3-7437-3099-1).
  • Das Brandmal. Ein Tagebuch. Reiß, Berlin 1920.
  • Helle Nacht. (Gedichtband) Reiß, Berlin 1922.
  • Das ewige Lied. Reiß, Berlin 1923.
  • Der Gang zur Liebe. Ein Buch von Städten, Kirchen und Heiligen. Kösel & Pustet, München 1926.
  • Hugo Ball. Sein Leben in Briefen und Gedichten. (mit einem Vorwort von Hermann Hesse) Fischer, Berlin 1930.
  • Hugo Balls Weg zu Gott. Ein Buch der Erinnerung. Kösel & Pustet, München 1931.
  • Die Geburt Jesu. Für Kinder erzählt. Glock, Nürnberg 1932.
  • Blume und Flamme. Geschichte einer Jugend. Benziger, Einsiedeln / Köln 1938 (Neuauflage 2022,ISBN 978-3-7437-4346-5).
  • Der Kranz. (Gedichtband) Benziger, Einsiedeln / Köln 1939.
  • Das flüchtige Spiel. Wege und Umwege einer Frau. Benziger, Einsiedeln / Köln 1940.
  • Märchen am Kamin. Benziger, Einsiedeln / Köln 1943 (Neuauflage 2023,ISBN 978-3-7437-4784-5).
  • Das irdische Paradies und andere Legenden. Stocker, Luzern 1945.
  • Ruf und Echo. Mein Leben mit Hugo Ball. Benziger, Einsiedeln / Zürich / Köln 1953.
  • Briefe an Hermann Hesse. Hrsg.: Annemarie Schütt-Hennings. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1956.
  • Geliebtes Tessin. (mit Zeichnungen von Lis Boehner). Die Arche, Zürich 1976,ISBN 3-7160-1554-7.
  • Weihnachtsfreude. (Erzählungen) Die Arche, Zürich 1976,ISBN 3-7160-1567-9.
  • hochaufgetürmte Tage. Gedichte. Herausgegeben von Hagen Schied. hochroth Verlag, Leipzig 2013,ISBN 978-3-902871-24-4.
  • Gefängnis. Das graue Haus. Das Haus im Schatten. Wallstein Verlag, Göttingen 2016,ISBN 978-3-8353-1834-2.
  • Das Brandmal. Das ewige Lied. Wallstein Verlag, Göttingen 2017,ISBN 978-3-8353-3040-5.
  • Namen wollen Eisenketten. (Gedichte und Texte) Calambac Verlag, Saarbrücken 2019,ISBN 978-3-943117-04-2.
  • Emmy Hennings. (=Versensporn, Heft für lyrische Reize, Nr. 45) (hrsg. von Tom Riebe) Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2021 (Limitierte Auflage mit 100 Exemplaren).

Briefe

  • Emmy Hennings: Ausgewählte Briefe I 1906-1927, herausgegeben von Franziska Kolp und Thomas Richter unter Mitarbeit von Eva Locher und Simone Sumpf. Mit einem Nachwort von Franziska Kolp, Wallstein, Göttingen 2024,ISBN 978-3-8353-5326-8.

Rezeption

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Aufführungen (Auswahl)

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Hörspiele

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  • Das Märchen ist zu Ende. Annäherungen an Emmy Hennings. Hörspiel (auf 3 CDs), Andreas Karmers, Hamburg 2012.[12]

Graphic Novel

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  • Fernando González Viñas (Text), José Lázaro (Zeichnungen):Alles ist Dada. Emmy Ball-Hennings. (Übersetzung aus dem Spanischen von André Höchemer) Avant Verlag, Berlin 2020,ISBN 978-3-96445-034-0.

Kunst

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Gesellschaft

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  • 2024 wurde dieEmmy Hennings-Gesellschaft für Kulturaustausch e. V. mit Sitz in Flensburg gegründet.Website. Abgerufen am 9. Juni 2025. 

Literatur

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Weblinks

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Commons: Emmy Hennings – Sammlung von Bildern
Wikisource: Emmy Hennings – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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  1. Dieter Pust:„… Marne steht mit seinem kleinen Stadttheater als eines der ersten in der Rubrik Theater unserer Provinz.“ Emmy Ball-Hennings als Schauspielerin in Marne 1906 bis 1908. In:Dithmarschen, Landeskunde – Kultur – Natur, Juni 2002, Heft 2, S. 53–62.
  2. Siehe unter anderem Briefe (zum Teil unveröffentlicht) im Nachlass Emmy Hennings/Hugo Ball imSchweizerischen Literaturarchiv (Bern) und in Teilnachlässen Hardekopfs, vor allem imDeutschen Literaturarchiv (Marbach am Neckar). Hardekopf widmete Emmy Hennings seine 1915 in der Aktion erschieneneOde vom seligen Morgen (Volltext:[1]) und sie widmet ihm die GedichteÄtherstrophen undEinsam irr ich durch die Nächte aus der SammlungDie letzte Freude (Volltext:[2]), erschienen 1913.
  3. Ob Becher, Hesse, Hoddis, Heym oder Mühsam, alle liebten Emmy Hennings, eine der schillerndsten Frauenfiguren der Moderne. Pathos einer multiplen Generation. In:Berliner Zeitung, 19. Juni 1999.
  4. Christa Bürger:Emmy Hennings' Weg zu Hugo Ball. In:Sinn und Form 3/2018, S. 322–332.
  5. Jürgen Schneider:„Ich bin die große Frage“: Über „Emmy Hennings DADA“. In: untergrundblättle, 10. September 2016;untergrund-blättle.ch
  6. Zitiert nach dem Weblink vonFembio.
  7. Dagmar Jank:Bibliotheken von Frauen. Ein Lexikon. Harrassowitz, Wiesbaden 2019,ISBN 978-3-447-11200-0, S. 18 (=Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, Band 64).
  8. Stadtgeschichte: Einmalig: Flensburger Straßennamen. In:Flensburger Tageblatt, 5. April 2018; abgerufen am 5. April 2018.
  9. muenchner-stadtbibliothek.de
  10. Claus Bernet: Himmlisches Jerusalem Annemarie Schütt-Hennings (1905-1980): Paradies-Wandteppich (um 1930) Textilien -. In: Himmlisches Jerusalem. 14. April 2022, abgerufen am 6. September 2025. 
  11. Urenkel der Dadaisten. SendungBuchZeichen desSchweizer Radio und Fernsehen, 7. Februar 2016 (Schweizerdeutsch), 14:06 Uhr (4'54").
  12. Ihre Welt war die Bohème. Hörbuchkritik vonDeutschlandfunk, 31. Mai 2015.
  13. Emmy Hennings im Gefängnis. Abgerufen am 22. Mai 2024. 
Personendaten
NAMEHennings, Emmy
ALTERNATIVNAMENCordsen, Emma Maria (Geburtsname); Ball-Hennings, Emmy (Ehename)
KURZBESCHREIBUNGdeutsche Schriftstellerin, Kabarettistin und Lebenskünstlerin
GEBURTSDATUM17. Januar 1885
GEBURTSORTFlensburg
STERBEDATUM10. August 1948
STERBEORTSorengo
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